Register

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S / Sch/ St | T | U | V | W | X | Y | Z

Einleitung | Anmerkungen | Literatur

Register mit Erläuterungen und Mitteilungen über Veränderungen (z.B. verschwundene oder umbenannte Straßen)

 

A

Adolphstraße
Früherer Name der – damals noch zum preußischen Altona gehörigen – Bernstorffstraße zwischen Großer Roosenstraße (heute: Paul-Roosen-Straße) und Kleiner Gärtnerstraße (heute: Stresemannstraße). Namensgeber dürfte der Schauenburger Graf Adolph IV. von Holstein (1225-1238) sein, nach dem auch der heutige Adolphsplatz vor der Börse benannt ist.

siehe auch: Bernstorffstraße

 

Adolphterrasse, Adolphpassage
"Der Terrassenhof der Adolphpassage, Bernstorfstr. 160-164, wurde 1885 erbaut. Zwischen ihr und der Stresemannstraße entstand 1981/ 82 als Beitrag zur Stadterneuerung der Gewerbehof Schilleroper/ Stresemannstraße (Nietz, Prasch, Sigl)." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./1996: S. 253.)
Der besondere Typus des Hinterhauswohnens in Hamburg, der sich z.B. deutlich von den hintereinander gestaffelten Wohnhöfen in Berlin unterscheidet, beschreibt das Reihenwerk "Hamburg und seine Bauten" bereits 1890 in einer seiner ersten Ausgaben:
"Der Wohnhof, in neuerer Zeit vielfach 'Terrasse' genannt, ... besteht aus einer Anzahl von Hinterhäusern, welche reihenweise neben und hinter einander auf einem Hofplatze erbaut sind, der von der Straße durch einen Eingang neben dem Vorderhause, oder durch einen Thorweg in demselben zugänglich ist. ... Die Gebäude des modernen Wohnhofes, der Terrasse, Passage, Allee u.s.w. – lauter Bezeichnungen, welche gewählt sind, um den Ausdruck 'Hof' nicht zu gebrauchen – sind ... Etagenhäuser, welche sich in nichts von derartigen, an der Straße errichteten Gebäuden unterscheiden." (Zitiert nach: Elke Groenewold, "Rundgang 3: Das Terrassen-Quartier. Die vergessene Hälfte St. Paulis." In: Kiek mol, 1998: S. 393 ff.)
Bereits wenige Jahre vor der Veröffentlichung dieser Beschreibung zeichneten sich allerdings Veränderungen in der Hinterhaus- und Terrassenbauweise ab, die durch baupolizeiliche Verordnungen (siehe: Baupolizei-Gesetz der Stadt Hamburg, der Vorstadt St. Pauli und der Vororte vom 23. Juni 1882: Textausgabe mit Nachträgen. Bearb. und hrsg. von L.[udolf Conrad] Bargum. Hamburg: Meißner, 1892.), erforderlich wurden. Bedeutend waren u.a. die folgenden Auflagen:
• Die Terrassenbauten sollten niedriger als die Vorderhausbebauung sein. (Diese leicht erkennbare Eigenschaft liefert i.A. einen guten Anhaltspunkt für eine Aussage über die Errichtung einer Terrasse vor bzw. nach Inkrafttreten des o.g. Baupolizei-Gesetzes.)
• Kellerwohnungen wurden nur noch gestattet, wenn ihre Decke mindestens einen Meter über den umgebenden Laufhorizont herausragte, wodurch eine ausreichende Belüftung und Belichtung gewährleistet werden sollte. (Kellerräume, die diese Bedingung nicht erfüllten, durften nicht mehr als Wohnungen vermietet werden, ... was einer Wohn-NUTZUNG häufig jedoch keinen Einhalt gebot. Die Mieter dieser Räume waren allerdings kaum gegen eine Kündigung geschützt, da sie gesetzlich nicht als BeWOHNerInnen galten!)
• Demselben Zweck diente das Verbot, Terrassengebäude direkt an das Vorderhaus anzubauen. Stattdessen sollte ein ausreichender Abstand die beiden Gebäude trennen. (Das "ausreichende" Maß wurde allerdings sehr unterschiedlich ausgelegt.)
Tatsächlich zeigt ein Vergleich zwischen Vorderhäusern und – meist nahezu zeitgleicher – Terrassenbebauung häufig recht deutliche Unterschiede bei baulichen und dekorativen Aufwand, denn die Geschosshöhen der Terrassenhäuser sind i.a. erkennbar niedriger und auch der Fassadenschmuck fällt fast immer sehr zurückhaltend aus bzw. fehlt nahezu völlig, wobei er gelegentlich späteren Umbauten und Modernisierungen (z.B. Wärmeschutzverkleidungen) geopfert wurde.
Die wenige Jahre nach Inkrafttreten des Baupolizeigesetzes (1882) im Jahre 1885 nach Plänen von Carl Heinrich Leopold Gerlach errichtete Gesamtanlage der Adolphpassage – bestehend aus den Vorderhäusern (Bernstorffstraße Nr. 160/162 und Nr. 164), den Terrassenbauten mit Vorgärten, der (ehemaligen Privat-)Straße und dem Fußweg (Bernstorfstr. 160 a-i) – ist seit 6. März 1998 in die Liste der geschützten Baudenkmale eingetragen.

siehe auch: -Platz

 

Alter Botanischer Garten
"Plan[s] zur Anlegung eines botanischen Gartens nahe bey Hamburg" 1810 in Hamburg bei Rabe), jedoch im Zuge der Wiederbefestigung der Stadt im Winter 1813/14 durch die französischen Besatzungstruppen zerstört. Auf Betreiben des späteren langjährigen Direktors Johann Georg Christian Lehmann wurde an gleicher Stelle mit einer Neuanlage begonnen (Veröffentlichung der "Bemerkungen über den neu angelegten botanischen Garten vor dem Dammthore" 1822 und "Bericht über den botanischen Garten hieselbst" 1823, jeweils in Hamburg), die zunächst in bewährter Hamburgischer Manier durch Subskriptionen und den Verkauf von Pflanzen finanziert wurde.
Das "Hamburgische Adress-Buch für das Jahr 1825" berichtet aus zeitgenössischer Perspektive wie folgt über die Neuanlage und Erweiterung des (Alten) Botanischen Gartens:
"Botanischer Garten vor dem Dammthore. Eine frühere botanische Gartenanlage, das Werk des verstorbenen Dr. Flügge, wurde von den Franzosen zerstört. Allgemein war der Wunsch, eine ähnliche Anstalt dieser Art wieder begründet zu sehen, und es gelang dem thätigen und umsichtigen Bemühen des durch mehrere botanische Schriften rühmlichst bekannten Herrn Professor Lehmann, ihn zu erfüllen, so dass uns jetzt die erfreuliche Aussicht eröffnet ist, in kurzer Zeit ein Institut zu besitzen, welches den Pharmaceuten, den Gartenbesitzer und den Kaufmann, der die Gewächse, deren Producte Gegenstände seines Geschäftes sind, kennen zu lernen wünscht, so wie überhaupt alle Freunde der Botanik, befriedigen wird. Das Ganze ist trefflich eingerichtet und im verflossenen Jahre ungemein (namentlich durch Vergrößerung des Platzes) vervollkommnet. Die Direction ist dem Herrn Professor Lehmann übertragen, und es wohl keinem Zweifel unterworfen, dass das Publikum stets fortfahren werde, dieser gemeinnützigen Anstalt eine dauernde Theilnahme zu schenken. Der Wunsch, dass durch freywillige Geldbeyträge die Erbauung eines Gewächshauses möglich gemacht werde, ist erfüllt; doch sind fernere Subscriptionen nothwendig, wenn manche noch nicht vorhandene nützliche und angenehme Einrichtungen getroffen werden sollen. Die Direction unterhält zum Behuf der Samen- und Pflanzen-Mittheilung ausgedehnte Verbindungen zum Auslande, und die für den Verkehr nach allen Gegenden der Welt so günstige Lage unserer Stadt machte es möglich, den Garten mit sehr vielen seltenen Gewächsen aller Art zu bereichern, wovon die Dubletten, zu sehr billigen preisen, zum Besten des Gartens durch den botanischen Gärtner, Hrn. Ohlendorff, verkauft werden. Man hat versucht, mit den kleinen täglich nöthigen Dienstleistungen noch den Zweck zu verbinden, tüchtige Gärtner zu bilden, und so den Garten auch zu einer Lehr-Anstalt für junge Leute zu machen, welche die Gärtnerey in ihren höheren Theilen vollständig zu erlernen wünschen. Auch hat Herr Professor Lehmann im vorigen Jahr hier seine Vorlesungen für die hiesigen Pharmaceuten gehalten. – Gegen Einlasskarten, welche bey dem Herrn Director unentgeldlich ausgegeben werden, ist der Besuch des Gartens verstattet. (Montag und Donnerstag, Nachmittags von 2 Uhr bis Abends.) Fremde können zu jeder Zeit die Erlaubnis zum Besuch erhalten. M. s. Bemerkungen über den neu angelegten botanischen Garten vor dem Dammthore. Herausgegeben von J. G. C. Lehmann, Dr., Director dieser Anstalt. Hamburg 1822. gedruckt bey J. G. Langhoff’s Wwe., und: Bericht über den botanischen Garten hieselbst. Hamburg, im Januar 1823."
(Siehe: Hamburgisches Adress-Buch für das Jahr 1825. Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Alphabetisches Verzeichniss einiger Hamburgischer Anstalten, öffentlicher Gebäude und anderer Merkwürdigkeiten, zunächst für Fremde. Seiten 640-641.)
Erst 1832 wurde der Botanische Garten in ein Staatsinstitut umgewandelt (dargestellt von Eduard Otto in der Veröffentlichung "Zur Geschichte des hamburgischen Botanischen Gartens; actenmäßige Darstellung von der Entstehung des Gartens bis zu der Zeit, wo derselbe ein Staatsinstitut ward." Hamburg, 1853.). Er war dem "anständigen Publikum" weiterhin – und bis heute – unentgeltlich zugänglich, wie die Beschreibung eines Stichs von Gray belegt (hier zitiert nach: Lill, 1848: n.p.):
"Durch die reizenden Wallanlagen fortschlendernd begrüßen wir von dort aus schon eine wissenschaftliche Anstalt, den botanischen Garten, den wir vom Dammthor aus beteten, da wir zu dem anständigen Publikum gehören, welchem von 6 Uhr Morgens bis zur Thorsperre, also bis zum Abendwerden, der Eintritt ohne Weiteres gestattet ist. Der Garten cultiviert jetzt etwa 14 000 Pflanzenarten und gewährt daher reiches Material zum wissenschaftlichen Studium, zur Aufmunterung und Beförderung des Gartenbaus in weiten Kreisen des Vaterlandes, und zur theoretischen Ausbildung, so wie zur praktischen Einübung junger Gärtner. Im freien Felde, in Töpfen und Gewächshäusern blühen Bäume, Sträucher und Blumen aus allen Welttheilen, und es vergeht selten ein Jahr, wo der Garten nicht einen bedeutenden Zuwachs aus der Pflanzenwelt erhielte und mittheilte. Im Jahre 1830 wurde der Versammlung der Naturforscher ein glänzendes Frühstück in diesem Garten gegeben. …"
(Lill, Carl Alex. u.a.: Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert nach der Natur gezeichnet. Hamburg, 1844/ 1848. Nachdr., 1959.)
Die Sammlungen des Alten Botanischen Gartens und verschiedene botanische Privatsammlungen wurden 1883 im Botanischen Museum zusammengefasst. Dieses hatte seinen Standort bis zur Zerstörung am Ende des 2. Weltkriegs im Südteil des Botanischen Gartens (Bei den Kirchhöfen 14) und erlangte vor allem im Rahmen der Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreiches unter Wilhelm II besondere Bedeutung (siehe u.a. die Publikation: Richard Sadebeck: "Die wichtigeren Nutzpflanzen und deren Erzeugnisse aus den deutschen Colonien: ein mit Erläuterungen versehenes Verzeichniss der Colonial-Abtheilung des Hamburgischen Botanischen Museums." Hamburg: Gräfe & Sillem, 1897).
Der "Hamburg Führer" des Jahres 1936 enthält in seiner "4. völlig neubearb. Auflage" eine Beschreibung des Museums unter der Überschrift: "Botanisches Museum". Dort heißt es:
"Das Botanische Museum (Warenkundliche Schausammlungen des Staatsinstituts für angewandte Botanik) befindet sich Bei den Kirchhöfen 14, Eingang vom Botanischen Garten aus. Es ist bei freiem Eintritt täglich außer Montags und Dienstags geöffnet von 11 bis 16 Uhr (4 Uhr nachmittags). Die reichen Sammlungen einheimischer und tropischer Nutzpflanzen und pflanzlicher Rohstoffe der ganzen Welt befinden sich in 13 Sälen im Obergeschoß des Institutes. In der großen Haupthalle sind die Gewürze und Genussmittel (Kaffee, Tee, Kakao, Tabak usw.) liefernden Nutzpflanzen und tropischen Obstarten ausgestellt. Hieran schließen sich die Säle mit den ölliefernden und zuckerliefernden Pflanzen, Getreidearten, Hülsenfrüchten, Knollen und Gemüsen, einschließlich Speisepilzen. Es folgen die Abteilungen Schmuckfrüchte, Papierarten und ihre Rohstoffe, Kork, Spinn- und Flechtstoffe. Ein großer Saal enthält die bekannte Spezialsammlung des Institutes: Bau-, Möbel- und sonstige Gebrauchshölzer der ganzen Welt. In weiteren vier Räumen sind die Kautschukpflanzen, Farbstoffpflanzen und die ätherische Öle und Harze liefernden Pflanzen nebst den gewonnenen Erzeugnissen ausgestellt. Je ein Saal enthält die medizinischen und technischen Drogen und eine Darstellung der wichtigsten Pflanzenkrankheiten unserer Nutzpflanzen, die durch eine Abteilung 'Vogelschutzeinrichtungen' ergänzt wird. Im Rahmen von Sonderausstellungen werden regelmäßig zu gegeben Zeiten die essbaren und giftigen Pilze, die wichtigsten, für die Umgebung Hamburgs am besten geeigneten Obstarten, besonders gefährliche Pflanzenkrankheiten (wie Kartoffelkäfer usw.) gezeigt. Das Museum ist 1883 entstanden aus einer dem hamburgischen Staat 1879 vermachten umfangreichen Sammlung von Samen und Früchten und hat sich im Laufe der Jahre zum Institut für angewandte Botanik entwickelt." (a.a.O., S. 130/ 132)
Das Museumsgebäude war als Fachwerkgebäude im Heimatstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts errichtet worden, wie zeitgenössische Fotos zeigen. Es ähnelte damit dem Gebäude der "Warteschule" und einem der beiden – inzwischen für die Messeerweiterung abgebrochenen – Pastorenhäuser neben der Gnadenkirche und sollte offenbar die Anmutung eines ländlichen, norddeutschen Backsteinbauwerks haben.
Im "Kunst-Reiseführer Hamburg" von H. HIPP findet sich folgende Beschreibung des Alten Botanischen Gartens: "Harmloser Stadtschmuck ist die 'Liegende' an der Ecke zum Gorch-Fock-Wall (1977). Dort ist einer der Eingänge in den Alten Botanischen Garten und damit in die Wallanlagen, die sich von hier aus nach Westen und Süden ziehen. Nach Norden schließt sich 'Planten un Blomen' an.
Der erste Botanische Garten war westlich der Esplanade 1821 gegründet worden. In seinem Bereich sind die ursprünglichen Geländeverhältnisse des Walles und ein Stück des Stadtgrabens am besten erhalten geblieben. Mit dem alten Baumbestand gewinnt man eine Ahnung von den Parkvorstellungen Altmanns. Inzwischen hat auch dieser Bereich die vielfältige Verwandlungsgeschichte der Wallanlagen zwischen Planten un Blomen mitgemacht, die die Internationalen Gartenbauausstellungen IGA 1953, 1963 und 1973 gebracht haben, jeweils neue Vorstellungen von Gartenarchitektur in der Wirklichkeit umsetzend. Zu Zeit ist der Botanische Garten einbezogen in die Umgestaltung von Planten un Blomen. Dabei bleiben die großen Pflanzenschauhäuser (Bernhard Hermkes und Gerhard Becker, 1962/63) erhalten (…). – Der Botanische Garten als wissenschaftliche Einrichtung ist 1979 nach Groß Flottbek verlegt worden.
Im Winkel zwischen Jungius- und Marseiller Straße liegt der Gebäudekomplex der der ehemaligen Botanischen Staatsinstitute (Albert Erbe, 1904-07, beide Flügel 1913/14 verlängert). Den ovalen Hörsaalbau mit Kuppeldach zwischen den Flügeln schmücken Medaillons mit den Porträts bedeutender Hamburger Naturforscher (…).
Die gegenüberliegenden Physikalischen Institute der Universität sind hervorgegangen aus dem Staatsinstitut für Physik, das 1896-99 hier gebaut wurde (als nüchterner Backsteinbau). …"
(Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 210 f.)
Seit Ende der 1990er Jahre wurde das frühere Gebäude der Betanischen Staatsinstitute zur 'Bucerius Law School', einer privaten juristischen Hochschule, umgebaut und stetig erweitert, u.a. durch einen ovalen Neubau für das Auditorium Maximum und durch ein Bibliotheks- und Verwaltungsgebäude. Durch diese Neubauten entstand aus dem zweiflügeligen Komplex ein von den historischen und den neuen Gebäuden eingefasster Campus.

siehe auch: Planten un Blomen

 

Altonaer Straße
BECKERSHAUS: (Eimsbüttel), 1847, als nach Altona führende Straße, im Anschluß an den Namen Hamburger Straße, für die auf Altonaer Gebiet verlaufende Fortsetzung.
EStH: Ben.[annt] 1847 als nach Altona führende Straße im Anschluß an den Namen Hamburger Straße für die auf Altonaer Gebiet verlaufende Fortsetzung; vorher Klosterstraße (seit 1844).
HANKE: kein Eintrag.
Der frühe Name Klosterstraße leitet sich wahrscheinlich von der historischen Zugehörigkeit der umgebenden Geestländereien zum ehemaligen Zisterzienserinnen-Kloster in Harvestehude ab (siehe dort die Namen: Heilwigstraße, Klosterstern, Jungfrauenthal). Das Kloster hatte diese Ländereien im 13. Jahrhundert im Tausch gegen seine Besitztümer auf dem Hamburger Berg erhalten, wo es nach der Gründung durch Heilwig (bzw. Hedwig), die Gattin Adolphs IV. von Schauenburg, in der Nähe des Pepermölenbeks seinen ersten Sitz hatte.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte der Straßenabschnitt zwischen Schulterblatt und Weidenstraße (heute: Weidenallee) noch zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie die Listen der "4ten Compagnie" des Hamburger Bürgermilitärs für diesen District belegen.
Auch diese Straße wurde zwischen 1940 und 1945 – anläßlich der Anpassung der Straßennamen nach Zusammenschluss Hamburgs, Altonas, Wandsbeks und Harburg-Wilhelmsburgs durch das Groß-Hamburg-Gesetz – umbenannt und hieß zeitweilig Walfängerstraße.

 

Amandastraße
BECKERSHAUS: (Eimsbüttel) 1865, wahrscheinlich nach einem frei gewählten weiblichen Vornamen.
EStH: Ben.[annt] 1865, wie es scheint, mit frei gewähltem weiblichem Vornamen.
HANKE: kein Eintrag.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Südseite der Straße zwischen Schulterblatt und Weidenstraße (heute: Weidenallee) noch zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie die Listen der "4ten Compagnie" des Hamburger Bürgermilitärs für diesen District belegen.
Erst durch die Gebietsreform anläßlich des Groß-Hamburg-Gesetzes (1937/38) wurde dieser nördlich der Verbindungsbahn gelegene "Ausläufer" St. Paulis dem Stadtteil Eimsbüttel zugeschlagen.

 

Am Brunnenhof, Brunnenhofstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), um 1852, im Jahre 1494 verlieh Otto von Schauenburg den sogenannten "Bornspring", seitdem fand von hier aus die Wasserversorgung des Katharinenkirchspiels statt.
HANKE: Eine Quelle wurde hier 1494 von Graf Otto von Schauenburg verliehen, von der bis etwa 1865 eine Wasserleitung ins Katharinenkirchspiel führte.
Einen weiteren Hinweis auf eine Wasserversorgung für die Hamburger Altstadt findet man bei NEDDERMEYER, der 1832 schreibt:
"1603 wird hier [auf dem Hamburgerberge] eines Gerberborns gedacht, welcher vor [sic!] jener Zeit von Altona nach der neuen Reperbahn und in die Stadt geleitet wurde." (Neddermeyer, F.H.: "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832)
Diese Angabe bestätigt, dass eine Frischwasserversorgung Hamburgs bereits im 16. Jahrhundert aus dem Umland erfolgte. Die Bezeichnung "Gerberborn" deutet zudem darauf hin, dass das Wasser in größerem Umfang von den Gerbereien benötigt wurde, die im Westen des Stadtgebiets in der Nähe des neuen Schlachthofs lagen. Dieses sog. "Küterhaus" war 1611 durch die "Brüderschaft der Schlachter vom Neuen Schrangen", in der sich die durch den innerstädtischen Schlachthofzwang nicht gebundenen ehem. "Twietenschlachter" der Neustadt zusammengeschlossen hatten, am Herrlichkeitenfleet (daher dort ehemals der Straßenname "Küterwall") errichtet worden. Es wurde 1839 durch eine Sturmflut zerstört, woraufhin im gleichen Jahr ein Neubau des Schlachthofes (mit Schlachthaus, Ochsen-, Kälber- und Schweineställen, Talgschmelze, Brenn- und Wiegehaus) Jahr am Vorsetzen beim Johannisbollwerk errichtet wurde.
Die Brunnenhofstraße lag bis zum Groß-Hamburg-Gesetz in Altona.

 

Am Nobisteich
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1899, nach dem 1727 zugeschütteten, an der Altonaer Grenze vormals belegenen Nobisteichs.
EStH: Ben.[annt] 1899 nach dem an der Altonaer Grenze vormals belegenen Teich; vorher Teil der Großen Petersenstraße.
HANKE: (1899) Beiderseits der alten Landstraße nach Altona befanden sich hier einst die Nobisteiche (...), die 1727 zugeschüttet wurden.
Bis 1899: Große Petersenstraße.
Die Nobisteiche, deren Bezeichnung von der nahe der Hamburg-Altonaer Grenze gelegenen Gaststätte Nobiskrug abgeleitet ist, werden gelegentlich als Mühlteiche gedeutet. Ob Zuflüsse und Fassungsvermögen zum Betrieb einer Wassermühle – womöglich der "Pepermöle" (= Pfeffermühle) – ausreichten, erscheint jedoch zweifelhaft.
In dem Werk von NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) heißt es allerdings in dem Kapitel "Hamburg im sechzehnten Jahrhundert.":
"In einem Gränzvergleiche vom 22. Mai 1591 wird eines Mühlen-Fischteiches erwähnt, vielleicht der Süder-Nobisteich, welcher auch Rosenteich genannt wird und schon 1534 vorkommt, wahrscheinlich der später zugeworfene Valkenteich, und noch eines andern, welcher durch einen Damm von jenem geschieden war."
(Neddermeyer bezieht sich dabei auf "Mitgetheilte Notizen des Herrn Archivarius Lappenberg Dr." sowie auf die "Karte zum Gränzrezeß von 1740".)

siehe auch: Große Petersenstraße

 

Amselstraße
In den Altonaer Adressbüchern der 1920er und -30er Jahre, aber auch noch in Karten des neuen „Groß Hamburg“ der 1940er Jahre sowie in der Karte des Baustufenplans für St. Pauli vom 14. Januar 1955 bezeichnet dieser Name die heutige Straße "Bei der Schilleroper" (früher: Circusstraße) einschließlich einer direkten Einmündung in den Neuen Pferdemarkt. Mehrere anliegende Grundstücken reichten, laut Einträgen in den Adressbüchern, von der Amselstraße bis zur Straße Beim Grünen Jäger, darunter das Grundstück der Hochgarage der Gebrüder Alphons und Willy Sauerberg (siehe z.B. Altonaer Adressbuch 1938, Seite IV / 377).
Den Straßennamen hatten die drei kurzen Straßenabschnitte nördlich und östlich der Schilleroper offenbar im Zuge der Benennung von Straßen nach Vogelnamen (siehe: Lerchenstraße, Nachtigallenstraße) bereits während der Zugehörigkeit des Gebietes zu Altona erhalten (ca. 1919). Dadurch sollten wohl auch Verwechslungen der (vormaligen Altonaer) Circusstraße mit dem "Circusweg" (heute: Zirkusweg) in St. Pauli-Süd vermieden werden. Die amtliche Umbenennung in "Bei der Schilleroper“ erfolgte dann im Zuge der Durchführung des Groß-Hamburg-Gesetzes und ist z.B. im Verzeichnis der "Umbenannte[n] Straßen I" im Hamburger Adreßbuch für das Jahr 1940 nachzulesen (siehe dort: "Straßenverzeichnis: Strassen der Hansestadt Hamburg. Alphabetteil: Umbenannte Straßen I; Seite IV / 33).
Auf Hamburger Gebiet trug zur selben Zeit eine Straße in Barmbek (damals "Barmbeck" geschrieben) den Namen Amselstraße, den sie bis heute behalten hat.

siehe auch: Bei der Schilleroper

 

Annenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1856, nachdem beim schnellen Wachstum der Stadt unseren Stadtvätern die Ideen für Straßennamen ausgegangen waren, benannte man in dieser Gegend neue Straßen zunächst mit männlichen, später mit weiblichen Vornamen, dem Alphabet nach.
EStH: Ben.[annt] 1856, wie es scheint im Anschluß an die im Norderteile der Vorstadt St. Pauli schon vorhandenen, mit weiblichen Vornamen zusammengesetzten Straßenbezeichnungen mit einem frei gewählten Namen.
HANKE: siehe Paulinenplatz.
Zeitweilig trug die Straße (zwischen 1940 und 1945) den Namen "Klaus-Schoke-Straße".

siehe auch: Klaus-Schoke-Straße

 

Antonistraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1800, Erklärung: wie Annenstraße.
EStH: Ben.[annt] 1800 zugleich mit der Bernhard-, Carl-, David-, Erich-, Friedrich-, Gerhard- und Heinrichstraße in St. Pauli nach Vornamen, die nach der Alphabetfolge ihrer Anfangsbuchstaben gewählt sind.
An anderer Stelle wird darauf hingewiesen, dass die "Carlstraße" bereits nach relativ kurzer Zeit in "Balduinstraße" umbenannt wurde.
In anderen zeitgenössischen Quellen wird in der alphabetischen Folge gelegentlich zudem eine "Clausstraße" genannt, die sich jedoch auf Plänen oder in Dokumenten an diesem Ort nicht nachweisen lässt.
Unter der zeitgenössischen Quellen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts scheint mir NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) die wichtigste zu sein. In dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." heißt es:
"A n t o n i s t r a ß e . No. 254 bis 259. 10 Häuser, 38 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 4.
Sie entstand nach dem Stadterbebuch 1790."

Im Gegensatz zu den vorgenannten Verzeichnissen ist für Neddermeyer offenbar nicht der Zeitpunkt der Benennung, sondern der Entstehung bzw. Eintragung in das traditionelle Grundbuch der Stadt, das "Stadterbebuch", maßgeblich. Nach SCHREIBER / WALDEN (2008: S. 21) wurden die Straßen zwischen 1790 und 1801 auf den Gebiet von "Wittorps Weide" angelegt, um östlich der St. Pauli-Kirche ein neues Wohnquartier zu errichten.
Kurz nach der Benennung der Straße wurde im Winter 1813/14 die gesamte Bebauung im Zuge der "Demolirung" der Vorstadt Hamburgerberg durch die napoleonischen Besatzungstruppen niedergebrannt. Über die Neubebauung im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Abzug der "Franzosen" (Mai 1814) schreibt J. F. VOIGT 1882 rückblickend:
"Alle in jener Zeit erbauten Gebäude tragen den Karakter größter Einfachheit. Alle Häuser wurden von Fachwerk erbaut, mit niedrigen Zimmern und schmalen Treppen, ohne Zierrath und Schmuck."
(Johann Friedrich Voigt, "Zum 200-jährigen Jubiläum der Hamburgischen Vorstadt St. Pauli." In: Hamburger Bürgerzeitung, Nr. 40 v. 2. April 1882.)
HANKE: siehe Davidstraße.
BAKE (2003) interpretiert den Namen als "weiblichen Straßennamen", obwohl die Motivgruppe der männlichen Vornamen charakteristisch für die Benennung zahlreicher Straßen in St. Pauli-Süd ist.

siehe auch: Balduinstraße

 

Asylstraße
EStH: Ben.[annt] 1866 nach dem in demselben Jahre von Johann Friedrich Vorwerk unter dem Namen Asyl Vorwerk hier begründeten Stift für Freiwohnungen.
Dieses Wohnstift, das zu den für die Epoche der Wohnreform-Bewegung charakteristischen Angeboten zu zählen ist, nahm bedürftige Angehörige der Unterschichten wie DienstbotInnen oder Wäscherinnen auf. Seine unverputzten "Rohbauwände" aus durch gelbe Gliederungen unterbrochenen roten Backsteinwänden orientieren sich an die Bauten der zeitgenössischen Industrie- und Gewerbearchitektur an. Das Gebäude wirkt dadurch schlicht und kompakt, aber kraftvoll.
Heutiger Name: Vorwerkstraße.

siehe auch: Vorwerkstraße

 

B

Balduinstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1899, als die Vorstädte schneller wuchsen, als den Stadtvätern Straßennamen einfielen, kam man hier auf die Idee, dem Alphabet folgend zunächst männliche, später weibliche Vornamen zu verwenden. Beim Buchstaben "B" hat es "Balduin" getroffen.
EStH: Ben.[annt] 1899 nach einem frei gewählten Vornamen unter Durchbrechung des für den früheren Namen Carlstraße maßgebend gewesenen Prinzips (siehe dieses: Antonistraße).
HANKE: siehe Davidstraße.
Die gründerzeitliche Bebauung der Balduinstraße ist nur noch zu einem geringen Teil erhalten. An der Westseite der Straße befinden sich heute hauptsächlich die sog. Kreuzbauten und der Schulhof der Ganztagsschule St. Pauli (früher: Schule Friedrichstraße) sowie – im Bereich der Einmündung der Silbersacktwiete – einige neuere Wohngebäude aus den 1970er-Jahren. Gegenüber der Einmündung der Balduinstraße in die Bernhard-Nocht-Straße fällt die Eckkneipe "Onkel Otto" ins Auge, die den oberen Antritt der Balduintreppe markiert. Die ersten Hausnummern an der Ostseite der Straße, von Nr. 2 bis Nr. 8, werden von typischen viergeschossigen Backsteinbauten der Wiederaufbau-Epoche nach dem 2. Weltkrieg eingenommen. Diese sind sehr einfach und funktional gestaltet und bis auf einzelne, mit Gardinen geschmückte Haustüren, weitgehend unverziert. An der Einmündung der Erichstraße befindet sich auf einer Seite ein Künstleratelier (Erichstr. 35), an der gegenüberliegenden Ecke der legendäre Trödelladen "Harry's Hamburger Hafenbasar". Nach einigen verbliebenen Altbauten folgen an der Ecke zur Friedrichstraße ein erst vor wenigen Jahren errichteter Neubau (Friedrichstr. 37) sowie direkt gegenüber die Traditionskneipe "Nordlicht", erkennbar an einer übermannshoch gekachelten Erdgeschosszone. Wenige Meter nördlich davon ist an einem eingeschossigen Pavilllonbau noch eine Leuchtreklame der Diskothek "Sam Brasil" erhalten.

siehe auch: Davidstraße

 

Bartelsstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Eimsbüttel), 1844, zu Ehren des Bürgermeisters seit 1820 und vorherigen Senators (seit 1798) Dr. Heinrich Bartels (1761-1850).
EStH: Ben.[annt] 1844 zu Ehren des Bürgermeisters (seit 1820; Senator 1798) Dr. Johann Heinrich Bartels (1761-1850).
HANKE: (1844) Dr. Johann Heinrich Bartels (1761-1850), Hamburger Bürgermeister ab 1820.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte der gesamte Straßenverlauf bis zur Amandastraße zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie der "Plan von Hamburg" belegt, der dem Heft II der "Statistik des Hamburgischen Staats" beigeheftet ist. Aus der Zeit der Parzellierung des früheren Weidelandes, das bis dahin von der "Cämmerey" an benachbarte landwirtschaftliche Betriebe "verhauret" (d.h. verpachtet) worden war, und der ersten Bauschicht ab 1842 sind in der Bartelsstraße 4-6 noch einzelne 2-3-geschossige Häuser erhalten.
In der Bartelsstr. 12 befindet sich ein Eingang zum Gebäudekomplex der ehemaligen Füllerfabrik Montblanc, der dort um 1907 nach Plänen des Architekten Claus MEYER errichtet wurde und sich um zwei Hofbereiche herum bis zur Schanzenstraße 75-77 erstreckt. Das Gebäude an der Bartelsstraße wird heute von dem Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb SCHANZENSTERN genutzt. Die zwischen 1897 und 1907 entstandene Gesamtanlage der ehemaligen MONTBLANC-Fabrik steht seit 1991 unter Denkmalschutz.
Zur Bau- und Nutzungsgeschichte berichtet LANGE im "Architekturführer Hamburg" (1995): "Ehem. Fabrikgebäude Ferdinand Müller – Tritonhaus, Schanzenstraße 75-77, St. Pauli; Architekt: Carl Feindt; 1906. – Delphinhaus, Bartelsstraße 12, St. Pauli, Architekt: Claus Meyer, 1907. – Der Schanzenhof, besser als Montblanc-Haus bekannt, war ursprünglich eine Fabrik für Armaturen und sanitäre Einrichtungen und wechselte erst später an den renommierten Hersteller von Schreibgeräten. Beherrschendes Motiv sind die Skelettfassaden der straßenseitigen Trakte, die die beiden Innenhöfe mit dem Ursprungsbau von 1897 abschirmen. Nicht der Verwaltungsbau an der Schanzenstraße ordnet sich mit seiner kraftvollen Pfeilerstruktur dem Kontorhausschema unter, auch das Produktionsgebäude an der Bartelsstraße zeigt ein gleichmäßiges Raster aus Stützen und Brüstungen. Weder historisierende Reminiszenzen noch gefällige Gliederungsmotive verwischen hier die kompromißlose 'Gerippearchitektur'. 1989 bis 1992 wurde der Komplex zu einem Zentrum für Stadtteilinitiativen mit Kino, Hotel, und Gastronomiebetrieb umgebaut (Architekten: planerkollektiv)." (siehe: Lange, 1995: S. 94, "C11.1" / "C11.2")
Im Jahr 2006 wurde der Komplex im Rahmen der schrittweisen Veräußerung öffentlicher Immobilien ("PRIMO – Programm zur Immobilien-Mobilisierung", 2005-07) an ein internationales Unternehmen verkauft, das den jetzigen Nutzern (u.a. der Volkshochschule Hamburg / VHS und dem "3001"-Kino) einen befristeten Verbleib zu den bisherigen Mietkonditionen zugesichert hat. Informationen zu künftigen Verwertungsabsichten wurden bisher nicht öffentlich bekannt.
Vor dem Haus Nummer 53 ist ein "Stolperstein" zum Gedenken an Kurt Erich Cäsar Schill in den Bürgersteig eingelassen. K. E. C. Schill wurde 1911 geboren, war Mitglied der Hamburger KPD und wurde am 14. Februar 1944 im Hamburger Konzentrationslager Neuengamme wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime hingerichtet. Er war der Großvater des späteren rechtspopulistischen Hamburger Politikers Ronald Barnabas Schill, eines früheren Amtsrichters. Dieser wurde als Spitzenkandidat der "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" – kurz "Schill"-Partei – am 30.10.2001 vom Ersten Bürgermeister C.-F. A. Freiherr von Beust zum Innensenator ernannt, nach diversen bizarren Auftritten (unter anderem im Deutschen Bundesrat) und heftigen persönlichen Anwürfen gegen den Ersten Bürgermeister am 19.08.2003 jedoch aus dem Hamburger Senat entlassen.
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Bartelsstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

siehe auch: Schanzenstraße

 

Beatlesplatz
"Kiez: Fehler-Posse um den Beatles-Platz"). Dies hinderte Fans allerdings nicht daran, einzelne Abschnitte aus dem Asphaltgrund herauszulösen und – natürlich widerrechtlich – mitzunehmen.

siehe auch: Große Freiheit

 

Becker's Passage
<< auf der Karte anzeigen
"Schon ein Blick … zeigt, daß sich die Hofgebäude sehr wohl von denen an der Straße unterscheiden. Sei es in der Geschoßhöhe oder im stark reduzierten Fassadenschmuck. Letzteres wird noch deutlicher bei den Passagen zwischen Clemens-Schultz- und Simon-von-Utrecht-Straße, (Mathilden- und Becker's Passage, …). Hinter den repräsentativen Vorderhäusern liegen lediglich durch Gesimsbänder gegliederte Hinterhäuser. Der Blick der Hofbewohner fällt auf die rohe Backsteinrückseite des Vorderhauses, welches nicht nur auf jeglichen Schmuck, sondern auch auf Putz verzichtete." (Kiek mol, 1993: S. 284)
Die Benennung geht wohl auf den Erbauer der Anlage, J.N.B.G. Becker, zurück. Dieser war – z.B. laut »Hamburger Adreßbuch« des Jahres 1892 – damals wohnhaft in der Marienstraße No. 13a. (Diese wurde 1899 in Eckernförder und 1948 in Simon-von-Utrecht-Straße umbenannt.)

siehe auch: Mathilden-Passage

 

Beckstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1869, nach dem Vorbesitzer des Geländes und Erbauer der Straße J.C.H. Beck.
EStH: Ben.[annt] 1869 nach dem Grundeigentümer J.C.H. Beck.
HANKE: (1869), Johann C.H. Beck (1830-1904), dortiger Grundeigentümer, legte die Straße an.
Bei LANGE findet man zu den "Terrassen und Passagen zwischen Sternstraße und Neuem Pferdemarkt" die folgende Beschreibung: "Beckstraße 8-20, 9-21/ Neuer Pferdemarkt 17-19; St. Pauli; 1898/ 99. – Die Beckstraße, 1869 von der Sternstraße aus als privater Stichweg in das Blockinnere angelegt und 1898 zum Neuen Pferdemarkt verlängert, weist zwar den typischen Querschnitt einer Terrasse auf, die Einmündungen durften aufgrund des Bebauungsplangesetzes von 1892 jedoch nicht mehr überbaut werden, so daß die Anlage strenggenommen als Privatstraße zu charakterisieren ist. Bemerkenswert ist die repräsentative Architektur der Bauten, an denen sich das dialektische Verhältnis von Vorder- und Rückseite ablesen läßt: Zeigen die Etagenwohnhäuser am Neuen Pferdemarkt 'herrschaftlichen' Stuckdekor in opulenter wilhelminischer Neorenaissance, so bescheidet sich die rückwärtige Bebauung an der Beckstraße mit Backsteingliederungen." (siehe: Lange, 1995: 94, "C10.2")
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Beckstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

siehe auch: Neuer Pferdemarkt

 

Bei dem Judenthore
PABEL: Wird nur von dem Hamburger Topographen Neddermeyer als 2. Einfahrt (d.i. Richtung Altona, nördlich vom Pinnasberg) erwähnt: "Diese Einfahrt wird auch das Judenthor genannt, die dahin führende Gasse erhielt nach 1811 den Namen Lange Straße und wurde schon 1633 bebauet. Früher lag hier der Falkenhof, bestehend aus 55 kleinen Häusern, 21 Sählen und 2 Kellern." (F.H. NEDDERMEYER Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg. Hamburg, 1832: S. 337.) Das Juden-Tor war kein eigentliches Tor; man müßte es richtiger als einen (Grenz-)Durchgang bezeichnen. Das Bestimmungswort "Juden" bleibt rätselhaft; möglicherweise wurde es vorzugsweise von jüdischen Kleinhändlern frequentiert.
Eine andere Erläuterung beruht auf der Tatsache, dass die nicht durch Wall oder Stadtmauer befestigte Stadt keine – nach jüdischem Religionsgesetz notwendigen – eindeutigen Umfassungen hatte: Am Sabbat sollten sich gläubige Juden und Jüdinnen nach rabbinischem Gesetz an einem von Mauern umgebenen oder zumindest eindeutig umgrenzten Ort aufhalten ('eruv reshuyyot). Da dies in Altona nicht gegeben war, wurden – wie andernorts auch (siehe: Freimark / Lorenz / Marwedel, Judentore, Kuggel, Steuerkonten. Hamburg, 1983.) – symbolische Tore in Gestalt von Pfosten oder Haken und einer daran befestigten Leine über alle aus der Stadt herausführenden größeren Straßen gespannt, so dass den religiösen Anforderungen Genüge getan war. An einzelnen Stellen waren bis zum 2. Weltkrieg noch die dazu verwendeten Haken vorhanden, besonders im Bereich der von zahlreichen jüdischen Bürger/innen bewohnten Straßen des alten Altonaer Stadtzentrums bei der Trinitatis-Kirche südlich des Jüdischen Friedhofs an der Königstraße.
Auf Altonaer Seite mündete die Straße ["Bei dem] Juden Thor[e"] in die "Schlachterbuden", wie eine Karte Altonas aus dem Jahre 1802 belegt.

siehe auch: Schlachterbuden

 

Bei dem Trichter
PABEL: Ursprünglich für eine Häusergruppe in St. Georg nahe einem dortigen Wirtshaus namens "Der Trichter" verwendete Bezeichnung. Weit bekannter war ein gleichnamiges Lokal auf dem Hamburger Berg, der "Trichter" auf St. Pauli (siehe: "Beim Trichter").

siehe auch: Beim Trichter

 

Bei den Kirchhöfen
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Neustadt), ein 1794 im Volksmund entstandener Name, als Zugangsweg zu den seit 1794 vor dem Dammtor gelegenen und ab 1879 allmählich geschlossenen Begräbnisplätzen der innerstädtischen und der vorstädtischen Kirchspiele.
EStH: Ben.[annt] im Volksmunde als Zugangsweg zu den seit 1794 vor dem Dammtor ausgewiesenen und seit 1879 allmählich geschlossenen Begräbnisplätzen der städtischen Kirchen.
HANKE: Der Name dieser Straße erinnert an die Friedhöfe der Hauptkirchen, die sich mit Ausnahme von St. Jacobi von 1794 bis 1899 auf Flächen des heutigen Messegeländes und von Planten un Blomen befanden.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bildete die Straße die südliche und einen Teil der östlichen Begrenzung des Zoologischen Gartens, der sich südlich der Verbindungsbahn befand, und nahm den Verlauf der heutigen St. Petersburger und der Marseiller Straße vorweg. Der südwestliche Straßenabschnitt erhielt 1898 den Namen Jungiusstraße, während der nordöstliche in Richtung auf die Marktstraße verlängert wurde. Er bildete seither eine unmittelbare Verlängerung der Marktstraße nach Nordosten am Alten Botanischen Garten vorbei bis zum Dammtor-Bahnhof.
Der Verlauf der Straße änderte sich zu Beginn der 1980er-Jahre erneut durch die Errichtung weiterer Hallen im südlichen Bereich des Messegeländes. Dieser Erweiterung des Messegeländes fielen auch die Pastorats- und Gemeindegebäude der Kirchengemeinde St. Pauli-Nord mit den Standorten Bei den Kirchhöfen 4 und Holstenglacis 7 zum Opfer. Die beiden Gebäude neben der Gnadenkirche waren bis 1972/73 von der Gemeinde genutzt worden und sollten bereits Anfang 1973 abgerissen werden, um zusätzliche Stellplätze für die Internationale Gartenbau-Ausstellung "IGA '73" zu schaffen. Dieser Plan wurde jedoch durch BesetzerInnen vereitelt, die dort für einige Jahre ein Projekt zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen (mit Tageseinrichtung und einem Angebot von Jugendwohnungen) unterhielten, bevor sie in neue Räume im Karolinenviertel umziehen konnten.
Auf dem heutigen Gebiet der Parkanlage und des Ausstellungsgeländes zwischen Tiergartenstraße, Marseiller Straße, Holstenglacis, Gnadenkirche und Karolinen- bzw. Rentzelstraße bestanden rund ein Jahrhundert lang – zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und ca. 1900 – die Friedhöfe der Hamburgischen Hauptkirchen.
Schon 1606/07 wurden nahe der Altonaer Grenze der sog. »Pesthof«, d.h. das Krankenhaus für chronisch Kranke, mit seiner kleinen Kirche und einem eigenen Kirchhof und 1712 die Quarantäne-Station in der Nähe des Standortes der Ölmühle (siehe: Ölmühlenstraße) angelegt. Sie wurde wegen der 1712/13 in Hamburg grassierenden Pestepidemie benötigt, konnte jedoch nur wenig zu einer Verringerung der großen Zahl von Todesopfern beitragen. Im Jahre 1713 war die Situation in der Stadt so prekär geworden, dass man christliche und jüdische Tote gemeinsam in einem Massengrab vor der Stadt beisetzen musste. Dieser Ort lag in der Nähe der heutigen Tiergartenstraße und trug noch lange Zeit den Namen »Pesthügel«.
Die für die innerstädtischen Kirchen Ende des 18. Jahrhunderts angelegten »Kirchhöfe vor dem Dammthor« haben ihren Ursprung in diesem 1713 vor den Wällen angelegten Friedhof für die Pestopfer. Die neuen Auffassung des Aufklärungszeitalters über hygienischen Bedingungen bei Bestattungen und neue »Seuchengesetze« führten dazu, dass ab 1794 zunächst die in der Innenstadt gelegenen Begräbnisplätze der Kirchspiele St. Petri, St. Nikolai und der Klosterkirche St. Johannis, später auch die Friedhöfe von St. Katharinen (1797), St. Michaelis (1799), der Klosterkirche des St. Maria-Magdalenen-Klosters (1805), von St. Gertruden und St. Pauli westlich der Stadt vor den Wällen zusammengefasst wurden.
Dazu berichtet das "Hamburgisches Adress-Buch auf das Jahr 1801" im Abschnitt "Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Siebenter Abschnitt. [4.] Einige Local-Notizen. Abschnitt a) Nachrichten für Fremde, verschiedene Hamburgische Merkwürdigkeiten betreffend", S. 368:
"B e g r ä b n i s p l ä t z e sind seit einigen Jahren, von den fünf Hauptkirchen, vor der Stadt, besonders vor dem Dammthor angelegt. Sie sind mit Bäumen und Gebüsch malerisch bepflanz, und einige mit Reihen italienischer Pappeln umgeben. Jeder Platz hat seine eigene Todtenhalle, die zweckmäßig erbauet sind. Nur läßt sich der Geschmack der meisten Monumente nicht rühmen."
Der "Hamburg - Führer durch die Freie und Hansestadt und ihre Umgebung. Offizieller Führer des Fremdenverkehrs-Vereins Hamburg. Vierte, stark erweiterte Auflage.“ (1926) weist mit mildem Spott auf die Parzellierung der Friedhöfe bzw. des später parkartigen Geländes hin. Es heißt dort:
"In Hamburg befanden sich die letzten Ruhestätten zunächst bei den Kirchen und dann um die Kirche herum, bis die Bevölkerungszunahme es notwendig machte, diese Kirchhöfe vor die Stadt zu verlegen., was in den letzten Jahren des 18. und den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts geschah. Das Separatistische der einzelnen Kirchspiele behauptete sich auch hier, und so finden sich vor dem Dammtor die Kirchhöfe fein säuberlich zwar nebeneinander, aber noch sind die Hecken erkennbar, durch die sie voneinander geschieden wurden. …
Aber die alten Friedhöfe lagen nicht lange vor der Stadt. Immer weiter baute sich die Stadt aus, über die alten Befestigungen hinaus, über die Wallanlagen und die davor gelagerten breiten Gräben hinweg, bis sie, wie einstmals die Kirchhöfe selbst, wieder mitten in der Stadt lagen. Ihre Ausmaße waren auch viel zu gering, als das sie dauernd die Saat des Todes fassen konnten, und so musste man sich rechtzeitig nach einem neuen Totenfeld umsehen, das man nach langer Ausschau auf dem Weidegelände in O h l s d o r f fand." (a.a.O., S. 51/ 52)
Ihre Nutzung für Bestattungen wurde schließlich zwischen 1879 und 1899 nach Eröffnung des neuen Ohlsdorfer Zentralfriedhofes allmählich eingestellt. Laut §9 der Begräbnisordnung vom 27. September 1882 durften Bestattungen auf den »Begräbnisplätzen vor dem Dammthor, in Eppendorf und in Hamm« generell nur noch maximal 15 Jahre bis 31.12.1895 (gerechnet ab 1. Januar 1880) in Familien-Erbgräbern stattfinden. In Grüften und Mausoleen durften Beisetzungen im Einzelfall mit besonderer Genehmigung auch noch nach diesem Zeitpunkt durchgeführt werden. Mit einer Sondergenehmigung sollten Familienmitglieder noch weitere 10 Jahre in Erbgräbern beigesetzt werden dürfen. Danach sollte von der endgültigen Schließung der Friedhöfe an noch eine 25-jährige Ruhezeit gewährt werden, in der allerdings bereits die "allmähliche Aufhebung der Begräbnisplätze" durchgeführt .werden sollte. Zu den Grabsteinen und Gebäuden heißt es in diesem Zusammenhang: "Die auf den Begräbnisplätzen befindlichen Denkmäler und Bauwerke gehen, ..., mit dem Ablauf der Ruhezeit in das öffentliche Eigenthum über."
Die Vorbereitungen für die Anlage des neuen »Centralfriedhofes Ohlsdorf« traf zu dieser Zeit die »Senats- und Bürgerschafts-Commission für die Verlegung der Begräbnisplätze«. Im Jahre 1894 gingen fast alle alten lutherischen Kirchhöfe in Hamburg in die Verwaltung der Friedhofsdeputation über und wurden bereits 1904 endgültig für Beerdigungen geschlossen. Die »Kirchhöfe vor dem Dammthor« bestanden noch bis in die 1930er-Jahre als mit hohen Bäumen bestandene Parkanlagen weiter. Sie wurden im nördlichen Teil überwiegend zur ersten großen "Niederdeutschen Gartenschau Planten un Blomen" (1936) abgeräumt; bald danach folgte auch der südliche Teil, d.h. das heutige Messegelände südlich der heutigen St. Petersburger Straße. Eine Reihe von Grabsteinen – z.B. der Handwerker-"Ämter" – und Grabdenkmälern bedeutender Hamburger Familien wurde bei dieser Gelegenheit auf den Zentralfriedhof Ohlsdorf versetzt. Noch 1953 fand man aber bei den Vorbereitungen für die erste "Internationale Gartenschau" nach dem 2. Weltkrieg ("IGA 1953") zahlreiche Grabsteine im Untergrund, die laut damaligen Presseberichten (z.B. im »Hamburger Abendblatt«) gesprengt bzw. zerkleinert werden mussten.

 

Bei den Thranbrennereien
PABEL: Am Elbufer vor Altona entstand 1649 eine Anlage mit Brennereien zur Verarbeitung des Trans, der um diese Zeit in großem Umfang von den Walfängern vor Grönland angelandet wurde. Die Brennerei "brannte am 4. Januar 1675 ab. Durch dieses Feuer gingen acht Packhäuser mit aller Geräthschaft verlohren. Die Eigner konnten wegen der geschlossenen Thore nicht aus der Stadt kommen und also nicht gerettet werden" (M.G. STELTZNER, Versuch einer zuverläßigen Nachricht von dem kirchlichen und politischen Zustand der Stadt Hamburg ...; Band III: S. 1082). Die Anlage wurde 1679 abgebrochen und 1768 auf dem Gelände das Hanfmagazin angelegt, welches "bis zum 13. August 1808 benutzt wurde, dann aber mußte es geräumt werden, um den aus Dänemark zurückgeführten Spaniern zum Gefängnis zu dienen." (F.H. NEDDERMEYER, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg. Hamburg, 1832: S. 342.) In der Franzosenzeit wurde es Militärhospital, zwischendurch Werk- und Arbeitshaus, und im Januar 1814 teils demoliert, teils abgebrannt.
Eine Karte Altonas aus dem Jahre 1802 zeigt allerdings am Elbufer südlich der "2te[n] Bernhards Strasse" sowohl eine "Trahn Brennerey" als auch das "Hanf Magazin", so dass man wohl davon ausgehen kann, das beide zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Funktion waren. Zudem berichtet J. H. SCHOLZ in seinem Führer "Hamburg und seine Umgebungen" (Hamburg, 1808):
"Noch befinden sich in dieser Vorstadt [St. Pauli] das große hamburgische Hospital, der Kranken-Hof und an dem Ufer der Elbe die Hanf-Magazine und die Thran-Brennereien. Letztere verpesten im Sommer, wenn der Thran gebrannt wird, die ganze umliegende Gegend und verbreiten weit umher einen äußerst widrigen Geruch." (a.a.O., S. 19 ff.)

 

Bei der Erholung
<< auf der Karte anzeigen
PABEL: Auch zur Unterscheidung von der "Erholung" am Dragonerstall "Elberholung" genannt, verdankt ihren Namen einem etwa 1815 erbauten Wirtshaus in St. Pauli, nahe den Anlagen um das (heutige) Bismarckdenkmal (Elbpark), seit 1817 mit der vom Oberalten A.C. Martens erbauten Elbhalle verbunden. Seit 1879 Circusweg (Zirkusweg), Standort des Zirkus Renz und Zirkus Busch.
Einen Eintrag aus dem Adreßbuch von 1830 über eine ehemals an dieser Stelle befindliche Holzhandlung dokumentiert HECKSCHER (1909): "Peter Ernst Hartenfels, Lager v. Mahag. Jacaranda, Ebenholz u allen feinen Nutzhölzern in Blöcken, Bohlen und Fournieren. Eichen und Föhren, Bauholz. Rheinwein, Mineralw. Geneverkruken, Glas und Pfeifenthon. St. Pauli, B. d. Erholung 3." Er fährt fort: "Der dann folgende Weg zwischen den Baumreihen war unbenannt, er führte zu der Straße Bei der Erholung (so genannt nach dem Wirtshause die Erholung bei der Elbe, auch Elbhalle bezeichnet), die sich vor den Häusern bis zur zweiten Bernhardstraße hinzieht; er hat erst seit 1879 den Namen Circusweg erhalten, weil auf dem Platze hinter der Holzhandlung, seit mehreren Jahren, der von Ernst Renz erbaute Kunstreiterzirkus lag."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 37.)
Die moderne Promenade "Bei der Erholung" ist erst seit 2003 entstanden. Der repräsentative Spazierweg verläuft hinter dem Hotel "Hafen Hamburg", dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und einigen anderen öffentlichen Gebäuden am Rand der sog. Hafenkrone oberhalb der Landungsbrücken. Er bietet einen weiten Blick über den Nordrand des Hafengebiets. Die Broschüre "Hamburgs Grün zwischen Tradition und Trends" beschreibt den Ort folgendermaßen:
"Der etwa 500 Meter lange Fuß- und Radweg auf der Geestkante oberhalb der Elbe bietet einige der schönsten Aussichten über den Hamburger Hafen und verbindet im Osten die Wallanlagen über den Alten Elbpark mit dem Elbufer.
Die drei Eingangsbereiche von der David-, Bernhard-Nocht- und Seewartenstraße wurden … durch liegende Metalllinsen einheitlich markiert und laden Besucher ein, sich hier frei zu bewegen, in Ruhe die Aussicht zu genießen oder sich die Beine zu vertreten. Mehrere offene Aussichtsterrassen bieten Bänke zum Sitzen und fangen die Mittagssonne ein. Zwischen den Aussichtsterrassen wurden die Baumreihen weiter fortgeführt, …"
(siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 19)

siehe auch: Zirkusweg

 

Bei der Oelmühle
PABEL: Diese Mühle stand nördlich vom Heiligengeistfeld. Die 1841 nach dem Umfeld benannte Straße im Norden St. Paulis – die frühere Verlängerung der Marktstraße in östlicher Richtung – wird schon 1633 erwähnt. Bei der dänischen Belagerung Hamburgs im Jahre 1686 wurde die Mühle im Auftrag der Stadt "von den Dragonern abgebrannt, weil das Gebäude der Bastion Joachim im Wege lag und die Sternschanze verdeckte, so daß die von den Dänen gegen die Stadt aufgeworfenen Batterien nicht bestrichen werden konnten" (F.H. Neddermeyer, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg. Hamburg, 1832: S. 341).
Die Aussage Pabels, dass die Straße Bei der Oelmühle eine "frühere Verlängerung der Marktstraße in östlicher Richtung" bildete, dürfte nicht zutreffend sein. Es handelte sich hingegen um einen Weg, der südlich der Marktstraße verlief und später den Namen Ölmühlenstraße erhielt. Er setzte sich bis zum Beginn der 1890er Jahre südlich des alten Spritzenhauses über den damaligen Müllergang hinaus nach Westen fort. Die dortige Bebauung – einschließlich des Spritzenhauses – wurde jedoch zur Erweiterung des Schlachthofgeländes bis zum Neuen Kamp von der Stadt angekauft und abgebrochen.
Die Ölmühle wirkte noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als namensgebendes Element für diesen Teil St. Paulis weiter, denn die Bezeichnung "Karolinenviertel" kam erst in den 1970er Jahren in Gebrauch.
In seiner Topographie bemerkt J.L. von HEß bereits 1811: "Auch die Oelmühle ist längst eingegangen, doch wird die Spur davon solange unverloescht bleiben, als die Gegend ihren jetzigen Namen daher fuehrt." (Heß, Jonas Ludwig von: Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben. Zweite Auflage, umgearbeitet und vermehrt. Dritter Teil. Hamburg, 1811: S. 48.)
Dies gilt auch noch NEDDERMEYER, der in seiner "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832; S. 331-332) in einer Tabelle mit einer "Übersicht der in den Jahren 1813 und 1814 stattgefundenen Demolition und Verbrennungen auf dem Hamburgerberg" u.a. für die Gegend "Bei der Oelmühle" folgende Verluste an Gebäuden aufzählt:
"2te Demolition im Octob. und Nov. 1813. Bei der Oelmühle.
die Mühle
26 Grundstücke
3 Fabrikgebäude
44 Häuser
1 Keller
34 Sähle
48 Buden."

Hier dürfte es sich um die gesamte damalige Bebauung im Norden der Vorstadt, d.h. im heutigen Karolinenviertel, gehandelt haben.

siehe auch: Ölmühle

 

Beim Trichter
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1905, ein nach der Franzosenzeit erbautes Haus. Der Name ist abgeleitet von der eigenartigen Dachform des Gebäudes, das an einen umgestülpten Trichter erinnert. 1840 kaufte Peter Georg Hanse, der erste Wirt auf dem Süllberg, das Gebäude auf Abbruch, um das Dach als sichtbares Zeichen und Sehenswürdigkeit auf dem Süllberg zu installieren.
EStH: Ben.[annt] 1905 zur Erinnerung an das nach der Franzosenzeit erbaute ehemalige Wirtshaus dieses Namens.
HANKE: (1905) Die kleine Straße erinnert an eine große Attraktion von St. Pauli. "Trichter" wurde ein achteckiger trichterförmiger Pavillon genannt, der 1805 erbaut und 1889 zu einem beliebten Tanzlokal umgestaltet wurde. Er stand am östlichen Ende der Reeperbahn und wurde 1942 durch Fliegerbomben zerstört. Nach dem Krieg erlebte er bis zu seinem Abbruch 1958 noch einmal eine Wiederauferstehung, die aber nicht von Erfolg gekrönt war.
Heute erinnert nur noch der Straßenname "Beim Trichter" an diese ehemals beliebte Lokalität, an deren Ort sich bis zu seinem Abbruch Mitte 2009 das ehemalige "Astra-Bowling"-Gebäude befand. Diese "in Beton gegossene" Vergnügungsstätte der 70er-Jahre bot Jahre lang einen ruinösen Anblick und war Gegenstand vielfältiger Überplanungen vom "Urban Entertainment Center" mit I-Max-/ Multiplexkino bis hin zu Plänen eine Büro- und Gewerbebebauung ähnlich derjenigen am Millerntorplatz. Allerdings bot es auch verschiedenen kreativen Zwischennutzungen ein preisgünstiges Dach über dem Kopf, darunter dem "Mojo-Club" (später: "Mandarin-Casino") und der Künstlervereinigung "SKAM e.V.".
Inzwischen hat sich als Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs im Jahr 2004 für die Neubebauung ein Entwurf der Hamburger Architekten BRT – Bothe, Richter, Teherani durchgesetzt, der in der Öffentlichkeit schnell den Spitznamen "Tanzende Türme" erhielt. Die namensgebenden Bürotürme bilden ein rund 90 Meter hoch aufragendes "städtebauliches Zeichen" an der Reeperbahn. Südlich daran schließt sich ein Hotelkomplex, der den Bereich zwischen den Straßen Beim Trichter und Zirkusweg ausfüllt.
Jörg HASPEL beschreibt den "Trichter" in seinem Beitrag "Feierabendarchitektur" (in: ELLERMEYER / POSTEL, 1988: 81/82) wie folgt: "Der erste »Trichter« genannte Holzpavillon wurde im Zuge der allmählichen Auflassung der Hamburger Wälle im Jahre 1805 in den neuen Grünanlagen zwischen der Neustadt und der Vorstadt Hamburger Berg errichtet. Er bot seinen bürgerlichen Gästen durch die Auslegung von Zeitschriften und Tagesblättern Gelegenheit zu kultiviertem Genuss und bildender Unterhaltung. Auch dieses Gebäude fiel der französischen Brandschatzung zum Jahreswechsel 1813/14, wurde jedoch 1820 – mit Veranden und Lauben versehen – in vergrößerter Form wieder aufgebaut. Kurz vor 1900 wurde die Garten- und Kaffeehaus-Atmosphäre durch die Übernahme des Restaurationsbetriebes von Mutzenbecher verdrängt. In dieser Zeit zogen Bierhallen-Stimmung, musikalisch-artistische Darbietungen und Promenadenkonzerte als neue Attraktionen das Publikum an."
Im Handbuch "Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker" heißt es knapp:
"Wenig später entstand 1805 am Millerntor der erste Hamburger Trichter, ein Erfrischungspavillon. 1813 zerstört, wurde er ab 1820 das 'Ballhaus Trichter' und als Revuetheater beliebt." (a.a.O., 2002: S. 956)
Beide Texte enthalten den LeserInnen eine Anekdote vor, die besagt, dass der erste hölzerne Erfrischungspavillon im Jahre 1810 durch einen in Altona entlaufenen Ochsen stark "demolirt" wurde. Der nach der französischen Brandschatzung um 1820 errichtete Neubau musste laut SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008, S. 29) bereits um 1868 "Mutzenbecher's Bierhalle" Platz machen. Über die weitere Geschichte des Ortes wissen SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) zu berichten:
"Die turmbekrönte Kuppel [des 'Trichters'] gehörte zu dem imposanten Konzertgebäude, das der Gastronom Christian Hornhardt 1889 anstelle von 'Mutzenbecher's Biergarten" eröffnet hatte. Vor dem Ersten Weltkrieg hatten dort z.B. Militärkonzerte ein breites Publikum angesprochen. In den Goldenen Zwanzigern lockten Revuen im hier nun etablierten 'Ballhaus Trichter' vorwiegend männliche Gäste an. Anziehungspunkte waren nebenan das 1926 eröffnete Großkino 'Schauburg Millerntor' und das 'Kaffee Rheinterrassen'. Nur wenig von alldem überstand die Luftangriffe von 1943 bis 1945. Die Bavaria und St. Pauli-Brauerei errichtete 1964/65 auf dem Trichter-Grundstück das Astra-Bowling-Center. Von 1991 bis 2003 sorgte hier der 'Mojo Club' für musikalische Belebung, danach das 'Mandarin-Kasino'. Die denkmalgeschützte Litfasssäule [an der Ecke zur Reeperbahn] gab es um 1879 schon." (a.a.O., S. 31)
In dem 2009 erschienenen Rundgangsbuch "Hamburg: 20 thematische Spaziergänge." (Junius Verlag in Zusammenarbeit mit Stattreisen Hamburg. Hamburg, 2009.) findet sich folgende unterhaltsame Betrachtung über den „Trichter“ und seine Gäste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
"Der erste 'Trichter' war eine Bierbude mit trichterförmigem Spitzdach als letzte Trinkgelegenheit vor dem Weg zurück durch die Stadttore nach Hamburg (…). Von hier aus ließ sich die arme Meute beobachten, die in Torschlusspanik nach Hamburg stürmte, um keinen Eintritt in die Stadt bezahlen zu müssen. Mehrfach neu- und umgebaut, war der 'Trichter' im 19¨Jahrhundert vor allem ein Biergarten mit Gartenlauben, die bei verliebten Pärchen sehr beliebt waren. 1889 wurde schließlich ein luxuriöses Etablissement mit Garten, rundem Ballsaal und einer prächtigen Kuppel eröffnet (…)."
Und über das 20. Jahrhundert heißt es an gleicher Stelle u.a.: "Ab 1926 zeigte das an Stelle des Biergartens errichtete 'Schauburg'-Kino mit 1.800 Plätzen und einer riesigen Orgel. Hier liefen auch 'linke' Filme, die bei der Konkurrenz, den UFA-Kinos, nicht gezeigt wurden. In den 1920er Jahren war der 'Trichter' ein international berühmter Revuepalast. Im Krieg zerstört, existierte er bis 1958 noch einmal als schnöder Nachkriegsbau, ehe 1969 eine Bowlingbahn gebaut wurde, deren Reste bald durch zwei Bürogebäude ersetzt werden sollen." (siehe: Jörg Tietgen, Vergnügungsviertel-Spaziergang; a.a.O. S. 264-65)
Im Zuge der Neubebauung ist die "Auferstehung" des "Mojo-Clubs" unter dem westlichen Vorplatz der Bürotürme in einem unterirdischen viergeschossigen Bauwerk erfolgt, das über eine versenkbare Treppe von der Platzfläche aus zugänglich ist. Diese Fläche ist im Eigentum des Bau- und des Hotelkonzerns, die die „Tanzenden Türme“ und das Hotel errichtet haben und nutzen; sie ist jedoch mit allen Nutzungsrechten einer öffentlichen Wegefläche versehen.

siehe auch: Zirkusweg

 

Bergstraße
"B e r g s t r a ß e. No.336 bis 345, Westseite 15 Häuser, 40 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2. No.373 bis 382a, Ostseite 9 Häuser, 20 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 4.
Bebauet seit 1802 (S.B. [= Stadt-Erbebuch]). Die Westseite ist älter."

Die genannte Westseite gehört zum Bereich der St. Pauli-Kirche und dürfte daher ein Teil des alten Siedlungskerns der Vorstadt sein.

siehe auch: Silbersacktwiete

 

Bernhardstraße
EStH: siehe Antonistraße.
HANKE: heutiger Name: Bernhard-Nocht-Straße.
Die Bernhardstraße wurde noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts – ebenso wie die Carl-, Erich- und Friedrichstraße – traditionell in zwei Abschnitte unterteilt, die als "Erste" und "Zweite" Bernhardstraße bezeichnet wurden, wie in den Listen der "Compagnien" des Hamburger Bürgermilitärs nachzulesen ist. Sie wurden laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 zur Bernhardstraße zusammengezogen.
In dem Werk von NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) heißt es in dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg.":
"B e r n h a r d s t r a ß e, erste. No.95 bis 112, 18 Häuser, 39 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 3.
Die Gasse existiert seit 1794 (S.B. [= Stadt-Erbebuch])."

und:
"B e r n h a r d s t r a ß e, zweite. No.113 bis 126, 19 Häuser, 58 Wohnungen und 1 Gebäude ohne No. eine Silberschmelze – A.D. [= Armen-Distrikt] 3.
Seit dem Jahre 1797 bebauet (S.B. [= Stadt-Erbebuch]). No.126 ist das Amthaus der Reepschläger (Seiler)"

Die genannte Silberschmelze findet auch bei HECKSCHER (1909) Erwähnung:
"Das Gebäude an der Ecke der Davidstraße mit den drei Schornsteinen war eine Silberschmelze, welche durch ihren Feuerschein weithin die Nacht erhellte, und gar nicht selten, wenn der Schein zu stark war, die Feuerwehr alarmierte."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 40.)
Im Gegensatz zur Feuergefahr wurden die Emissionen durch Rauch, Gerüche oder sogar giftige Dämpfe zu dieser Zeit offenbar noch nicht als gefährlich wahrgenommen, sondern als Teil der "vorstädtischen Gewerbeluft" akzeptiert. Dies galt auch an anderen Orten in der Vorstadt, z.B. an den Standorten von Tranbrennereien oder Dampfzuckersiedereien. Mitte des 19. Jahrhunderts wird das Karolinenviertel in einem Bauantrag sogar als "Fabrikgegend" bezeichnet, in der die geplante Anlage einer Anlage zur chemischen "Fabrikation von Mineralischen Farben, Phosphor- und Chlor-Präparaten [und zur] Kristallisation von Blausaurem Kali" kaum stören werde (nach: Kiek mol, 1993: S. 305 / 308).
Die Umbenennung in Bernhard-Nocht-Straße im Jahre 1928 bildete eine besondere Ehre für den damals noch amtierenden Direktor des Tropeninstituts.

siehe auch: Bernhard-Nocht-Straße

 

Bernstorffstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1948, nach dem dänischen Staatsminister Hartwig Ernst Graf von Bernstorff (1712-1772) und dessen Neffen Andreas Peter Graf von Bernstorff (1735-1797), die die deutschen Interessen im dänischen Gesamtstaat wahrten.
HANKE: (1948) Johann Hartwig Ernst von Bernstorff (1712-1772), und sein Neffe Andreas Peter Graf von Bernstorff (1735-1797), dänische Staatsmänner, wahrten die deutschen Interessen in Dänemark. Vor 1948: Adolfstraße, und davor zum Teil Brunnenstraße.
Der erstgenannte leitete von 1751 bis 1770 die Außenpolitik des dänischen Gesamtstaates und zugleich die sog. "Deutsche Kanzlei", die für die dänischen Gebiete Schleswig-Holsteins zuständig war. Er gilt als Anhänger der Aufklärung, einer der Wegbereiter innerer Reformen im Königreich Dänemark, und wurde 1767 in den Grafenstand erhoben. Während seiner Amtszeit förderte er viele im dänischen Gebiet lebende Dichter und Gelehrte wie F. G. Klopstock und den Forschungsreisenden Carsten Niebuhr. J. H. E. von Bernstorff verlor seine Ämter auf Veranlassung des dänischen Geheimen Kabinettsministers Johann Friedrich Struensee (1737-1772), der ab 1757 Stadtphysikus in Altona gewesen war und 1772 wegen Hochverrats in Kopenhagen grausam hingerichtet wurde. Nach Struensees Sturz wurde er wieder eingesetzt, starb jedoch wenige Tage später. Sein Neffe Andreas Peter Bernstorff (1735-1797; seit 1767 Graf von Bernstorff) folgte ihm im Amt und setzte die begonnenen innen- und außenpolitischen Reformen, darunter die Aufhebung der Leibeigenschaft, die Bauernbefreiung und Frieden sichernde Verträge mit anderen Nationen, fort. Dies führte zu einer Blütezeit Dänemarks, die erst mit den Feldzügen Napoleons endete.
Die Straße lag bis zum Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes (1938) vollständig im – bis 1866 der "Deutschen Kanzlei" des Königreichs Dänemark unterstehenden – Altona und trug zwischen der Kreuzung von Kleiner Freiheit und Großer Rosenstraße (heute: Paul-Roosen-Straße) und der Einmündung der Adolfstraße in die Gärtnerstraße (heute: Thadenstraße) den Namen Brunnenstraße. Dieser deutet darauf hin, dass benachbarte Quellen oder Brunnen zur Wasserversorgung der Altonaer Altstadt dienten.
Sie bildet seither die Grenze zwischen den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona, wobei diese überwiegend exakt an der westlichen Grenze der Flurstücke des Bezirks Mitte verläuft, so dass Gehwege und Straßenflächen zum Bezirk Altona gehören. Da die Straße bereits vor Beginn der Gründerzeit die nordöstlichen Quartiere der Altonaer Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts erschloss, findet man in ihrem Verlauf noch eine Reihe kleiner Stadthäuser mit nur zwei Geschossen (Erdgeschoss und 1. Obergeschoss), die ursprünglich von einer einzelnen (Eigentümer-)Familie bewohnt wurden. Im Zuge fortschreitender Verdichtung kamen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Hinterhäuser und Terrassenbauten hinzu. Es entstanden Ensembles, die heute exemplarisch die Baukultur des 19. Jahrhunderts in der dänischen bzw. preußischen Provinzstadt Altona dokumentieren. Als Teile eines dieser Ensemble sind die meisten Häuser in der Bernstorffstr. 121-141 bereits eingetragene Baudenkmale, darunter die zweigeschossigen vorgründerzeitlichen Wohnhäuser in der Bernstorffstr. 121, 125, 127 und 141 (Eintragung als geschützte Baudenkmale am 18. August 2003) sowie die Wohnhäuser gleichen Typs mit der Nr. 131 seit 20. Februar 2002, Nr. 129 seit 25. August 2003 und Nr. 139 seit 1. Dezember 2003. Ebenfalls in die Denkmalliste eingetragen ist das um 1860 errichtete Dreitürenwohnhaus Nr. 133, 135 und 137 bereits seit 12. Juni 1996.
Auffallenderweise entwickelte sich auf der "großstädtischen" Hamburger Straßenseite – neben den kleinen Vorstadthäusern der ersten Jahrhunderthälfte – seit den 1870er Jahren eine andere Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Etagenhäusern. Als beispielhaft dafür ist das im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sukzessive entstandene Ensemble in der Bernstorffstr. 146, 148, 150 (ca. 1874; Bauherren: F. Hartmann's Erben), 152 (ca. 1896; Bauherr: vermutlich A. Witthagen; Baumeister: Schaar & Hinzpeter), 154 (1876; Bauherr: J.H. Kieser; Baumeister: Ad. Karnatz), 158 (1888; Bauherr: Charles Diestel; Baumeister: Albert Winkler), 160/162, 166/168, 170 und 172 zu betrachten. Hinter dieser Häuserzeile "verbirgt" sich die Adolphpassage (Nr. 160 a-i), die 1885 – ebenso wie die Vorderhäuser Nr. 160/162 und Nr. 164 – auf Veranlassung und nach Plänen von Carl Heinrich Leopold Gerlach errichtet wurde. Diese Gesamtanlage, bestehend aus den Vorderhäusern, den Terrassenbauten mit Vorgärten, der (ehemaligen Privat-)Straße und dem Fußweg ist seit 6. März 1998 in die Liste der geschützten Baudenkmale eingetragen.
Auch auf "Hamburger" Seite gibt es jedoch noch einige der historischen Stadthäuser, darunter das zwischen 1870 und 1875 entstandene Ensemble in der Bernstorffstr. 66, 68 und 70, dessen Abschluss das um 1875 errichtete Etagenhaus Nr. 72 bildet. Die ursprünglichen Bauherren bzw. Baumeister sind nicht namentlich bekannt, lediglich ein Umbau durch den Architekten Emil Meyer im Jahre 1924. In jüngster Zeit (2008) ist das – im Sanierungsgebiet Wohlwillstraße liegende – Ensemble durch die Absicht, es zur Errichtung eines Neubaus teilweise abzubrechen, massiv gefährdet und soll kurzfristig in die Liste der geschützten Baudenkmale eingetragen werden.

siehe auch: Adolphterrasse, Adolphpassage

 

Bertha-Keyser-Weg
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1983, benannt nach Bertha Keyser, die durch ihre Selbstlose Hilfe für Obdachlose und Gestrauchelte als "Engel von St. Pauli" bekannt wurde.
HANKE: (1983) Bertha Keyser (1868-1964), Krankenschwester, war als "Engel von St. Pauli" bekannt, half den obdachlosen und gestrauchelten Menschen der sündigen Meile.
BAKE (2003) konkretisiert die Angaben wie folgt:
"St. Pauli, seit 1983. Helferin der Armen. (24.6.1868 Maroldsweisach bei Coburg – 21.12.1964 Hamburg.
Wuchs mit ihren vier Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Nachdem der Vater, ein Schneidermeister, gestorben war, geriet die Familie in finanzielle Nöte. Bertha kam zu einem Onkel nach Nürnberg und musste in seiner Bäckerei mitarbeiten. 1885 zog die Mutter mit den Geschwistern nach, Bertha arbeitete nun in einer Spielzeugfabrik, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Später ging sie nach Wien, 1902 nach England, arbeitete dort zunächst als Hausangestellte, dann als Reisebegleiterin. Nach dem Tod der Mutter gab Bertha diese Tätigkeit auf und widmete sich ihrer Berufung, der Tätigkeit in wohltätigen Einrichtungen. Sie arbeitete in einem Diakonissenhaus, schied dort jedoch ein Jahr später wegen unterschiedlicher Auffassungen, wie Hilfe zu leisten sei, wieder aus. Bertha Keyser wollte den Kranken nicht nur mit Rat und Tat zur Seite stehen, sondern ihnen auch kleine materielle Wünsche erfüllen. Nach einem Gastspiel als Kammerzofe bei einer französischen Gräfin, zog es sie wieder zu den Armen. Sie ging in die Armenwohnviertel von Paris, lebte dort in einer Kürschnerwerkstatt, half beim Fellespannen und Pelznähen, malte Bilder und verkaufte sie für fünf Francs das Stück. Dann erhielt sie das Angebot, als Aufseherin in einem Frauengefängnis zu arbeiten. Bertha Keyser führte dort einige Neuerungen ein: sang mit den weiblichen Häftlingen, hielt mit ihnen Andacht und betete mit ihnen. Weil sich einige Mädchen dabei nicht gut betrugen, wurden Bertha Keyser diese Tätigkeiten verboten. Sie kündigte, wurde Erzieherin in einem Mädchenheim im Elsaß. Auch dort blieb sie nicht lange. Die Anstaltsleitung monierte Bertha Keysers zu große Nachsichtigkeit gegenüber den Mädchen. Ihr Weg führte sie nun zur Heilsarmee. Doch auch dort schied sie bald wieder aus, weil ihr die Heilsarmee zu reglementiert arbeitete. Sie zog nach Nürnberg, um im dortigen Armenviertel eine eigene Missionsarbeit aufzubauen. Dreieinhalb Jahre später (1912) übergab sie diese Arbeit der Landeskirche und zog 1913, dem Ruf des Leiters der Hamburger Stadtmission folgend, nach Hamburg. Dort arbeitete sie ehrenamtlich im Missionshaus an der Richardstraße. Auch hier kam es zu Konflikten. Bertha Keyser behandelte alle Insassen gleich, was der üblichen Praxis widersprach. Neid und Mißgunst erschwerten ihr die Arbeit. Bertha Keyser baute eine eigene Mission auf. Die ersten Räume befanden sich am Alten Steinweg 25. Hier schuf sie die Mission unter der Straßenjugend, hinzu kam die Betreuung von Obdachlosen und Prostituierten, Armenspeisungen, Straßengottesdienste und Gefängnis- und Krankenbesuche. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden reicher Kaufleute, Firmen oder Privatpersonen, die sie persönlich aufsuchte.
Im letzten Kriegsjahr zog Bertha Keyser in eine größere Wohnung am Neuen Steinweg, in der ca. 60 Menschen übernachten konnten. Da sich jedoch die Hausbewohner über den lauten Betrieb beschwerten, wurde es ihr verboten, Obdachlose zu beherbergen. Sie musste ausziehen und fand in der Jugendherberge in der Böhmkenstraße (Neustadt) ein neues Zuhause mit 80 Betten. In den Jahren der Wirtschaftskrise richtete Bertha Keyser drei Feldküchen ein, aus denen täglich 600 Portionen Mittagskost an die Armen verteilt wurden. 1925 fand sie eine neue Bleibe in der Winkelstraße, nahe der Musikhalle. Nun hatte die Mission ein Haus für sich allein. 1927 richtete Bertha Keyser ein Frauenobdachlosenheim in der Winkelstraße 7 ein, das den Namen »Fels des Heils« erhielt. Für obdachlose Männer fand sie in der Nähe des Hauptbahnhofes ein neues Domizil in der Stiftstraße.
Als die Hamburger Behörden aus der Winkelstraße eine Bordellstraße mit Eisentoren, die die Straße verschlossen, machten (Anm. 1), fand Bertha Keyser in der – nahe beim Michel gelegenen – Rothesoodstraße eine neue Unterkunft. 1929 gründete sie einen Evangelisch-Sozialen Hilfsverein. Die Beiträge der Mitglieder dienten zur Unterstützung der Mission.
Während des Zweiten Weltkriegs konnten trotz der schwierigen Umstände die Armenspeisungen in Kellern und Bunkern weiterhin durchgeführt werden. Als 1943 ihr dreistöckiges Heim »Fels des Heils« in der Rothesoodstraße den Bomben zum Opfer fiel, suchte sie sofort nach einem neuen Haus. 1945 konnte sie ein kleines Zimmer in der Langen Reihe Nr. 93 mieten. Dort wohnte sie mit Schwester Anna Bandow, die ihr den Haushalt führte, und dort wurden auch die zahlreichen Essensgäste beköstigt. Auch waren mehrere Großküchen bereit, für ihr Missionswerk mitzukochen. Unter Hamburger Firmen und Kaufleuten erwarb sich Bertha Keyser viele Freunde, Gönner und Spender, die sie regelmäßig mit Sach- und Geldspenden unterstützten. Eine große Hamburger Kaffeefirma zahlte die Miete ihrer kleinen Ladenwohnung im Bäckerbreitergang Nr. 7, wohin sie gezogen war, nachdem sich die Nachbarschaft aus der Langen Reihe über sie beschwert hatte."
(Anm. 1: Die obige Darstellung der Umwandlung der Win[c]kelstraße in eine Bordellstraße greift u.U. zu kurz, denn diese Straße, die bis 1922 Ulricusstraße [nach dem Senator Ulrich Winckel, 1575-1649, dem die Bastion Ulricus ihren Namen verdankt] hieß, war mindestens seit dem 18. Jahrhundert stadtbekannt für die dortigen Angebote des »horizontalen Gewerbes«. Im Zuge der Sanierung des Gängeviertels fiel die historische Bebauung der Gasse – nahe dem Valentinskamp – der Spitzhacke zum Opfer und damit wohl auch Bertha Keysers Domizil für obdachlose Frauen.)

 

Biebers Platz
PABEL: "Der unten am Elbstrande liegende Theil dieses Platzes wird auch 'beim Jonas' genannt. Früher hieß der obere Theil 'neben dem Hornwerk'. Von einer ehemals hier stehenden Ankerschmiede wurde diese Gegend wohl auch 'bei der Ankerschmiede' genannt. Im Jahre 1816 entstanden hier mehrere Häuser. Am Fuße des Berges, westlich von der Schanze Jonas, ist der Landeplatz der seit 1817 von hier nach Harburg gehenden Dampffähre. Diese Gegend wird nach einem dort liegenden Wirthshause, der 'Erholung an der Elbe', auch 'bei der Erholung' genannt, No.1 bis 3." (F.H. Neddermeyer, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg. Hamburg, 1832: S. 334).
Leider ist das obige Zitat nicht vollständig, so dass einige Informationen verloren gehen, denn in dem Werk von NEDDERMEYER heißt es in dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." zudem:
"B i e b e r s P l a t z. No.4, 20 Häuser, 16 Wohnungen, (5 Schiffswerften beim Jonas mit eingerechnet). – A.D. [= Armen-Distrikt] 1.
... Hinsichtlich der schon 1807 angelegten Elbwasserkunst verweise ich auf Seite 179. ... "

Die bei dem »Wirthshause ... 'bei der Erholung'« mit 'No.1 bis 3' beginnende und bei »Biebers Platz« mit No.4 fortgeführte Nummerierung ist eine Errungenschaft der französischen Verwaltung, die zahlreiche Neuerungen in der Verwaltung der Stadt einführte, darunter auch eine durchgehende Nummerierung aller Häuser bzw. Grundstücke eines Stadtteils. Das berühmteste Beispiel für dieses Prinzip der Einführung systematischer Hausnummern ist die Lagunenstadt Venedig, in der sich das System bis heute erhalten hat, obwohl es für Außenstehende längst eher verwirrend ist.

siehe auch: Elbwasserkunst

 

Bleicherstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), um 1665 (auf einem Plan von 1665 "Bleichergasse"), benannt nach den zahlreichen dort wohnhaft gewesenen Angehörigen des Bleichergewerbes.
Diese Straße lag bis zum Groß-Hamburg-Gesetz im damals preußischen Altona. Dies ist noch an der straßenparallelen Anordnung der dreigeschossigen Terrassenhäuser in der Bleicherstraße Nr. 13/17 ablesbar, denn auf Hamburger Gebiet wurden die Terrassen regelmäßig quer zu den Vorderhäusern ausgerichtet. Auch der Stil dieses Verblenderbaus aus dem Jahre 1887/88 ist charakteristisch für die – weniger stark verdichtete – gründerzeitliche Etagenhaus- und Terrassenarchitektur einer preußischen Mittelstadt.
Der Ort der früheren Hamburger Bleichen ist bis heute in den Straßennamen Große Bleichen und Hohe Bleichen abzulesen. Auch die Bleicherhäuser in der Winterhuder Ulmenstraße erhielten ihren Namen von den Bleichern, die die Wäsche der wohlhabenden Hamburger Haushalte und die Stoffbahnen der "Wandmacher", d.h. der (Leinen-)Weber, auf den Alsterwiesen bleichten.

 

Brigittenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1897, nach einem weiblichen Vornamen. Eine Reihe von Straßen in diesem Stadtteil erhielten im letzten Jahrhundert zunächst männliche, dann weibliche Vornamen. Beim schnellen Wachstum der Vorstädte waren den Stadtvätern die Ideen für Straßennamen ausgegangen, weshalb man auf die oben beschriebene Benennung verfiel. Unter dem Buchstaben "B" hat es "Brigitte" getroffen.
EStH: Ben.[annt] nach 1897 mit einem frei gewählten weiblichen Vornamen im Anschluß an die mit solchen gebildeten Namen der umliegenden Straßen.
HANKE: siehe Paulinenplatz.

 

Budapester Straße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1956, früher (Ernst-)Thälmannstraße, umbenannt am 16.1.1956 unter dem Eindruck des heldenhaften Widerstandes des ungarischen Volkes gegen die sowjetischen Unterdrücker.
HANKE: (1956) Die Budapester Straße ist die alte Landstraße vom Millerntor nach Eimsbüttel und hieß deshalb zunächst Eimsbütteler Straße. 1946 wurde sie in "Ernst-Thälmann-Straße" umbenannt. Zehn Jahre später bekam sie zum Gedenken an den in diesem Jahr niedergeschlagenen Ungarn- Aufstand den Namen der Hauptstadt des geschundenen Landes.

 

C

Carlstraße
"Carlstraße: Ben.[annt] nach dem Miteigentümer der Ulenhorst Carl Heine." (Siehe: EStH). Sie ist somit auf der Uhlenhorst lokalisiert, wo sie an Karl Heine (1810-1866), den Sohn des Bankiers Salomon Heine und Cousin Heinrich Heines erinnert.
Die Carlstraße wurde noch bis Ende des 19. Jahrhunderts – ebenso wie die Bernhard-, Erich- und Friedrichstraße – traditionell in zwei Abschnitte unterteilt, die als "Erste" und "Zweite" Carlstraße bezeichnet wurden, wie in den Listen der "Compagnien" des Hamburger Bürgermilitärs nachzulesen ist. Sie wurden laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 zur Carlstraße zusammengezogen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nennt NEDDERMEYER im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." seiner "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) die beiden Abschnitte der Carlstraße. Es heißt dort:
"C a r l s t r a ß e , e r s t e . No. 228 bis 238. 15 Häuser, 38 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 4."
und
"C a r l s t r a ß e , z w e i t e . No. 189 bis 191, 431 bis 432. 3 Häuser, 4 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 3.
Beide Gassen sind eigentlich Zubehörungen der Erichstraße und Bernhardstraße, womit sie gleichzeitig entstanden (S. B. [= Stadt-Erbebuch])."

siehe auch: Balduinstraße

 

Clemens-Schultz-Straße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, nach dem Pastor in St. Pauli, Clemens Schultz (1862-1914), einem verdienten Förderer der Jugendfürsorge.
HANKE: (1948) Clemens Schultz (1862-1914), Pastor in St. Pauli. Bis 1948: Kieler Straße.
Hanke übersieht bei seiner Angabe, dass die Straße seit dem 1. Januar 1940 für einige Jahr auch den Namen Störtebeker-Straße (bzw. in abweichende Schreibweise: Störtebeckerstraße) trug. Sie gehört damit zur Motivgruppe der "völkischen Namen", die seit 1938 bzw. 1940 zahlreichen Straßen in (Groß-)Hamburg gegeben wurden, zum einen zur Verhinderung von Namensgleichheiten nach dem Zusammenschluss von Hamburg mit Altona, Wandsbek und Harburg, zum anderen jedoch aus politisch-rassistischen Gründen, um Namen jüdischer oder anderer "unliebsamer Namenspaten" aus dem Gedächtnis der Stadt zu tilgen.
Die großen Verdienste des Pastors Clemens Schultz sind u.a. im "Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (Verlag Traugott Bautz, 1995) dokumentiert, wo es heißt:
"SCHULTZ, Clemens Eduard Ferdinand C(K)arl, evangelischer Theologe und Jugendpfarrer, * 22. September 1862 in Hamburg St. Pauli als ältester von drei Söhnen, von denen der jüngste früh starb, einer Hamburger Bürgerfamilie - sein Vater war Direktor einer Seeversicherungsgesellschaft - † 13. Januar 1914 in Hamburg. - Schultz' Ausbildungsgang war sehr wechselhaft. Er besuchte seit 1868 eine Hamburger Privatrealschule, denn er sollte nach dem Wunsch seines 1878 verstorbenen Vaters Kaufmann werden. Nach verschiedenen Anläufen lebte ein schon zu Konfirmationszeiten von Pastor Gotthard Ritter in ihm geweckter Wunsch auf: Er wollte Theologie studieren, wofür er jedoch erst ein Gymnasium besuchen mußte. 1884 wurde er mit seinem Freund Theodor Jürgens vom Wandsbeker Gymnasium aufgenommen. Das Abitur bestand er 1886. Noch im gleichen Frühjahr nahm er das Theologiestudium in Jena auf, wo er drei Semester lang studierte. Dort trat er in die Verbindung Salia ein. Seine Lehrer waren Lipsius, Hase und Nippold. Bereits während der Ferien lernte er in Hamburg Pastor Nicolai von Ruckteschell kennen, der ihn durch seine Art zu predigen tief beeindruckte und zu dem sich bald eine Freundschaft entwickelte. Schultz setzte seine Studien vier Semester lang in Berlin unter Pfleiderer und Harnack fort, bevor er 1890 zur Examensvorbereitung zurück nach Hamburg kam. Um nicht weiterhin auf Kosten seiner Mutter leben zu müssen, gab er einigen Schülern, die auch bei ihm untergebracht waren, Privatunterricht. Durch seine pädagogischen und seelsorgerischen Fähigkeiten machte er sich schnell einen Namen. Zwischen ihm und seinen Schülern entwickelte sich dank seiner kameradschaftlichen Art und den Unternehmungen, die er mit ihnen machte, sehr bald eine freundschaftliche Beziehung, die ihn sehr in Anspruch nahm. Deshalb und wegen zeitweiliger Krankheit schob er sein Examen immer weiter hinaus. So schloß er sein Studium erst im Herbst 1894 durch das theologische Examen ab. Er übernahm zunächst Kanzelvertretungen und wurde im April 1895 aufgrund seiner pädagogischen Fähigkeiten vertretungsweise in das - 1924 aufgelöste - Hamburger Lehrerseminar übernommen. Am 15. Juli 1896 erhielt er nun endgültig eine eigene Pfarre in St. Pauli, in die er am 22. September 1896 eingeführt wurde. Bei seiner Arbeit lagen ihm besonders die Jugendlichen am Herzen. Seine überzeugende und mitreißende Persönlichkeit zog die Jugendlichen in seinen Bann und begeisterte diese so, daß er bald eine Konfirmandengruppe von ca. 400 (zeitweise bis zu 600) Personen zu betreuen hatte. Schon kurze Zeit nach seinem Amtsantritt richtete er im Frühjahr 1897 im Pastorat mit 12 seiner ersten Konfirmanden als Gründungsmitglieder einen Lehrlingshort(-verein), die Vereinigung St. Paulianer Lehrlinge, ein. Dieser sollte zur seelsorgerischen Betreuung und Beschäftigung der 14-18jährigen männlichen Jugendlichen dienen, um diese zu Persönlichkeiten und zur Gemeinschaft in Freiheit und Vertrauen zu erziehen. Die Zahl der Mitglieder wuchs stetig an. Ostern 1898 waren es schon 40 Mitglieder, weshalb Schultz mit den Jugendlichen um diese Zeit in eine alte Turnhalle einzog. Später waren es bis zu 200 Mitglieder. Wer drei Jahre Mitglied im Lehrlingsverein war, mußte austreten. Dafür konnte er aber in den als Anschlußverein gegründeten Gehilfenverein eintreten, der zuletzt 60-100 Mitglieder hatte. Nach etwa fünfjähriger Mitgliedschaft konnte man dann in den Männerverein eintreten. So konnte weiterhin eine Gemeinschaft unter den St. Paulianern erhalten und geschaffen werden. An den Versammlungsabenden wurden Vorträge und Reden von eingeladenen Fachleuten gehalten und Diskussionen durchgeführt. Einmal im Jahr gab es zwei Familienabende des Lehrlingsvereins, an denen sich bis zu 800 Personen trafen. Auf Kongressen und anderen Versammlungen, z.B. dem Evangelisch-Sozialen Kongreß und der Bundestagung der Deutschen Jugendvereine, hielt Schultz flammende Reden zugunsten der Jugend, mit denen er in ganz Deutschland Aufmerksamkeit erregte. In diesem Licht, als Freund der schulentlassenen (männlichen) Arbeiterjugend, ist auch sein 1912 erschienenes Hauptwerk »Die Halbstarken« zu sehen. - Schultz war ein Kämpfer um und für die Jugend. Als solcher war er über die Stadtgrenzen hinaus ein beliebter und angesehener Seelsorger und Prediger. So waren seine Gottesdienste immer voll und oft überfüllt, und seine tägliche Sprechstunde wurde von ca. 40-50 Personen besucht. Zum Teil beruht sein Werk, mit dem er auch in den unkirchlichen Schichten großen Erfolg hatte, auf von Ruckteschells Ideen, die Schultz in die Tat umsetzte und weiterentwickelte. Dies bildet die Grundlage für die heutige Jugendarbeit und -fürsorge. Sein Freund und Zeitgenosse Walther Classen systematisierte sein Werk und führte es tatkräftig fort, insbesondere im Bund Deutscher Jugendvereine. Zu Ehren von Schultz wurde ein Jugendheim in Kuddewörde im Sachsenwald und in Hamburg-St. Pauli die noch heute bestehende Clemens-Schultz-Straße nach ihm benannt."
(Autor: Alexander Krolzik. Siehe: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band IX, Spalten 1129-1133. Verlag Traugott Bautz, 1995. –
Website mit weiteren Angaben: http://www.bautz.de/bbkl/s/s1/schultz_c_e_f.shtml)

 

Conle-Terrasse
»Schon der Bau von Etagenhäusern, noch mehr aber die Anlage von Wohnhöfen hat in Hamburg früher zu einer unmäßigen, gesundheitlich unverantwortlichen Ausnutzung der Bauplätze geführt, …« und fährt fort:
"Die heute unter dem Namen des jetzigen Eigentümers bekannte Terrassenanlage hätte durch den geplanten Abbruch der Südterrasse der angrenzenden Jägerpassage eine nicht unerhebliche Wohnwert- (und Miet-)Steigerung erfahren. Die beklagte optimale Grundstücksausnutzung ist in der, durch ihre Vorgärten und das zum Teil noch erhaltene historische Hofmobiliar, idyllisch wirkenden Anlage besonders augenfällig: geringstmöglicher Grenzabstand, höchstmögliche Geschoßzahl und Wohnkeller sogar in den Hinterhäusern. Dem 'Spekulationswohnungsbau', für die Zeitgenossen ein Begriff ohne negativen Beigeschmack, galt die Wohnung als gewinnbringende Ware. Dennoch (oder deshalb) war er aber schon im letzten Jahrhundert nicht in der Lage, die Wohnungsnot zu beheben. Zaghafte staatliche und genossenschaftliche Modellversuche entstanden, doch bis in die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts hinein oblag der Wohnungsbau, von wenige n Ausnahmen abgesehen, einzig und allein der privaten Initiative." (Kiek mol, 1993: S. 286)
Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass in der Verfassung der Weimarer Republik – im Gegensatz zum Grundgesetz – sogar ein Recht auf angemessenen Wohnraum festgeschrieben war ("Weimarer Reichsverfassung" vom 11.August 1919, Artikel 155, Abs.1, Satz 1), jedoch bis 1933 längst nicht für alle Wohnungssuchenden verwirklicht werden konnte.
H. HIPP liefert in seinem "Kunst-Reiseführer Hamburg" folgende bau- und sozialgeschichtliche Beschreibung:
"Der Vergleich [der Jäger-Passage] mit der gleichzeitig von einem privaten Unternehmer gebauten Nachbaranlage Wohlwillstr. 10-18 liegt nahe: der vermutlich 1867/68 erbaute Wohnhof wirkt freundlicher als das soziale Experiment und ist hell verputzt, mit der üblichen dekorativen Stuckgliederung; die Hofflügel haben sogar Vorgärten." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 252.)
Tatsächlich wird diese Beschreibung dem aktuellen Zustand – insbesondere der Hofgebäude – nur bedingt gerecht. Die zahlreichen, durch die von den wechselnden Eigentümern unterlassene Instandhaltung verursachten Mängel des Vorderhauses und der Terrassen wurden bereits Ende der 1980er Jahre im Auftrag des Mietervereins "Mieter helfen Mietern e.V." untersucht und in dem Gutachten "»Es liegt nicht nur am Lüften ...«: Instandhaltungsmängel Wohlwillstraße 10/18." (Eine Dokumentation der Gesellschaft für Modernisierung und Objektplanung – GEMO. Hamburg, 1988) zusammengestellt. Inzwischen (2006) sind Instandsetzungsmaßnahmen geplant, bei denen hoffentlich historische Details wie die Fensterteilungen und die neben einigen Türen aufgemalten historischen Ladenschilder erhalten bleiben.

siehe auch: Wohlwillstraße

 

D

Dänenweg
BECKERSHAUS: (Rotherbaum), 1888, zur Erinnerunng an die Belagerung der Sternschanze durch die Dänen im Jahre 1686.
EStH: Ben.[annt] 1870 zur Erinnerung an die Belagerung der Sternschanze durch die Dänen im Jahre 1686.
HANKE: kein Eintrag.
Der Dänenweg liegt nördlich des Dammes der Verbindungsbahn am südlichen Rande des Schanzenparks und bildet die Fortsetzung der Straße Sternschanze bis zur Rentzelstraße. Das historische Ereignis, auf das sich die Namensgebung bezieht, bildete eine der zahlreichen Auseinandersetzungen der Freien und Hansestadt Hamburg, die nach ihrem Selbstverständnis eine Freie Reichsstadt des ersten Deutschen Kaiserreichs war, mit dem Königreich Dänemark, denn die dänischen König sagen sich - in Nachfolge der Schauenburger Grafen - als Lehnsherren Hamburgs. "Rath" und Bürgerschaft Hamburgs verweigerten jedoch jahrhundertelang die Anerkennung dieser Lehnshoheit, während die Stadt zugleich zu einem der wichtigsten Gläubiger der dänischen Könige wurde. Schließlich führte der Gottorper Vertrag (auch "Gottorper Vergeich") im Jahre 1768 zur endgültigen Anerkennung der Hamburgischen Souveränität durch das Königreich Dänemark und zu einem erheblichen Gebietszuwachs Hamburgs südlich der Norderelbe im Gebiet der sog. Werder, zu denen u.a. Griesenwerder, Steinwerder oder Finkenwerder sowie die Gebiete der Veddel, der Peute und Kaltehofes zählten. Mit dem Vertrag wurde auch ein seit 1584, d.h. seit nahezu 200 Jahren (!), vor dem Reichskammergericht anhängiges Verfahren um die dänisch-schauenburgischen Hoheitsrechte über die Stadt Hamburg beendet.

 

Dag-Hammerskjöld-Platz
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1962, nach Dag Hammerskjöld (1905-61). Er war in seinen letzten Lebensjahren Generalsekretär der Vereinten Nationen.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz liegt hinter dem Dammtor-Bahnhof, bei der Marseiller Straße. Benannt 1962 nach dem schwedischen Politiker und Schriftsteller Dag Hammerskjöld (1905-1961). Der Jurist und Volkswirtschaftler war von 1949 bis 1951 Unterstaatssekretär im Außenministerium. 1953 wählte die UNO ihn zum Generalsekretär. 1961 kam er bei einem ungeklärten Flugzeugabsturz ums Leben."
Der zuvor international völlig unbekannte Hammerskjöld entwickelte nach seiner Wahl zum zweiten UN-Generalsekretär – am 7. April 1953 – die Grundlagen der "präventiven Diplomatie", die bis heute eines der wichtigsten Werkzeuge der Vereinten Nationen ist, sowie der internationalen Friedensmissionen der UN-"Blauhelme". Er geriet durch sein Eintreten gegen die Vormachtansprüche der Großmächte insbesondere in heftigen Gegensatz zur UdSSR. Daher verstummten die Gerüchte um seinen Tod bei dem Absturz einer schwedischen UN-Maschine in Sambia am 18. September 1961 bis heute nicht, denn dessen Ursache konnte nie endgültig geklärt werden.
Der Platz wird durch die Dag-Hammerskjöld-Brücke über die Dammtorstraße hinweg mit der Grünanlage nördlich der "Spielbank Hamburg" verbunden. Diese Brücke führte bis zum Umbau des ehemaligen "Phrix-Hauses" und späteren Hotels "Esplanade" weiter bis zu einer kleinen Einkaufspassage, die durch das – zu dieser Zeit als Bankgebäude genutzte – Haus führte. Die Verlängerung über die Esplanade zu den Colonnaden in der Neustadt wurde im Juli 2005 im Zuge der laufenden Umbauarbeiten des "Phrix-Hauses" zum neuen Standort der Spielbank abgebrochen.
Der Journalist Stefan GRUND beschreibt diese Brücke in einem Beitrag für die "WELT Hamburg" am 5. Januar 2008 folgendermaßen:
[Sie] "wurde für Fußgänger erbaut, besteht aus 330 Kubikmeter Stahlbeton, 265 Tonnen Stahl und 1000 Quadratmeter Kunststoffbelägen. Sie verbindet mit eigenwilligem Schwung vom Dammtor-Bahnhof aus gesehen selbigen mit Planten und Blomen (genauer: dem alten Botanischen Garten), dem Cinemaxx-Kino, dem Casino Esplanade und dem Stephansplatz. Dabei überspannt die Dag-Hammerskjöld-Brücke in verwinkelter Form neben der Dammtorstraße auch die Marseiller Straße die von der Dammtorstraße bis zum Bahnhofsvorplatz führt, dem Dag Hammerskjöld-Platz.
Die Brücke, das stählerne Kunstwerk mit einer Gesamtlänge von 250 Metern, wurde am 21. Dezember 1962 mit einer Rede von Bausenator Rudolf Büch (SPD) eingeweiht. …"

Die eigenartige abgesenkte Lage des Platzes entstand durch die Errichtung des Congress Centrums Hamburg (CCH) und des Hotelgebäudes, deren Tiefgaragen sich in den Untergeschossen unter dem erhöhten Vorplatz, von dem auch der Alte Botanische Garten zu erreichen ist, befinden. Bis zum Winter 2003/04 wurde der Plan verfolgt, das Niveau des Platzes teilweise anzuheben, um eine neue Eingangssituation für den geplanten futuristischen Neubau der Spielbank Hamburg zu schaffen. Diese Pläne wurden jedoch aus wirtschaftlichen Gründen zu den Akten gelegt – und damit vorerst auch die Umgestaltung des recht unwirtlichen Platzes, der lediglich eine zugige Vorfahrt für Taxis und eine unübersichtliche Tiefgarageneinfahrt bildet. Erst seit Fertigstellung der Erweiterung des CCH und dem Beginn der Sanierung des Hotel-Hochhauses wird in jüngster Zeit wieder intensiver über eine attraktivere Neugestaltung des Bereichs zwischen Dammtor-Bahnhof, Hotel und CCH nachgedacht. Konkrete Planungen liegen derzeit (Anfang 2008) noch nicht vor.

 

Davidstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1928, als die Außenbezirke der Stadt schneller wuchsen, als die Obrigkeit Straßennamen finden konnte, kam man in diesem Bezirk auf die Idee, zunächst männliche, später weibliche Vornamen dem Alphabet nach zu verwenden. Unter dem Buchstaben "D" hat es David getroffen. Überregional bekannt geworden ist diese Straße durch die Davidswache, berühmte Polizeiwache an der Ecke Reeperbahn / Davidstraße.
EStH: siehe Antonistraße.
HANKE: (1801) Die Davidswache, das Polizeirevier von St. Pauli. machte die Davidstraße weit über Hamburgs Grenzen durch Film und Fernsehen bekannt. Der Grund für die Benennung der Straße ist dagegen wenig spektakulär. Die Davidstraße gehört zu einer Gruppe von Straßen in St. Pauli, die in alphabetischer Reihenfolge nach männlichen Vornamen benannt wurde. Den Anfang machte die Antonistraße (1790). Dann folgten die Bernhardstraße (heute Bernhard-Nocht-Straße), die Carlstraße (1899 umbenannt in Balduinstraße, weil der "ritterliche" Name besser zu der "etwas rauflustigen Gegend" passte), die Davidstraße, die Erichstraße (1899 aus der 1. und 2. Erichstraße zusammengelegt), die Friedrichstraße (1899 aus der 1. und 2. Friedrichstraße zusammengelegt), die Gerhardstraße (1797) und die Heinrichstraße (später: Herbertstraße).
(In den vorstehenden Beschreibungen findet man einen häufig gemachten Fehler: Das ehemalige "Polizeirevier Davidwache" und heutige "PK 15" – Polizeikommissariat 15 – hieß richtig Davidwache und nicht Davidswache.)
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bescheibt NEDDERMEYER im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." seiner "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) die Davidstraße noch als spärlich bebaute Gasse. Es heißt dort:
"D a v i d s t r a ß e . No. 127 bis 138. 16 Häuser, 22 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 3. Von der zweiten Bernhardstraße bis zur ersten Friedrichstraße A.D. 4.
Diese bis jetzt nur an der Ostseite bebauete Gasse entstand 1798 (S. B. [= Stadt-Erbebuch])."

Die Bebauung beschränkt sich zu dieser Zeit offenbar auf einen Bereich südlich des Spielbudenplatzes, während das Gebiet in Richtung auf den weiter westlich gelegenen Siedlungskern an der St. Pauli-Kirche noch unbebaut – und wohl auch noch nicht parzelliert – ist.
Nach Heckscher (1909) beginnt mit der Davidstraße "die Gegend ..., die dem großen Getriebe angehört, wo die Lust und das Laster zu Hause sind, die der Vorstadt St. Pauli die Bezeichnung St. Liederlich eingetragen haben, denn unweit dieses Hauses [der Silberschmelze an der Ecke zur damaligen Bernhardstraße] beginnt die Reihe der öffentlichen Häuser und Tanzbordelle, welche die Davidstraße, die 1. Friedrichstraße, die Wilhelmstraße an der Westseite, die Querstraße und die Langereihe an der Südseite einnahmen."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 40-41.)
Bei SCHREIBER / WALDEN (2008) wird eine Lithographie des "GASTHAUS[es] ZU DEN VIER LÖWEN AUF ST. PAULI" wiedergegeben und beschrieben:
"Auf der Lithographie sehen wir an der Ecke Davidstraße / Erichstraße das spätestens in den 1820-Jahren etablierte 'Gasthaus zu den vier Löwen' – es war über Jahrzehnte das bekannteste Tanzbordell von St. Pauli, das auch viele Seeleute anzog. Die Prostitution war auch damals für die Betreiber solcher Etablissements ein gutes Geschäft. Um 1830 existierten Im Bereich westlich der Davidstraße nicht weniger als 42 Bordelle." (a.a.O.; S. 21)
Ortwin PELC berichtet in seinem Artikel "Der sündige Stadtteil. Der Ruf St. Paulis und seine Entstehung" (2008) folgendes:
"… Insbesondere and der Davidstraße waren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Prostituierten anzutreffen, in Kneipen, wo die Kontaktaufnahme bei Musik und Getränken erfolgte, oder in großen Tanzlokalen, in denen die Mädchen Kammern für ihre Dienste besaßen. Die Namen dieser Etablissements waren gediegen unverdächtig: 'Stadt London', 'Goldener Engel', 'Zum schwarzen Bären', 'Adler' oder 'Zum Elefanten'. Vor dem Tanzlokal 'Zu den vier Löwen' in der Davidstraße 8 befand sich zur Straße hin ein Zaun, hinter dem sich die Mädchen aufhalten durften und mit den Passanten ins Gespräch kamen. Drinnen befanden sich im Erdgeschoss der Tanzsaal, im Obergeschoss die Kammern der 'Tänzerinnen'. Auf der Vordiele warteten die Mädchen leicht bekleidet auf die Kunden."
(a.a.O., S. 96; nach: Thinius, 1975: S. 78 ff.)
Die Westseite der Davidstraße – nördlich und südlich der Einmündung der Herbertstraße – gehört zu den wenigen Orten in Hamburg, an denen Straßenprostitution amtlich gestattet ist, seitdem 1970 für den Bereich zwischen Davidstraße und Hans-Albers-Platz (einschließlich Herberstraße) die – ansonsten für ganz Hamburg gültige – Sperrgebietsverordnung aufgehoben bzw. gelockert wurde. Seitdem ist das Ansprechen möglicher Kunden in diesem Bereich zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens gestattet.
Seit Oktober 2010 hat auch die Sammlung des Fotografen und Journalisten Günter Zint – nach mehreren Umzügen durch den Stadteil ihren neuen Standort in der Davidstraße 17. Im "St. Pauli-Museum" werden Fotos, Zeitungsartikel, Souvenirs, Schmuck, Einrichtungsgegenstände und Erinnerungsstücke von St. Paulianern gezeigt, die Zint in den vergangenen Jahrzehnten in seiner umfangreichen Privatsammlung zusammengetragen hatte.
Die Ecke zur Bernhard-Nocht-Straße besetzt seit Fertigstellung des neuen sog. "Brau-Quartiers" zwischen Hopfen-, David- und Bernhard-Nocht-Straße und Zirkusweg ein Hotelturm. Das "Empire Riverside Hotel" wurde nach einem Entwurf des international renommierten Architekten David Chipperfield errichtet. Es beherbergt im Erdgeschoss ein Café und Restaurant, dessen Besucher sich wahlweise als Voyoure mit Blick auf den Straßenstrich oder als Komparsen der Gentrifikation im einem verglasten "Schutzraum" betrachten können. Besser geschützt vor den Anfechtungen des Straßenlebens von St. Pauli sind sicherlich die Gäste der "20up“-Bar im 20. Stockwerk des Hotels, die aus den riesigen Panoramafenstern einen weiten Blick auf den Hamburger Hafen haben. Eine vergleichbare Aussicht konnten bereits die Gäste des Restaurants "Bavaria Blick" genießen, dass sich bis zu dessen Abbruch im obersten Stockwerk des an gleicher Stelle stehenden Gär- und Lagerhauses der Bavaria-St. Pauli-Brauerei befand, in der das ortstypische "Astra"-Bier gebraut wurde.

siehe auch: Erichstraße

 

E

Eckernförder Straße
EStH: Ben.[annt] 1899 nach der Stadt Eckenförde im Anschluß an den Namen der Kieler Straße; vorher seit 1841 Marienstraße mit, wie es scheint, frei gewähltem Namen; früher Hinter der Reeperbahn.
Nach HANKE: heute Simon-von-Utrecht-Straße.
Zum 1. Januar 1940 erfolgte im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im 1938 neu geschaffenen "Groß-Hamburg" die Umbenennung in Simon-von-Utrecht-Straße. Der neue Name gehört zur Motivgruppe der Hamburger Honoratioren zu Beginn des 15. Jahrhunderts und ihrer Gegenspieler, der Vitalienbrüder unter Führung Klaus Störtebekers und Gödeke Michels’.

siehe auch: Simon-von-Utrecht-Straße

 

Eimsbütteler Straße
EStH: Ben.[annt] um 1841 als Teil des nach Eimsbüttel führenden Straßenzuges.
Nach HANKE: heute Budapester Straße; seit 1956.
Die Landstraße vom Millerntor nach Nordwesten am südwestlichen Rande des Heiligengeistfeldes entlang erscheint seit dem 18. Jahrhundert verschiedentlich auf historischen Karten und in topographischen Beschreibungen – wiederholt als "Fuhrweg nach Eimsbüttel" - und setzt sich über den Neuen Pferdemarkt und das Schulterblatt in Richtung auf das holsteinisch-pinnebergische (bzw. dänische) Dorf Eimsbüttel fort.
Von 1946 bis zur Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes (1956) durch Truppen des Warschauer Pakts unter Führung der Sowjetunion trug sie den Namen Ernst-Thälmann-Straße.

siehe auch: Budapester Straße

 

Einfahrt[en], 1ste bis 6te
"Jllustrirte[n] Plan von Hamburg u. Altona / Bearbeitet, gezeichnet u. lithographirt v. Wilh. Heuer. Druck v. H. F. Plate" (Maßstab: [ca.] 1:13.000; Lithographie; Größe: 53 x 43 cm. Hamburg: Gassmann, [ca.] 1840.) findet sich für das "Judenthor" die Bezeichnung "Schlachterbuden Thor" und für die Pforte zwischen der damaligen Kieler Straße (heute: Clemens-Schultz-Straße) und der damaligen (Altonaer) Neue Rosen-Straße (heute: Paul-Roosen-Straße) der Name "Hummel Thor". Dieser findet sich auch auf weiteren zeitgenössischen Karten.

siehe auch: Grenzgang

 

Elbhalle (mit: Martenswohnungen)
"Die Elbhalle war von dem Oberalten A.E. Martens, der sich auch um die schönen Anlagen auf dem Walle, zwischen dem Stintfang und dem Millerntor verdient gemacht hat, etwa 1820 gestiftet; sie war nach damaligen Ansichten ein geschmackvoll gebautes Haus, mit einem Altan nach der Elbseite. Der Eintritt war nur Abonnenten gestattet, doch konnten auch Fremde eingeführt werden, die monatlich einen Speciesthaler dafür zu erlegen hatten. Das Haus war im Inneren hübsch dekoriert, hatte zwei große Säle, in denen 150 Personen speisen konnten, auch waren vier Nebenzimmer vorhanden und vor dem Hause lag ein schöner mit Bäumen bepflanzter Spaziergang. Das Haus hat allmählich den vornehmen Charakter verloren und ist heute ein Tanzlokal niederster Sorte, in dem Gesellen, Arbeiter, Fabrikmädchen und Dienstmädchen verkehren; zeitweilig bestand das weibliche Element sogar nur aus Insassen der öffentlichen Häuser, die anständige bürgerliche Gesellschaft ist verschwunden. .....
Der Grünplatz hinter der Elbhalle wurde später von Gärten eingenommen, die zu den Häusern gehörten, welche an dem Wege bei der Erholung erbaut waren."

(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 38, 40.)
Heckscher dürfte sich auf einen Eintrag im "Hamburgischen Adress-Buch für das Jahr 1820" beziehen. Dort heißt es im Abschnitt: "Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Alphabetisches Verzeichniss einiger Hamburgischer Anstalten, öffentlicher Gebäude und anderer Merkwürdigkeiten, zunächst für Fremde", Seite 639:
" E l b – E r h o l u n g und E l b – H a l l e . Die Elb-Erholung ist das niedrige zuerst auf dem Hamburger Berg an der Elbe erbauete Haus. Wirth ist Herr Herfurth. Der Elbstrom und die Ankunft und Abfahrt der Schiffe gewähren den Besuchenden eine erfreuliche Ansicht du einen grossen Genuss. Neben diesem Gebäude ist ein geschmackvolles grosses Haus mit einem Altan errichtet, Elb-Halle genannt. Nur den Abonnenten wird der Eintritt gestattet. Doch können Fremde von diesen Mitgliedern, gegen Erlegung eines Species:balers (?) für den Monat, eingeführt werden. Das Innere der Elbhalle ist prachtvoll decorirt, und besteht aus 2 grossen Sälen, in welchen 150 Personen speisen können, und aus 4 Nebenzimmern. Vor beyden Häusern ist ein schöner mit Bäumen bepflanzter Spaziergang für das Publikum angelegt. In Hamburg’s Umgebung ist dieser Erheiterungsort unstreitig einer der vorzüglichsten, und, was namentlich seine Lage betrifft, einzig in seiner Art. Stifter ist der um unsere Gefängnisse und Besserungsanstalten höchst verdiente Herr A. E. Martens; Eigenthümer Herr Herfurth."

siehe auch: Bei der Erholung

 

[Am] Elbpark
<< auf der Karte anzeigen
EStH: Ben.[annt] nach den dortigen parkartigen Anlagen.
Diese Parkanlage trägt heute die Bezeichnung Alter Elbpark und wird weithin markiert durch die ehemalige Bastion Casparus mit dem monumentalen Denkmal Otto von Bismarcks, der – in eine martialische Rüstung gewandet und vom Hamburger Stadtzentrum abgewandt – elbabwärts blickt.
Die Broschüre "Hamburgs Grün" beschreibt diesen westlichen Abschnitt des Inneren Grünen Rings entlang der historischen Wallanlagen folgendermaßen:
"Die Anlagen beginnen an den Landungsbrücken mit einer fulminanten Aussicht: Von der Anhöhe Stintfang lassen sich Hafen und Elbe weithin überblicken. Der Hang dieser ehemaligen Bastion Adolphus lässt die massive historische Befestigung der Stadt Hamburg erahnen. Die Wallanlagen des 17. Jahrhunderts zogen sich in einem weiten Bogen von der Elbe bis zur Alster bei der heutigen Lombardsbrücke und trafen beim Baumwall wieder auf das Elbufer. Sie hatten 22 Bastionen und einen Wassergraben und konnten zunächst nur durch eines der sechs Tore überwunden werden. Zahlreiche Straßennamen erinnern heute noch an die Befestigung, die Anfang des 19. Jahrhunderts durch den Bremer Kunstgärtner Isaac Altmann in einen Park umgewandelt wurde.
Vom Stintfang, …, gelangt man nach Norden an einen weiteren Aussichtspunkt: Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark. Auf der Anhöhe der ehemaligen Bastion Casparus – wie alle Bastionen nach Ratsherren aus dem 17. Jahrhundert benannt – errichtete die Stadt Hamburg bereits 1906 ein monumentales Denkmal zu Ehren des ersten Reichskanzlers. Dies war im Kaiserreich eine gewagte Geste, vor allem weil diene Figur nach Westen in das damals dem Kaiserreich zugehörige Altona blickte. Schon 1869 hatte in diesem alten Park die erste Internationale Gartenbauausstellung stattgefunden. … Diese Ausstellungen entwickelten sich zu einer Tradition in den Wallanlagen, wanderten aber mit der Zeit immer weiter in die nördlichen Parkbereiche."
(siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 14)
Eine kurze Einführung in den zeit- und ideengeschichtlichen Hintergrunds für die Errichtung des Bismarck-Denkmals gibt der "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE Es heißt dort:
"Bismarck-Denkmal, Elbpark, Neustadt. Architekt: Johann Emil Schaudt; Bildhauer: Hugo Lederer. 1901/02 W[ettbewerb]; 1905/06. – Fühlten sich viele Hamburger zu Beginn der 1880er Jahre bei den politischen Auseinandersetzungen um den Zollanschluß noch durch die Hegemonialbestrebungen des Reiches 'vergewaltigt', so wurde in der Hansestadt gut zwei Jahrzehnte später – zur Hochzeit des nationalen Bismarckkults – eines der größten Denkmalprojekte für den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-98) überhaupt realisiert. Das Monument in Schwarzwälder Granit misst vom Plateau aus eine Gesamthöhe von 34,3 m, wovon 14,8 m auf die Figur entfallen; das überdimensionale Schwert ist10 m lang. Eine öffentliche Sammlung erbrachte die zunächst veranschlagte Summe von 400.000 Mark (8tatsächlich wurden es 503.000 Mark). Die Stadt stellte das exponierte Grundstück oberhalb des Hafenrands zur Verfügung.
Der Entwurf von Schaudt und Lederer überzeugte im Wettbewerb durch seine überzeitliche und überpersönliche Interpretation des Themas sowie die signifikante Verbindung von Skulptur und Architektur. Verweise auf das Wilhelminische Kaiserreich und die Reichseinigung 1871 fehlen völlig mit Ausnahme der acht athletischen Jünglingsgestalten am Sockel, die die vereinigten deutschen Stämme symbolisieren sollen. Auch Bismarck wurde nicht, wie üblich, als preußischer Militär oder gar als greiser Gutsherr in Friedrichsruh dargestellt, sondern als mittelalterlicher Roland, dem norddeutschen Sinnbild städtischer Rechts- und Freiheitsgarantien – hier allerdings ins Nationale gewendet durch den wachenden Blick über den Strom und somit gen England."
(siehe: Lange, 1995: S. 94, "C13")
Zu den Relikten des deutschlandweiten Bismarckkults vor dem Ersten Weltkrieg zählen – verstreut über das gesamte historische Gebiet des früheren "Deutschen Reichs" – nicht nur zahlreiche Denkmäler, sondern auch die sog. Bismarcktürme, die ebenfalls symbolisch für den Blick in die Ferne und die Wacht zum Schutz des Reiches vor seinen Feinden stehen. Im Falle des Hamburger Denkmals drohten diesem wehr- und standhaften Blick allerdings in den 1980er und -90er Jahren erhebliche Beeinträchtigungen. Zum einen war die Standsicherheit des Unterbaus durch eindringende Feuchtigkeit stark gefährdet, zum anderen verschwand das Denkmal hinter allmählich hoch und "blickdicht" werdenden Bäumen zu seinen Füßen. Daher wurde eine Sanierung des gesamten Denkmalsbereichs durchgeführt, bei der in seinem Unterbau u.a. naive völkische Malereien und Graffiti aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zum Vorschein kamen, vermutlich aus den Jahren seiner Nutzung als Luftschutzraum. Das umgebende Wäldchen wurde stark gelichtet, um Blickachsen freizulegen bzw. neue zu schaffen.
Über seine (bau-)geschichtliche Bedeutung hinaus hat das Denkmall auch eine mediengeschichtliche, denn der früheste erhaltener Hamburger Reportage- bzw. Dokumentarfilm zeigt seine Enthüllung am 2. Juni 1906.

Weitere Quellen und Literatur:
Volker Plagemann: »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand.« Denkmäler in Hamburg. Hrsg. v.d. Kulturbehörde / Denkmalschutzamt. (Hamburg, 1986: S. 103 f.)
Jörg Schilling: Das Hamburger Bismarck-Denkmal und die Monumentalität der Moderne. (Göttingen, 2006)

Websites:
"Bismarcktürme": http://www.bismarcktuerme.de/website/ebene1/index.html; http://www.bismarcktuerme.de/website/ebene3/laender/hamburg.html
"Unter dem Bismarck-Denkmal in Hamburg": http://www.lostplaces.de/cms/content/view/37/33/
"Bismarck-Denkmal": http://www.wikipedia.org/w/index.php?title=Bismarck-Denkmal&printable=yes

siehe auch: Wallanlagen, Große und Kleine

 

Ernst-Thälmann-Straße
Von 1946 bis zum Ungarn-Aufstand (1956) Name der heutigen Budapester Straße. (1985 wurde ein Teil der Tarpenbekstraße in Eppendorf vor der früheren Wohnung des KPD-Vorsitzenden und - von 1919 bis 1933 - Bürgerschaftsmitglieds Ernst Thälmanns in Ernst-Thälmann-Platz umbenannt.)

siehe auch: Budapester Straße

 

F

Fahr- und Feldwege (ohne amtlichen Namen)
"Außer den hier erwähnten Gassen giebt es nun noch manche Wege auf dem Hamburgerberge, die theils unbebauet sind, theils aber keine Namen und nur einzelne Häuser haben. Der Vollständigkeit wegen halte ich es für zweckmäßig diese, so gut es sich ohne Karte thun läßt, hier aufzuführen.
Vom Millernthor führt links ein Fußweg nach dem Hornwerke; rechts von diesem Wege steht das 1831 erbauete, jetzt leer stehende Cholera-Hospital.
Ein Fahrweg führt vom Thore ebenfalls links nach der Dampffähre.
Ein zweiter Fahrweg geht vom Thore erst westlich, und dann ebenfalls links, nach dem Wirthshause, Elbhalle genannt, und von da als Chaussee nach der ersten Einfahrt; von diesem Wege ab führt südwestlich ein Weg nach der ersten Friedrichstraße.
Ein anderer Fahrweg führt vom Millernthor fast gerade nach der 4ten Einfahrt; links befinden sich Buden für Seiltänzer, Panoramen, Gaukler und Menagerien; rechts von diesem Wege liegt die Reeperbahn. [1] Ein Fahrweg führt nach dem Klütjenstieg, so daß die Reeperbahn links bleibt. [2]
Vom Thore ab führt ferner ein Weg "Am heiligen Geistfelde" (...) nach Eimsbüttel [3]; von diesem Wege gehen ab, in nordwestlicher Richtung ein Weg nach der 5ten Einfahrt; in südlicher ein Weg nach der Nordseite der Reeperbahn; drittens ein Weg nach der 5ten Einfahrt, welcher erst westlich geht und dann sich südlich wendet. Endlich führt von diesem Hauptwege am heiligen Geistfelde ein Weg an Prahlenhof vorbei nach der 6ten Einfahrt und etwas weiter nördlich ein Weg nach der kleinen Gärtnerstraße in Altona.
Vom Müllergang führt ein Weg nach der Kämmereiwiese [4]; ein zweiter, etwas weiter östlich gelegen, führt bei der Oelmühle vorbei ebenfalls dahin [5]; und endlich bildet ein Weg, der von der Sternschanze, oder deutlicher von der Nordwest-Ecke der Kirchhöfe herkommt und an der Glashütte vorbeigeht [6], die nordöstliche Gränze dieser Vorstadt,und führt dann in südlicher Richtung nach dem Millern Thore."

Die meisten der genannten Wege wurden in den folgenden Jahren zu befestigten Straßen, darunter (1) der Spielbudenplatz, (2) die ehem. Kieler Straße (heute: Simon-von-Utrecht-Straße), (3) die ehem. Eimsbütteler Straße (heute: Budapester Straße), (4) die Laeiszstraße, (5) die Glashüttenstraße und (6) der Straßenzug Carolinenstraße (heute: Karolinenstraße) – Glacischaussee. Lediglich die Wege im Bereich des Alten Elbparks, z.B. zum "Wirthshaus Elbhalle" verschwanden – zusammen mit ihren Zielen – nahezu vollständig.
Wie bei HECKSCHER (1909) nachzulesen ist, bestand das Gebäude des Choleralazaretts auf dem Hornwerk bis 1835. Er fährt fort: "Das nun folgende langgestreckte Feld wurde von mehreren ungebahnten Wegen durchschnitten, die zu den Landungsbrücken am Jonashafen führten, welche 1817 angelegt worden sind, weil man die Befürchtung hegte, die Dampfschiffe, deren erstes, 'The Lady of the lake' am 17. Juni 1817 im Hafen ankam,.möchten, wenn im Segelschiffhafen zugelassen, für die Schiffe gefährlich werden. Sie mußten deshalb beim Jonas, (so genannt nach einer ehemaligen Befestigung), anlegen, von wo aus auch im Jahre 1818 die Dampffährverbindung mit Harburg stattfand."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 36.)

siehe auch: Millerntorplatz

 

Falcken Wohnungen, Falcken Hoff
"Valken-Teich" [sic!] zu berichten und erläutert: "Valke, nach welchem dieser Teich benannt ist, kaufte 1646 Nobiskrug-Land; eine Lohgärberei dieses Mannes wird als bei der neuen Festung (dem Wall) belegen, bezeichnet. Das Domkapitel verkaufte dem Hans Valke drei Stück oder Kempten Landes, vor dem Millernthore ... , welche Nobis Ackerland genannt wurden." (Neddermeyer, Zur Statistik und Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg. Hamburg, 1832: S. 64.)
Zum Falkenhof [sic!] bemerkt er an anderer Stelle jedoch ausdrücklich: "Früher lag hier der Falkenhof, bestehend aus 55 kleinen Häusern, 21 Sählen und 2 Kellern." (ebda., S. 337)
Diese Belegenheit scheint also 1832 nicht mehr zu existieren und ist – ähnlich wie eine Reihe anderer "Höfe" und "Plätze" der Vorstadt Hamburger Berg wohl im Winter 1813/14 der Niederbrennung durch die französischen Besatzungstruppen zum Opfer gefallen.

siehe auch: Einfahrt[en], 1ste bis 6te

 

Feldstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, nach dem im Süden angrenzenden Heiligen Geist-Felde.
EStH: Ben.[annt] 1841 nach dem im Süden angrenzenden Heiligen Geist-Felde.
HANKE: (1841) Die Feldstraße hat ihren Namen von dem Heiligengeistfeld, dessen nördliche Begrenzung sie bildet.
PABEL: Benannt 1841 nach dem im Süden angrenzenden Heiligen-Geist-Feld. Sie wurde 1862 von der Glashüttenstraße zum Müllergang durchgeführt und bald danach an der Nordseite ganz bebaut.
Bereits zuvor waren zwischen 1836 und 1845 zahlreiche Baulücken entlang der ehemaligen Feldwegeverbindung von den Friedhöfen zum Neuen Pferdemarkt geschlossen worden, so dass diese fortwährend besser befestigt werden musste.

 

Finkenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), um 1737, benannt nach dem Advokaten Petrus Finke (1644-1698), Vorbesitzer des Geländes.
EStH: kein Eintrag.
HANKE: kein Eintrag.
Bereits auf dem "Grund-Riss der Stadt Altona; [gewidmet] Christiano VII. Regi Daniae Norvegiae cet. (Kupferstich; Größe: 55 x 49 cm; Maßstab: [ca.] 1:4.000.) [Altona], [ca.] 1780]" findet sich "Die Fincken Twite" an der östlichen Grenze der Stadt Altona zu Hamburg.
Die "Fin[c]kenstraße" lag bis zur Gebietsreform durch das Groß-Hamburg-Gesetz in Altona und gehörte zum alten Vergnügungs- und "Rotlicht"-Viertel der Hamburger Nachbarstadt unmittelbar an der Grenze zu St. Pauli. In der Finkenstraße lag auch die in den 1920er-Jahren als "Unterwelt-Spelunke" berüchtigte "Finkenbude", Endstation vieler Obdachloser und Alkoholiker, die dort angeblich zum Ausnüchtern über eine Leine gehängt wurden.

 

Fischerstraße
EStH: Ben.[annt] 1841 entweder nach dem Grundeigentümer oder nach dem Vogt der Vorstadt St. Pauli F.J.C. Fischer (1855), dessen Familie den Vogtdienst seit 1743 innehatte.
PABEL: Nahe Reeperbahn und Silbersackstraße. Benannt 1841 entweder nach dem Grundeigentümer oder nach dem Vogt der Vorstadt St. Pauli F.J.C. Fischer (gest. 1855), dessen Familie den Vogtdienst seit 1743 innehatte.
Der Straßenname deutet mithin nicht auf den Beruf ihrer Bewohner hin, denn sie liegt zum einen „auf der Geest“ und damit außerhalb des tiefer gelegenen Uferbereiches und zum anderen waren auf St. Pauli der historischen Überlieferung – z.B. in den Berufsangaben der "Hamburger Adreß-Bücher“ – nach kaum Fischer ansässig. Der gelegentlich zu findende Hinweis auf die "Fischersiedlung" an der Mündung des Pepermölenbeks in die Elbe als "Urzelle“ der Stadtteils führt also eher in die Irre.
Die Straße existiert seit der Umgestaltung des Gebietes nördlich des Hein-Köllisch-Platzes in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre nicht mehr. Zusammen mit dem Straßennamen verschwand ein wichtiger Teil der "altstädtischen" Bebauung St. Paulis mit niedrigen Vorderhäusern, die giebel- oder traufständig an den schmalen – die Dimensionen eines Stadtgrundrisses der vorindustriellen Zeit widerspiegelnden – Vorstadtstraßen lagen, und gemischt genutzten Wohn- und Gewerbehäusern in zweiter Baureihe.

 

Fischmarkt
BECKERSHAUS, Die Hamburger Straßennamen) unter dem Stichwort Fischmarkt (Altonaer Fischmarkt und St. Pauli Fischmarkt):
"Der Markt liegt zwischen Breite Straße, Kirchenstraße und Elbe in Altona. Benannt seit etwa 1358. Die beiden Fischmärkte, Altonaer Fischmarkt und St. Pauli Fischmarkt, wurden im Laufe der Zeit zu einem Markt. Ursprünglich war der Platz die Anlandestelle der Altonaer und Hamburger Fischer, die hier ihre Ware verkauften. Heute ist der Fischmarkt ein großer Flohmarkt geworden, auf dem »alles« verkauft wird. Jeden Sonntagmorgen ist er der Anziehungspunkt für Hamburger und Touristen aus aller Welt."
Franklin KOPITZSCH schreibt in dem von ihm mit herausgegebenen "Hamburg-Lexikon" unter dem Stichwort Fischmarkt (in: KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 158):
"Der erste Fischmarkt genannte Platz ist in dieser Nutzung seit dem 14. Jahrhundert belegt und war wohl der erste Marktplatz der bischöflichen Altstadt. Er lag südlich des St. Marien-Doms, unweit vom »Salzhaus« und vom »Heringshaus«. An diesen Fischmarkt erinnert der Straßenname »Alter Fischmarkt« [in der Altstadt]. Während andere Marktfunktionen nördlich auf den bei St. Petri gelegenen »Berg« übergingen, blieb hier die ganze Hansezeit [12.-16. Jhdt.] hindurch ein Fischhandelsplatz bestehen. Neben Fisch wurde auch Leder angeboten. Im 16. Jahrhundert begann der Fischverkauf auf dem Hopfenmarkt [bei der alten Hauptkirche St. Nikolai].
Seit 1861 entstand an der Grenze zu Altona der St. Pauli-Fischmarkt; dieser wuchs Ende des 19. Jahrhunderts mit dem 1703 entstandenen Altonaer Fischmarkt zusammen. 1889 wurde auf dem Hamburger Teil eine Fischauktionshalle in Betrieb genommen, die bis zu ihrem Abriss 1971 bestand. Die Stadt Altona erbaute 1895/96 in einer Eisen-Glas-Konstruktion eine eigene Halle. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, erst 1982-84 restauriert und ist seither Veranstaltungszentrum. Als Beispiel gründerzeitlichen Ingenieurbaus steht sie unter Denkmalschutz. Die Rivalität zwischen Hamburg und Altona um den Fischmarkt griff P. Türpe im 1900 geschaffenen Stuhlmannbrunnen vor dem Altonaer Bahnhof auf: Zwei Kentauren kämpfen um einen Fisch. Altona obsiegte und wurde zum größten Anlandeplatz der deutschen Fischfangflotte. 1934 erfolgte die Zusammenlegung mit dem Hamburger Fischmarkt.
Der sonntägliche Markt ist, obwohl die namengebende Ware stark an Bedeutung verloren hat, nach wie vor ein Anziehungspunkt für Nachtschwärmer und Frühaufsteher, darunter zahlreiche Touristen. Südfrüchte und Blumen, Imbissbuden und Flohmarktstände bestimmen das Bild. Die Versteigerungen von Fisch finden heute in Hallen der Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH, einer Tochter der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktien-Gesellschaft, an der Großen Elbstraße zwischen dem Terminal der Englandfähre und dem Elbhang statt."

Anzumerken ist, dass der Vertrag zur gemeinschaftlichen Verwaltung der Fischereihäfen von Hamburg und Altona durch die Gesellschaft »Vereinigte Fischmärkte in Hamburg und Altona« am 29.12.1933 abgeschlossen wurde. Er bildete einen Baustein der einheitlichen Landesplanung, über den die Freie und Hansestadt Hamburg und das Land Preußen, zu dem Altona und auch Harburg-Wilhelmsburg und Wandsbek gehörten, am 5.12.1928 einen Staatsvertrag abgeschlossen hatten. Zu den zentralen Anliegen dieses Vertrages gehörte die Abstimmung der Hafenplanungen der drei Hafenstädte Hamburg, Harburg (mit Wilhelmsburg) und Altona, in denen bis dahin viele Hafenfunktionen parallel vorgehalten und weiterentwickelt wurden (z.B. mehrere Kohlen- oder Holzhäfen).

siehe auch: St. Pauli-Fischmarkt

 

Flora-Neumann-Straße
"Flora-Neumann-Straße: nach Flora N. (1911–2005), jüdische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus; hat an den Hamburger Schulen bis ins hohe Alter als Zeitzeugin Tausende von Schülerinnen und Schülern über die NS-Zeit und den Holocaust aufgeklärt; zugleich zur Erinnerung an ihren Ehemann Rudolf N. (1908–1999), Elektriker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, sowie an ihren Sohn Bernd, der mit den Eltern Auschwitz überlebte."
Die Belegenheit wird wie folgt beschrieben:
"… die nachstehend beschriebene[.] Verkehrsfläche[.] [wird] wie folgt umbenannt: im Bezirk Hamburg-Mitte, Stadtteil St. Pauli – Ortsteil 109 – den etwa 230 m langen, von der Karolinenstraße nach Westen abzweigenden Nordteil der Grabenstraße in Flora-Neumann-Straße, …" (a.a.O., S. 1121)
[Die Hamburger Journalistin und Autorin] Peggy Parnass berichtete bei unterschiedlichen Gelegenheiten über das Leben ihrer Tante und ihres Onkels im Widerstand und als Juden im Dritten Reich: "Flora Neumann überlebte das KZ-Lager Auschwitz. Ihr Mann wurde nach dem Ende der NS-Zeit im KZ Buchenwald befreit. Der Sohn des Ehepaares wurde während der NS-Zeit in einem Kloster in Belgien versteckt. Die Familie Neumann ist die einzige jüdische Hamburger Familie, die den Holocaust als Familie überlebt hat."
(Nach: Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Jahresbericht 2007, S. 40.)
Rita BAKE hat die Flora-Neumann-Straße in die 6. Auflage (2011) Ihres - unter dem Titel „Wer steckt dahinter?“ veröffentlichten - Lexikons nach Frauen benannter Straßen in Hamburg aufgenommen. Sie ergänzt die Angaben wie folgt:
"St. Pauli, seit 2010, nach Flora Neumann (1911-2005), jüdische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus; hat an Hamburger Schulen bis ins hohe Alter als Zeitzeugin Tausende von Schülerinnen und Schülern über die NS-Zeit und den Holocaust aufgeklärt; zugleich zur Erinnerung an ihren Ehemann Rudolf N. (1905-1999), Elektriker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, sowie an ihren Sohn Bernd, der mit den Eltern Auschwitz überlebte.
Die jüdische Widerstandskämpferin Flora Neumann wurde 1911 in Hamburg geboren und war Schülerin an der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße (das Hauptgebäude ist unzerstört erhalten geblieben. In einigen Klassenräumen hat die Hamburger Volkshochschule eine Gedenkstätte als Museum Dr. Alberto-Jonas-Haus in der Karolinenstraße 35 eingerichtet.) 1938 floh Flora Neumann mit ihrem Sohn nach Belgien und Frankreich und war im Widerstand gegen Hitler aktiv. Das Ehepaar wurde verraten und auf der Flucht getrennt. Ihren Sohn Bernhard konnten sie in einem belgischen Kloster verstecken. 1943 wurde Flora Neumann verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz bei Krakau ([im "Generalgouvernement" im besetzten] Polen) deportiert. Sie überlebte nicht nur das KZ Auschwitz, sondern auch den Todesmarsch 1945 Richtung Westen in das KZ Ravensbrück (damaliger brandenburgischer Landkreis Templin-Uckermark). Nach der Befreiung traf sie ihren Mann, der das KZ Buchenwald überlebt hatte, in Brüssel wieder.
1951 kehrte sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Hamburg ins Karolinenviertel zurück. Für jeden Tag, den sie im KZ hatten verbringen müssen, erhielten sie eine Entscheidung von 5 DM. Mit dem Betrag eröffneten sie in der Karolinenstraße eine Wäscherei.
Flora Neumann war ein außerordentlich aktives Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Hamburg. Bis ins hohe Alter hat sie an Hamburger Schulen als Zeitzeugin Tausende von Schülerinnen und Schüler über die NS-Zeit aufgeklärt.
2005 starb Flora Neumann im Alter von 94 Jahren. Im November 2010 wurde ein Teil der bisherigen Grabenstraße im Karolinenviertel nach Flora Neumann benannt. Im Rahmen des städtebaulichen Erneuerungskonzeptes St. Pauli-Nord/ Karolinenviertel ist mit dem Richtfest für das Jüdische Kulturhaus Karolinenviertel in der Turnhalle der ehemaligen Israelitischen Töchterschule an der Flora-Neumann-Straße 'ein weiterer Schritt gegen das Vergessen getan' [worden] (QN-Karolinenviertel Nr. 61/ Juni 2011, S. 5).
Flora Neumanns Lebenserinnerungen mit dem Titel 'Erinnern, um zu überleben' (mit einem Nachwort von ihrer Nichte Peggy Parnass, Konkret Verlag, Hamburg 2006) sind ein bewegendes und seltenes autobiographisches Zeugnis jüdischen Widerstandes während der NS-Zeit sowie des Überlebens in Vernichtungslagern. Peggy Parnass beschrieb in ihrem Nachwort zu den Lebenserinnerungen Flora Neumann so: 'Die kleine, große Widerstandskämpferin. Klein, kulleräugig, sinnlich, lebenslustig, liebevoll, charmant, fröhlich, warm, spontan, unendlich großzügig. Ihre KZ-Nummer: 74559. Hübsch und leserlich am linken Arm. Nicht auszuradieren. Flora, ihr Mann und ihr Sohn sind die einzigen Hamburger Juden, die als Familie überlebt haben. Die Bilder von Auschwitz haben Flora nie losgelassen. Bis zuletzt hat sie politisch Stellung bezogen, gegen Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit gekämpft. Wer sie kannte, liebte sie.“
[Von] Cornelia Göksu

Ein wichtiges Gebäude an dieser Straße wird künftig die Belegenheit Flora-Neumann-Str. 1 haben. Es handelt sich um ein neues Gemeindehaus (mit Versammlungssaal, Bibliothek, Seminar- und Büroräumen) der Jüdischem Gemeinde in Hamburg, das durch den denkmalgerechten Um- und Ausbau der ehemaligen Turnhalle der Israelitischen Töchterschule entstand, die sich an der Einmündung der Straße in die Karolinenstraße (Haus Nr. 35) befindet.
Ein anderer erwähnenswerter Neubau ist das gegenüberliegende neue Wohnhaus der (Wohnungs-) Baugenossenschaft Hansa e.G., das zu Beginn des Jahres 2011 fertiggestellt und bezogen wurde.

siehe auch: Grabenstraße

 

Friedenstraße
Frühere Bezeichnung der – in der damals unabhängigen Stadt Altona gelegenen – heutigen Lippmannstraße zwischen ehemaliger "Hamburger Straße" (heute: Altonaer Straße) und früherer "Nachtigallenstraße" (heute: nördlicher Abschnitt der Lerchenstraße); kreuzte die Julius- und die Parallelstraße (heute Eifflerstraße). Sie wurde zum 1. Januar 1940 in Harpunierstraße und 1948 in Lippmannstraße unbenannt.
"Köhlers Plan der Hansestadt Hamburg" (Hamburg, 1939) zeigt eine Straße gleichen Namens anstelle der heutigen Otzenstraße (in Verlängerung der Paulinenstraße in Richtung Altona). Dies dürfte jedoch ein Fehler sein, da die Otzenstraße ihren Namen anstelle des früheren "Paulstraße" (Altona) bereits im Zuge der Umbenennungen zum 1. Januar 1940 erhielt.

siehe auch: Lippmannstraße

 

G

Gassenkummerplatz, Gassenkummerweg
PABEL: Es gab zwei Plätze dieses Namens. Der eine im Norden St. Paulis nahe der Marktstraße "Bei der Oelmühle", errichtet 1806; der andere in St. Georg hinter dem Strohhaus, von welchem Gaedechens ("Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg ...", 1880: 193/4) berichtet: "Der zwischen dem Ziegelhof und der Bastion Nr. 3 liegende Gassenkummerplatz wurde 1807 an die Stelle der abgetragenen Bärenschanze verlegt und die Verbindung mit der Minenstraße durch einen Erddamm mit Pforte vermittelt, welche nach der hier früher liegenden Mine oder Poterne Minenthor genannt ward; doch durften hier nur die Gassenkummerwagen hinausfahren."
Diese letzte Bemerkung des Autors liefert auch den Schlüssel zum Verständnis des Ausdrucks "Gassenkummer". Darunter verstand man den Straßenunrat, der von Dreckwagen oder eben Gassenkummerwagen abtransportiert wurde auf eine Art Mülldeponie. Diese unfeine Fracht sollte die Bewohner nun nicht übermäßig belästigen. Es gab darum besondere Wege, die nur diesen Transporten vorbehalten waren und schon früh gepflastert wurden, um die Gefahr einer Panne mit dem damit u.U. verbundenen Verlust eines Teils der anrüchigen Ladung in Grenzen zu halten.
Der Gassenkummerplatz für den "Unrath" aus der Neustadt wurde im heutigen Karolinenviertel auf "Cämmerey"-Land nördlich der Marktstraße angelegt. Die Errichtung erfolgte laut der "Gassen-Ordnung" von 1810, wie FRILLING und MISCHER in ihrem Buch "Pütt und Pann'n – Geschichte der Hamburger Hausmüllbeseitigung" (Hamburg, 1994) berichten. (Diese "Gassen-Ordnung" fällt mithin auch in die Phase der institutionellen Neuerungen und Reformen der sog. "Franzosenzeit", 1806-14.) Der dorthin führende Weg ist auf Karten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als "Gassenkummerweg" bezeichnet.
Die geringere Wertschätzung für das außerhalb der Wallanlagen liegende Quartier wird nicht zuletzt durch die Beibehaltung dieses Müllabladeplatzes auch nach dem Wiederaufbau seit 1815 dokumentiert. Aus den folgenden Jahrzehnten haben sich im Staatsarchiv (Bestand 411-2 – Patronat St. Pauli; Aktenstück II A 669) verschiedenen Petitionen bezüglich des Gassenkummerplatzes erhalten, u.a. das "Schreiben der Eigenthümer und Anwohner des Gassenkummerplatzes bey der Oelmühle" mit der "unterthänigsten Bitte um eine Verlegung" vom "12ten November 1835" an den "Patronus St. Pauli Senator Dr. Johann Ludwig Dammert".
Die eingegangene Beschwerde gibt diesem mit Datum "25ter Nov. 1835" Gelegenheit zu einigen "Anmerkungen zur Gassenreinigung", in denen er u.a. feststellt, dass die (erneute) Anlage des Platzes im Jahre 1819 erfolgte, nachdem bereits zuvor ein anderer Platz "hinter den Kirchhöfen vor dem Dammthore existirt" habe. Laut "Extractus Protocolli" der Baudeputation vom 17. Dezember 1835 wird der Antrag auf Verlegung jedoch bis auf weiteres abgelehnt.
Erst später wurde die Fläche in Bauplätze aufgeteilt, auf denen u.a. die "2. Armenschule von St. Pauli" und das Laeiszstift in der Laeiszstraße sowie das "Vorwerkasyl" – heute: Künstlerhaus Vorwerkstift – in der Asylstraße (heute: Vorwerkstraße) errichtet wurden.

siehe auch: Vorwerkstraße

 

General-Litzmann-Straße
Von 1933 bis 1945 unter dem NS-Regime Name der Stresemannstraße; benannt nach dem preußischen General der kaiserlichen Wehrmacht, Karl Litzmann (1850-1930), der im 1. Weltkrieg £odz erobert hatte, das ebenfalls umbenannt wurde in "Litzmannstadt". Litzmann war bereits am 7. Februar 1930 im Sportpalast (Berlin-Schöneberg) bei einer Massenkundgebung der NSDAP unter dem Titel "So kann es nicht weitergehen!" zusammen mit dem NS-Gauleiter Dr. Joseph Goebbels und Hauptmann Hermann Göring aufgetreten.
Die Straße erhielt am 1. Oktober 1945 wieder ihren ursprünglichen Namen nach dem früheren Außenminister der Weimarer Republik und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1925 Gustav Stesemann (verstorben am 3. Oktober 1929) zurück.

siehe auch: Stresemannstraße (Anfang)

 

Glacischaussee
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1893, unter Anerkennung eines bereits im Volksmund üblichen Namens für die über das ehemalige Festungsglacis vor dem Holstentor verlaufende chaussierte Straße. Bei Glacis handelt es sich um eine schräg nach vorn verlaufende Erdaufschüttung, die keinen toten Winkel entstehen läßt, um vor der Festung freie Sicht und ein freies Schußfeld zu haben.
EStH: Ben.[annt] 1893 unter Anerkennung eines bereits im Volksmunde üblichen Namens für die über das ehemalige Festungsglacis vor dem Holstentor verlaufende chaussierte Straße.
HANKE: (1833) Die Glacischaussee wurde über das frühere Glacis vor den Wällen der Stadt angelegt. Unter Glacis versteht man das freie Feld vor einer Stadtbefestigung.
PABEL: Die breite Straße am Heiligen-Geist-Feld wurde 1821 zur Erinnerung an den Festungsgürtel angelegt, aber erst 1893 amtlich so benannt. Ein Glacis ist eine glatte, vor dem Grabenrand einer Befestigung aufgeführte, flach zum Vorfeld abgeböschte Erdaufschüttung.
Zuvor wurde diese Straße nach Ihrer Funktion einfach als "Fahrweg vom Millernthor nach dem Dammthore" bezeichnet, wie z.B. auf dem "Grundriß des abseiten Löblicher Kämmerei an die Brüderschaft der Knochenhauer im neuen Schrangen verpachteten Heiligengeist-Feldes, belegen in der Vorstadt S[ank]t. Pauli: extrahiert aus dem, dem Kämmerei-Kontracte angehefteten Grundriße vom 10. April 1839; Hamburg, d. 6. März, 1857" von A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel, Geometer, verlegt bei Charles Fuchs, Hamburg, 1857 (Lithographie; Maßstab: [ca.] 1:2.100]; Größe: 37 x 35 cm).

 

Glashüttenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, nach der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der jetzigen Karolinenstraße betriebenen Glashütte (vorher: "Bei der" oder "Hinter der Glashütte").
EStH: Ben.[annt] 1841 nach der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an der jetzigen Karolinenstraße betriebenen Glashütte; vorher Bei der oder Hinter der Glashütte.
HANKE: (1841) Eine 1761 hier angelegte Glashütte gab dieser Straße ihren Namen.
PABEL: Im heutigen Karolinenviertel befand sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Glashütte. Die Straße, parallel zur Karolinenstraße verlaufend, wurde 1841 danach benannt; sie hieß früher "Bei der Glashütte" oder "Hinter der Glashütte". Die Hütte selbst bestand nur kurze Zeit, sie mußte ihren Betrieb wegen der hohen Feuerungspreise aufgeben.

Die vorgenannten Erläuterungen erscheinen topographisch teilweise ungenau, denn die Prüfung zeitgenössischer Karten und Pläne aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergibt recht sichere Hinweise darauf, dass nur die Straße "Hinter der Glashütte“ später zur Glashüttenstraße wurde, während aus der - topographisch korrekt bezeichneten - Straße "Bei der Glashütte" später die Marktstraße wurde. Die heutige Karolinenstraße trägt dort zur Abgrenzung von diesen beiden die Bezeichnung "große Glashütte".
Der Eigentümer der Glashütte – namens Brun[n]emann – hatte sie Mitte des 18. Jahrhunderts ungefähr auf dem Gebiet nördlich der heutigen Einmündung der Marktstraße in die Karolinenstraße angelegt, weil es durch die in der Nähe gelegenen Sandgruben und Holzvorkommen zu dieser Zeit noch preiswerte Rohstoffe direkt vor Ort gab. Die schnelle Abholzung der benachbarten Waldgebiete zwang ihn jedoch bereits nach wenigen Jahren zur Schließung der Hütte.
Bei J. L. von Heß (Bd. 3, S. 48 f.) findet sich die folgende Darstellung zu der für wenige Jahre bestehenden Glashütte:
"Die G l a s h ü t t e , wovon einige Häuser noch den Namen tragen, existirte hier vor etwa 50 Jahren. Sie lieferte gutes Glas, konnte aber nicht bestehen, weil in und um Hamburg die Feuerung zu kostbar ist. *)"
[FN] "*) Diese Glasbrennerei wurde hier im Jahre 1762 von dem verstorbenen Glashändler D. J. Brünnemann angelegt. Er suchte um ein Privilegium dafür nach, zufolge welchem es Niemand erlaubt sein sollte, innerhalb 25 Jahren, außer ihm und seinen Kindern eine Glasbrennerei auf dem Gebiete der Stadt anzulegen. Der Rath trug der Bürgerschaft dieses Gesuch am 18ten Februar des obgenannten Jahres vor, und das nur auf 15 Jahre. Aber diese schlug es ab."
(Heß, Jonas Ludwig von: Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben. Zweite Auflage, umgearbeitet und vermehrt. Dritter Teil. Hamburg, 1811.)
Der Sandabbau hatte vermutlich schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts begonnen, als aus dem gesamten Weichbild der Kernstadt Material für die Anlage der barocken Wallanlagen herbeigeschafft wurde. J. L. von HEß berichtet 1811, dass dem Landherrn des Gebietes, einem Senator, ein Landvogt unterstellt war, "der gewöhnlich Sand-Vogt" genannt wurde. Er schreibt dazu im Text und einer Fußnote seiner Topographie:
"Die Regierung und Gerichtsbarkeit über dem Hamburgerberg ... kömmt dem dritten Senator von oben herab zu, unter welchem ein besonderer Land-Vogt, gewöhnlich 'Sand-Vogt' genannt, steht.(*)"
[FN] "(*) ... Auch hat er [der 'Sand-Vogt'] darauf zu achten, daß, in der Gegend der Sternschanze bis nach dem Dammthore, sowie hinter der Oehlmühle keine Gruben und Höhlen gegraben werden; ..."
(Heß, Jonas Ludwig von: Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben. Zweite Auflage, umgearbeitet und vermehrt. Dritter Teil. Hamburg, 1811: S. 40.)
Auch an anderer Stelle findet man Hinweise auf den Sandabbau in diesem Gebiet eiszeitlicher Sanddünen, zu denen auch der damalige "Heidberg" zählte, aus dem die Bastion Sternschanze wurde. Im Verlauf der letzten großen Pestepidemie, die Hamburg 1713/14 traf, wurde in einer größeren Sandgrube ein Massengrab angelegt, um die zahlreichen Todesopfer schnell beisetzen zu können. Der dabei entstehende "Pesthügel" lag später im städtischen Zoologischen Garten vor dem Dammtor und barg – wie zeitgenössische Untersuchungen belegten – noch bis zu seiner Einebnung in den 1930er Jahren Überreste der Beisetzungen. (Siehe dazu: Herman Sieveking, "Der 'Pesthügel' im Zoologischen Garten in der Tiergartenstraße in Hamburg." In: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, 9. Jg. / 1935, Heft 3, Dezember, S. 257-263.)
Eine Besonderheit der Glashüttenstraße – ebenso wie der Marktstraße – ist die bis heute erhalten gebliebene konsekutive statt einer alternierenden Numerierung der Häuser, die auf einen Ratsbeschluss von 1833 zurückgeht und nicht, wie bei vielen anderen Straßen, bei der 1843 erfolgten Neufeststellung der Straßennamen und ihrer Numerierung nach dem Großen Brand (5.- 8. Mai 1842) geändert wurde.
Vor der Errichtung der Zollvereinsniederlage westlich der Carolinenstraße führte die Glashüttenstraße – ebenso wie die Laeiszstraße – nach Norden bis zur Lagerstraße, so dass mit Aufhebung dieses Straßenabschnitts eine ganze Reihe von Hausnummern entfiel. Heute endet die Nummernfolge an der Westseite der Straße mit Nr. 38 und setzt an der Ostseite mit Nr. 79 wieder ein.

Im Einzelnen zählen zur Bebauung der Glashüttenstraße die folgenden Bauten:
• Glashüttenstr. 22: Bei diesem erst 1930-32 für die Firma Gustav Brandts Erben errichteten Wohnhaus verlangten die steigenden Bodenpreise eine Hinterhausbebauung, der damals auch keine gesetzlichen Hindernisse im Weg standen. In seinem Entwurf für Großwohnhäuser zwischen Glashüttenstraße und Grabenstraße bezeichnet der Architekt Ernst Dehmlow, ein profilierter Vertreter der Zwischenkriegsmoderne, das dreigeschossige, parallel zum Vorderhaus im Blockinnenraum stehende Hinterhaus recht beschönigend als 'Gartenhaus'. Diese starke Verdichtung knüpft eher an frühere Formen dichter Hinterhausbebauung an, die auch an der Marktstraße an verschiedenen Stellen zu finden sind.
• Glashüttenstr. 38: Das ehemalige Gebäude der Werkzeugmaschinenfabrik "HEIDENREICH & HARBECK" wurde um 1908 als moderner Eisenbetonskelettbau errichtet. Es erinnert daher architektonisch an ein Kontorhaus.
Bei LANGE findet man ergänzend die folgende Beschreibung: "Die roten Backsteinfassaden sind in ein Skelett von markant profilierten Pfeilern aufgelöst, die von Korbbögen überfangen werden. Dabei verzichtet der Bau auf gotisierende Anklänge, wie sie zu dieser Zeit noch im Gewerbebau üblich waren, zugunsten einer sachlichen, ganz aus den konstruktiven Materialien entwickelten Architektur." (siehe: Lange, 1995: 93, "C6") –
Später befand sich in dem Gebäude die Firma "Warner's Corsetts", wie der noch erhaltene Namenszug am Haupteingang belegt. Heute wird das Gebäude von einer großen Werbeagentur und anderen Medienbetrieben genutzt, u.a. vom "FBI", dem Film Bureau International.
• Glashüttenstr. 78/79: Diese sog. Mietfabrik wurde 1907-08 als "Industriehaus" von dem Architekten Claus Meyer für den Bauherrn J.J.M. Hoeppner errichtet. Das Gebäude überträgt den Typus des Kontorhauses auf den Gewerbebau. Ein weitgespanntes, tragendes Stahlbetonskelett bietet frei einteilbaren Mietraum für kleinere Gewerbebetriebe. Das äußere Erscheinungsbild signalisiert diese Zweckbestimmung mit großzügig durchfensterten Backsteinfassadenund dekorativen Putzflächen, wirkt gestalterisch insgesamt jedoch sehr konventionell und relativ einfallslos. Erst die vor wenigen Jahren erfolgte Sanierung und ein moderner Anbau haben diesen Eindruck abgeschwächt.
Wie die zahlreichen Firmenschilder belegen, beherbergt das Gebäude bis heute unterschiedliche Nutzungen, darunter Medien- und Versandhandelsfirmen (z.B. Teeversand), die von der Möglichkeit zur flexiblen Raumaufteilung profitieren. In gewisser Weise nimmt die Mietfabrik damit das Konzept des "Managed Workspace" voraus, bei dem ebenfalls unterschiedlich große Flächen in einem zentral verwalteten Gewerbeobjekt angemietet werden können.
• Glashüttenstr. 81: Die benachbarte kriegsbedingte Baulücke bot Anfang der 1970er Jahre die Möglichkeit, hier eine Kinder-Tagesstätte in Holzpavillon-Bauweise zu errichten, ein weiteres der gebietstypischen "Provisorien". Nach der kürzlich durchgeführten Sanierung und Modernisierung dürfte im jedoch eine längere Lebensdauer beschert werden.
Der Einschnitt in der Blockrandbebauung und der Torweg des folgenden Vorderhauses bieten einen Blick in die Terrassenanlage in der Karolinenstraße 26 von Westen her. Diese gelegentlich als Karolinenweg bezeichnete Terrasse bildete auch früher keine Durchwegung zwischen Karolinen- und Glashüttenstraße, da im Hofbereich des Vorderhauses in der Glashüttenstraße 84 jahrzehntelang die – inzwischen abgebrochenen Gebäude – einer Schlachterei den Durchgang versperrten. Diese Schlachterei zählte, ebenso wie viele andere fleischverarbeitende Betriebe im Karolinenviertel, zu den zahlreichen spezialisierten Handwerks- und Handelsunternehmen, die sich im Umfeld des Schlachthofes angesiedelt hatten.
• Glashüttenstr. 84, 85: Diese beiden Etagenhäuser sind 1893 nach Plänen von C.F. Petersen für den Bauherrn Max Flix errichtet worden und gehören ebenso wie die westlich anschließende Terrasse und das Nachbarhaus No. 85a zu einem denkmalwürdigen Ensemble.
• Glashüttenstr. 85a: Dieses deutlich niedrigere Etagenhaus wurde bereits 1880 für Chr. Sievert errichtet. Hinter dem Vorderhaus befand sich ursprünglich ein gewerblich genutztes Hinterhaus, das jedoch inzwischen ebenfalls teilweise zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Weitere Umbauten bzw. Erweiterungen betreffen den Ladenvorbau und die oberhalb der alten Traufkante erkennbare Aufstockung um ein Geschoss.
• Glashüttenstr. 87 / 89 (Vorderhäuser) und 88, Haus 1 bis 4 (Terrassenhäuser): Die beiden Etagenhäuser und der östlich anschließende Abschnitt der Karolinenpassage wurde erst um 1909/10 von Hugo G. Steinhage für seine eigene Immobilienverwaltungsgesellschaft errichtet. Sie ersetzten eine ältere Hofanlage, weshalb die Achse des Torweges nicht die exakte Fortsetzung der bereits 1883/84 von der Karolinenstraße 23 / 24 aus begonnenen Passage bilden.
• Glashüttenstr. 101, 104, 107: Diese drei aufeinanderfolgenden, baugleichen Häuser zählen ebenfalls zu den denkmalwürdigen Etagenhäusern der Gründerzeit, von denen das Karolinenviertel eine große Anzahl aufweist. Sie wurden vor einigen Jahren von einem privaten Investor erworben, jedoch bisher noch nicht saniert, so dass sie bereits mehrfach als Kulisse für Filme dienten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen.
Auffallend ist, dass bei den Hausnummern die Nummern 102, 103 und 105, 106 zu fehlen scheinen. Dies hat historische Gründe, da gemischte Wohn- und Geschäftsgebäude früher des öfteren mehrere Hausnummern hatten, um die Läden im Souterrain – in den Hamburger Adreßbüchern auch als "Unterhaus" bezeichnet – und den Eingang zu den Wohnetagen jeweils gesondert zu nummerieren.
• Glashüttenstr. 109: Es handelt sich bei diesem Neubau architektonisch eher um einen Fremdkörper, der wegen des dunklen Fassadenmaterials (teilweise nahezu schwarzer Klinker) gelegentlich ironisierend als "Geisterhaus" bezeichnet wurde.
• Glashüttenstr. 113-114: Diese (ca. 1860/70) entstandene sog. Mathildenterrasse weist zur Hofseite recht schlichte Fassaden, die jedoch oft mit Stichbogenfenstern versehen sind. An jeder zweiten Hauseinheit findet man ein klassizistisches Putzquadernetz, wie es auch an zahlreichen anderen Häusern im Karolinenviertel und im übrigen St. Pauli zu beobachten ist. Unterschwellig ist bei der Gestaltung offenbar der Hang zu klassizistischen Grundmustern wirksam geblieben. Durch den ökonomischen Zwang zur schlichten Gestaltung der Hinterhäuser prägt er sich jedoch nur schwach aus.

 

Grabenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1849, nach einem ehemals nahe gelegenen Graben.
EStH: Ben.[annt] 1849 nach dem an ihrer Westseite verlaufenden Graben.
HANKE: (1850) Die Grabenstraße wurde nach einem früher an ihrer Westseite verlaufenden Graben benannt.
Ebenso wie der Name der Grabenstraße verweisen auch die Bezeichnungen Kamp- oder Feldstraße auf die Vorgeschichte des Wallvorlandes als Agrarlandschaft nördlich des Heiligengeistfeldes, das seinerseits der Schlachterinnung mehr als ein Jahrhundert lang als Viehweide außerhalb der befestigten Stadt diente. Viele der – bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts häufig noch landwirtschaftlich genutzten – Flächen unmittelbar vor den Wällen befanden sich vor Beginn der gründerzeitlichen Stadterweiterungen im Eigentum des Hamburgischen Staates, wie die Angabe "Aerarium", d.h. Staatseigentum in Verwaltung der Finanzdeputation, in den Grundbüchern dieser Zeit belegt. Sie konnten daher nach der Parzellierung zum Zwecke der privaten oder öffentlichen Bebauung problemlos für die Errichtung zahlreicher Staatsbauten, darunter häufig Schulen für die schnell wachsenden Wohnquartiere, genutzt werden.
Bis heute fallen daher im Verlauf der Grabenstraße zahlreiche gründerzeitliche Schulbauten auf. Sie bilden einen Hinweis auf die hohe Bevölkerungszahl der Jahrzehnte zwischen 1880 und dem 2. Weltkrieg sowie die früher erheblich größeren Familien mit zahlreichen Kindern. Hinzu kam ab ca. 1900 die bauliche Verdichtung des Karolinenviertels infolge der um 1900 einsetzenden Sanierung der Alt- und Neustadt und der damit einhergehenden Verdrängung der dortigen ärmeren Bevölkerungsschichten, denn längst nicht alle der vormalige Einwohner konnten sich Wohnungen in den neu errichteten Etagenhäusern leisten.
Neben der ehem. "Israelitischen Töchterschule" (erbaut ab 1882) an der Einmündung in die Karolinenstraße (mit der Schulturnhalle südlich der Grabenstraße) und der "Rumbaum'schen Stiftungsschule", die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der spätere Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky besuchte, gibt es mit ehemaligen "Mädchenschule" (erbaut 1888) in der Grabenstr. 32 einen weiteren Schulbau. Ergänzend dazu befand sich in der Laeiszstr. 12 die ehemalige "Knabenschule" (gegründet 1851; heutiger Bau 1907 errichtet). Dort verbrachte in den 1860er-Jahren u.a. der Gründungsdirektor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, einen Teil seiner Schulzeit.
Über die 1889 nach Plänen des Hochbauwesens der Baudeputation errichtete ehemalige Volksschule in der Grabenstraße 32 heißt es im "Architekturführer Hamburg" von Ralf Lange:
"Eingezwängt zwischen Gewerbebetrieben und Geschoßwohnungsbau ist das Schulgebäude nicht nur ein beredtes Zeugnis für den spekulativen Städtebau der Gründerzeit, sondern auch für die Ignoranz, die damals dem Bedürfnis der Schüler nach einer kindgerechten Umwelt entgegengebracht wurde. Der Pausenhof wird nach Süden hin von einem hohen Fabrikriegel verschattet. Dabei ist die prosaische Rohbauarchitektur des Schulgebäudes, sparsam akzentuiert durch Gesimse und Portale in Werkstein, Terrakotten und Schmuckkacheln, durchaus nicht ohne Reiz, wie nach einer Reinigung der orangefarbenen Fassade deutlich wurde." (siehe: Lange, 1995: 92, "C5")

siehe auch: Kampstraße

 

Grenzgang
Entlang der Grenze zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und ihrer, bis 1866 dänischen und bis 1938 preußischen, Nachbarstadt Altona verlief über weite Strecken zwischen dem Elbufer am Fischmarkt und der Sternschanze ein Grenzgang, der streckenweise mit einer Palisade gegen Schmuggel geschützt wurde und nicht bebaut werden durfte, um als Kontrollgang ständig begehbar zu sein. Daher stammt auch die gelegentlich zu findende Bezeichnung "Grenzgängergang", denn zeitweilig wurden entlang der Grenzen Patrouillendienste durchgeführt. Allerdings waren diese Einsätze eher sporadisch, so dass sogar eine Be- oder Überbauung des Ganges oft längere Zeit nicht bemerkt wurde, wie z.B. WICHMANN anhand verschiedener Beispiele überliefert.
Die trennende Funktion lässt sich an vielen Stellen bis heute an der beiderseits benachbarten Bebauung ablesen, die im Verlauf einer Straße plötzlich ihren Charakter wechselt oder in der Baulinie eine Lücke frei lässt, wie z.B. an der Nordseite der Reeperbahn am Eingang zur berühmten Kiez-Kneipe "Ritze".
Dort wurde an der Nordseite der Reeperbahn (zwischen No. 172 und No. 174) auch ein historischer, gusseiserner Pfeiler des Nobistors mit dem Monogramm König Christians VIII von Dänemark, der Personifikation der Stadt Altona und der Inschrift »nobis bene – nemini male« ('uns wohl – niemandem schlecht') wieder aufgestellt.
Im südlichen Bereich folgt die alte Grenze zwischen Hamburg und Altona ursprünglich dem Verlauf des Pepermölenbeks, bis er das damalige westliche Ende der Reeperbahn erreichte. Von der Reeperbahn kommend kreuzt der Grenzgang die Schmuckstraße und ist dann im Straßenblock nördlich der Simon-von-Utrecht-Straße zwischen Talstraße (ehem. Hamburger Seite) und Großer Freiheit (ehem. Altonaer Seite) wieder gut zu erkennen, aber leider seit einigen Jahren nicht mehr passierbar. An der Nordseite des Blocks trifft er auf den Übergang von der Paul-Roosen-Straße zur Clemens-Schultz-Straße, wo er auf der Nordseite der Straße durch die Ausprägung des Hauses als Eckhaus erkennbar ist. Obwohl hier keine Straße einmündet, weist das Haus Paul-Roosen-Str. 8 einen Erker auf, der an den Konsolen mit "Porträtmasken" mit preußischer Pickelhaube geschmückt ist! Zudem wechseln Bebauung und Straßenverlauf von der Kleinteiligkeit einer dänisch-preußischen Provinzstadt (Paul-Roosen-Straße) zur Geradlinigkeit der breiten Clemens-Schultz-Straße, die während der gründerzeitlichen Hamburger Stadterweiterung schnurgerade auf den Turm des Museum für Hamburgische Geschichte (bzw. den früheren Standort der Hamburger Sternwarte) am Ort der barocken Bastion Hinricus zuführt. Von hier an ist der Grenzgang nicht mehr durchgehend begehbar, sondern vorwiegend durch den Verlauf der Grundstücksmauern der Terrassenanlagen nach Westen hin erkennbar. Erst in der Brigittenstraße zeigt er sich wieder als verglaster, zweigeschossiger Einschnitt des Neubaus an der Südseite und realer Durchgang neben dem Stadtteilkino B-Movie, wo in einem Wandgemälde auch einige Erläuterungen zu finden sind.
Westlich davon bis hin zum Reventlowstift findet man heute gründerzeitliche Stadterweiterungsgebiete der damals preußischen Stadt Altona, die ab 1871 – ebenso wie Hamburg – schnell wuchs und ständig neuen Wohnraum benötigte. Das Quartier um die evangelisch-lutherische Friedenskirche, die kirchlich nicht zum Kirchenkreis Alt-Hamburg, sondern zur Probstei Altona gehört, erlitt im 2. Weltkrieg zahlreiche Zerstörungen, die bis in die 1990er-Jahre schrittweise repariert wurden.
Einige Dutzend Meter nördlich der Brigittenstraße wendete die Grenze sich nach Osten und verlief direkt an der Westseite der Wohlwillstraße (ehem.: Jägerstraße) und über den Pferdemarkt in die Schanzenstraße (ehem.: Neue Rosenstraße), wo er im Pflaster durch die erhaltenen historischen Grenzsteine mit den Buchstaben [A | H] für "A"ltona und "H"amburg noch erkennbar ist. Der heutige Verlauf der Grenze zwischen den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona folgt nicht mehr dieser historischen Grenze, sondern entstand durch die Gebietsreform im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes, das zum 1. April 1938 in Kraft trat.
(Nicht zu verwechseln ist die hamburgisch-dänische Grenze übrigens mit der Grenze zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Königreich Dänemark, die jahrhundertelang an der Eider zwischen dem Herzogtum Holstein und dem dänischen Schleswig verlief. Als Herzog von Holstein war der dänische König – als Rechtsnachfolger der Schauenburger Grafen – formal Reichsfürst des 'Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation' bzw. seit 1815 Bundesfürst des 'Deutschen Bundes'. Die meisten "deutschen" Angelegenheiten des Königreichs Dänemark wurden von einer "Deutschen Kanzlei" verwaltet, die ihren Sitz lange Zeit im Schloß Gottorp hatte.
Die dänischen Könige beanspruchten als Fürsten des "Deutschen Reiches" seit 1618 auch die formelle Oberhoheit über die Stadt Hamburg. Mehrere Könige scheiterten jedoch an der Durchsetzung dieses Anspruchs, bis es im Gottorper Vergleich von 1768 von dänischer Seite zu einer Anerkennung Hamburgs als Freie Reichsstadt kam, die sich von diesem Zeitpunkt an bis zur vollständigen Eingliederung in das [2.] Deutsche Kaiserreich im Jahre 1888 als souveräner Staat betrachtete und bis heute bekanntlich als Freie und Hansestadt Hamburg bezeichnet.)

 

Große Freiheit
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), nach 1600, die jetzigen Besitzer der dort gelegenen Etablissements müssen diesen Straßennamen falsch verstanden haben, denn gemeint war die Sache einmal anders: Nach 1600 wurde in Altona die sogenannte "Freiheit" geschaffen. Das bedeutete, daß in diesem Bezirk zuziehende Handwerker gegen eine jährliche Gebühr (Gewerbesteuer?) ihr Gewerbe unabhängig von den Zünften ausüben konnten. Am Rande der Reeperbahn, dem "Amüsierviertel", konnte es nicht ausbleiben, daß der Name "Große Freiheit" immer mehr einer Fehlinterpretation zum Opfer fiel.
Berühmt über Hamburgs Grenzen hinaus wurde die Straße durch den Film mit Hans Albers "Große Freiheit Nr. 7"; die in diesem Film noch gezeigte Hafenromantik und Sentimentalität ist inzwischen brutalem Kommerz gewichen.
Einen vorläufig letzten kulturellen Schub erhielt diese Straße 1961 durch einen Auftritt der "Beatles".
HANKE: Freiheit herrscht hier seit 1611/12. Damals wurde der Bezirk "Freiheit" eingerichtet, der zu dieser Zeit zu Altona gehörte. Handwerker konnten gegen eine jährliche Abgabe unabhängig von der Zugehörigkeit zu den Zünften ihrem Gewerbe nachgehen. Religiöse Minderheiten wurden hier ebenfalls nicht behelligt. Gleiches galt für die benachbarte Kleine Freiheit, die heute die Grenze zwischen Altona und St. Pauli bildet. In jüngster Zeit dominieren in der "Großen Freiheit" freizügige Damen und musikalische Highlights. Hier befand sich der legendäre "Star-Club", in dem die Beatles ihre schwindelerregende Karriere starteten. Heute wird in dem Konzertsaal "Große Freiheit" gute Musik gemacht.
Oliver KORN schreibt 1998 unter dem Stichwort Große Freiheit im "Hamburg-Lexikon" (KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 188): "Große Freiheit und die 1688 so benannte Straße Kleine Freiheit erinnern mit ihren Namen an den 1611/12 auf Anweisung des Landesherrn, des Grafen Ernst von Schauenburg, geometrisch errichteten Freibezirk in Altona, in dem die unbedingte Gewerbe- und Religionsfreiheit galt. Die »Freiheit« bildete den Kern eines merkantilistischen Konzepts der Wirtschaftsförderung, das qualifizierte Handwerker – vorzugsweise Glaubensflüchtlinge – anziehen sollte. Erst 1636 wurde dieser Zustand rechtlich bestätigt und geographisch präzisiert. Die Freistatt war die erste ihrer Art in Nordeuropa und wurde in wirtschaftlicher, religiöser und städtebaulicher Hinsicht Vorbild späterer Städtegründungen, so z.B. für Glückstadt (1616) und Friedrichstadt (1619). Erst 1664, mit Erhebung des – nach dem Ableben des letzten »Schauenburgers« (1640) – mittlerweile dänischen Orts zur Stadt, wurden die Privilegien auf ganz Altona ausgedehnt. Von den verschiedenen nicht-lutherischen Kirchen steht heute nur noch die 1718-1723/29 erbaute katholische Kirche St. Joseph.
Im Zuge der Bezirksreform von 1949 [die an dieser Stelle an die an die Regelungen des nationalsozialistischen Groß-Hamburg-Gesetz (1937/38) anknüpft] wurde das schwer zerbombte Gebiet neu gegliedert und die Große Freiheit dem »Alt-Hamburger« Stadtteil St. Pauli zugeschlagen; die alte Stadtgrenze entlang dem Nobistor ist nur noch stellenweise erkennbar.
Überregionale Bedeutung erreichte die Große Freiheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach der Wandlung von der Arbeiterwohnstraße zum Amüsierviertel, wie sie sich z.B. in dem 1944 von Helmut Käutner in Szene gesetzten Film »Große Freiheit Nr. 7« präsentierte. Der Film, in dem Hans Albers als singender Seemann mit Liedern wie »Auf der Reeperbahn nachts um halb eins« und »La Paloma« im »Hippodrom« auf der Großen Freiheit brillierte, wurde erst nach der Entschärfung des Titels durch den Zusatz »Nr. 7« von den NS-Machthabern und auch nur im von Deutschland besetzten Ausland zur Aufführung freigegeben. Für neue Berühmtheit sorgte in den 1960er Jahren der »Star-Club«; heute wird mit dem Straßennamen vor allem »erotische Unterhaltung« verbunden."

Diese Entwicklung schildert Günter Zint in seinem Buch "Große Freiheit 39: vom Beat zum Bums. Vom 'Star-Club' zum 'Salambo'" (München: Heyne, 1987).
Nachzutragen ist auch, dass die öffentliche Erstaufführung des Films »Große Freiheit Nr. 7« in Deutschland erst am 6. September 1945 erfolgte. Bemerkenswert ist jedoch vor allem, dass der Film keineswegs in Hamburg, sondern in den Kulissen der Filmstudios von Potsdam-Babelsberg und ab 1943 in den Prager Barrandov-Studios entstand, wo ein "überaus künstliches, mit Kiezatmosphäre gezuckertes Seemannsmärchen" entstand (siehe: RECLAM Filmklassiker, Bd. 1, 1913-1946: S. 487-90. Stuttgart, 1995). Lediglich eine Barkassenfahrt durch den Hafen wurde in Hamburg aufgenommen. Dazu wurden sogar die dort liegenden Kriegsschiffe mit Tarnnetzen bedeckt, um alle Hinweise auf den Krieg zu tilgen. Die Uraufführung des Films fand am 15. Dezember 1944 ebenfalls In Prag statt. Die Vorführung einer für das Deutsche Reich vorgesehenen geschnittenen Fassung wurde im März 1945 vom "Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda" Joseph Goebbels untersagt.
Die wichtige Rolle der Glaubens- und Gewerbefreiheit nahe der Hamburger Grenze – der Grenzgang verläuft unmittelbar hinter den Grundstücken an der Großen Freiheit – wird längst auch in offiziellen Publkationen anerkannt. So heißt es in der von der Freien und Hansestadt Hamburg herausgegebenen Broschüre "Fremde bauen eine Stadt" u.a.:
"1660 – Die Katholiken schätzen die Große Freiheit: Hamburgs Lutheraner sind stur und wollen den Katholiken nicht erlauben, in der Stadt Gottesdienste abzuhalten. In Altona ist man toleranter; hier können in Privathäusern Gottesdienste abgehalten werden. Nun haben die Katholoken ein Wohnhaus an der Großen Freiheit am Rande Altonas erworben und bauen es in eine Kapelle um. Die Katholiken aus Altona und Hamburg finden hier eine Gottesdienststätte. Als die Kapelle 1713 abbrennt, wird an gleicher Stelle nach Plänen des österreichischen Architekten Melchior Tatz die St. Josephs-Kirche erbaut, bis in die Gegenwart eine der wichtigsten katholischen Kirchen in Hamburg." (Kürschner-Pelkmann, Frank: Fremde bauen eine Stadt. Hrsg. v. Ausländerbauftragten der FHH. Hamburg, o.J. [c. 1993]: S. 10.)
Weitere Einzelheiten zur Atmospäre rund um die "Röm.-kath. Barockkirche St. Joseph" finden sich im aktuellen "Architekturführer Hamburg" von Dirk Meyhöfer, der als Baujahr 1723 angibt und fortfährt:
"Welcher 'Arme Sünder' erwartet ausgerechnet auf der Großen Freiheit eine Kirche und dann noch eine, wie sie in italienischen Kleinstädten zu finden ist. Der Name 'Große Freiheit' war ursprünglich programmatisch gemeint, weil hier am Rande der dänischen Stadt Altona den Minderheiten soziale und religiöse Freiheiten gelassen wurden. Vielleicht ist so der zügellose Barock in einer protestantischen Stadt zu erklären, der auch noch am Haus Große Freiheit 75 zu erahnen ist. Das römisch-katholische Kirchlein mit seiner konkaven Fassade ist nach starken Kriegszerstörungen inzwischen auch innen wieder hergestellt. In Fällen in denen die Originalbestandteile nur noch einen verschwindenden Anteil stellen, fragen die Denkmalschützer allerdings immer nach der Legitimation. Die heißt hier Überraschung und Minderheitenschutz für einen Baustil, der sonst in Hamburg nicht zu finden ist. Sowohl die Intimität im Innern mit runder Apsis wie auch des vorgelagerten Hofes außen mit zwei flankierenden Häusern (eines ist das Pfarrhaus von 1717, welches rekonstruiert wurde) zeugen vom menschlichen Maßstab einer Geborgenheit, die man meist eher im Süden sucht und findet – hier aber mitten auf St. Pauli." (siehe: Meyhöfer, 2006: S. 22 – Nr. 17)
Einen guten Überblick über die Entstehung der Großen und der Kleinen Freiheit gibt Elke GROENEWOLD in der Broschüre "Von der Wohnung zur Werft – Arbeiterquartier St. Pauli" in der Reihe "Historische Stadtrundgänge" des Museums der Arbeit (Hamburg, 1992: S. 12-15).
Ein besonders charakteristisches Gebäude im nördlichen Abschnitt der Straße ist die letzte traditionelle Fischräucherei Hamburgs, deren 42 Meter hoher Schornstein den Straßenblock nördlich der Simon-von-Utrecht-Straße überragt. Das Gebäude wurde wahrscheinlich zwischen 1880 und 1890 als Räucherei und Fischkonservenfabrik errichtet. Inzwischen wird es u.a. von der St. Pauli-Druckerei und dem Restaurant "Weite Welt" genutzt. Auf dem nördlich anschließenden Grundstück befindet sich eine der wenigen noch erhaltenen eingeschossigen Budenreihen Hamburgs. Im Stadtrundgang durch "Das Terrassen-Quartier" berichtet das Rundgangsbuch "Kiek mol" zu diesen Relikten historischer Bebauung:
"Obwohl erst um 1850 erbaut, handelt es sich hier noch um ein Zeugnis der vorindustriellen Wohnhofes. Es verdankt seine Entwicklung den tiefen Hamburger Kaufmannsgrundstücken zwischen Straße und Fleet. Hier lässt sich zeigen, warum sich gerade in Hamburg (und Umgebung) die Terrassen zur typischen Hinterhofbebauung entwickeln konnten. Dazu »Hamburg und seine Bauten«:
»Tiefe Grundstücke, welche an ihrer Rückseite nicht durch ein Fleet begrenzt wurden, … wurden schon vor Jahrhunderten mit sog. 'kleinen Wohnungen' … bebaut. Ursprünglich waren diese Gebäude 'Buden', niedrige, nur Erd- und Dachgeschoß enthaltende Häuschen, und nur für eine Familie bestimmt. Später erhielten Sie ein Obergeschoss, den 'Sahl', welcher durch eine unmittelbar und ohne Verbindung mit der, zum Unterhause gewordenen, Bude nach oben führende Treppe, die 'Sahltreppe', zugänglich gemacht wurde. Setzte sich alsdann Sahl auf Sahl, so entstand ein Haus, welches sich von dem jetzigen Etagenhaus eigentlich nur durch den besonderen Aufgang zu den Wohnungen in den Obergeschossen unterscheidet.«
[Hamburg und seine Bauten, 1890]" (Kiek Mol, 1993: S. 285)
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das ehemalige Pastorat und Küsterhaus der Mennonitischen Gemeinde, das in den 1980er Jahren von einer Projektgruppe saniert und auf diese Weise als Baudenkmal erhalten wurde. (Siehe: Looft, Horst / Stabenow, Birgit: Mennonitisches Pfarrhaus Große Freiheit 75, Hamburg-St. Pauli. Voruntersuchung zur Modernisierung und Instandsetzung: Bauuntersuchung – Instandsetzungskonzept. Durchgeführt im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg. Teil 1: Bestand, Bauschäden, Maßnahmen, Kostenschätzung / Mitarb.: Rudi Tussing; Teil 2: Geschichtliche Entwicklung, Rekonstruktion / Mitarb.: Regina Kautz. Gehlensiel: Freie Planungsgruppe Berlin, 1986.)
Das dazugehörige Gebäude der Mennonitenkirche wurde 1943 in den Flächenbombardements des 2. Weltkriegs zerstört, diente zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr kirchlichen Zwecken. Die – seit 1601 im dänischen Altona zugelassene – Mennonitengemeinde war bereits 1915 in eine neue Kirche in Altona-Nord umgezogen und hatte ihre früheren Gebäude im "Amüsierviertel" an der Großen Freiheit der Stadt Altona überlassen. Die nach der Zerstörung des hölzernen Vorgängerbaus im „Schwedenbrand“ (1713) im Jahre 1717 erstmals in Stein errichtete alte Kirche diente 1917/18 als Kriegsküche zur Versorgung der im 1. Weltkrieg hungernden Bevölkerung und anschließend der Altonaer Stadtmission, nachdem die Stadt Altona das Nutzungsrecht durch einen Geländetausch von der Gemeinde erworben hatte.
Ausgelöst durch die beabsichtigte Bebauung eines Teils des ehemaligen Schulgeländes der Pestalozzi-Schule wurden im Jahr 2012 archäologische Untersuchungen am Standort der früheren Mennoniten-Kirche durchgeführt, die bedeutende bauliche Reste, vor allem der Fundamente der nach Osten gerichteten Straßenfront und der Apsis zutage förderten. Leider erwies sich eine Erhaltung (und künftige öffentliche Präsentation) der Kirchenfundamente vor Ort nicht als realisierbar.
Neben dem Pastorat und dem Küsterhaus sind zwei frühere Schulgebäude der "Mädchenvolksschule" aus dem Jahre 1907 erhalten. Diese Gebäude (Hauser Nr. 63 und 65) gehörten zur Pestalozzi-Grundschule in der Kleinen Freiheit, die bis zu ihrer im Jahr 2005 beschlossenen Schließung einen Großteil des Blockinnenbereichs zwischen Großer und Kleiner Freiheit einnahm. Das etwas zurückgesetzte Klassentraktgebäude in der Großen Freiheit 63 wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt und beim Wiederaufbau nicht originalgetreu rekonstruiert. Der direkt an der Straße gelegene Schulbau Große Freiheit 65 dokumentiert hingegen noch den öffentlichen Schulbau des beginnenden 20. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance-Architektur, versehen mit Putzfassaden und verziert mit Jugendstilelementen.
Das ehemalige Schulgelände soll in den nächsten Jahren zu einem Wohnquartier mit familienfreundlichen Wohnungen umgestaltet werden. Die denkmalwürdigen Schulgebäude – darunter auch das Ende der 1920er Jahre nach Plänen Gustav Oelsners errichtete neue Hauptgebäude – werden in diesem Zusammenhang erhalten und (teilweise) zu Wohnungen umgebaut.

siehe auch: Grenzgang

 

Gustavstraße
EStH: Ben.[annt] 1864 nach dem Grundeigentümer, Senator Gustav Godeffroy.
Dieser Name gehörte also nicht zur Gruppe der alphabetisch nach männlichen Vornamen benannten Straßen in St. Pauli-Süd. Die Straße am Übergang von Altona-Altstadt nach St. Pauli wurde 1948 in Gilbertstraße umbenannt.

siehe auch: Gilbertstraße

 

H

Hafenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: Hafenstraße, St. Pauli. Siehe: St. Pauli Hafenstraße.
EStH: Ben.[annt] 1859 als Zugangsweg von St. Pauli zum Niederhafen.
HANKE: siehe St. Pauli-Hafenstraße.
Der ursprüngliche Name Hafenstraße wurde im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im - ab 1938 unter nationalsozialistischer Herrschaft geschaffenen "Groß-Hamburg" – zum 1. Januar 1940 zur heute noch gültigen amtlichen Bezeichnung St. Pauli-Hafenstraße (zunächst in der Schreibweise "St. Pauli-Hafen-Straße") erweitert. Die verkürzte Bezeichnung Hafenstraße ist sowohl auf älteren Karten als auch im täglichen Sprachgebrauch bis heute üblich und wird gewöhnlich nicht missverstanden, obwohl es die amtliche Straßenbenennung 1. und 2. Hafenstraße für zwei nördliche Nebenstraßen der Seehafenstraße im Bereich der Harburger Seehäfen an der Süderelbe ebenfalls noch gibt.
Auch in Altona gab es eine Hafenstraße. Diese wurde – im Zuge der Systematisierung der Hamburger Straßennamen nach Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes (1. April 1938) – zunächst in Karsten-Rehder-Straße umbenannt. Die zum Fischmarkt führende Straße trägt den Namen Carsten-Rehder-Straße – in neuer Schreibweise – noch heute.

siehe auch: St. Pauli-Hafenstraße

 

Hafentreppe
"Unweit der Elbhalle und etwa in der Mitte zwischen dieser und dem spitzigen Endpunkt des Grünplatzes, sehen wir [auf Suhrs 'Panorama ...'] einen torähnlichen von einem dreieckigen Aufsatz gekrönten Durchgang; er führte zu einer hölzernen Treppe, die eine Verbindung mit der Hafenstraße herstellte, ähnlich derjenigen, die jetzt am Anfang der Bernhardstraße hinunterführt. Später führten Brücken von der Erholung in die oberen Stockwerke der Häuser der Hafenstraße. Eine derselben, die in den 2. Stock von London Tavern führte, dem bekannten an der Elbe gelegenen Restaurant, wird noch manchem erinnerlich sein, eine Abbildung des London Tavern von W. Heidmann, .., zeigt mehrere dieser Brücken."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 40.)

 

Hamburger Berg
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1938, heute erinnert nur noch der Straßenname "Hamburger Berg" daran, daß dies einst die Vorstadt war, in der reiche Hamburger Kaufleute ihre Landhäuser und parkartigen Gärten hatten. 1833 erhielt die Vorstadt "Hamburger Berg" den Namen "St. Pauli". Dieser im vergangenen Jahrhundert umbenannte Stadtteil zählte 1840 nur 11.840 Einwohner.
HANKE: (1938) Als "Vorstadt Hamburger Berg" wurde St. Pauli früher bezeichnet, weil sich hier der Geestabhang wie ein bei Hamburg gelegener Berg erhob. Vor 1865: Hinter der Dröge; 1865-1938 Heinestraße.
PABEL: Das heutige Gebiet der Vorstadt St. Pauli vor dem Millerntor bis 6. November 1833. Ende des 16. Jahrhunderts hieß das Gebiet "Landherrenschaft Hamburger Berg oder die Gegend vor dem Millern- oder Dammtor bis zur klösterlichen Grenze". Auf dem Hamburger Berg befand sich einst ein Hof oder Dorf mit Wassermühle namens Herwardeshude. Dort gründete Gräfin Heilwig, die Gattin Graf Adolphs IV. von Schauenburg, ein Kloster für Cisterzienserinnen, das 1247 vom Papst bestätigt wurde. Durch Schenkungen reich geworden, erwarb das Kloster 1293 das Dorf Oderfelde an der Alster (die heutige Oderfelder Straße erinnert noch daran), gab die Gebäude auf dem Hamburger Berg auf und siedelte um nach Oderfelde; aus dem verlassenen Gelände wurde ein Meierhof. Der alte Name Herwardeshude für das Kloster wurde aber beibehalten und später übertragen auf die Umgebung. Daher hat der heutige Stadtteil Harvestehude seinen Namen. Der Grund für die Umsiedlung war wohl die Betriebsamkeit durch den steigenden Verkehr an der Elbe, dem Bedürfnis der Klosterfrauen nach Abgeschiedenheit nicht eben förderlich. (Näheres findet sich auch bei E.H. Wichmann: Der Hamburger Berg ...; 1879.)
Im Zuge des Festungsbaus im Dreißigjährigen Krieg fiel die östliche Hälfte des Hamburger Berges an die Neustadt. Schon 1734 war ein beträchtlicher Teil des Areals bebaut. Nach dem [zum Jahreswechsel 1813 / 1814 erfolgten] Niederbrennen des Hamburger Berges in der Franzosenzeit gelang in kurzer Zeit der Wiederaufbau.
H. MEYER hebt in seiner Beschreibung der Vorstadt vor allem die Prostitution hervor:
"Die Bewohner sind größtenteils Schiffer, Handwerker und eine Menge Schenk- und Bordellwirte. Hier in den letzteren der Venus cloacaria gewidmeten Häusern, findet besonders der rohe Matrose die höchsten Freuden des mühevollen Lebens im Branntwein, beim Tanz und in den Umarmungen feiler Nymphen der niedrigsten Klasse, welche ihn oftmals, wenn er in Gesellschaft seiner jauchzenden Brüder aus einem der vielen Brauhäuser Altonas taumelnd und lallend zurückkehrt, auf einmal um den Lohn vieler mühsam durchgearbeiteten Monate bringen. Diese Häuser, welche durch die, in den immer geöffneten Thüren fast halb entkleidet stehenden Damen mit ziegelroth geschminkten Gesichtern, und durch die abscheuliche Musik schon ganz zerfiedelter Geigen, die Vorübergehenden einladen, stehen besonders zur Herbstzeit in ihrem höchsten Glanze, alsdann der Matrose abgelohnt wird."
(Meyer, Hamburg und Altona. Hamburg, 1836: S. 438 ff.)

Bereits 1698 findet sich bei SCHLÜTER der Flurname " Auff dem Hamburger Berge.“ in der Aufzählung von Örtlichkeiten "Außerhalb der Stadt vor dem Millern- und Damm-Thor …" (siehe: Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg / … . Hamburg, 1698: 658).
In dieser Zeit war das Gebiet – von wenigen Flurstücken im südwestlichen Bereich und einzelnen Gehöften in der Nähe der Sternschanze – weitgehend unbesiedelt, wie sich in den "Stadt-Erbebüchern" nachvollziehen lasst, die Vorläufer der heutigen Grundbücher waren und auch von Schlüter zu Rate gezogen wurden, der sich umfassend mit den sog. "Erben", d.h. den Grundstücken der Freien (Reichs-) und Hansestadt Hamburg befasst hat. Über Topographie und wirtschaftliche Nutzung des Hamburgerberges im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit findet man im Beitrag "St. Pauli" von H. BUSCH bei Ed. FELDTMANN (Hamburg, 1902) folgendes:
"Eine Abtragung des Hamburger Berges fand besonders durch die Ziegeleien statt, die im 13. Jahrhundert vor dem alten Millernthor angelegt wurden und in einem Zeitraum von 300 Jahren große Mengen von Thon zu Mauersteinen und Dachziegeln verarbeiteten. Auch durch die Benutzung des Erdmaterials zur Terrainaufhöhung in der Marsch und zur Herstellung der Festungswälle verlor der Geestrücken seinen hügelartigen Charakter. Die Höhe war teils bewaldet, teils mit Weiden bedeckt und gehörte zum großen Teil dem Hospital zum Heiligen Geist, [*) FN …] das diesen Besitz aber bei der Ausdehnung der Festungswerke (1620-1626) an die Stadt abtrat. Durch den neuen Wall wurde der Hamburger Berg in zwei Teile geteilt. Der östliche Teil (Gr. Neumarkt, Zeughausmarkt usw.) kamen an die Neustadt, während der westliche Teil den Namen Hamburger Berg behielt.
Die ersten Gebäude auf dem Hamburger Berge standen an der jetzigen Grenze von Hamburg nach Altona an dem Herwardeshuderbach. Hier wurde 1247 das Nonnenkloster Herwardeshude gegründet, das aber 1308 niederbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde (…).
Wir hören nun während eines Zeitraums von über 200 Jahren nichts mehr von dieser Gegend. … "

(Siehe: H. Busch [ungenannt]: "St. Pauli." In: Ed. Feldtmann: "Geschichte Hamburgs und Altonas." Hamburg, 1902: 194 f.)
Erst aus dem 16. Jahrhundert sind neue Hinweise auf Örtlichkeiten auf dem "Hamburger Berg" überliefert, z.B. auf das "Nobishaus" bzw. den "Nobiskrug". Zu den seit dem 17. Jahrhundert immer wieder erwähnten Einrichtungen in der Vorstadt zählten viele flächenintensive oder mit Lärm oder Gefahren verbundene Einrichtungen, wie z.B. Thranbrennereien, Schiffswerften oder das explosionsgefährliche Hanfmagazin. In einem frühen "Adress-Buch“ aus dem Jahr 1802 heißt es unter dem Stichwort
"VORSTÄDTE: 1) Der Hamburgerberg liegt außerhalb des Millern= (Altonaer=)Thor, hier sind zu bemerken: a) die Schiffswerfte, b) das Hanfmagazin, c) die Thranbrennerey, d) die Reepschläger= oder Seilmacherbahn, e) der Krankenhof, wo sich wahnsinnige, kranke und arme Personen befinden, deren Zahl gewöhnlich 900 ist; es sind aber auch zwey Kirchen, eine auf dem Hamburgerberg, und die andere bey dem Krankenhofe, mit ihren dabey angestellten Predigern."
(Siehe: "Hamburgisches Adress-Buch auf das Jahr 1800: Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Siebenter Abschnitt. 3. Einige Local-Notizen. Abschnitt: a) Nachrichten für Fremde, verschiedene Hamburgische Merkwürdigkeiten betreffend", Seite 378.)
In den "Skizzen aus den Hanse-Städten" von Eduard BEURMANN findet man die folgende Beschreibung des Hamburger Berges:
"Der Hamburger Berg – also wird der Vorstadts-Theil von Hamburg genannt, der diese Stadt von Altona scheidet. Beide Städte bieten sich hier beinahe die Hände. Schifft man über die Elbe zu Hamburg heran, so gewahrt man die Grenzscheide nicht: Hamburg und Altona scheinen eine weitausgedehnte Stadt zu bilden. Die neidische Holstein-Dänische allzunahe Nachbarin muß wider ihren Willen dazu beitragen, den Glanz und das Ansehen der stolzen Handelsstadt, die ihr den Fuß auf den Nacken gesetzt, zu erhöhen. Indeß zu Land sieht man hier die Scheidung, und es macht einen ziemlich seltsamen Eindruck, wenn man, aus dem Altonaer Thore hinauseilend, durch das große wüste Marktgewühl und den Trödel des Hamburger Berges zu der einförmigen Stille in dem nahen Altona gelangt, zu der Kirchhofs-Ruhe hinter dem sturmgepeitschten Meere des Verkehrs zwischen Juden, Matrosen, Gaunern, Seiltänzern, englischen Reitern, Riesen, Wachsfiguren, wilden Bestien, königlich privilegirten Herkulesen, den schmutzigsten Altären des Pandemos, den groben Rippenstößen der Hamburger Plebejer niedrigster Sorte, den Landdraggonern mit gezogenem Säbel, die hier, in dem labyrintischen Gewirre, von der Menschenmenge, wie Lindwurms-Besieger umtoset, die Ordnung zu erhalten, sich bestreben. Der Kehricht des Lebens liegt auf dem Hamburger Berge aufgehäuft; die Menschheit starrt Einem hier mit kothbeworfenem Antlitze entgegen; die Matrosen feiern in den engen, dumpfigen Gassen des Hamburger Berges ihre Bachanalien und attischen Nächte, mehr Vieh, als Menschen, nachdem sie Monate lang auf dem Ocean umher geworfen und nun auf festem Boden angelangt, ihren rohen Begierden freien Lauf lassen. Indeß der Hamburger ist einmal an dieses schmutzige Getreibe gewöhnt, welches dem Fremden einen so großen Ekel und Widerwillen einflößt. Er geht ruhig und berechnend, theilnahmslos über den Hamburger Berg, und die Uhlanen erhalten die Ordnung und hauen mit flachem Säbel auf die Menschenhorde ein, wenn es einmal zu toll wird und hie und da eine Prügelei zum Sturm anschwillt." (Beurmann, 1836: 162-163)

siehe auch: Nobishaus - Nobiskrug - Nobisthor

 

Hamburger Hochstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1950, nach ihrer rampenartigen, steigenden Anlage.
EStH: Ben.[annt] 1886 nach ihrer rampenartig in die Höhe steigenden Anlage und im Gegensatz zu ihrer Fortsetzung auf preußischem Gebiet, der Altonaer Hochstraße. (Gemeinsam häufig nur als "Hochstraße" bezeichnet.)
HANKE: (1887) Die Hamburger Hochstraße, deren östlicher Teil zunächst nur Hochstraße hieß, hat ihren Namen von der 1887 gegründeten Hamburg Altonaer Hochbahn, einer Straßenbahn, die von St. Georg nach Ottensen unter anderem durch diese Straße fuhr. Sie wurde schon vier Jahre später von der Straßeneisenbahn-Gesellschaft übernommen.
Die Hamburger Hochstraße überquert die Straße Pepermölenbek auf einer – mit historisierenden Straßenlaternen verzierten – Brücke über den immer noch gut erkennbaren Taleinschnitt des früheren "Pfeffermühlenbaches" an der ehemaligen Grenze zwischen Hamburg und seiner (1938 eingemeindeten) Nachbarstadt Altona.

siehe auch: Pepermölenbek

 

Hans-Albers-Platz
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1964, nach dem Schauspieler Hans Albers (1891-1960), berühmt in der Titelrolle von Molnars "Liliom", auch als Interpret von Schlagern und Chansons sowie in den Filmen "Große Freiheit Nr. 7", "Münchhausen" etc.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz liegt zwischen Reeperbahn, Friedrichstraße und Davidstraße. Benannt 1964 nach dem bekannten Film- und Bühnenschauspieler Hans Albers (genannt »der blonde Hans«). Er ist am 22.9.1891 in Hamburg geboren und am 24.7.1960 in Kempfenhausen am Starnberger See gestorben. Albers hat in annähernd 500 Bühnenstücken mitgewirkt und war in ungefähr 176 Filmen zu sehen. Berühmt war er in der Titelrolle von Franz Molnàrs »Liliom«. Besonders populär wurde er durch Filmrollen in »Große Freiheit Nr. 7« und »Münchhausen«. Die von ihm gesungenen Schlager »La Paloma« und »Auf der Reeperbahn nachts um halb eins« sind noch heute bekannt."
Seit einigen Jahren wird die Erinnerung an Hans Albers, der auch in der Zeit des Nazi-Regimes ein sehr gefragter und erfolgreicher Darsteller der UFA-Unterhaltungsfilme war, durch eine von Jörg Immendorff geschaffene Plastik auf dem Hans-Albers-Platz wach gehalten.
HANKE: (1964) Nach dem "blonden Hans" Albers (1891-1960). Filmstar, Sänger und Idol einer ganzen Generation, wurde 1964 der Wilhelmsplatz (bis 1899: Wilhelmstraße) umbenannt. Ganz nach der Lebensart des Künstlers tobt das Leben auf "seinem" Platz dank eines ausgedehnten Straßenstrichs und einer vielseitigen Kneipenszene gewöhnlich bis zum frühen Morgen.
Die Umbenennung des Platzes trat am 15. April 1964 in Kraft, d.h. knapp 4 Jahre nach dem Tode des Sängers und Schauspielers. Bis zur Aufstellung des Denkmals im Jahre 1986 vergingen weitere 22 Jahre. Allerdings wurde es im Jahre 1997 auf Veranlassung des Künstlers Jörg Immendorf zeitweilig wieder abgebaut, weil er seine Bedingungen für die Schenkung des Denkmals nicht mehr erfüllt sah. Im folgenden Jahr wurde die Statue jedoch auf ihren verwaisten Sockel zurückgebracht.
Unter dem damaligen Wilhelmsplatz ist (ca.) 1941 ein Bunker angelegt worden, der zeitweilig auch für Veranstaltungen genutzt wurde. Das Hans-Albers-Denkmal zeigt den Schauspieler und Sänger nach dem Vorbild aus dem Film »Große Freiheit Nr. 7« mit Schiffermütze und Akkordeon.

siehe auch: Wilhelmsplatz

 

Heidritterstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1899, nach dem Pastor von St. Pauli D. Johann Georg Heidritter (1738-1824).
EStH: Ben.[annt] 1899 zu Ehren des Pastors zu St. Pauli (1769-1819) D. Johann Georg Heidritter (1738 bis 1824); vorher Kirchenstraße.
HANKE: (1899) Johann Georg Heidritter (1738-1824), Pastor, war 1769 bis 1819 Seelsorger an der St. Pauli-Kirche. Bis 1899: Kirchstraße (befindet sich heute in Altona).

 

Heiligengeistfeld
<< auf der Karte anzeigen
"Das heil. Geist Feld: Dieses Feld bildet fast die Figur eines Dreiecks, und wird umgränzt von dem Wallgraben, der vorhin genannten Landstraße [nach Pinneberg], den Häusern bei der Oehlmühle, bei der Glashütte, und der Sternschanze."
(Heß, Jonas Ludwig von: Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben. Zweite Auflage, umgearbeitet und vermehrt. Dritter Teil. Hamburg, 1811: S. 48.)
Zu dieser Zeit dehnt sich das Heiligengeistfeld also als weitgehend unbebaute Fläche noch vom Wall bis zum Bastionshügel der Sternschanze. Nur im heutigen Karolinenviertel gibt es offenbar schon längerer Zeit eine Bebauung. Einige Häuser verzeichnet bereits eine im Hamburgischen Staatsarchiv aufbewahrte "Gränz-Karte" des Jahres 1744.
In dem Werk von NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) heißt es in dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." lediglich:
" H e i l i g e n G e i s t f e l d e , am.
No. 87 bis 95. 9 Häuser, 3 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 5.
Siehe oben Seite 36.",

wo sich im Kapitel über "Hamburg im vierzehnten und funfzehnten [sic!] Jahrhundert." der folgende Eintrag findet:
"Das heilige Geistfeld, unter diesem Namen um 1497 erwähnt, erstreckte sich wahrscheinlich bis in die jetzige Neustädter Fuhlentwiete (L. [= Mitgetheilte Notizen des Herrn Archivarius Lappenberg Dr.]).
Des Hospitals zum heiligen Geist wird schon 1246 gedacht."

Die Angabe von Hausnummern dürfte sich auf eine Bebauung am nördlichen Rand des Heiligengeistfeldes im Bereich der heutigen Feldstraße beziehen.
Der "Grundriß des abseiten Löblicher Kämmerei an die Brüderschaft der Knochenhauer im neuen Schrangen verpachteten Heiligengeist-Feldes, belegen in der Vorstadt S[ank]t. Pauli: extrahiert aus dem, dem Kämmerei-Kontracte angehefteten Grundriße vom 10. April 1839; Hamburg, d. 6. März, 1857" von A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel, Geometer, verlegt bei Charles Fuchs, Hamburg, 1857 (Lithographie; Maßstab: [ca.] 1:2.100]; Größe: 37 x 35 cm) zeigt am Rande des Heiligengeistfeldes einige schon im 19. oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwundene Bauten und Örtlichkeiten. Dazu zählen:
* gegenüber der Einmündung der Sophienstraße (heute: Detlev-Bremer-Straße) eine Station der Polizei und Nachtwache;
* am Nordrand eine Mühle auf der Südseite der "Feld-Strasse" und ihr gegenüber auf der Nordseite das Müllerhaus;
* sowie östlich davon und kurz vor der Einmündung der Glashüttenstraße den Platz des "ehema.[igen] Men[n]oniten-Kirchhofs"
* und schließlich unmittelbar östlich der Einmündung der Glashüttenstraße die "Schäferei etc. der Knochenhauer", an die das Feld zu dieser Zeit noch verpachtet war.
H. HIPP gibt in seinem "Kunst-Reiseführer Hamburg" folgenden guten Überblick über das Heiligengeistfeld und seine allmähliche Bebauung:
"Zwischen Innenstadt und St. Pauli liegt wie ein städtebaulicher Puffer das Heiligengeistfeld. Es ist jetzt fast gleichbedeutend mit dem »Dom«, der dort seit 1893 mehrmals jährlich stattfindet: Rummel und Volksfest wie überall – aber im Hintergrund steht die Erinnerung an den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt bei der Domkirche. In seiner langen Geschichte hatte der Platz auch andere Funktionen: Hier (wie auf der Moorweide) exerzierte das Bürgermilitär, die Fläche war das Schußfeld für die Kanonen auf dem Wallring, lange vorher war er Weideland im Besitz des Heiliggeist-Hospitals (und hat davon den Namen behalten). 1894-99 ist es als Festplatz planiert worden.
Auf dem Heiligengeistfeld steht noch einer der beiden Hochbunker, die dort 1942 errichtet wurden. Sie nahmen die zentrale Leitstelle für die Flugzeugabwehr auf (ein »Würzburg-Riese«, eine Art Radar, war auf dem jetzt abgetragenen »Hochhaus 2« an der Stelle des Fernmeldeamtes untergebracht) sowie eine Flugzeugabwehrbatterie auf dem noch erhaltenen »Hochhaus 1«, das darüber hinaus Schutzraum für die Bevölkerung und übrigens auch für Archiv- und Museumsbestände enthielt. Die Hochhausdebatte der zwanziger Jahre erlebte in diesen Bunkern ihre Perversion. Wie bei vielen Schutzbauten war ihre Gestaltung zugleich symbolisch gemeint: Wie alte Kastelle sollten sie Schutz und Sicherheit suggerieren. – Im Hochhaus 2 hatte das Deutsche Fernsehen seine ersten Nachkriegsstudios.
Der
[historische südliche] Eingang zur Hochbahnhaltestelle St. Pauli [ehem. Millerntor] am Südende des Heiligengeistfeldes hat noch das umhegende Pfeilergitter aus der Zeit des ersten Hochbahnrings (Raabe & Wöhlecke, 1909-12). [Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Ende der 1990er-Jahre neu errichteten nördlichen direkt auf dem Heiligengeistfeld.]
1863/ 64 wurde an der Nordwestecke des Heiligengeistfeldes der Hamburg-Altonaer Viehmarkt eröffnet. Seine nach dem [2. Welt-]Krieg noch einmal neu gebaute Markthalle dient heute als Warenhaus." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 253/ 4.)
BECKERSHAUS: (St. Pauli), der Name taucht erstmalig 1497 auf und bezieht sich auf das "Hospital zum Heiligen Geist", das in der Nähe des Rödingsmarktes lag und zu dessen zahlreichen Ländereien auch das Heiligengeistfeld gehörte.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Diese etwa 30 Hektar große Fläche erhielt ihren Namen vom Kloster des Hospitals zum Heiligen Geist, zu dessen umfangreichen Ländereien sie gehörte. Der Name wird erstmals 1497 erwähnt. Heute wird der Platz durch die Straßen Neuer Kamp, Feldstraße, Budapester Straße und Glacischaussee begrenzt. Ursprünglich war das Feld noch erheblich größer, denn bevor die Stadtbefestigungen (heute: Wallanlagen) gebaut wurden, gehörten diese zum Heiligengeistfeld. Ab 1880 gab es hier die erste Kunsteisbahn. Dreimal jährlich findet auf dem Platz der »Hamburger Dom« statt. Der Name geht zurück auf Kirmesveranstaltungen, die ab 1329 rund um den damaligen Mariendom stattfanden. Nach Abbruch des Domes 1804 wurden diese Veranstaltungen zunächst zum Gänsemarkt verlegt und fanden, verteilt über die Stadt, auch an anderen Stellen statt. Um die Einengung der Innenstadt durch solche Kirmesveranstaltungen zu vermeiden, wurde der »Dom« zum Heiligengeistfeld verlegt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Heiligengeistfeld zwei große Bunker errichtet, von denen aus der Anflug der feindlichen Flugzeuge an die Bevölkerung weitergegeben wurde. Einer der Bunker wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gesprengt, der andere ist heute Sitz von Grafikstudios und Bildagenturen. Am Rande des Heiligengeistfeldes befindet sich die Fußballarena des FC St. Pauli."
Die vorstehende Beschreibung ist leider in einigen Punkten mißverständlich bzw. irreführend, denn tatsächlich reichte das Heiligengeistfeld bis zur Errichtung der barocken Großen Wallanlagen (1616-25; unter Leitung des niederländischen Festungsingenieurs Jan van Valckenborgh) bis weit in die (heutige) Neustadt hinein, so dass das Hospital zum Heiligen Geist für die Verluste mit weitläufigen Ländereien in Hamm und Horn entschädigt wurde. Die Begehrlichkeiten zur weiteren Bebauung dieser innerstädtischen »Flächenreserve« dauerten zudem im 19. Jahrhundert (Errichtung der Viehmarkthalle und -anlagen und der Gleisanschlüsse im Nordwesten und Westen des Feldes) und sogar bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts an, als ein Projekt zur Errichtung eines »Sport Domes« geprüft wurde.
Neben der Kunsteisbahn, die ehemals an der Glacischaussee ihren Standort hatte, gab es zwischen den 1880er-Jahren und dem 1. Weltkrieg auch zwei sog, »Panoramen«, ein Schlachten-Panorama und ein Hochsee-Panorama, in denen monumentale Gemälde bestaunt werden konnten. In der südöstlichen Ecke des Feldes nahe am Millerntor-Platz wurde um 1900 die neue Halle St. Pauli-Turnvereins errichtet, die dort bis zum 2. Weltkrieg stand und erst nach den Zerstörungen durch die Bombardierungen im Verlauf der letzten Kriegsjahre zu Beginn der 1950er Jahre abgebrochen wurde. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Eigenhilfe der Vereinsmitglieder auch wieder ein Fußballstadion, das später durch das »neue« Millerntor-Stadion ersetzt wurde.
Die beiden im Jahr 1942 – im Auftrag des "Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition, Abteilung Rüstungsausbau" vermutlich nach Plänen des Architekten Friedrich Tamms – errichteten Hochbunker, von denen heute noch der sog. »Medienbunker« (auch: Hochhaus 1) an der Feldstraße existiert, dienten zugleich als Schutzräume für die Zivilbevölkerung und zur Fernüberwachung des Luftraums bzw. zur Luftabwehr über Hamburgs westlichen Stadtteilen. Der sog. »Feuerleitturm« an der Budapester Straße wurde 1973/ 74 nicht gesprengt, da dies sicher große Schäden in der Umgebung verursacht hätte, sondern mit Abbruchbirne, Diamantsägen, Pressluftmeißeln und -zangen etc. abgetragen. An gleicher Stelle (und in nahezu gleicher Dimensionierung) errichtete die damalige Deutsche Bundespost ihre zentrale Fernmeldevermittlungsstelle für den Hamburger Westen. Der noch vorhandene »Gefechts- oder G-Turm« gehört mit seiner Masse von 51.000 Tonnen Stahlbeton, einer Seitenlänge von 70,5 und einer Höhe von 47 Metern (bei Wandstärken von bis zu 2,5 Metern und einer Deckenstärke von 3,5 Metern) zu den größten und massivsten Relikten des Zweiten Weltkriegs in Hamburg. Er sollte ursprünglich historisierend – im Stil einer rheinischen Burg – verkleidet werden, um mit Rustikasockeln und Gesimsen die Assoziation eines "wehrhaften Schutz- und Trutzbaus" hervorzurufen (nach: Lange, 1995: S. 93, "C9").
Ursprünglich besaß er je ein Flugabwehrgeschütz in den Bastionen an jeder der vier Ecken und hatte in seinen Schutzräumen eine Aufnahmekapazität von 18.000 Menschen. Zusammen mit dem in den 1970er Jahren abgebrochenen Feuerleitturm an der Südseite des Heiligengeistfeld, dessen Grundfläche 23 x 50 Meter betrug, bildete er einen als "Flakturm IV Hamburg" bezeichneten Komplex zur Luftverteidigung Hamburgs im 2. Weltkrieg. Nach dem Krieg erlebte er zahlreiche unterschiedliche Nutzungen und sollte zeitweilig zur Zeit des "Kalten Krieges" sogar als Luftschutzbunker reaktiviert werden.
(Zu Hochbunkern und Luftschutzbauten in Hamburg wurden in den vergangenen Jahren mehrere Arbeiten und Publikationen vorgelegt, u.a.:
FOEDROWITZ, Michael: Die Flaktürme in Berlin, Hamburg und Wien, 1940-1950. (= Zeitschrift "Waffenarsenal", Sonderband S-44.) Wölfersheim-Berstedt: Podzun-Pallas, [ca.] 1996.
[Anmerkung: Wie bereits der Zeitschriftentitel "Waffenarsenal" signalisiert, handelt es sich hierbei um eine sehr unkritische, teilweise sogar recht bedenkliche, wehrtechnische Darstellung, deren Qualitäten eher in den Illustrationen und der Zusammenschau der drei genannten Standorte liegen.]
GENT, Olaf: Bauliches Erbe und derzeitige Nutzung von Luftschutzbauten in Hamburg. Universität Hamburg, Fachbereich Geographie, Staatsexamens-Arbeit. Hamburg, 1998.
SAKKERS, Hans: Flaktürme Wien, Berlin, Hamburg. Nieuw-Weerdinge: Verl. Fortress Books, 1998.
ANGERER, Henning: Flakbunker: betonierte Geschichte. Hamburg: Ergebnisse-Verlag, 2000.
SCHMAL, Helga / SELKE, Tobias: Bunker. Luftschutz und Luftschutzbauten in Hamburg. Unter Mitarb. von Henning Angerer. Kulturbehörde der FHH, Denkmalschutzamt; Themenreihe, Band 7. Hamburg: Christians-Verlag, 2001.)
PABEL: Das außerhalb der Wallanlagen gebliebene Stück Bodenbesitz, das vom Domkapitel an das Hl. Geist-Hospital verpachtet war. Das Heiligengeistfeld reichte anfangs noch bis zu den Kohlhöfen. 1711 wurde es den "Knochenhauern zum Neuen Schrangen" gegen eine jährliche Grundrente "für immerwährend" überlassen; allerdings gelangte es 1857 durch Expropriation doch wieder in den Besitz des Staates (nach: Gaedechens, Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg ...; S. 125, 180, 290). Den berühmten "Hamburger Dom" auf dem Heiligengeistfeld gibt es übrigens erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Volksfest hat seinen Ursprung in dem Weihnachtsmarkt um den ehemaligen Mariendom im Kern der Altstadt, verlagerte sich später auf den Gänsemarkt (bis etwa 1880), von dort zunächst auf den Dammtorwall und dann auf den jetzigen Standort auf dem Heiligengeistfeld.
Der "Hamburger Dom" findet tatsächlich seit 1893 nur noch auf dem Heiligengeistfeld findet statt. Das Feld war niemals Standort des Doms oder einer anderen Kirche. Allerdings wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kurzfristig geprüft, ob eine Fläche am Nordrand des Heiligengeistfeldes zur Errichtung einer neuen Gemeindekirche für St. Pauli-Nord geeignet wäre. Wegen der möglichen Beeinträchtigungen der kirchlichen Nutzung durch den Volksfesttrubel entschied man sich jedoch stattdessen zur Errichtung der Gnadenkirche an ihrem heutigen Standort am südlichen Ende der Karolinenstraße.
H. STUBBE-DA LUZ schreibt unter dem Stichwort Heiligengeistfeld (in: KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 234):
"Heiligengeistfeld heißt eine Fläche von nahezu 30 ha im Norden von St. Pauli, westlich der Wallanlagen. Ursprünglich handelte es sich um Weideland, das dem 1247 erstmals bezeugten Hospital zum Heiligen Geist in der Altstadt (nahe der Heiligengeistbrücke) gehörte, welches seit dem Ende des 13. Jahrhunderts von Ratsherren verwaltet wurde. Im Zuge der Befestigung Hamburgs (1615-26) wurde das Gelände teils in die Wallanlagen einbezogen, teils diente es als Glacis, d.h. als von Bebauung freigehaltenes Schußfeld, wo Bürgerwache und Bürgermilitär exerzierten. Auf dem Heiligengeistfeld wurden keine Häuser gebaut, vielmehr färbte der Amüsement-Betrieb von der Reeperbahn hierher ab: Nach 1880 wurden auf dem Heiligengeistfeld drei Panoramen errichtet, steinerne Rundbauten, in den überdimensionale Gemälde, z.B. von Schlachten bewundert werden konnten. 1880 eröffnete die erste Kunsteisbahn. seit 1893 findet das Volksfest »Hamburger Dom« zunächst partiell, seit der Marktordnung von 1900 ausschließlich hier statt. In der NS-Zeit wurden zwei Hochbunker errichtet, von denen einer nach dem Krieg erhalten blieb. 1986 kam es auf dem Heiligengeistfeld zum »Hamburger Kessel«."
Zu dieser besonderen Erscheinungsform des polizeilichen Umgangs mit dem grundgesetzlichen Recht der Demonstrationsfreiheit heißt es 1993 in der Beschreibung des Stadtrundgangs "St. Pauli-Nord" im Rundgangsbuch "Kiek mol":
"In die Schlagzeilen der Presse kam es [d.h. das Heiligengeistfeld] durch den »Hamburger Kessel«, als 1986 die Polizei hier in einem rechtswidrigen Einsatz mehrere hundert Menschen bis zu vierzehn Stunden gefangen hielt. (Vgl. dazu: Der Hamburger Kessel. Missbrauch des 'staatlichen Gewaltmonopols'? Hg. v. Helga von Hoffmann, Werner Loewe und Bodo Schümann. Hamburg 1986)" (Kiek mol, 1993: S. 301)

 

Heinestraße
EStH: Ben.[annt] 1865 zu Ehren des um Hamburg verdienten Bankiers Salomon Heine (1767-1844), des Erbauers des Israelitischen Krankenhauses, auf das die Straße hinführt; vorher: Hinter der neuen Dröge.
Die Anlage und Ausrichtung der Straße folgte dem Ziel, das von Salomon Heine zum Gedächtnis an seine Frau Betty gestiftete Krankenhaus, städtebaulich herauszuheben, denn sie verlief genau auf den Mittelrisalit des Gebäudes und den dort im Obergeschoss gelegenen Synagogenraum zu.
Bis zur Auflösung der Reeperbahnen im Jahre 1883 befanden sich östlich der Straße die Schuppen und Lagerhäuser der Reepschläger, die zwischen Reeperbahn und Marienstraße (heute: östlicher Teil der Simon-von-Utrecht-Straße) seit 1626 ihrem Gewerbe nachgingen.
Über die Verlagerung findet man im Beitrag "St. Pauli" von H. BUSCH bei Ed. FELDTMANN (Hamburg, 1902) folgendes:
"1626 wurden die Reeperbahnen vom Eichholz an die Landstraße nach Altona, an die Nordseite der jetzigen Straße Reeperbahn verlegt. Gleichzeitig erhielten die Reepschläger einen Platz zur Erbauung einer Dröge, woselbst die Anker- und Kabeltaue geteert und getrocknet wurden; an diese erinnert der frühere Straßenname 'Hinter der neuen Dröge' (jetzt Heinestraße)."
(Siehe: H. Busch [ungenannt]: "St. Pauli." In: Ed. Feldtmann: "Geschichte Hamburgs und Altonas." Hamburg, 1902: 196 f.)
Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes und der dadurch erforderlichen Umbenennung zahlreicher Straßen, deren Namen in der neuen Einheitsgemeinde mehrfach vorkamen, wurde von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung auch eine Umbenennung derjenigen Straßen erzwungen, die auf jüdische oder sozialdemokratische Persönlichkeiten verwiesen. Dazu zählte u.a. die Heinestraße.
Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Straßen erhielt sie 1948 nicht ihren alten Namen zurück, formal um Verwechslungen mit dem Salomon-Heine-Weg in Eppendorf oder dem Heinrich-Heine-Weg in Bergedorf zu vermeiden.

siehe auch: Hamburger Berg

 

Hein-Köllisch-Platz
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1949, nach Hein(rich) Köllisch (1857-1901), Hamburger Volkssänger und Humorist in niederdeutscher Sprache.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz liegt zwischen Trommelstraße und Antonistraße. Benannt 1949 nach dem in St. Pauli geborenen Volkssänger Hein (Heinrich) Köllisch (1857-1901). Mit selbst verfassten Liedern trat er 1892 zum ersten Mal auf der Reeperbahn auf und wurde innerhalb kurzer Zeit mit seinen noch heute bekannten Couplets »De Reis no Helgoland« und »De Pingsttour« zu einem bekannten Hamburger Künstler. Aufgrund seines Erfolges konnte er schon zwei Jahre später ein eigenes Unternehmen eröffnen: »Köllisch's Universum«, später »Köllisch's Lachbühne«. Köllisch starb 1901 in Rom, wurde aber nach Hamburg überführt und auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bronzestatue des Künstlers wurde 1957 ersetzt."
HANKE: (1949) Hein Köllisch (1857-1901), in St. Pauli geborener und berühmt gewordener Volkssänger. 1888-1949: Paulsplatz.
Weitere Informationen zur Biographie Hein Köllischs und die Texte einiger seiner bekanntesten Lieder finden sich in dem Büchlein "Ein Hamburger Jung. Hein Köllisch – der Sänger von St. Pauli" des Theaterhistorikers Paul Möhring, das 1975 im Hansa-Verlag (Hamburg) erschienen ist.

 

Helgoländer Allee
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1894, die Straße führt zu den Landungsbrücken, von wo die Schiffe zur Insel Helgoland fahren.
EStH: Ben.[annt] 1894 nach der Insel Helgoland.
Bis zur Umgestaltung des Gebietes und der Anlage des sog. "Alten Elbparks" – im Westen zu Füßen des 1906 eingeweihten Bismarck-Denkmals – verlief die Helgoländer Allee in einem Bogen von den Landungsbrücken unter der Seewartenstraße hindurch nach Nordosten in Richtung Zeughausmarkt statt wie heute nach Nordwesten abzuknicken. Der neue Straßenverlauf ergab sich durch die Zusammenlegung mit der Cuxhavener Allee (bzw. "Kuxhavener Allee"), deren Name dabei verschwand.
Sie wird überspannt vom Hochbahn-Viadukt aus dem Jahre 1912, der hier in die Tunnelöffnung im Geesthang nördlich der Elbe einmündet, und der Kersten-Miles-Brücke. Eine frühe Darstellung dieser Straßenbrücke findet sich bei Otto RÜDIGER, "Die K e r s t e n M i l e s -Brücke zu Hamburg, ihre Umgebung, ihr Schmuck" (In: Erinnerung an Hamburg. Den Teilnehmern der Versammlung des Hansischen Geschichtsvereins und des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung, überreicht vom Ortsausschuss. Pfingsten 1899.", S. 41.) Die Brücke, über die – in Verlängerung der Bernhard-Nocht-Straße (früher: Bernhardstraße) – die Seewartenstraße verläuft, verbindet die Neustadt mit St. Pauli. Ihr "Namenspatron" Kersten Miles († 1420) war von 1378 bis 1420 Bürgermeister in Hamburg. Der Bau der Brücke wurde 1895 begonnen und 1897 abgeschlossen. An den Sockeln der Brücke sind neben Kersten Miles die Statuen des Hamburger Admirals Berend Jacob Karpfanger (* 1622; † 1683), des Ehrenbürgermeister Simon von Utrecht († 1437) und des Kapitäns und Seeräuberjägers Ditmar Koel (* 1500, † 1563) angebracht, so dass die ikonographische Symbolik unschwer erkennbar wird: Die Repräsentanten der Staatsmacht und bedeutenden Kämpfer gegen die "Seeräuberplage" bewachen den Zugang zwischen der inneren Stadt und ihrer zwielichtigen Vorstadt St. Pauli. Eine ähnliche Aussage kehrt im Norden der Vorstadt wieder, wo das Justizforum den Zugang zwischen nördlicher Neustadt und Karolinenviertel beherrscht.

siehe auch: Kuxhavener Allee

 

Herbertstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1922. Beim schnellen Wachstum der Vorstädte waren den Stadtvätern die Ideen für neue Straßennamen ausgegangen. So beschloß man, dem Alphabet folgend, zunächst männliche, später weibliche Vornamen zu verwenden. Unter dem Buchstaben "H" hat es Herbert getroffen (vorher: Heinrichstraße).
Die Herbertstraße ist keine öffentliche Durchgangsstraße, sondern eine geschlossene Bordellstraße.
EStH: Ben.[annt] 1922; vorher Heinrichstraße; siehe Antonistraße.
HANKE: (1922) Zu den bekanntesten Straßen Hamburgs gehört die kleine Herbertstraße, denn hier dürfen nur Herren und käufliche Damen ein- und ausgehen. Bordelle gab es hier schon, als sie noch Heinrichstraße (seit 1797) hieß. 1922 wurde die käufliche Liebe verbannt und die Adresse geändert. Die Straße bekam im Rahmen der Motivgruppe männlicher Vornamen (siehe Davidstraße) den neuen Namen Herbertstraße. Genützt hat es nichts.
Über die Erwähnungen in den Verzeichnissen der Hamburger Straßennamen hinaus gibt es auch im Internet zahlreiche Einträge – teils mit Illustrationen – zur Herbertstraße, u.a. in der Datenbank historischer Photos Hamburgs unter http://fhh.hamburg.de/foto.../ oder in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Herbertstra%C3%9Fe_%28Hamburg%29). Die dortigen Angaben sind allerdings nicht immer verlässlich, so z.B. zur Anzahl der in dieser Straße tätigen Prostituierten. Zutreffend ist hingegen die Beschreibung der Repressionen gegen das Vergnügungsgewerbe und die Prostitution in der Zeit des NS-Regimes (1933-45).
Erwähnenswert als Kuriosität ist der Film "St. Pauli Herbertstraße", der seine Welturaufführung am 7. Dezember 1965 erlebte. Regie führte Ákos Ráthonyi, für das Drehbuch war Kurt Roecken verantwortlich. Die Produktion lag in der Hand der Firma von Margarethe Reinhardt, von der auch die Idee stammte. Zu den – teilweise renommierten – DarstellerInnen zählten Eva Astor, Pinkas Braun, Elma Karlowa, Michael Cramer und Karin Field. Das Hauptmotiv lässt sich in dem Satz: "Ein Mädchen vom Lande nimmt auf St Pauli [fast] ein böses Ende" zusammenfassen. Die Bewertung eines Filmlexikon lautet daher: "Nach einer Vergewaltigung landet eine von ihren Eltern verstoßene Landwirtstochter bei Zuhältern und im Bordell, bis sie ein ehrenhafter Automechaniker befreit. Dumm und drittklassig."
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zu dieser Straße:
"Die Herbertstraße steht bekanntlich ganz im Zeichen der Prostitution. Ursprünglich war der um 1800 angelegten Straße der Name Heinrich zugeordnet worden. Schon um 1830 existierten in der Herbertstraße fünf Bordelle. … Im Jahr 1922, als Hamburg das staatlich regulierte Bordellwesen abschaffte, wurden die frei gewordenen Räume dem Hamburger Wohnungskommissar zur Verfügung gestellt, und die Heinrichstraße – im Sinne eines 'anständigen' Neuanfangs – in Herbertstraße umbenannt. Doch bald war das horizontale Gewerbe hier wieder geschäftlich aktiv. Seit etwa 1933 verhindern Sichtblenden an beiden Seiten der Straße den freien Blick auf das dortige Treiben. Heute bieten hier rund 200 bis 250 Prostituierte in der 92 Meter langen Straße ihre Dienste an. Der Zutritt ist Jugendlichen unter 18 Jahren untersagt und wird Frauen nicht empfohlen." (a.a.O., S. 24)
Die Errichtung der – bis heute existierenden – Sichtblenden an beiden Enden der Straße wird häufig in die Zeit des NS-Regimes datiert, dessen äußerst zwiespältige Einstellung zum Vergnügungsgewerbe auf St. Pauli zwischen Misstrauen und strikter moralischer Ablehnung einerseits und der Funktionalisierung und Wertschätzung für willkommene Ablenkungen schwankte.
Allerdings weist der renommierte Hamburger Historiker Ortwin PELC in seinem Artikel "Der sündige Stadtteil. Der Ruf St. Paulis und seine Entstehung" (2008) darauf hin, dass die damalige Heinrichstraße bereits "um 1900 zur besseren Kontrolle der Prostituierten zu einer Wohnanlage mit Toren an beiden Enden um[gestaltet wurde], ..." (Pelc, 2008: S. 101; nach: Urban, 1927, S. 106 ff.)

 

Herrenweide
<< auf der Karte anzeigen
" H e r r e n w e i d e .
No. 1 bis 15. 15 Häuser, 36 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2.
Der Name erscheint schon 1722; die Gasse wurde 1830 angelegt (S. B. [= Stadt-Erbebuch])."

BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1830, im Jahre 1727 entstand nach dem Zuschütten des Süder-Nobisteiches eine Wiese, über die die Straße verläuft. Diese Wiese gehörte der Stadt, daher Herrenweide.
EStH: Ben.[annt] 1830 durch Übertragung des Namens für die durch Zuschüttung des Süder-Nobisteichs 1727 entstandene Weide, über die die Straße verläuft; die Bezeichnung charakterisierte jene Weidefläche als Eigentum des Rats, d.h. der Stadt.
HANKE: (1830) Die Herrenweide, die dem Rat der Stadt, also den Herren von Hamburg gehörte, wurde 1727 auf dem zugeschütteten Süder-Nobisteich oder Reesenteich angelegt und verschwand mit der Bebauung dieser Gegend.
PABEL: Benannt 1830 durch Übertragung des Namens für die durch Zuschüttung des Süder-Nobisteichs 1727 entstandene Weide, über die die Straße verläuft; die Bezeichnung charakterisierte jene Weidefläche als Eigentum des Rats, darum Herren-Weide.
Ähnlich wie beim Herrengraben in der Neustadt, dessen "Fischereigerechtigkeit" den Ratsherren zustand, handelt es sich bei dem Verfügungsrecht über die Herrenweide um gemeinschaftliches Eigentum des Rates, nicht um individuelles Eigentum der Ratsherren.
Ab 1829 wurde die in staatlichem Eigentum befindlichen Flächen ("Cämmerey-Land") im Bereich Herrenweide, Hörmannstraße, Fischerstraße, Große Petersenstraße (heute: Lincolnstraße) in Baugrundstücke aufgeteilt und durch die Befestigung der vorgenannten Straßen erschlossen, um sie zu veräußern. Teile der in den 1830er-Jahren entstandenen Bebauung entlang der schmalen Vorstadtstraßen hatten sich bis in die 1980er-Jahre erhalten, fielen dann aber der "Flächensanierung", d.h. dem vollständigen Abbruch der historischen Bausubstanz, und der Errichtung gesichtsloser Klinkerneubauten im Eigentum der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG zum Opfer.

 

Hinter der Neuen Dröge
PABEL: "Die Dröge: ein an der auf dem Hamburger Berge zwischen Hamburg und Altona liegenden Reeperbahn stehendes Gebäude, worin die Seilen, Tauen geteert und getrocknet werden. Es gehört der Hamburgischen Admiralität, die es an 11 Reperheren nachmals überließ, welche es in Aktien unter sich verteilten. De nee Dröge: ein dazu gehöriges Wirthschaftsgebäude, das daher den Namen hat wie de oole Dröge an der Gegenseite nach der Elbe hin, wo ehemals die Taue getrocknet wurden. Auf der alten Dröge wurden um die Mitte des 18. Jahrhunderts Hezspiele zur großen Belustigung der Hamburger und Altonaer als öffentliches Schauspiel angestellt" (Schütze, Holsteinisches Idiotikon, I, S. 257/8). Die Neue Dröge war ursprünglich ein dezentes Lokal; man speiste unter Lindenbäumen. Der Besitzer hatte sein Haus, wie Heckscher (Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück, S. 66) berichtet, eigentlich "Tempel der Ceres" genannt und mit folgendem Vierzeiler um die Gunst des Publikums geworben:
"Wer nahe bei Hamburg sich will divertieren, / Beliebe zur Dröge hinauszuspazieren. /
Da findet er stets Unterhaltung nach Wunsch, / Recht schöne Musik und auch ein Glas Punsch."

Später wurde aus dem Etablissement ein ganz gewöhnlicher Tanzschuppen mit Damenpublikum der besonderen Art, nach 1814 das "St. Pauli Tivoli" und dann der Salon "Alkazar". 1865 wurde die Straße Hinter der Neuen Dröge umbenannt in Heinestraße zu Ehren von Salomon Heine, dem Onkel des Dichters Heinrich Heine und Erbauer des Israelitischen Krankenhauses, auf das die Straße zuführt.
NEDDERMEYER schreibt zur Vorgeschichte der Neuen Dröge einleitend folgendes: "1606 wurde der neue Pesthof angelegt, 1631 ein Platz zu Nobiskrug von der Cämmerei befriedigt; den Platz, auf welchem sonst der Nobiskrug stand, nahm 1671 die neue Dröge ein."
(NEDDERMEYER, Zur Statistik und Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg. Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832: S. 64).
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." seiner "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) finden sich noch einige ergänzende Angaben:
" D r ö g e, hinter der neuen. No. 466 bis 475. 10 Häuser, 18 Wohnungen.
Hinsichtlich der unrichtig angegebenen Lage dieser Gegend sehe man Seite 17 No. 58. Im Stadt-Erbebuch werden die hier befindlichen Gebäude als am Wege h i n t e r d e r R e e p e r b a h n bezeichnet, und schon 1629 erwähnt. Den Platz, auf welchem der Nobiskrug (*) stand, nahm seit 1671 die neue Dröge ein. Hier befindet sich eine Infanterie-Wache. Früher befand sich hier das kleine Hanfmagazin, unweit der Dröge; es mußte den 10. August 1811 geräumt werden, und wurde zum Hospital benutzt bis zum 21. April des folgenden Jahres; seit dem 5. Juni 1813 diente es abermals als Hospital und wurde dann im Januar 1814 theils demolirt, theils abgebrannt."

Der Hinweis auf die "Seite 17 No. 58" bezieht auf die Karte "Hamburg mit seinen nächsten Umgebungen im Jahre 1810. Gezeichnet von P.G.Heinrich, gestochen von J.T.Hagemann." im Verzeichnis der "Ansichten und Karten der Stadt ..." am Anfang der Topographie. Dort heißt es erläuternd:
"Auf dem Hamburgerberge ist die alte Dröge dahin gelegt, wo die neue liegt und so umgekehrt; man vergleiche damit die Gränzkarte von Trew und Hafenbank vom Jahre 1744."
Die in der Beschreibung genannten Daten fallen in die napoleonische Besatzungszeit Hamburgs, die sog. "Franzosenzeit", und stehen im Zusammenhang mit der von der Kontinentalsperre verursachten weitgehenden Einstellung der Schiffahrt nach Hamburg, denn in dieser Zeit wurden kaum neue Taue und Seile benötigt und angefertigt. –
Der Beschreibung ist eine ausführliche Betrachtung der möglichen Herkunft des Namens "Nobiskrug" beigefügt:
"Der Name Nobishaus kommt hier sehr früh, schon 1534 vor, (s. oben Seite 43). Da die Bedeutung dieses Wortes wohl nicht allgemein bekannt ist, so habe ich nicht ermangeln wollen, hier eine Erklärung derselben mitzuteilen: Unter Nobiskrug oder Nobishaus wurde nämlich die Hölle verstanden, wie aus nachstehenden Stellen deutlich hervorgeht:
Cursus Kleselianus, d.i. Klesels Kunstbossen [sic!]:
'Dein dürrer Körper mit deinem Fleisch
Werd' allhier der Raben Speiß,
Dein Seel fahr hin in N o b i s k r u g ,
Da ihr bereit ist Qual genug.'
Ferner Eulenspiegel, Reimensweiß durch J. S. G. M. (Meintzer) Frankfurt, Blatt 277. S. 2.
'Als Eulenspiegel ward zu schwach,
Da wollt man thun auch zur Sach,
Daß er nicht stürb so ungebeicht,
Und führ in N o b i s h a u s vielleicht.'
Das Complet Nederduitsch en frans Woerdenboek, Amsterdam 1717, sagt,
't'Nobisgat of the hel, in de boertige Styl.
L'enfer, le trou d'enfer en styl burlesque.'
Endlich führe ich noch eine in Hamburg entstandene Schrift an:
Hamburger Diarium von 1714 No. 2, zweite Woche, vom 7. bis 13 Januar, S. 8.
'Die Juden haben den Gebrauch, wenn einer von ihnen abstirbet, so sagen sie, wenn er dorthin kommt, soll er Abraham fleißig grüßen. Es lag auf eine Zeit ein Jude krank, denselben besuchten andere, sagten auch, er solle Abraham, Isaac und Jacob von ihretwegen grüßen, Christum aber nicht, der wäre ihnen gram, da fährt der sterbende Jude an und sagt: gram wider gram, und fuhr als hin in seinen Abrahams Garten in N o b i s k r u g .'
Auf der o.g. Seite 43 heisst es – bezugnehmend auf "Mitgetheilte Notizen des Herrn Archivarius Lappenberg Dr." ergänzend:
"Auch wird [auf dem Hamburgerberge] einer Gärberei und Leimkocherei gedacht (*), und 1534 eines Nobishauses, vielleicht ein Wirthshaus oder eine alte Warte."

siehe auch: Hamburger Berg

 

Hörmannstraße
EStH: Ben.[annt] 1829 nach dem Grundeigentümer, vermutl. Pet. Conr. Hörmann.
Die schmale Hörmannstraße verschwand – zusammen mit der Fischerstraße – bei der Umgestaltung des Gebietes rund um den Hein-Köllisch-Platz zu Beginn der 1980er-Jahre.) Ihre geringe Breite und teilweise niedrige Bebauung mit Gebäuden aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdeutlichte den vorstädtischen Charakter des Gebietes rund um die St. Pauli-Kirche. Trotz dieser großen historischen Bedeutung wurden Straßen und Gebäude beseitigt, um an ihrer Stelle einen modernen Klinkerblock mit Sozialwohnungen zu errichten. Diese verfehlte Politik der "Freien und Abrißstadt Hamburg" (Alfred LICHTWARK, Gründungsdirektor der Hamburger Kunsthalle) setzt sich bis in die heutige Zeit fort, denn noch zu Beginn des Jahres 2004 wurden in der benachbarten Lincolnstraße das Geburtshaus Carl Hagenbecks (aus den 1830er Jahren) und mehrere Gründerzeit- und Jugendstil-Etagenhäuser abgerissen, um den Straßenquerschnitt "zur Einrichtung von Stellplätzen in Schrägaufstellung" (– so wörtlich im gültigen Bebauungsplan!) zu verbreitern.

siehe auch: Bergstraße

 

Holstenglacis
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1893, mit Bezug nach der Lage auf dem ehemaligen Festungsglacis vor dem Holstentor. Ein Glacis ist eine Erdaufschüttung vor dem Festungswall bzw. Graben, die nach vorn hin abgeschrägt ist, um keinen toten Winkel zu bieten und um ein freies Schußfeld zu haben.
EStH: Ben.[annt] 1893 mit Bezug auf die Lage auf dem ehemaligen Festungsglacis vor dem Holstentor.
HANKE: (1893) Im Bereich des heutigen Sievekingplatzes wurde 1858/59 das Holstentor angelegt, durch das eine Landstraße nach Holstein führte. Ebenso: Holstenwall (1897), Vor dem Holstentor (1905).
In Beylands Werk über "Hamburgische Straßennamen der Alt- und Neustadt“ (S.32) heißt es zum Holstenglacis: "... erinnert an den ehemaligen Festungsgürtel und ist 1821 angelegt worden. Die Benennung erfolgte jedoch erst am 2 August 1893."
An der Straße befinden sich mehrere aus verschiedenen Gründen erwähnenswerte Einrichtungen. Hervorzuheben ist zum einen das Gebäude der ehem. "Albrecht-Thaer-Oberrealschule", die als erste Schule in Hamburg ein Abitur ohne Latein ermöglichte. Heute befindet sich dort das Studienkolleg für ausländische Studierende, die dort in mehreren Semestern die zum Studium notwendigen Deutschkenntnisse erwerben können.

H. HIPP hebt in seiner Beschreibung im "Kunst-Reiseführer Hamburg" einige bauliche Besonderheiten des Gebäudes hervor: "Die erste höhere Schule im [Karolinen-]Viertel, später »Albrecht-Thaer-Gymnasium«, heute Studienkolleg für ausländische Studierende am Holstenglacis 6, wurde als Oberrealschule 1875/ 76 erbaut und 1901-03 erweitert. Mit dieser Schule verwirklichte der Baudirektor Zimmermann einen Schulbautypus, den er im Wilhelm-Gymnasium (...) noch einmal wiederholte: Statt eines konventionellen Korridor- und Flügelhauses errichtete er einen italienischen Renaissancepalast mit vier Flügeln und einem arkadengesäumten Innenhof und überdeckte diesen mit einem Glasdach. Von der auf Sparsamkeit bedachten Bürgerschaft vor die Wahl gestellt, diese Raumlösung oder eine repräsentative Fassade zu verwirklichen, entschied sich Baudirektor Zimmermann für den Hof und ließ den Außenbau als einfachen Backsteinrohbau stehen. Ihn leitete die Hoffnung, durch eine würdige Gestaltung der Schulgebäude einen Beitrag zur Erziehung zu leisten. – Den fast armseligen Normaltypus des öffentlichen Schulwesens in der Gründerzeit zeigen die Backsteinschulhäuser an der Grabenstraße." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 254/55.)
Tatsächlich hat das von Hipp genannte Wilhelm-Gymnasium, das sich heute am Klosterstieg in Harvestehude befindet, seine Wurzeln ebenfalls ganz in der Nähe: Es wurde als "Neue Gelehrtenschule" in einem Fachwerkgebäude nahe der Gnadenkirche gegründet, das später eine sog. "Warteschule", d.h. eine Vorschule, und – als "Haus der Heimat" – die Räume zahlreicher Vertriebenenverbände beherbergte. Nach der Veräußerung der Gnadenkirche an die Russisch-Orthodoxen Gemeinde des Hl. Johannes von Kronstadt sollte das Gebäude als Gemeindehaus genutzt werden, erwies sich jedoch als so stark mit Bauschäden – darunter Termitenbefall (!) – behaftet, dass es im März 2013 abgebrochen werden musste. Es soll anschließend durch einen Neubau für das Gemeinde- und Kulturzentrum ersetzt werden.
Zur Entstehung und Funktion von "Warteschulen" erfährt man bei Friedrich Georg BUEK folgendes:
"... Im Jahre 1830 trat ein Verein zusammen, der die erste Warteschule errichtete, schon im Jahre darauf entstand die zweite, 1834 die dritte, 1835 die vierte, und seit dem vorigen Jahr [1843] ist auch in der Vorstadt St. Georg die fünfte gegründet. Fünf Vorsteher, für jede Schule einer, bewilligen die Aufnahme solcher Kinder, die allein laufen und einigermassen sprechen können, in die zunächst gelegene der Schulen, welche in den Mittelpuncten der von der arbeitenden Classe zumeist bewohnten Gegenden liegen. Vor 8 Uhr Morgens werden die Kleinen nach der Schule gebracht, Abends nach 7 Uhr wieder abgeholt; Frühstück und Vesper müssen sie mitbringen, Getränk und gesundes, warmes Mittagessen erhalten sie in der Schule, wo sie unter unausgesetzter Aufsicht spielen lernen und spielend lernen, was ihren Geisteskräften angemessen ist. [ … ] Statt dessen werden die Kinder in den Warteschulen zur Reinlichkeit und Ordnung angehalten, sie lernen, sich mit ihren Gespielen vertragen und – gehorchen! Und das wirkt für die ganze Lebenszeit. Sie gehorchen aber gerne, denn die Frauen, denen die Warteschulen anvertraut sind, werden mit äusserster Sorgfalt gewählt, und zu jeder Schule gehören acht Frauen und Jungfrauen, welche alle Woche in der besondern Aufsicht wechseln. – Können denn die Eltern solche Wohlthaten bezahlen? Nein, das thun sie auch nicht; für ein Kind wird während der ganzen Woche 4 Schillinge (3 Silbergroschen) bezahlt, für mehrere Kinder 6 Schillinge. Das ist eigentlich mehr ein Mittel, den Eltern die Freude zu lassen, doch auch für ihre Kinder zu arbeiten, und das bei dieser Vergütung ersichtlich noch Fehlende, nun, das ersetzen Subscriptionen und milde Beiträge der Hamburger."
(Buek, F. G.: "Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert." Hamburg, 1844 / 1848: S. 78.)
Das heute noch bestehende repräsentative Schulgebäude, das zunächst die Albrecht-Thaer-Oberrealschule (später: Gymnasium) beherbergte, wurde in großer Eile errichtet, nachdem die Bürgerschaft im Januar 1880 die Gründung einer weiteren 'Höheren Staatsschule' – neben dem Johanneum – beschlossen hatte, und war zunächst nur als provisorische Unterkunft für die Unterklassen bestimmt, deren Einschulung dort am "Montag, dem 25. April 1881, 10 Uhr vormittags" stattfand. Vorher, am Sonnabend, dem 23. April, hatte, "so gut es in den eben erst von den Bauhandwerkern verlassenen Räumen ging", die vorläufige Aufnahmeprüfung der angemeldeten Schüler stattgefunden, und am Tag nach der Eröffnung, am 26. April also, begann der Unterricht, "wenn auch noch mit nassen Wänden", wie die Schulchronik berichtet, und weiter: "Anwesend: 99 Schüler, der Direktor, fünf ordentliche Lehrer, ein technischer Lehrer - und zur Ausbildung der Kandidat Laemmerhirt." (Siehe: Wilhelm-Gymnasium Hamburg, 1881 – 1981. Eine Dokumentation über 100 Jahre Wilhelm-Gymnasium. Zusammengestellt u. hrsg. von Peter-Rudolf Schulz. Hamburg: Hower, 1981.)
Der erste Schuldirektor, Prof. Hermann Genthe, hatte ursprünglich die Absicht, der Schule den Namen "St.-Pauli-Gelehrtenschule" oder "Paulinum" zu geben, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Am 21. Februar 1883 beschloss der Senat – nach langem Hin und Her – dann mehrheitlich, der Schule den Namen "Wilhelm-Gymnasium" zu geben. Im Jahre 1885 erfolgte schließlich der Umzug in den Neubau an der Ecke Grindelallee/ Moorweidenstraße.
Direkt gegenüber dem ehemaligen Gebäude der Albrecht-Thaer-Schule liegt der Zellentrakt der Untersuchungshaftanstalt, der sich entlang der Straße bis zum verbliebenen Straßenabschnitt von "Bei den Kirchhöfen" hinzieht, wo sich das Gefängniskrankenhaus befindet. Bedingt durch die rigiden Beschränkungen für den Zugang zu Untersuchungsgefangenen – gerade auch für Freunde oder Familienangehörige – sind sowohl in diesem Straßenzug als auch von den Kleinen Wallanlagen aus immer wieder Versuche zu beobachten, durch lautes Rufen Kontakt zu Häftlingen aufzunehmen.
Das Bauwerk wurde 1877-81 aus Mitteln der französischen Reparationszahlungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) errichtet und in der Epoche des Oberbaudirektors Fritz Schumacher zwischen 1912 und 1930 mehrfach umgebaut und erweitert, u.a. um das Haftkrankenhaus, einen Wachturm und das Eingangsgebäude. In den Jahren 1927-29 wurde nach Plänen Schumachers ein Neubau errichtet, der "auf beunruhigende Weise die Möglichkeiten des Klinkers dazu nutzt, düster-mächtige Wirkungen zu erzeugen", so H. HIPP ("Freie und Hansestadt Hamburg." DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./ 1996: S. 212.)
Dem abweisenden Äußeren entspricht das erschreckende Innere: Vom Kaiserreich bis zum nationalsozialistischen Regime wurden – zunächst auf dem Hof, später in einem Raum des Krankenhauses – zahlreiche Gefangene aus ganz Norddeutschland in diesem Gebäude hingerichtet. An einige der Opfer der NS-Justiz erinnern Gedenktafeln an der Parkmauer auf der Ostseite des Strafjustizgebäudes. Auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden Todesurteile, die von der Justiz in der der englischen Besatzungszone verhängt worden waren, hier vollstreckt. Seit den 1960er Jahren geriet die Untersuchungshaftanstalt wiederholt wegen der Misshandlung von Häftlingen in die Schlagzeilen.

 

Holstenplatz
BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt), 1880, im Anschluß an den Namen des ehemaligen Holstentores.
EStH: Ben.[annt] 1880 im Anschluß an den Namen des ehemaligen Holstentores.
In BEYLANDS Werk über "Hamburgische Straßennamen der Alt- und Neustadt“ (S. 32) heißt es zum Holstenplatz: "... früher Holstenthordamm; hat durch Senatsbeschluß vom 2 September 1898 seinen jetzigen Namen erhalten."

 

Hopfenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1866, mit Bezug auf die dort gelegenen Brauereien in St. Pauli.
EStH: Ben.[annt] 1866 mit Bezug auf die südlich angrenzende Aktien-Bierbrauerei in St. Pauli.
HANKE: (1866) Die Hopfenstraße hat ihren Namen von der großen Bierbrauerei, an der sie vorbeiführt (heute Bavaria-St. Pauli-Brauerei).
Die obigen Aussagen sind heute wegen des großflächigen Stadtumbaus auf dem Gelände der ehemaligen Bavaria-St. Pauli-Brauerei nur noch historisch zutreffend. Seit dem vollständigen Abbruch dieser letzten großen Fabrikanlage St. Paulis, die ein typisches Beispiel für die vorstädtische Industrialisierung bildete, sind sie jedoch vor Ort nicht mehr erkennbar. Auf den 1647 gegründeten Betrieb wird an dieser Stelle künftig nur noch der Name "Brauquartier" verweisen, denn auch das ursprünglich geplante Vorhaben, einen Teil der Brauerei zu Vorführzwecken zu erhalten, wurde schließlich zugunsten einer einträglicheren Immobiliennutzung verworfen.
Den baulichen Kernbestand der Brauerei bildete bis zum Abbruch im Jahre 2004 das Verwaltungsgebäude an der Ecke von David- und Bernhard- bzw. später Bernhard-Nocht-Straße. Dort war ab 1863 die "Actien-Bierbrauerei" errichtet worden, zu der auch weitläufige mehrgeschossige Gewölbekeller gehörten. Nach der Fusion mit der Altonaer Bavaria-Brauerei nannte sich das Unternehmen seit 1922 "Bavaria- und St. Pauli-Brauerei".
Im Zuge der Neubauung entstand an der Ecke zur Davidstraße das 90 Meter hohe "Empire Riverside Hotel", dass eine Investorengruppe rund um den – Im November 2007 verstorbenen – St. Paulianer Milliardär Willi Bartels nach einem Entwurf des Architekten David Chipperfield errichten ließ.
Eine Beschreibung der erst Anfang der 1990er Jahre errichteten und ebenfalls 2004 abgebrochenen Logistikhalle findet man im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE. Dort heißt es:
"Logistikhalle der Bavaria-St. Pauli-Brauerei AG, Hopfenstraße 15/Bernhard-Nocht-Straße, St. Pauli. Architekten: ASW Silcher, Werner + Partner, Mitarbeiter: Torsten Haun, Renate Lindemann, Bernd Leusmann, Klaus Mensiga. 1991/92. – Um den umfangreichen Hallenbau in sein Umfeld zu integrieren, betrieben die Architekten eine nicht ganz schlüssige Mimikri. Denn hinter den mit Klinker ausgefachten, schlanken Stahlprofilen, ein gelungenes Zitat der historischen Gewerbearchitektur, verbirgt sich nicht etwa eine Stahlbinderkonstruktion, sondern ein Stahlbetonskelettbau. Eine Stützenabstand von 13,9 m bei Unterzügen von 2 m Stärke gewährleistet ausreichend Rangierraum für die Gabelstapler und LKWs. Das Obergeschoß nimmt das Leergut auf. Hier kommt die tragende Rolle – im wahrsten Sinne des Wortes – den Pylonen zu, an denen die Leichtbaukonstruktion des Hallendachs aufgehängt ist. Gleichwohl vertritt der Entwurf einen gestalterischen Anspruch, wer er sonst kaum in der hamburgischen Gewerbearchitektur anzutreffen ist." (siehe: Lange, 1995, S. 98, "C26")
Weder die architektonische Qualität noch eine kaufmännische Bewertung des Gebäudes konnten es jedoch nur gut 10 Jahre später vor dem Abbruch bewahren. Dem Aufkauf der Bavaria-St. Pauli-Brauerei durch die Holsten-Gruppe und einem vorübergehend garantierten Erhalt der Brauerei und ihrer Arbeitsplätze bis 2003 folgten die Schließung der traditionsreichen Produktionsstätte des "Astra"-Biers und die Veräußerung des Betriebsgeländes. Der Verkaufspreis war dabei bereits an der geplanten "hochwertigen" Umnutzung für ein neues Wohn- und Geschäftsquartier orientiert und sollte der Stadt Hamburg als Eigentümerin einen möglichst hohen Erlös verschaffen. Als nach der der Aufteilung in fünf Baufelder und der Verabschiedung eines neuen Bebauungsplans der Abbruch der Brauereibauten erfolgte, war zeitweilig die dreieckige Form der Halle erkennbar, die dem ehemaligen Straßenverlauf des Zirkuswegs folgte. Auch die weit in den Geesthang reichenden mehrgeschossigen Tiefkeller der früheren Brauerei, in denen zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Eis großen Blöcken gelagert worden war, kamen zum Vorschein. Auch sie wurden aus einer bis zu 12 m tiefen Baugrube herausgebrochen, um Platz für die Tiefgaragen und Untergeschosse der Neubauten zu schaffen.

 

Hornwerk
" H o r n w e r k , siehe Biebers Platz.
A.D. [= Armen-Distrikt] 1.
Hat von dem ehemals hier gelegenen Festungswerke seinen Namen. Hier befindet sich eine Cavallerie-Wache, eine seit 1817 entstandene Dampfmühle, die Wohnung des Müllers und eine öffentliche Pumpe."

Der niederländischen Festungsbautechnik folgend umgab man die Wallanlagen mit zahlreichen Außenwerken, zu denen die so genannten Hornwerke und die mit Ravelins vergleichbaren Demi-Lunes, welche direkt vor den Bastionen errichtet wurden, zählten.
Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wird diese Belegenheit, die nahe der Elbe den Wallanlagen in St. Pauli vorgelagert war, in den Listen der "Compagnien" des Hamburger Bürgermilitärs geführt, obwohl sich dort keine dauerhaft bewohnte Bebauung mehr befand.
Eine in London zur Zeit der napoleonischen Besetzung erschienene Karte zeigt eine "Dragoner-Wache" als Bauwerk auf dem "Hornwerk". Der westliche Teil der Vorbastion trägt auf dieser Karte die Bezeichnung "Raben-Schanz"[e] (siehe: Hamburg [Maßstab: ca. 1:10.000]. C. Lorenz B. Mirbeck / Benjamin Baker [Sculp]s]. London: Mirbeck, 1813.)

siehe auch: Biebers Platz

 

J

Jägerstraße, Jägerpassage
EStH: Ben.[annt] 1857 unter Benutzung des Namens, den zwei auf Altonaer Gebiet an des Westseite des jetzigen Neuen Pferdemarkts belegene Wirtshäuser Zum alten und Zum neuen grünen Jäger führten.
Der Straßenname hat sich in der Bezeichnung "Jägerpassage" erhalten, den bis heute zwei Terrassenzeilen an der Ostseite der Wohlwillstraße tragen. Diese Terrassen entstanden in den 1860er Jahren als Frühformen des sozialen Wohnungsbaus in der Vorstadt St. Pauli. In den 1980er Jahren sollten sie abgebrochen werden, konnten aber durch den engagierten Widerstand einer Projektinitiative und von Anwohner/innen gegen diese städtischen Pläne weitgehend (bis auf die abgebrochene Nordterrasse) erhalten und teilweise in ein Wohnprojekt umgewandelt werden. Diese Initiative wurden – ähnlich wie später die Bemühungen zur Rettung der gründerzeitlichen Häuser an der St. Pauli-Hafenstraße – von der »Patriotischen Gesellschaft von 1765« unterstützt. Diese veröffentlichte 1984 eine zusammenfassende, illustrierte "Denkschrift zur Jägerpassage", aufgestellt von dem Architekten Volker Doose für den Arbeitskreis Bürgerprojekt. Sie konnte zurückgreifen auf das im Auftrag des Denkmalschutzamtes in der Hamburgischen Kulturbehörde bereits 1983 vom Architekturbüro »planerkollektiv« erstellte "Gutachten: Jägerpassage" (Red.: Kai Liedke).
Im Stadtteilrundgang durch "Das Terrassen-Quartier – Die vergessene Hälfte St. Paulis" wird die Jägerpassage folgendermaßen beschrieben:
"Als ältestes in Hamburg erhaltenes Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus stand die Jägerpassage in den letzten Jahren mehrfach im Mittelpunkt der Diskussion. Der Backsteinrohbau mit ursprünglich drei Terrassenflügeln war die Antwort einiger führender Hamburger Bürger auf die im 19. Jahrhundert brennende 'Arbeiterfrage', die nicht zuletzt eine Arbeiterwohnungsfrage war – denn wo die Enge der Wohnung das Wirtshaus zum Salon machte, war moralischer und gesundheitlicher Verfall nicht weit. Hervorgegangen aus der Patriotischen Gesellschaft ließ die 'Baugesellschaft von 1866' im gleichen Jahr ihre Musterwohnanlage in der Jägerstraße erbauen. Breite Torbögen, geräumige Höfe, belichtete Treppenhäuser, moderne Zwei- und Dreizimmergrundrisse, Wasseranschluß in der Wohnung und eine eigene Wassertoilette für jede Wohnung waren die revolutionären Erneuerungen gegenüber den alten Arbeiterquartieren in der Kernstadt. Für breite Bevölkerungskreise blieben diese Musterwohnungen unerschwinglich.
Ein gutes Jahrhundert nach ihrer Erbauung wird dem Reformbau genau das vorgeworfen, wogegen er einst konzipiert worden war: die Höfe zu eng, die Wohnungen zu klein, die Belichtung und Belüftung zu gering. Nicht nur in ihrer Bauform hatten sich die Terrassen an die vorindustriellen Wohnhöfe angelehnt, ihnen drohte auch das gleiche Sanierungsschicksal. Dass die gesamte Wohnanlage nicht dem in den siebziger Jahren geplanten 'Bürgerforum' weichen mußte, ist den Aktionen der 'jäpa-ini' und einigen beherzten Menschen in den Behörden zu verdanken. Nach mehreren Besetzungen erfuhren Mittelterrasse und Vorderhaus eine umfassende Sanierung die Südterrasse sollte der Nordterrasse in die ewigen Jagdgründe der unzeitgemäßen Architekturform folgen. Nun, sie steht noch und wird derzeit von einer Nutzergruppe instandgesetzt."
(In: Kiek mol, 1993: S. 286/87 ff.).
Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE findet man zur Jägerpassage die folgende Beschreibung: "Wohlwillstraße 20-28, St. Pauli; Architekten: Timmermann & Schrader, 1866; Erweiterung 1870; Teilabbruch 1982. – Ein weiteres Dokument für die Stadtentwicklung in den 1860er Jahren stellen die beiden Terrassen an der Ostseite der Wohlwillstraße dar, unter denen die Jägerpassage schon allein durch die rotgelbe Rohbauarchitektur auffällt. Bauherr war die Bau-Gesellschaft von 1866, die von renommierten Mitgliedern der Patriotischen Gesellschaft gegründet worden war und einen Beitrag zur Verbesserung der Wohnsituation der Unterschichten leisten wollte: Zweispänner mit Querlüftung, innerhalb der Wohnung liegende Wasserklosetts und direkt belichtete Treppenhäuser markieren hier denn auch einen Standard, den der Hamburger Massenwohnungsbau z.T. erst in der Weimarer Republik erreichte. Dabei sollte jedes der drei Zimmer vom Flur aus zugänglich sein, um auch Arbeiterhaushalten die von den bürgerlichen Bauherren gewünschte räumliche Trennung der Familienmitglieder nach Geschlecht und Generationszugehörigkeit zu ermöglichen. Die Nordzeile - bis zum Abbruch der ursprünglichen Nordzeile die mittlere der ehemals drei Zeilen - wurde 1870 dagegen wieder als Vierspänner mit nur zwei Zimmern pro Einheit errichtet, weil sich gezeigt hatte, daß die Wohnungen für Normalverdiener kaum erschwinglich waren." (siehe: Lange, 1995: S. 96, "C20")
H. HIPP hebt in seiner Beschreibung im "Kunst-Reiseführer Hamburg" einige sozialgeschichtliche und bauliche Besonderheiten hervor: "Südlich vom Paulinenplatz entstand 10 Jahre später [d.h. 10 Jahre nach dem Beginn der Parzellierung des ehem. Pesthof-Gebietes] ein Muster für die Reform des Wohnens kleiner Leute, die Jägerpassage an der Wohlwill- (früher: Jäger-)Straße 20-28. Aus den Diskussionen der Kleinwohnungsfrage in Hamburg innerhalb der Patriotischen Gesellschaft war die gemeinnützige »Bau-Gesellschaft von 1866« hervorgegangen; auf dem Gelände an der Jägerstraße errichtete sie 1866 ihre erste Wohnanlage: Hinter einer Etagenhausgruppe erstreckten sich in die Tiefe des Grundstücks drei Hofflügel (der nördliche wurde 1977 abgerissen). Daß es ein Reformprojekt ist, zeigt die für Wohnhäuser ungewöhnliche unverputzte Backsteinbauweise mit Lisenengliederungen und gemauerten Stichbogen, Blenden und materialgerechten Friesen (Christian Timmermann und Gustav Schrader); die Treppenhäuser liegen an der Außenseite (das gibt der Straßenfront ihren für Häuser dieser Zeit ungewohnten Rhythmus)." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./1996: S. 252.)
Weitere aufschlussreiche Informationen zur Sanierungsgeschichte der Jägerpassage sind u.a. zu finden bei:
Silvia Kleinschmidt; Michael Roese (Red.): "Wohnprojekt Jägerpassage Hamburg." (Hamburg, 1985)
Hans Harms (Hrsg.): "Dokumentation der Diskussion zum Thema Modell oder Fall: Jägerpassage; vom 29. Januar 1986 im Technikum der Technischen Universität Hamburg-Harburg." (Hamburg, 1986)
Jörg Haspel: "Arbeiterquartier Wohlwillstraße. Dokumentation und Sanierungsgeschichte eines Hamburger Wohnreformensembles." (Hamburg, 1990)
Spezielle historische Aspekte werden in zwei Artikeln beleuchtet:
Hudtwalcker: "Sendschreiben an einen auswärtigen Freund über den in Hamburg bevorstehenden Abbruch der Jägerpassage." In: Arch+, Nr. 68, Mai 1983: S. 77-81.
Jörg Haspel; Ursula Schneider: "»Wie richte ich ihre Wohnungen ein?«: Überlegungen zu einem Arbeiterwohnmuseum in der Jägerpassage." In: Olaf Bockhorn; Helmut Eberhart; Wolfdieter Zupfer (Hrsg.): "Auf der Suche nach der verlorenen Kultur. Arbeiterkultur zwischen Museum und Realität." (Wien, 1989): S. 127-148.
Die bereits im Aufbau befindliche Museumswohnung in der Jägerpassage, die wichtige Schritte zu einem lebenswerten, auch für Arbeiterhaushalte bezahlbaren Angebot sog. "Kleinwohnungen" als Beitrag zur "Lösung der Arbeiterwohnungsfrage" dokumentieren wollte, fiel einer ideologisch motivierten Zerstörung durch Vandalismus aus dem Umfeld zum Opfer. Das Projekt wurden daraufhin bedauerlicherweise aufgegeben.

siehe auch: Wohlwillstraße

 

Jungiusstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1898, nach dem bedeutenden Naturforscher, Rektor und Professor am Akademischen Gymnasium Joachim Jungius (1587-1657). Die Straße durchschneidet den ehemaligen botanischen Garten, der von Ernst Merck gegründet worden war, und nach dem letzten Krieg dem Park "Planten un Blomen" einverleibt wurde. Von der Jungiusstraße bis zur Tiergartenstraße erstreckte sich früher auch der Zoologische Garten. Etwa 70 Jahre konnten sich die Hamburger dieses Tierparks erfreuen, danach mußte er dem Konkurrenzdruck von Hagenbeck weichen; erwähnenswert, daß der erste Direktor dieses Zoos der bekannte Zoologe Alfred Brehm ("Brehms Tierleben") gewesen ist.
EStH: Ben.[annt] 1898 zu Ehren des bedeutenden Naturforschers, Rektors des Johanneums, sowie Rektors und Professors am Akademischen Gymnasium Joachim Jungius (1587-1657).
HANKE: (1898) Joachim Jungius (1587-1657), Mathematiker, Arzt und Naturforscher, ab 1629 Rektor des Johanneums. 1997 wurde der westliche Teil der Jungiusstraße zwischen dem Messegelände und "Planten un Blomen" in St. Petersburger Straße umbenannt.

siehe auch: S(ank)t Petersburger Straße

 

K

Kamp, am neuen
"Früher auch Schulterblatt genannt und als solches schon 1718 erwähnt (S. B. [= Stadt-Erbebuch]). In No. 21 befand sich 1831 das Bureau No. 15, zur Anmeldung der von der Cholera befallenen; nachstehende Gassen gehörten zum Bezirk desselben:
Reeperbahn, hinter der Reeperbahn, neue Dröge, hinter der Dröge, Klütjenstieg, vom Thore nach dem Schulterblatt, Prahlenhof, Neuenkamp, Oelmühle, große Glashütte, kleine Glashütte bis an die Sternschanze. Hier befindet sich 1 Spritze."

Diese Eintragung verweist auf zwei unterschiedliche Gefahren, die Städten drohten, nämlich die epidemische Ausbreitung ansteckender Krankheiten (z.B. die Pest, in Hamburg zuletzt 1713/14, oder die Cholera, 1831 und in großem Umfang 1892) und Schadensfeuer, die – bei unzureichender Ausrüstung der Feuerwehren – zu großflächigen Zerstörungen oder zur Vernichtung ganzer Städte führen konnten, wie z.B. der Große Hamburger Brand des Jahres 1842.
Der von NEDDERMEYER erwähnte Standort der Feuerspritze dürfte in der Gegend der Ölmühle gelegen haben, denn der erläuternde Text zu einem Katasterplan des Jahres 1840 besagt, dass ein westlich vom Ölmühlenplatz gelegenes kleines Grundstück "... zur Erbauung eines Spritzenhauses überlassen..." wurde. Ein Plan von 1823 enthält zudem auf einer Fläche im südwestlichen Teil des bereits parzellierten Platzes die Eintragung einer kleinen quadratischen Fläche in blauer Farbe, die möglicherweise einen Löschteich oder eine andere Wasserfläche darstellt.
Das "Sprützenhaus" an der Ecke der Markstraße und der Straße Bei der Oelmühle bestand dort bis 1891 und wurde im Zuge der Erweiterung des Schlachthofgeländes bis zum Neuen Kamp abgebrochen. In den vorhergehenden Jahren war es nur noch als Lager- und Arbeitsraum genutzt worden, wie MELHOP berichtet (Melhop, 1895: S. 259).

siehe auch: Neuer Kamp

 

Kampstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1843, nach einem der Gegend anhaftenden Flurnamen.
EStH: Ben.[annt] 1843 unter Benutzung des an der Gegend haftenden Flurnamens.
HANKE: (1843) Die heute am Schlachthofgelände endende Kampstraße, die ursprünglich die Schanzen- und Karolinenstraße miteinander verband, hat ihren Namen nach den früher hier gelegenen eingezäunten Feldern, die man als "Kamp" bezeichnete. Das frühere östliche Teilstück gehört jetzt zur Grabenstraße.
Die Straße trägt auf Plänen der 1940er Jahre auch den Namen "Am Schlachthof", den sie im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im – ab 1938 geschaffenen – "Groß-Hamburg" zum 1. Januar erhalten hatte. Der frühere Straßenname wurde jedoch 1948 wieder hergestellt. An ihrer Nordseite lag das – im Jahr 1957 gesprengte – alte Hauptverwaltungsgebäude des Hamburg-Altonaer Zentralschlachthofes. Dieses – offenbar recht eindrucksvolle – Bauwerk und die benachbarten Einrichtungen des "Centralviehmarktes" und des Schlachthofes werden 1897 in einem Werk des damaligen Direktors wie folgt beschrieben:
"Nachdem wir noch einen Blick auf das kleine, freundliche Pförtnerhäuschen neben der Einfahrtspforte am Neuen Kamp, Ecke der Feldstraße geworfen und den unter der Feldstraße durchgeführten Tunnel mit seinen sauberen Wandflächen einer Besichtigung unterzogen haben, wenden wir uns, den Schlachthof für Großvieh in der Hauptstraße seiner ganzen Länge zurückschreitend, den stattlichen Thurm des Verwaltungsgebäudes als Wahrzeichen im Auge behaltend, dem Haupteingang wieder zu, überschreiten die Kampstraße und gelangen nun durch das an der Nordseite derselben hergestellte Einfahrtsthor nach dem Schweineschlachthof." (Boysen, 1897: 49 ff.)
Nach Beseitigung dieses Gebäudes wurde die Umfassungsmauer des Geländes zwischen dem nördlichen Schlachthofgebiet an der Lagerstraße und dem Gebiet um die Alte Rinderschlachthalle an der Sternstraße geschlossen und im Bereich des ehemaligen Straßenverlaufs mit Toren versehen. Damit entfiel eine weitere Verbindung zwischen dem Karolinen- und dem Schanzenviertel, die auch für kleinere Geschäfte bedeutsam gewesen war. Allmählich schlossen daher viele Läden und Gastwirtschaften, bis nur noch ein hochpreisiges Restaurant direkt am Tor zum Schlachthofgelände und eine traditionelle Eckkneipe an der Kreuzung mit der Sternstraße übrig blieben.
Seit den 1990er Jahren änderte die Kampstraße auch ihr bauliches Erscheinungsbild, denn zunächst wurde nach dem Wegzug der Gewürzfabrik HERMANN LAUE ("HeLa") der Block nordwestlich der Straße völlig entkernt und neu bebaut. In den Jahren 2006-7 wurde – nach langjährigem Leerstand von Teilen der Gebäude und dadurch fortschreitendem Verfall – auch südlich des Straßenabschnitts zwischen Stern- und Schanzenstraße mit der Errichtung mehrerer neuer Wohngebäude begonnen. Bei diesem Bauvorhaben wird die Fassade des klassizistischen Vergängerbaus an der Ecke zur Sternstraße ebenso erhalten wie die kleinteilige Aufteilung der Flurstücke südlich der Straße, die sich bei den benachbarten Altbauten fortsetzt. Nur bei einem Teil der neuen Wohnungen handelt es sich allerdings um sozialen Wohnungsbau, weshalb die Entwicklung bereits 1993 im Stadtteilrundgang "St. Pauli-Nord: Zwischen Pferdemist und Verbindungsbahn" eher kritisch gesehen wird:
"Zwischen Schanzen- und Sternstraße befand sich bis 1989 die 1893 gegründete Gewürzfabrik H. Laue. Neben dem Aroma des Schlachthofes prägte sie mit Gewürzgerüchen das Flair des Viertels. Nach ihrer Umsiedlung an den Stadtrand hätte der Senat sein Vorkaufsrecht für dieses Gelände zum Bau von Sozialwohnungen und zum Erhalt billigen Wohnraums nutzen können. Das Gelände wurde an einen Rechtsanwalt verkauft; Häuser stehen leer, verfallen, ein Spekulationsobjekt erster Güte." (Kiek mol, 1993, S. 301)
Das sog. "Laue-Gelände", d.h. Grundstücke und Gebäude der Gewürzfirma Hermann Laue umfasst nahezu zwei Straßenblöcke nördlich und südlich der Kampstraße. Die Grenzen werden im Westen von der Schanzenstraße, im Osten von der Sternstraße, im Norden von der Lagerstraße und im Süden von der Ludwigstraße gebildet. Zu dem zum Zweck der Immobilienentwicklung im März 1990 an den Hamburger Rechtsanwalt Dabelstein und seine Partner veräußerten Grundstücken gehörten die Sternstr. 107 - 117 a, Kampstr. 5 - 7 und 15 / 15a, Schanzenstr. 56 - 62 (mit Gewürzsilo und Produktionsanlagen), Schanzenstr. 64 - 70 (zusammen mit dem gesamten Innenhof), Ludwigstr. 6 - 8 und 13. Wegen des anschließenden jahrelangen Leerstands kam es in mehreren dieser Häuser - u.a. in der Sternstr. 107, der Schanzenstr. 58 - 62 und der Kampstr. 5 / 6 – in den 1990er Jahren zu Hausbesetzungen, die durch massive Polizeieinsätze schnell wieder beendet wurden.
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Kampstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.
Der frühere östliche Abschnitt der Kampstraße wurde der – ehemals nur in ihrem heutigen nord-südlichen Abschnitt so benannten – Grabenstraße zugeschlagen, nachdem das nördliche Schlachthofgelände in den 1950er Jahren durch den Bau neuer Hallen weiter verdichtet und mit den Flächen rund um die Alte Rinderschlachthalle am Neuen Kamp verbunden worden war. Er beginnt in Höhe der ehemaligen Quarantäne-Ställe (sog. "Kontumaz-Anlage"; errichtet 1888) und mündet zwischen dem Fernwärme-Umspannwerk und der Israelitischen Töchterschule in die Karolinenstraße. Im Sommer 2010 wurde dieser Straßenabschnitt erneut umbenannt und trägt nun den Namen Flora-Neumann-Straße.
An diesem Straßenabschnitt befinden sich neben der ehemaligen Israelitischen Töchterschule und ihrer Turnhalle zwei weitere historische Schulgebäude, die inzwischen von anderen Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden: In die Israelitische Töchterschule – heute Alberto-Jonas-Haus – sind Einrichtungen der Volkshochschule Hamburg (VHS) und ein Kindertagesheim für Kinder mit Behinderungen eingezogen. Das frühere Gebäude der Turnhalle wurde zu einem neuen Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde um- und ausgebaut. Das benachbarte Gebäude der "Knabenschule" beherbergt seit einigen Jahren eine Regionale Beratungsstelle der Schulbehörde ("REBUS"), während sich jenseits der Glashüttenstraße in der frühere "Rumbaum’sche Stiftungsschule" eine Kinder- und Jugendeinrichtung in freier Trägerschaft, die Arbeitsgemeinschaft Karolinenviertel ("AG KV") befindet. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind in jüngster Zeit ein Bürogebäude und neue Wohnungen der Wohnungsbaugenossenschaft Hansa eG entstanden.

siehe auch: Flora-Neumann-Straße

 

Karolinenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, das Benennungsmotiv ist unbekannt. Die Mutter des damaligen Patrons der Vorstadt, des Senators Spalding, hieß Caroline Lucie Spalding, geb. Reuter.
EStH: Ben.[annt] 1841; Motiv unbekannt; die Mutter des damaligen Patrons der Vorstadt St. Pauli, des Senators Spalding hieß Caroline Lucie Spalding, geb. Reuter.
HANKE: siehe Paulinenplatz.
PABEL: Die Straße wurde 1841 wahrscheinlich nach der Mutter des damaligen Patrons von St. Pauli und Senators Spalding, Caroline Lucie Spalding, geb. Reuter, benannt.
Im Zuge der Wiederbebauung nach dem Abzug der französischen Besatzungstruppen (am 30. Mai 1814) wurden entlang der Karolinenstraße – gegenüber den "Kirchhöfen vor dem Dammthore" – seit ca. 1815 vorwiegend Vorstadt-Villen mit ausgedehnten und schmuckvollen Gartenanlagen errichtet, von denen aus man den bevorzugten Ausblick auf die parkartig angelegten Friedhöfe genießen konnte. Darüber heißt es in einer in den 1840er Jahren in Briefform abgefassten Beschreibung der nördlichen Teile St. Paulis u.a.:
"... bis man wieder in der Carolinenstraße, die den Begräbnisplätzen gegenüber von Süden nach Norden läuft, neue und elegante Gartenhäuser trifft. Die in neuerer Zeit vermehrten und erweiterten Begräbnisplätze, wiedererstanden aus der scheußlichen Verwüstung, womit die Franzosen sie verheerten, schließen sich mit ihren Laubengängen , ihren Tränenweiden und ihren zum Teil geschmackvollen Denkmalen, an den bis zum Dammtor reichenden botanischen Garten, so daß man in schattigen Alleen wandelt zwischen den duftenden Blumen und Blüten, die der Lenz entknospen, der Herbst verwelken sieht, und der ernsten Aussaat von Menschen, die der große Gärtner in ein anderes Land verpflanzt hat."
Auch in den folgenden Bauphasen der Vergrößerung bzw. des Abbruches und der Neuerrichtung der Vorstadthäuser blieben an einigen Stellen Vorgärten für die Erdgeschoss- bzw. Hochparterre-Wohnungen erhalten. Von den oberen Geschossen der neuen 5- bis 6-geschossigen Etagenhäuser der 1880er und 90er Jahre hatte man hingegen einen bevorzugten Blick über die alten Friedhöfe hinweg zu den Wallanlagen und zur Innenstadt.
Vor einigen dieser Neubauten wurden geschlossene Veranden oder Ladenvorbauten errichtet, so dass der Eindruck entlang der Westseite der Straße bis heute vielfältig ist und verschiedene baugeschichtliche Epochen ablesbar macht. Dies wird zusätzlich dokumentiert durch eine ganze Reihe von denkmalgeschützten oder denkmalwürdigen Gebäuden.
Im Einzelnen zählen zu Bebauung der Karolinenstraße die folgenden Bauten:
• Karolinenstr. 1 / Ecke Feldstraße 60: Das Eckhaus "Haus Potenberg" ist das Kontor- und Wohnhaus, das die namensgebende Firma, die heute in Neumühlen ansässig ist, im Jahre 1930 von dem Baumeister Erich Löscher errichten ließ. Es zählt zu den denkmalwürdigen Bauten.
• Karolinenstraße 2 a Haus 1, 2, 4, 5: Dieses zwischen 1870 und 1900 schrittweise entstandene Ensemble eines Wohn- und Gewerbehof mit Vorderhaus, Wohnterrasse, Fabrik und Speichergebäuden steht seit 13. Januar 2003 unter Denkmalschutz. In der entsprechenden Pressemitteilung des Denkmalschutzamtes heißt es u.a.:
"Es handelt sich hierbei um einen Wohn- und Gewerbehof, der in den Jahren 1870 und 1900 nach und nach entstandenen ist. Dieser Wohn- und Gewerbehof veranschaulicht als eines der seltenen gut erhaltenen Beispiele die Nutzungsstrukturen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zudem dokumentiert er die Entwicklung des Karolinenviertels zum typischen Mischgebiet der Vorstadt.
Die Bebauung besteht aus einem
[straßenseitigen] Etagenhaus, einem [dahinter liegenden] Doppelwohnhaus und zwei Gewerbebauten [am westlichen Ende des Erschließungswegs]. Ein Privatweg aus Kopfstein- und Reihenpflastern erschließt das Grundstück.
Das viergeschossige Etagenhaus entstand um 1885/90 als Vorderhaus. Die Fassade gliedert sich in drei waagerechte Abschnitte, die sich einerseits durch die unterschiedlichen Fensterformen, andererseits durch verschiedene Gesimse, Zierbänder und Zierformen vermitteln. Der ockerfarbene Backsteinbau weist ebenfalls einen zweispännigen Grundriss auf. Die Wohnungen umfassen fünf Zimmer, Küche, Bad und Abstellkammer sowie ein Mädchenzimmer. Die Treppe liegt ebenfalls im Inneren und ist in einem engen Halbrund geführt.
Das viergeschossige Doppelwohnhaus ist der älteste Bau; er entstand um 1870/75 als Hinterhaus. Seine Putzfassade ist durch Bänderrustika, durchlaufende Geschoss- bzw. Sohlbankgesimse sowie profilierte Fenstereinfassungen und -verdachungen gegliedert. Der Bau ist zweispännig, seine Wohnungen umfassen drei Zimmer und Küche. Die Treppe befindet sich nach hamburgischer Bauweise im Inneren und ist in einem engen Halbrund geführt.
Die Gewerbebauten wurden um 1900 als Mietfabriken gebaut. Sie weisen fünf bzw. sechs Böden
[d.h. Stockwerke] auf. Seiten- und die Rückfront der aus rotem Backstein bestehenden Gewerbebauten sind jeweils großzügig mit Fenstern ausgestattet, wodurch die Böden sehr gut belichtet sind.
Es handelt sich um ein Ensemble mit anschaulichen historischen Elementen und gut erhaltenen historischen Bauten. Die ehemalige Nutzung hat sich mit leichter Modifikation bis heute erhalten: Die beiden vorderen Häuser werden bewohnt, in den beiden anderen Bauten wird weiterhin produziert, und die Böden dienen als traditionelle Werkstätten und Künstlerateliers."

• Unter der heute nicht mehr existierenden Hausnummer 3 wurde seit den 1840er-Jahren im hinteren Teil des Grundstücks in der "Carolinenstrasse no. 3" der erste große Fabrikationsbetrieb der Firma "DOUGLAS“ betrieben, wie mehrere "Hamburgische Adreß-Bücher" aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ausweisen, u.a. die Ausgaben für das Jahr 1846 und die das Jahr 1852. Dort heißt es:
"Douglas, J. S. Söhne, Inhaber der Preismedaille der londoner Industrie-Ausstellung, Fabrik und Lager von seifen und Parfümerien, in Hamburg, Vorstadt St. Pauli, Carolinenstrasse no 3 (Comptoir: alte Gröningerstrasse no 24). Diese seit einer Reihe von Jahren von J. S. Douglas, Inhaber der grossen goldenen Ehren-Medaille der hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe, hier etablirte Fabrik, welche nach dessen Tode von den unmündigen Kindern desselben käuflich erworben, hat einen wohlverdienten Ruf in ganz Europa und allen überseeischen Plätzen wegen der Vorzüglichkeit Ihrer Productionen in Cocusnuss-Oel-Soda-Seife und allen anderen Gattungen Seifen und Parfumerien, welche sie sowohl nach eigener Erfindung, als auch den besten französischen und englischen Fabrikanten vollkommen gleich liefert, daher dieses Geschäft, welchen seine Abnehmer mit strengster Reallität bedient, bestens empfohlen werden kann." ((Hamburgisches Adress-Buch für 1852: Dritter Abschnitt. "Alphabetisches Verzeichniss der wichtigsten hiesigen öffentlichen Anstalten, wohlthätigen Stiftungen und Vereine, wissenschaftlichen Institute und Sammlungen, sehenswerthen Gebäude u.s.w., zunächst für Fremde." Tl. III, S. 455)
• Karolinenstraße 4, 5, 5 a (Haus 1-8), 6: Diese von dem Baumeister H.J. Jahnke für die Bauherren E.W. Fraatz und Wilhelm Carlt 1911 errichtete Wohnhofanlage – genannt: Holstengarten – steht seit dem 15. Oktober 1996 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Charakteristisch ist neben dem Bauschmuck ihre Orientierung auf den Turm der Gnadenkirche. Seit Herbst 2011 wird das Haus 6 der Terassenanlage in der Karolinenstr. 5 a, das im 2. Weltkrieg durch einen Bombentreffer zerstört und nur provisorisch im Erdgeschoss wieder aufgebaut worden war, in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt wieder hergestellt. Im Zuge der Vorbereitungen für die Bauarbeiten wurde ein standortprägender Großbaum gefällt und die mittige Gartenanlage im Auftrag der Eigentümer wurde vollständig zerstört, u.a. zur Anlage einer Unterkellerung im rückwärtigen Teil des Terrassenhofes.
Im Vorderhaus Karolinenstr. 5 befindet sich eine Apotheke, deren Gründung in der Altstadt (an der Ecke Dornbusch / Brodschrangen) auf das Jahr 1804 zurückgeht. Der Umzug an den heutigen Standort erfolgte - nach Zwischenstationen in der Feldstr. 58 (1888-1943) und in der Marktstr. 23 (1946-51) - im Oktober 1951.
• Karolinenstraße 7, 8: Das um 1865 errichtete und 1897 im Auftrag des Bauherrn C.C.A. Seyboldt von Ad. Lohse umgebaute Ensemble zählt – als Teil des Gesamtensembles der westlichen Straßenseite der Karolinenstraße zwischen den Einmündungen der Marktstraße und der Feldstraße – zu den denkmalwürdigen Bauten des Stadtteils.
• Karolinenstraße 9: Dieses wenige Jahre nach Aufhebung der Torsperre (um 1865) errichtete – ebenfalls denkmalwürdige – Haus ist Teil der Bauschicht vor Beginn des gründerzeitlichen "Etagenhaus-Booms". Durch seine große Bautiefe, die zu einer fast völligen Überbauung des Grundstücks führte, zeigt es zwar bereits das Bestreben zu einer möglichst vollständigen Ausnutzung des Baugrundstücks in der Fläche, erreicht jedoch noch nicht des gleiche Maß der Nutzung, das für die wenige Jahrzehnte später errichteten, 5- bis 6-geschossigen Gründerzeitbauten kennzeichnend ist.
• Karolinenstraße 10, 11: Dieses um 1864 errichtete und 1894 von dem Baumeister Schmückt umgebaute Etagen-"Doppelhaus" wird charakterisiert durch die übereinstimmenden Einfassungen des Hauseingangs und des in den Innenhof führenden Torwegs. Ursprünglich besaß es ein gewerblich genutztes Hofgebäude, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts Standort einer der ersten kommerziellen Autovermietungen Hamburgs war.
Dieses Gebäude wurde in den 1970er Jahren durch ein Feuer stark beschädigt und anschließend abgebrochen. Zusammen mit dem bereits durch Kriegszerstörungen des 2. Weltkriegs entstandenen Freiraum hinter den Häusern in der Marktstraße 3, 4 und vor den Häusern 1-3 der Wohnterrasse in der Marktstraße 5 entstand ein ca. 1.000 m² großer Innenhof, der im Zuge der Sanierungsaktivitäten der 1990 zu einer "grünen Oase" mit zahlreichen Sitzgelegenheiten und einem Kinderspielplatz umgestaltet wurde.
• Karolinenstraße 12: Das Eckhaus zur Markstraße wurde 1889 von Chr. Brakbau und Carl Rode für den Bauherrn J.F. Meckers errichtet und zählt ebenfalls zu den denkmalwürdigen Bauten dieses Straßenabschnitts.
• Karolinenstraße 14, Marktstraße 150: Dieses gründerzeitliche Etagenhaus aus dem Jahrzehnt zwischen 1880 und 1890 steht als stadtbildprägendes Eckhaus bereits seit dem 28. Juli 1986 unter Denkmalschutz.
• Karolinenstraße 20 a-d: Diese Terrassenanlage hebt sich von den benachbarten Anlagen durch ihre ungewöhnliche Ausrichtung parallel zur Karolinenstraße ab. Sie zeichnet damit den ehemaligen Ort der Brunemann'schen Glashütte nach, wie die ersten Vermessungspläne des Gebietes aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts belegen.
• Karolinenstraße 21 (Haus 2, 3), 22: Diese in den Jahren 1878-79 von dem Baumeister Rich. Jacobsen errichteten Häuser bilden zusammen mit den westlich anschließenden Häusern in der Glashüttenstraße 91 (Haus 4-7) eine Wohnterrasse, die nach ihrem Bauherrn und ersten Eigentümer auch die Bezeichnung "Götschpassage" trägt. Das Fehlen einiger Nummer bei den Hinterhäusern ist auf den Verlust dieser Häuser durch Zerstörungen im 2. Weltkrieg zurückzuführen, denen auch einige Häuser an der Glashüttenstraße zum Opfer fielen, wie die auffallende Baulücke westlich der Passage belegt.
• Karolinenstraße 22, 23, 24 (Haus 1-6, 10-12): Diese 1883/84 für die Gebrüder Jückstock errichtete Passage, die zusammen mit den Häuser in der Glashüttenstraße 87, 88 (Haus 1-4) und 89 die Karolinenpassage bildet, gehört ebenso wie die Göttschpassage zu den denkmalwürdigen Gebäudegruppen westlich der Karolinenstraße. Auffallend ist zum einen die Pflasterung mit kleinteilig strukturierten Gehwegplatten, zum anderen die nicht vollständig geradlinige Verlauf der Passage. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die erst 1909/10 errichteten Vorder- und Terrassenhäuser an der Einmündung der Passage in die Glashüttenstraße eine ältere Bebauung ersetzten und sich dabei in den Fassadenablauf einfügen mussten. Auch in dieser Passage fehlen einige der Terrassenhäuser aufgrund von Kriegszerstörungen. Der dadurch entstandene Freiraum wurde zu einem Kinderspielplatz umgenutzt und ermöglichte es, die Forderung nach einer besseren Belichtung und Belüftung der verbliebenen Nachbarhäuser zumindest zum Teil zu erfüllen.
• Karolinenstraße 26 (Haus 1-6, Nordzeile; Haus 10-12, Südzeile): Diese Häuser bilden zusammen mit der Glashüttenstraße 84, 85 und 85a den sog. "Karolinenweg", der jedoch z.Z. nicht durchgehend begehbar ist. Die Terrassenhäuser der Nordzeile sind unmittelbar nach Aufhebung der Torsperre zwischen 1860 und 1870 entstanden, während die Südzeile erst um 1896 errichtet wurde; die Nordzeile verlor dadurch ihre Vorgärten. Die beide Häuserzeilen unterscheiden sich stilistisch deutlich: Während die Nordzeile ursprünglich -zweigeschossig war und ein Souterrain besitzt, wurde die Südzeile erst nach Inkrafttreten der Hamburger Bauordnung von 1888 errichtet, durch die das Wohnen in Kellern und Souterrains untersagt wurde. Sie hat daher kein Kellergeschoss, ist jedoch dreigeschossig. Die Nordzeile wurde ebenfalls durch ein aufgesetztes drittes Obergeschoss, dessen durchlaufend rechteckige Fensterform sich von den darunterliegenden früheren Geschossen unterscheidet, auf drei Geschosse aufgestockt, obwohl dies wegen der ungewöhnlich großen Tiefe der Häuser (mit einer kammartig eingeschnittenen Nordseite) zu recht dunklen Wohnungen führte. Dabei ist an einem Terrassenhaus die ursprüngliche Traufkante an der Fassade sichtbar geblieben. Die Verzierung der Fassaden und die von Haus zu Haus wechselnde Gestaltung der Terrassenhäuser mit Tür- und Fenstereinfassungen und Stichbogenfenstern dürfte eher einem angenehmen Erscheinungsbild für die BetrachterInnen aus den bürgerlichen Vorderhäusern und weniger einer ästhetischen Aufwertung für die BewohnerInnen der Terrasse gegolten haben.
• Karolinenstraße 27: Das um 1870 errichtete denkmalwürdige, nordöstliche 5-geschossige Vorderhaus des Karolinenwegs drohte nach jahrelang unterbliebener Instandhaltung und einer Ende der 1980er Jahre fachlich unzureichend durchgeführten Sanierung nur zehn Jahre später einzustürzen und wurde daher zwangsgeräumt. Das baufällige Haus stand mehrere Jahre leer. Es wurde einerseits wegen Schwammbefall, breiter Risse im Mauerwerk und abgesackter Fußböden und Wände, andererseits wohl auch aus Furcht vor einer Besetzung baupolizeilich gesperrt. Nachdem verschiedene Pläne der städtischen Gesellschaft SAGA, der das Haus jahrelang gehörte, und einer Wohnprojektgruppe aus BewohnerInnen des Bauwagenplatzes "Bambule" an der Vorwerkstraße nicht umgesetzt werden konnten, wird das gründerzeitliche Etagenhaus seit 2005 durch einen privaten Erwerber saniert, um es als wichtiges Element des gründerzeitlichen Fassadenablaufs an der Karolinenstraße zu erhalten. Die Straßenfassade des Hauses ist aufwendig gestaltet; charakteristisch sind auch zwei – wohl später hinzugefügte – Ladenvorbauten mit Dachterrassen für die "Bel-Etage"-Wohnungen im 1. Obergeschoss, die ebenfalls erhalten bzw. rekonstruiert und saniert werden.
• Karolinenstraße 33, 34 (Haus 1-3): Diese um 1865 entstandene, denkmalwürdige Terrassenanlage weist als eine der wenigen Terrassen noch die ursprüngliche Struktur mit einer Wohnterrasse an der Nordseite und Vorgärten nach Süden hin auf. Sie wurde baulich durch den Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnungen und die Aufstellung von Balkonen vor der Fassade ergänzt.
• Karolinenstraße 35: Die 1882-84 nach Plänen von Peter von der Heyde als schlichter gelber Backsteinrohbau errichtete ehemalige Mädchenrealschule ("Israelitische Töchterschule"), in der sich heute eine Kindertagesstätte und eine Gedenk- und Bildungsstätte der Hamburger Volkshochschule befinden, steht seit dem 11. Januar 1982 unter Denkmalschutz. Die dahinter liegende Terrasse wurde in den letzten Jahren ebenfalls saniert und bietet nun ein modernes Erscheinungsbild. Im geschützten Hofbereich zur südlich anschließenden Terrassenanlage sind eine Grünfläche und ein Kinderspielplatz entstanden.
Die Israelitische Töchterschule entstand aus der Zusammenlegung zweier Schulen für Mädchen aus armen jüdischen Familien und wurde 1930 als Mädchen-Realschule staatlich anerkannt. Sie besaß bereits vor dem 1. Weltkrieg eine Turnhalle (errichtet 1899 nach Plänen von Ernst Friedheim) sowie Unterrichtsräume für Naturwissenschaften und Hauswirtschaft sowie einen Zeichensaal. Das Gebäude und seine ursprüngliche Nutzung zählen sowohl zu den baulichen Zeugnissen des jüdischen Bürgertums im wilhelminischen Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als auch zu den Orten der Verbrechen des NS-Regimes in Hamburg. Bereits ab 1933 wechselten viele jüdische Mädchen von staatlichen Schulen hierher; im April 1939 wurde sie mit der – zuvor aufgelösten – Talmud-Thora-Oberrealschule des benachbarten Grindelviertels zur "Volks- und Oberschule für Juden" zusammengefasst und am 30. Juni 1942 auf Weisung des Reichsstatthalters Karl Kaufmann geschlossen. Die verbliebenen SchülerInnen und LehrerInnen – unter ihnen der letzte Direktor Dr. Alberto Jonas – wurden in Ghettos und Vernichtungslager deportiert und ermordet (nach: Lange, 1995: S. 92, "C4").
Einen ausgezeichneten Überblick über die Geschichte der Schule gibt Ursula RANDT in "Carolinenstraße 35. Geschichte der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg 1884-1942" (Hamburg, 1984).
• Karolinenstraße 45: Das erste Hauptverwaltungsgebäude wurde 1894/95 nach Plänen des Architekten Albert Winkler errichtet, der zu den bedeutendsten Repräsentanten der Hannoverschen Schule in Altona und Hamburg zählte. Es gehörte zum Ensemble des Heizkraftwerks "Karoline" der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), dessen Technikgebäude inzwischen – bis auf ein modernes Umspannwerk an der Einmündung der Grabenstraße – vollständig verschwunden sind, um Platz für die neuen Hallen der "Neuen Messe Hamburg" zu schaffen. Der nur noch teilweise erhaltene Kopfbau des Kraftwerks war erst 1992/93 denkmalgerecht restauriert und zu einem Bürogebäude für die HEW umgebaut worden, bevor er – nach dem Verkauf an die Hamburg Messe- und Congressges. mbH (HMC) – durch die Verlegung der Lagerstraße im Zuge des Messe-Erweiterung einen Teil des südlichen Risalits verlor. Das Fragment des Gebäudes befindet sich heute unter dem Dach einer der neuen Messehallen. Es zeigt mit seiner reichen Gliederung aus Glasurziegeln und Formsteinen und dem kunstvollen Blitzableiter auf dem Dach typische Stilelemente eines neogotischen Industriebaus der Gründerzeit, die jedoch durch die Glasfassade der neuen südlichen Außenwand plump konterkariert werden.
Die Ostseite der Karolinenstraße wurde seit den 1970er Jahren fast vollständig von den Hallen des "alten" Messegeländes eingenommen. Diese werden bis zum Jahr 2008 weitgehend abgebrochen und sollen durch moderne Neubauten ersetzt werden, um eine weitgehende stilistische Einheitlichkeit der Bauten der "Neuen Messe" zu erzielen.

 

Kastanienallee
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1866, benannt nach der ursprünglichen Art der Bepflanzung.
EStH: Ben.[annt] 1866 vermutlich nach der Bepflanzung der Straße mit Kastanienbäumen.
HANKE: kein Eintrag.
In der Kastanienallee – einer typischen Wohnstraße in St. Pauli-Süd – sind sehr unterschiedliche Baustile und bauliche Epochen St. Paulis nebeneinander zu finden. An die gründerzeitliche Bebauung erinnern nur noch wenige erhaltene Wohnhäuser, denn in diesem Bereich am nördlichen Hafenrand erlitt der Stadtteil im 2. Weltkrieg zahlreiche Zerstörungen. Erhalten geblieben sind die Etagenhäuser mit den Hausnummern 23 bis 29, die seit 2009 unter Denkmalschutz stehen.
Nach Abbruch der Ruinen der kriegszerstörten Wohn- und Geschäftshäuser wurden auf den Grundstücken in den 1950er Jahren einerseits die für die Wiederaufbauepoche typischen Backsteinbauten an der Südseite der Straße errichtet, jedoch nahezu gleichzeitig auch der Wohn- und Gewerbekomplex zwischen der Kastanienallee und dem Spielbudenplatz. Zu diesem Komplex gehören neben zwei nord-südlich ausgerichtet "Wohnscheiben“ auch die zweigeschossigen, pavillon-artigen Gewerbebauten am Nordrand des Blocks und die – weit über Hamburg hinaus bekannte – Tankstelle (mit Autowaschanlage) an der Westseite zur Taubenstraße hin. Diese Tankstelle bildet seit einigen Jahren die Namenspatin der Initiative der Bewohner in den angrenzenden sog. "ESSO-Häusern“, die gegen den Abbruch ihrer Wohnungen durch einen bayerischen Immobilienkonzern kämpfen, der anstelle der Nachkriegsbauten neue Miet- und Eigentumswohnungen, ein Hotel oder Boarding House und Büro- und Gewerbeflächen errichten will. Beide Seiten publizieren Ihre Positionen kontinuierlich auf eigenen Webseiten.
Die Pläne des Projektentwicklers und Bauträgers sind zu finden unter:

http://www.wohnen-am-spielbudenplatz.de/ .

Die Gegenposition der Bewohner wird dargestellt auf den folgenden Seiten:

http://www.initiative-esso-haeuser.de/ .

 

Kieler Straße
EStH: Ben.[annt] 1840 als erster Teil des durch St. Pauli und Altona zur Kieler Chaussee führenden Straßenzuges; vorher: Bei der Armenschule.
Dieser auf Alt-Hamburger Gebiet gelegene Abschnitt des Straßenzugs von der Budapester Straße zur Holstenstraße trägt heute – nach dem Pastor der ev.-luth. St. Pauli-Gemeinde – den Namen Clemens-Schultz-Straße. Die Verlängerung auf der ehemals Altonaer Seite jenseits des Grenzgangs wurde nach dem Gemeindevorsteher der Mennonitengemeinde Paul Roosen benannt.

siehe auch: Clemens-Schultz-Straße

 

Kirchenstraße
" K i r c h e n s t r a ß e .
No. 264 bis 273. 11 Häuser, 7 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 4.
Diese Gasse ist vor 1810 entstanden; vergl. S. 32 (*). Zwischen dieser Straße und der Antonistraße befindet sich die S t. P a u l s - K i r c h e , welche 1682 am 24. August eingeweihet wurde, der Kirchhof existirte schon zwei Jahre früher. Dänische Truppen besetzten im August des Jahres 1686 den Hamburgerberg und warfen ihre Trancheen von der Elbe an vor der Kirche bis zur Reperbahn auf. Die Oelmühle und die Thranbrennereien wurden, weil sie der Vertheidigung der Stadt hinderlich waren, von Hamburg aus in Brand geschossen. Auch die Kirche litt damals durch das Geschütz von den Wällen der Stadt; sie wurde jedoch wieder hergestellt und stand so, bis sie 1813 von den Franzosen demolirt wurde. Am 6. Mai 1819 legte man den Grundstein zum jetzigen Kirchengebäude nach dem Entwurfe des Architekten Wimmel. Die Einweihung geschah am 2. März 1820."

(*) Zum Standort der Kirche bemerkt Neddermeyer in seinem einleitenden Kapitel "Hamburg im dreizehnten Jahrhundert.", den "Notizen des Herrn Archivarius Lappenberg Dr." ("L.") folgend:
"Auf dem jetzigen Hamburger Berge stand in der Gegend der heutigen Paulskirche ein Kloster, welches im Jahre 1295 nach der Alster hin verlegt wurde."
Er lässt an dieser Stelle allerdings offen, ob die zur Betreuung der Vorstadt errichtete Filialkirche St. Pauli der Hauptkirche St. Michaelis tatsächlich auf Grund und Boden errichtet wurde, der sich seit den Zeiten des Klosters in Kircheneigentum befand. Ein Hinweis auf kirchlichen Landbesitz findet sich hingegen im Zusammenhang mit dem Pinnasberg bzw. der "1sten Einfahrt" zwischen Hamburg und Altona.
Hierfür findet sich jedoch eine Bestätigung bei Beneke (1886) wo es in der Legende über "Das alte Harvestehude" u.a. heisst:
"Im Laufe der Zeit verschwand das alte Dorf Herwerdeshude an der Elbe, oder mindestens der Name desselben ging unter, der dafür von den Leuten aus alter Gewohnheit dem Kloster Frauenthal an der Alster übertragen wurde, das man zuletzt gar nicht anders als Herwerdeshude nannte, woraus endlich unser Harvestehude entstanden ist, ...
Das Kloster Frauenthal aber war sehr reich und angesehen ... [...] Noch zu unseren Zeiten gehörte in der Vorstadt St. Pauli ein ganzes Viereck von Häusern zwischen der Kirchen- und Langenstraße, dem Tatergange und dem Pinnasberge, zu den Gütern des St. Johannis-Klosters aus der Erbschaft der Nonnen im Frauenthal. Dort mag deren a l t e s Kloster Herwerdeshude gestanden haben."

(Otto Beneke: Hamburgische Geschichten und Sagen. Hamburg, 1886: No. 27.)
Die übrigen Grundstücke sind – so auch NEDDERMEYER – im "Stadt-Erbebuch" der Hauptkirche St. Michaelis verzeichnet:
"Endlich befinden sich auch fast alle Erben der ganzen Vorstadt Hamburgerberg (mit Ausnahme einiger, welche im Cämmerei-Contracten-Buche und dem Hypothekenbuche des Johannis Klosters stehen), in dem Stadt-Erbebuch von Michaelis verzeichnet." (a.a.O, S. 109)
Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wird eine Straße dieses Namens in der Liste der "1ten Compagnie" des Hamburger Bürgermilitärs in St. Pauli geführt. Es handelt sich um die heutige Heidritterstraße in der Nähe der St. Pauli-Kirche. Die Umbenenung wurde im Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 bekannt gegeben.
Der Name Kirchenstraße blieb nach der Anpassung der Straßennamen anlässlich des Groß-Hamburg-Gesetzes (1938) an anderer Stelle in der Nähe erhalten: Man findet ihn heute als Bezeichnung der Verbindungsstraße zwischen Fischmarkt und Königsstraße westlich der Altonaer Hauptkirche St. Trinitatis.

siehe auch: Heidritterstraße

 

Klaus-Schoke-Straße
Im Zuge der Neubenennung zahlreicher Straßen nach Inkrafttreten des "Groß-Hamburg-Gesetzes" (1. April 1938) erhielt die Annenstraße den neuen Namen "Klaus-Schoke-Straße" aus dem Motivkreis der Hamburgischen Seehelden an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert (s.a.: Simon-von-Utrecht-Straße) und ihrer Gegenspieler, der Vitalienbrüder um Klaus Störtebeker und Godeke Michels.
Der Namensgeber der Straße, ein reicher Kaufmann aus der Zunft der Englandfahrer, war im Zuge der Gefechte gegen die Freibeuter vor der Elb- und Wesermündung und der friesischen Küste zum "Admiral auf Zeit" ernannt worden. Im Frühjahr 1401 war er an der Gefangennahme des Gödeke Michels und der verbliebenen Vitalier vor der Wesermündung beteiligt.
Offenbar bereits 1945 wurde der Name der Straße wieder in Annenstraße – aus dem Motivkreis der weiblichen Vornamen – geändert.

siehe auch: Annenstraße

 

Kleine Brunnenstraße
(St. Pauli) Es handelt sich um den früheren Name des östlichen, in St. Pauli gelegenen, Teils der heutigen Gilbertstraße. Wegen der Namensgleichheit mit der im Altonaer Stadtteil Ottensen gelegenen Straße, war beim Zusammenschluss der beiden Städte durch das Groß-Hamburg-Gesetz (1938) eine Umbenennung erforderlich. Zunächst wurde die gesamte Straße – anknüpfend an die bereits bestehende Benennung des westlichen (Altonaer) Abschnitts – Gustavstraße benannt, im Jahre 1946 dann Gilbertstraße.

siehe auch: Gilbertstraße

 

Kleine Seilerstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1986, Erklärung wie: Seilerstraße. Nachdem man die Reepschläger und Seilmacher aus der Neustadt vertrieben hatte, weil das Gebiet in den Festungsbereich einbezogen wurde und man den Platz dringend für andere Zwecke benötigte, wies man diesem platzaufwendigen Gewerbe ein neues Gelände in der Vorstadt zu.
EStH: Ben.[annt] 1886 im Anschluß an den Namen der Seilerstraße.
HANKE: kein Eintrag.

siehe auch: Seilerstraße

 

Kloster Gebiethe
(Abweichende Schreibweisen: Klostergebiet[e].)
Dieser Flurname für eine Gegend auf dem "Hamburgerberge" findet sich 1698 bei SCHLÜTER (Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ ..... . Hamburg, 1698: S. 658). Auf einer 1737 angefertigten "Graentz-Carte" (Staatsarchiv der FHH – Plankammer, Bestand 134-1: 173.71) erstreckt sich nördlich des Heiligengeistfeldes das "Caemmereij-Land" und jenseits davon (d.h. östlich des "Fuhrweg[es] nach Pinneberg") das "St. Johannes- Kloster-Land". Zwischen diesem und dem "Fuhrweg" befindet sich der "Rosen-Hoff", der laut Karte zu dieser Zeit einige Landflächen vom St. Johannes-Kloster "verhäuret" (= gepachtet) hat.
Die Ländereien des St. Johannis-Klosters umfassten den "Heidberg von Heimichhude" (auf dem später die Sternschanze entstand), den Schäferkamp und das Dorf Eimsbüttel. Mit der Reformation kamen sie ab 1536 unter die Rechtsgewalt der Stadt Hamburg und wurden im Auftrag des Rates weiterhin vom St. Johannes-Kloster verwaltet. Als Grenze zu Altona wurde dabei das Tal eines Baches mit der Bezeichnung Pepermöhlenbek (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bachlauf im Süden St. Paulis) angesehen, der zeitweise auch Borchgrave (Grenzgraben) genannt wurde. Am 23. November 1826 fassten Rat und Bürgerschaft jedoch den Beschluss, dass die landesobrigkeitlichen Rechte und Funktionen von den Klosterstiftungen der drei geistlichen Stifte in Hamburg (St. Johannes-Kloster, St. Georgs-Hospital und Heilig-Geist-Hospital) zu trennen seien. Dieser Beschluss mündete am 14. Dezember 1830 in die Übergabe der Landverwaltung für das gesamte Gebiet der "Vorstadt Hamburgerberg" in die Zuständigkeit der Landherrenschaft (siehe: Lohmann, Peter David [Hrsg.]:Hamburgische Rath- und Bürgerschlüsse mit getreuen Auszügen aller den Raths-Propositionen hinzugefügten Beylagen. Hamburg: Joh. Aug. Meißner. Eines Hochedlen und Hochweisen Raths Buchdrucker, 1831: Bd. 3.1826-30: 51 ff). Diese Landherrenschaft geht zurück auf die Verwaltung aller westlich der Stadt gelegenen städtischen Gebiete durch den "zweiten Mühlenherrn", d.h. einen Senator, der die Einnahmen aus der Verpachtung und den Abgaben der Mühlen verwaltete.

siehe auch: Rosenhof(f)straße

 

Krankenhofe, bei dem (ehemaligen)
"No. 591 bis 607. 17 Häuser, 1 Wohnung. – A.D. [= Armen-Distrikt] 4.
Hier befindet sich in dem Hause No. 2 die seit 1831 errichtete Armenschule des Hamburgerberges. Der Pesthof wurde 1606 angelegt und behielt diesen Namen bis zum Jahre 1797; seitdem hieß er Krankenhof.
Der erste Name deutet auf den ursprünglichen Zweck des Gebäudes. Ein Betsaal muß früher (schon 1678), als die erst 1769 erbauete Lazareth-Kirche vorhanden gewesen seyn, da sich wegen des Taufens und Copulirens der Hamburgerberger, welches der dort angestellte Prediger, Magister D ö h l e r , verrichtete mit dem Hamburgischen Ministerio Zwistigkeiten entspannen (vergl. v. Heß 3, 35). Im November 1806 wurde ein Theil des Krankenhofes zum Militairhospitale eingerichtet; am 4. Jan 1814 wurde das ganze Hospital theils abgerissen, theils abgebrannt."

siehe auch: Pesthof

 

Kuxhavener Allee
EStH: Ben.[annt] 1894 nach der Stadt Kuxhaven im hamburgischen Amte Ritzebüttel.
Diese heute verschwundene Straße verlief von einem Abzweig von der Helgoländer Allee in Höhe der Seewartenstraße nach Nordwesten und mündete südlich des Millerntorplatzes in den Circusweg.
Sie gehörte der Hamburger "Straßenordnung vom 10. Juli 1902" zufolge zu den Straßen St. Paulis, über die von der Landungsstelle am Hafen aus Vieh zum Schlachthof getrieben werden durfte. Weitere Straßen, für die dies galt, waren die Helgoländer Allee, der Millerntorplatz, die Eimsbüttelerstraße (heute: Budapester Straße), der Neue Kamp, der Neue Pferdemarkt, die Marktstraße von der Laeiszstraße bis zur Feldstraße, die Asylstraße (heute: Vorwerkstraße), die Grabenstraße von der Kampstraße (in ihrem alten Verlauf zwischen Sternstraße und Karolinenstraße) und die Lagerstraße zwischen Pferdeschlachthof und Schanzenstraße.
Über die Gegend, in der sich heute zu Füßen des Bismarck-Denkmals der sog. "Alte Elbpark" zwischen St. Pauli und der Neustadt befindet, berichtet HECKSCHER (1909):
"Der Stadtgraben ist zugeschüttet, das Terrain wird von der Helgolander [sic!] und Cuxhavener Allee durchschnitten und in der Höhe ist es durch die Kersten-Miles-Brücke überspannt, die eine direkte Verbindung der ehemaligen Vorstadt mit der inneren Stadt in der Verlängerung der Bernhardstraße bildet."
(Siehe: J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 35.)

siehe auch: Helgoländer Allee

 

L

Laeiszstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1861, nach dem Gründer des an dieser Stelle gelegenen, im Benennungsjahr fertiggestellten F.-Laeisz-Stifts, Ferdinand Laeisz (1801-1887), zugleich im Hinblick auf seine hervorragenden kaufmännischen Leistungen.
EStH: Ben.[annt] 1861 zu Ehren des Begründers des an der Straße belegenen, in jenem Jahre fertiggestellten F. Laeisz-Sitfts, Ferdinand Laeisz (1801-1887), zugleich im Hinblick auf seine hervorragenden kaufmännischen Leistungen.
HANKE: (1861) Ferdinand Laeisz (1801-1887), Reeder und Konsul, Gründer der Reederei F. Laeisz, erbaute hier 1860/61 das Ferdinand-Laeisz-Stift.
Die nach Aufhebung des Gassenkummerplatzes angelegte Straße führte um 1890 noch weiter nach Norden und mündete in die Lagerstraße, wie zeitgenössische Karten zeigen. Diese Verbindung wurde erst durch die Ausdehnung des Schlachthof-Geländes nach Osten und die Errichtung einer Umfassungsmauer für die neue Gebäude (u.a. die sog. "Contumaz-Ställe" nördlich der damaligen Asylstraße) gekappt.
Bei MELHOP (1895) findet man dazu folgende Angaben: "Die Contumazanlage zwischen Kamp- und Asylstraße besteht aus zwei Abtheilungen, eine für Schweine und eine für Rinder. Alle seucheverdächtigen oder aus seucheverdächtigen Gegenden kommenden Viehzüge werden auf einer Gleisverbindung vom Bahnhof Sternschanze hierher dirigiert. An Gebäuden sind daselbst vorhanden eine Schweinehalle für 700 Stück Schweine, und Stallungen auf dem Rinderhof für 570 Ochsen, erstere Abtheilung ist 1884/85, die letztere 1887/88 erbaut. Außerdem ist 1888 ein Nothschlachthaus errichtet. Die Einfriedungsmauer der Contumazanlage wurde 1892 über die ehemalige Laeiszstraße hinweg verlängert und dorthin ein 7 m breiter gepflasterter Triftweg hergestellt." (MELHOP, Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg, S. 255)
Bei dem Gebäudeensemble an der Ecke der Graben- und der Laeiszstraße handelte es sich um Quarantänestalle, die nach Plänen der Baudeputation unter ihrem damaligen Direktor Franz-Andreas Meyer errichtet wurden. Das Ensemble wurde 2002 unter Denkmalschutz gestellt (Denkmalliste der FHH, KD 1348). - Im Gutachten des Denkmalschutzamtes heißt es u.a.:
"Es handelt sich um typisch norddeutsche Nutzarchitektur, die mit ihren gotisierenden Schmuckelementen den Einfluss der sog. Hannoverschen Schule erkennen lässt.
Als ein für Hamburg typischer Bau der Zeit und Dokument der industrialisierten Fleischversorgung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist er aus geschichtlichen Gründen und zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes schutzwürdig. "
MELHOP erwähnt im zweiten Band der "Historischen Topographie" (Hamburg, 1925) darüber hinaus, dass die Straße "1861 ... nach dem Konsul Ferdinand Laeisz, der an der neuen Straße 1860 und 1861 das F.-Laeisz-Stift hatte erbauen lassen", benannt wurde.
Das 1869 errichtete, an der Ecke Laeisz- und Vorwerkstraße belegene Gebäude des Laeisz-Stiftes, mit dem die Errichtung zahlreicher weiterer sozialer und kommunaler Gebäude im Karolinenviertel begann, wurde 1976 abgebrochen, da es als nicht mehr zeitgemäß galt und zu dieser Zeit nicht als schützenwertes Kulturdenkmal betrachtet wurde. Das "Hamburger Abendblatt“ vom 31.01.1975 vermerkt dazu unter der Überschrift "Keine Sanierung, deshalb Abbruch":
"Wieder geht ein Stück Alt-Hamburg verloren: Das Altenheim der Sophie-Laeisz-Stiftung [sic!] (Laeiszstraße Nr. 8 im Karolinenviertel) soll abgerissen werden. Es ist 115 Jahre alt. In den 51 Wohnungen leben derzeit 34 Rentnerinnen. Sie werden in den nächsten Tagen von Vertretern des Bezirksamts Mitte und der Sozialbehörde besucht, weil den Frauen angemessene Wohnungen vermittelt werden sollen."
(Hamburger Abendblatt, Nr. 26 v. 31.01.1975, S. 6)
Am ehemaligen Standort des Stiftsgebäudes befindet sich heute ein Bolzplatz, der zeitweilig als Erweiterungsfläche für die benachbarte Schule vorgesehen war.
Ebenfalls an der Laeiszstraße ist ein bedauerliches “Musterbeispiel“ für eine besonders rücksichtslose Durchsetzung spekulativer ökonomischer Interessen zu finden: das Grundstück der sog. “LaMa-Häuser“ (ehem. Vorderhaus in der Laeiszstr. 18 und Terrassengebäude in Hofbereich der Marktstr. 95 mit ehemals 36 preisgünstigen Wohnungen). Die dort befindlichen Häuser aus dem Jahre 1870 wurden 1987 – in noch bewohntem Zustand – von dem Spekulanten Nicolai Rabels erworben, nachdem der Bezirk Mitte auf sein Vorkaufsrecht verzichtet hatte. Zunächst stellte der neue Eigentümer sich den Bemühungen der Bewohner, die wichtigsten Dinge selbst instandzusetzen und zu renovieren nicht entgegen. Bald setzte jedoch die Vertreibung der BewohnerInnen durch Räumungsklagen ein, ohne dass mit der zugesagten umfassenden Behebung des langjährigen Reparaturstaus und einer Sanierung begonnen wurde. Nach mehreren Besetzungen und polizeilichen Räumungsaktionen wurden die Häuser auf Veranlassung des Eigentümers Rabels 1990 so stark demoliert, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. Er hatte zuvor noch seine vermeintliche Bereitschaft signalisiert, mit einer Wohnprojektgruppe zusammenzuarbeiten, zu der Mitglieder des Selbsthilfeprojekts "Oase" für Wohnungslose und auch einige der früheren BewohnerInnen gehörten. Die entsprechende Zusage wurde jedoch nach kurzer Zeit zurückgezogen.
Der Abbruch erfolgte erst 1996, u.a. wegen einer amtlichen Weisung des Bezirksamtes Mitte "zur Herstellung ordnungsgemäßer Zustände" durch Abbruch der einsturzgefährdeten Bauten und Errichtung eines Neubaus (Abbruch- bzw. Baugebot).
Zuvor waren das Grundstück und die nach einem Schadensfeuer am 30.05.1994 verbliebenen Ruinen im Juni 1994 zu einem sehr hohen Preis an den Verein “SterniPark“ e.V. veräußert. Auf dem Grundstück lagerte der kontaminierte Brand- und Trümmerschutt danach jahrelang ungeschützt, da seine Beseitigung Kosten in Höhe von mindestens 200.000,-- Euro verursacht hätte. Bis Ende 2005 lag die Fläche brach, ohne dass realisierbare Vorschläge für eine Nutzung vorlagen, denn die vorgetragenen Nutzungsideen, z.B. eine Kindertagesstätte (im Souterrain und ohne Außenflächen!), Jugendwohnungen oder "Wohnungen für Alleinerziehende mit Partner/innen" erwiesen sich i.a. als wenig durchdacht. Überhöhte Kaufpreisforderungen, die mit Planungs- und Abbruchkosten begründet wurden, verhinderten zugleich einen Rückkauf des Grundstücks im Auftrag der öffentlichen Hand durch die Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG Hamburg mbH).
Erst im Frühjahr 2006 wurde ein neues Projekt zur Errichtung eines Wohnhauses vorgestellt und – nach Erfüllung von Auflagen zu einer architektonisch an der Nachbarbebauung orientierten Gestaltung – auch genehmigt, so dass endlich eine Beseitigung des gefährlichen Sondermülls und eine sinnvollen Bebauung zu erwarten ist.

siehe auch: Marktstraße

 

Lagerstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Rotherbaum), 1868, mit Bezug auf die in Aussicht stehende Bebauung mit Speichern zur Lagerung von Waren.
EStH: Ben.[annt] 1868 mit Bezug auf die in Aussicht stehende Bebauung mit Speichern zur Lagerung von Waren.
HANKE: (1868) An der Ecke mit der Karolinenstraße befand sich früher das Lager des Zollvereins.
Im Zuge der Erweiterung der Hamburg-Messe nach Westen zum Schanzenviertel hin, wurde der Verlauf der Lagerstraße in ihrem östlichen Teil 2004/05 verändert: Sie wurde nach Süden verschwenkt und erhielt in Höhe des historischen Verwaltungsgebäudes des – inzwischen abgebrochenen – HEW-Heizkraftwerks “Karoline“ in die Karolinenstraße eine neue Einmündung. Dieser Einmündung fiel ein – bis dahin weitgehend im Original erhaltener – Teil des denkmalgeschützten Kopfbaus des Kraftwerks Karoline zum Opfer.
Zu diesem Gebäude findet man bei LANGE die folgende Beschreibung: "Kopfbau des Kraftwerks Karolinenstraße; Karolinenstraße 45, St. Pauli; Architekten: Albert Winkler (Ursprungsbau); ASW Architekten Silcher, Werner + Partner; Mitarbeiter: Jutta Berger, Torsten Haun, Norbert Redante (Rastaurierung und Umbau); 1894/ 95, Restaurierung und Umbau 1992/ 93. – Von dem ursprünglichen Baubestand des ersten größeren Kraftwerks der 1894 gegründeten HEW (Hamburgische Electricitäts-Werke AG) ist heute nur noch das Kopfgebäude erhalten, ein neogotischer Bau mit reicher Gliederung aus Formsteinen und Glasurziegeln, für den mit Albert Winkler ein Architekt verantwortlich zeichnete, der sein Wirkungsfeld vor allem in Altona hatte. 1993 wurde das Gebäude für Bürozwecke der HEW umgebaut." (siehe: Lange, 1995: 92, "C3")
Im westlichen Abschnitt der Straße sind zwischen der Einmündung der Sternstraße und der Schanzenstraße noch einige frühgründerzeitliche Etagenhäuser erhalten, insbesondere die Häuser No. 27 bis 33, die zusammen mit den Häusern Sternstr. 123 und 125 und Schanzenstr. 72 ein Ensemble bilden, das – beginnend in der Sternstraße – zwischen 1869 und 1875 errichtet wurde. Es dürfte in engem Zusammenhang zu dem – u.a. durch die Fertigstellung der Verbindungsbahn – ausgelösten Bauboom im nördlichen St. Pauli und im benachbarten Eimsbüttel stehen. Bedauerlicherweise befinden sich die Vorderhäuser und stärker noch einige der Hinterhäuser inzwischen in eher schlechtem Zustand, obwohl sie zweifellos denkmalwürdig und erhaltenswert sind.
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt der westliche Abschnitt der Lagerstraße – von der Sternstraße bis zur Schanzenstraße – seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

 

[Bei den St. Pauli-]Landungsbrücken
<< auf der Karte anzeigen
EStH: Ben.[annt] 1911 nach Anerkennung des im Volksmunde entstandenen Namens nach Errichtung des Empfangsgebäudes zu den Landungsbrücken und des Eingangs zum Elbtunnel.
Der Name bezeichnet die nördlich (landseitig) vor den Gebäuden und Pontons der St. Pauli Landungsbrücken verlaufende Straße, an der sich neben den Landungsbrücken das Hafenamt und das nördliche Einfahrtsbauwerk des "Alten Elbtunnels" befinden.
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts neu errichteten, repräsentativen Bauten der Landungsbrücken lösten ältere Anlagen ab, zu denen u.a. die Abfahrtsgebäude der "New Yorker Dampfböte" und das "Fährhaus" gehörten.
Laut SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) wurde das "St.-Pauli-Fährhaus" im Zuge des Ausbaus der Landungsbrücken zweimal nach Osten versetzt und gelangte so ins Gebiet der Neustadt, denn "[s]owohl das 1840 erbaute erste Fährhaus als auch das von 1871 hatten der Erweiterung der Landungsbrücken weichen müssen. Seinen dritten Standort fand es am Fuß des Stintfangs auf der Ostseite der Helgoländer Allee im Nachbarstadtteil Neustadt. … 1943 wurde das Fährhaus von Bomben schwer getroffen. 1962 wurde die nach dem Krieg noch teilgenutzte Ruine abgebrochen." (a.a.O., S. 13)

siehe auch: St. Pauli-Landungsbrücken

 

Lange Straße
<< auf der Karte anzeigen
" L a n g e s t r a ß e , siehe 2te Einfahrt."
BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt), 1815 und 1950, wegen ihrer Ausdehnung.
EStH: Ben.[annt] um 1815 wegen ihrer Ausdehnung; vorher Zweite Einfahrt [von/nach Altona].
HANKE: kein Eintrag.
Die Lange Straße verband bis zum Ende des 2. Weltkriegs den Paulsplatz – heute Hein-Köllisch-Platz – in St. Pauli mit der Straße Schlachterbuden in Altona, die heute nicht mehr existiert.

 

Lerchenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, in Erinnerung an den frühher hier gelegen Garten des Vogelliebhabers Gerhard Hinrich von Essen, der darin der heimischen Vogelwelt Nistplätze bereitete und Pflege angedeihen ließ und auch eine Sammlung ausgestopfter Vögel besaß (vgl. auch Von-Essen-Straße und das in Barmbek verbreitete Vogelmotiv).
HANKE: kein Eintrag.
Der nördliche Teil der Lerchenstraße zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt trug zuvor den Namen Nachtigallenstraße. Dieser Abschnitt wurde später zu dem Abschnitt südlich der Stresemannstraße hinzu gezogen, der bereits zuvor Lerchenstraße hieß.
Die Einmündung dieses südlichen Straßenabschnitts in die Stresemannstraße dominiert der aus den 1980er Jahren stammende Neubau des Polizeireviers 14, das während der Auseinandersetzungen um die "Rote Flora" im Schanzenviertel wegen des gewalttätigen Vorgehens seiner – später aufgelösten – Sondereinsatzgruppen (sog. "E-Schichten") unrühmliche Bekanntheit erlangte (siehe dazu die Dokumentation: "Staatsgewalt im Schanzen- und Karolinenviertel: E-Schichten, Einsatzzüge, FD 942, LKA 3, MEK." Hrsg. v Arbeitskreis gegen Staatsgewalt. Hamburg, ca. 1991). Das Gebäude mit einigen "pseudomaurischen" Anklängen beherbergt seit einigen Jahren auch Abteilungen der Kriminalpolizei (Polizeikommissariat – PK 16).
Eine kurze Strecke südlich des Polizeigebäudes stößt man östlich der Straße auf das Gebäude der Schilleroper, das seit vielen Jahren weitgehend leer steht: Verschiedene Planungen konnten von den Eigentümern bis heute nicht in die Tat umgesetzt werden, weil sie nicht mit dem Denkmalschutz oder den Vorgaben der städtischen Bauverwaltung in Einklang zu bringen waren. Jenseits der Einmündung der kleinen Seitenstraße Bei der Schilleroper (früher: Amselstraße) befindet sich ein kleines Gewerbegebiet mit einigen neu errichteten Büro- und Gewerbegebäuden und älteren Bauten aus den 1960er Jahren. Letztere sind nicht rechtwinklig hintereinander gereiht, sondern schräg gegeneinander versetzt und bilden eine hypothetische Straßenbegrenzungslinie der Wiederaufbauepoche nach dem 2. Weltkrieg ab. Im Rahmen einer vollständigen Neuordnung St. Paulis und Altonas war hier ein mehrspuriger Autobahnzubringer zu einer neuen Elbquerung vorgesehen, wie sie schon seit den 1930er Jahren in der Diskussion war. Zugleich sollte eine U-Bahn-Linie in den Hamburger Westen bis nach Lurup führen, die die Ringlinie am Millerntor (heutige Station St. Pauli) kreuzen und unter dem Bahnhof Altona hindurchführen sollte.
Im weiteren Verlauf der Straße ist eines der zahlreichen Wohnprojekte in der sog. Westlichen Inneren Stadt zwischen St. Pauli und Ottensen zu finden. Das besondere an diesem Projekt ist die Konzeption, durch die frühzeitig ein Angebot auch für Ältere geschaffen werden sollte. Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE heißt es dazu:
"Wohnmodell der Grauen Panther e.V., Lerchenstraße 37, St. Pauli. Architekten: nps Architekten Nietz, Prasch, Sigl; Mitarbeiter: Nils v. Kuenheim (Umbau und Erweiterung). Ursprungsbau um 1910; Umbau und Erweiterung 1984; 1985/86. – Das 'Pantherhaus' umfasst acht Wohneinheiten sowie einen 120 m² großen Bereich mit Versammlungs- und Beratungsräumen des Seniorenvereins. Bei der Belegung wurde Wert auf eine Mischung von alten und jüngeren Bewohnern gelegt. Anspruch des Wohnmodells ist es, die Barrieren zwischen den Generationen zu überwinden und Alltag und Freizeit … gemeinsam zu gestalten. Jeder Mieter hat dabei aber auch die Möglichkeit, sich ungestört in seine eigenen vier Wände zurückzuziehen." (siehe: Lange, 1995: S. 95, "C16")
Die letztgenannte Eigenschaft des "Pantherhauses" weicht von einigen anderen Wohnprojekten der 1980er Jahre deutlich ab, bei denen außerhalb der privaten Zimmer zahlreiche Räume – darunter Flure, Küchen und Bäder – zur gemeinschaftlichen Nutzung bestimmt waren, z.B. im Projekt "Bahnhofstraße" in der Marktstraße oder im Künstlerhaus "Vorwerkstift" in der Vorwerkstraße. Einen umfassenden Überblick über Wohnprojekte und Baugemeinschaften seit den 1980er Jahren liefert die Projektarbeit von Sebastian Kröger, Friedhelm Otterbach, Annika Schönfeld et al.: "Selbst gebaute Nachbarschaft. Handlungsempfehlungen zur Verbreitung von Wohnprojekten in Hamburg." (Technische Universität Hamburg-Harburg / Universität Kassel, Februar 2005).
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt der nördliche Teil der Lerchenstraße – zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt – seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

siehe auch: Bei der Schilleroper

 

Lincolnstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1866, nach dem am 14. April 1865 ermordeten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Abraham Lincoln (1809-1865).
EStH: Ben.[annt] 1866 zu Ehren des am 14. April 1865 ermordeten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Abraham Lincoln.
HANKE: (1866) Abraham Lincoln (1809-1865), Präsident der Vereinigten Straßen, wurde 1865 ermordet.
In der Lincolnstraße 33 (früher: Große Petersenstraße) befand sich bis zu seinem Abbruch das Geburtshaus des Fischhändlers und späteren Tierparkgründers Gottfried Clas Carl Hagenbeck. Es wurde - nach einem schweren Brandschaden im Januar 2004 und dem dadurch verursachten Auszug der letzten Mieter - auf Veranlassung der städtischen Hamburger Wohnungsbaugesellschaft SAGA-GWG abgebrochen, um bis zur benachbarten Trommelstraße reichenden, zeitgemäß langweiligen Wohnungsneubauten zu weichen. Diesem Bauvorhaben fiel auch der hinter dem Haus liegende idyllische Garten mit seinen großen Bäumen zum Opfer.

siehe auch: Petersenstraße

 

Lindenallee
BECKERSHAUS: (Eimsbüttel) 1870, nach der Bepflanzung mit Lindenbäumen bei Anlage der Straße. Es handelt sich um eine der ältesten Straßen in diesem Stadtteil, die bereits 1835 angelegt wurde.
EStH: Ben.[annt] 1870 nach der Bepflanzung mit Lindenbäumen.
Bis zur Gebietsreform durch das Groß-Hamburg-Gesetz (1937/38) gehörte ein kurzer Abschnitt der Lindenallee (Haus No. 1-7 und 3-8) administrativ zum nördlichen "Ausläufer" des Stadtteils St. Pauli.

 

Ludwigstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1843, nach dem Senator und späteren Bürgermeister Dr. Johann Ludewig Dammert (1788-1855), der bis 1841 Patron der Vorstadt St. Pauli gewesen war.
EStH: Ben.[annt] 1843 vermutlich zu Ehren des Senators, späteren Bürgermeisters Dr. Johann Ludewig Dammert (1788-1855), der bis 1841 Patron der Vorstadt St. Pauli gewesen war.
HANKE: (1843) Dr. Johann Ludwig Dammert (1788-1855), ab 1843 Hamburger Bürgermeister, "Patron von St. Pauli".
Ab 1874 befand sich für einige Jahrzehnte südlich der Ludwigstraße – mit dem Haupteingang am Neuen Pferdemarkt 13 – der "Thierpark" von Carl Hagenbeck. Er war von dem – in der Großen Petersenstraße (heute: Lincolnstraße) ansässigen – Fischhändler Gottfried Clas Carl Hagenbeck ursprünglich am Spielbudenplatz 19 gegründet worden und wurde 1902-7 unter Leitung seines Sohns Carl an den heutigen Standort in Stellingen verlegt.
Bereits auf St. Pauli kam als weitere Attraktion neben den "wilden Tieren" auch die Präsentation von "Eingeborenen" in den "Völkerschauen" hinzu. Sie fanden – neben dem Weihnachtsmarkt, Ausstellungen und regelmäßigen Circus-Gastspielen – auch auf dem nahe gelegenen Heiligengeistfeld statt. Das erste dieser Spektakel wurde 1874 geboten und zeigte eine Gruppe von norwegischen Sami – im Deutschen auch "Lappen" genannt – mit ihren Rentieren, Zelten und Hausrat. Es wurde für "Hagenbeck's Thierpark" zu einem großen Erfolg und zog zahlreiche weitere "Völkerschauen" nach sich. Carl Hagenbeck schreibt dazu in seinen Lebenserinnerungen "Von Tieren und Menschen" (Leipzig, 1967: S. 44-45):
"In der Tat war es mir vergönnt, die Völkerausstellungen, die seit 1874 bis zum heutigen Tage ihre Anziehungskraft ausüben, als erster in die zivilisierte Welt einzuführen. Gern gestehe ich dabei, daß die Idee nicht etwa, wie Athene aus dem Kopf des Zeus, fertig ins Leben hineingesprungen ist. Den ersten Anstoß dazu gab ein Brief, in dem ich 1874 meinem alten Freunde, dem Tiermaler Heinrich Leutemann, mitteilte, daß ich eine Rentierherde zu importieren gedächte. Der Künstler schrieb mir darauf, es müsse doch ein großes Interesse erregen, wenn ich die Rentiere von einer Lappländerfamilie begleiten lassen würde, die dann natürlich auch ihre Zelte, ihre Waffen, Schlitten und ihren gesamten Hausrat mitbringen müßte. Ihm schwebte sicherlich das malerische nordische Bild vor, das er sich nur in abgeschlossener Vollkommenheit mit Tieren und Menschen vor einem winterlichen Hintergrund vorzustellen vermochte. In diesem Vorschlag aber lag schon die glückliche Idee der Völkerausstellungen, die sich in den nächsten Jahren wie in bunter Kette aneinanderreihten. Lappländer und Nubier, Eskimos und Somalis, Kalmüken und Inder, Singhalesen und Hottentotten, die Bewohner der entlegensten Erdteile, ja Antipoden reichten einander in den kommenden Jahren gleichsam die Hände in ihren Wanderungen durch die europäischen Hauptstädte.
Der Zug begann mit den Lappländern, einer Familie, die mein Beauftragter zur Fahrt nach Hamburg veranlaßte. Gegen Mitte September des Jahres 1874 traf die kleine Expedition mit dreißig Rentieren, geführt von einem deutsch sprechenden Norweger, in Hamburg ein. …"

Die teils dramatischen Folgen der – mehr oder weniger – freiwilligen Aufenthalte der "Darsteller/innen" in Hamburg beschreiben u.a. Hilke THODE-ARORA in "Für fünfzig Pfennig um die Welt: die Hagenbeckschen Völkerschauen" (Frankfurt/M etc.: Campus, 1989), Gabi EIßENBERGER in "Entführt, verspottet und gestorben: lateinamerikanische Völkerschauen in deutschen Zoos" (Frankfurt/M:IKO - Verlag für Interkulturelle Kommunikation, 1996) und Anne DREESBACH in "Gezähmte Wilde: Die Zurschaustellung "exotischer" Menschen in Deutschland 1870-1940" (Frankfurt/M etc.: Campus, 2005).
Von 1903-06 wurden auf dem Grundstück des ehemaligen Tierparks eine Knaben- und eine Mädchenvolksschule in einem gemeinsamen Gebäude in der Ludwigstraße 7 und 9 errichtet und am 8. Juni 1906 eingeweiht. Dessen – bis 1960 bestehende – Aufteilung ist durch die Bauinschriften oberhalb der beiden Hauptportale des Schulgebäudes dokumentiert. Der Schulhof wurde von beiden Schulen von Anfang an gemeinsam genutzt und durch Eingliederung benachbarter Gewerbeflächen allmählich vergrößert. Als letztes Relikt des früheren Tierparks ist dort noch ein Brunnenaufbau vorhanden.
Heute wird das gesamte Gebäude als Ganztagsgrundschule (Vorschule und 1.-4. Klassenstufe) genutzt und bildet eine organisatorische Einheit mit dem Grundschulstandort in der wenige hundert Meter entfernten Laeiszstraße. Zum 100-jährigen Schuljubiläum erschien die Broschüre "100 Jahre Schule Ludwigstraße" (Hamburg-St. Pauli im September 1906), die eine ausführliche Zeittafel zur Schulgeschichte und zahlreiche weitere Informationen enthält, z.B. zu den ersten Versuchen, Jungen und Mädchen in Koedukation zu unterrichten, und zur Funktion als Schule für die Kinder der Schaustellerfamilien vom "Hamburger Dom".
In einer Halle der ehemaligen Steinway-Piano-Fabrik in der Ludwigstr. 8 entstand seit Mitte der 1990er Jahre das Wohnprojekt "Nimm 2“, das ursprünglich die gründerzeitlichen Häuser in der Schanzenstr. 58-62 besetzt hatte, nachdem diese seit dem Wegzug der Gewürzfabrik Hermann Laue nicht mehr als Verwaltungsgebäude genutzt worden waren und mehrere Jahre lang leer gestanden hatten.
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Ludwigstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

siehe auch: Neuer Pferdemarkt

 

M

Marktstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, vermutlich als zum Neuen Pferdemarkt führende Straße, vorher "Bei der Ölmühle" und "Bei der Glashütte".
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Die Marktstraße reicht von der Feldstraße bis zur Karolinenstraße. Benannt 1841. Zuvor hieß die Straße »Bei der Ölmühle« und »Bei der Glashütte«. Vor dem Ersten Weltkrieg soll die Marktstraße mit 5000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Straße der Hansestadt gewesen sein.
Bis zur Sanierung der Altstadt gab es in St. Pauli und auch in anderen Vierteln so genannte »Gänge«. Manche dieser engen Straßen wurden als »Stinkbüdelgang« bezeichnet. Die Marktstraße galt lange Zeit als solcher »Gang«. Im alten Altona war die Marktstraße etwas Besonderes. die rechte Seite war von »Herrschaften« bewohnt, die über Diener, »Kökschen« und Equipagen verfügten. Heute ist die Marktstraße eine Straße wie viele andere auch, mit Geschäften, Gewerbebetrieben und Bewohnern aus allen Bevölkerungsschichten."

Die vorstehende Beschreibung kann leider nur als bedingt zutreffend bezeichnet werden, denn die Marktstraße bildet keinen »Gang«, sondern bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine eher großzügige Straße mit breiten Gehwegen und bürgerlichen Vorderhäusern, die zu dieser Zeit die erste Bauschicht der vorstädtischen Gartenhäuser ablösten. Allerdings bildet der eher unregelierte, an eine Dorfstraße erinnernde Verlauf der Marktstraße – und in ähnlicher Form auch der des Neuen Kampes, der Feldstraße, der Ölmühle und der Mathildenstraße – bis heute ein Relikt des ungeplanten und unregulierten Wiederaufbaus der nördlichen "Vorstadt Hamburger Berg" ab 1815.
Die beengten Wohnverhältnisse, auf die die abfällige Bezeichnung »Stinkbüdelgang« (siehe dort) anspielt, fanden sich jedoch häufig in den Hinterhäusern und Terrassenzeilen der Hamburger (nicht: Altonaer!) Vorstadt St. Pauli und ganz besonders in der Budenreihe in der Marktstr. 7-9. Auch die Unterscheidung der beiden Straßenseiten ist an der Bebauung nicht ablesbar.
Beckershaus kann sich allerdings auf eine Quelle berufen, die Mitte des 19. Jahrhunderts ein recht abschätziges Bild der Marktstraße zeichnet. In dieser in den 1840er Jahren in Briefform abgefassten Beschreibung der nördlichen Teile St. Paulis heißt es u.a.:
"Nördlich vom heiligen Geistfelde – (...) auf dem nun die Schlachter einige Hammel grasen lassen – wohnen in der Marktstraße und deren Umgebungen in unansehnlichen Häusern größtenteils Handwerker, Fuhrleute, Fabrikarbeiter und dergleichen, ... "
Bemerkenswert ist dabei die Erwähnung der Fabrikarbeiter, die darauf schließen lässt, dass bereits zu dieser Zeit eine größere Zahl gewerblicher bzw. industrieller Betriebe in der Vorstadt vorhanden war.
Heute ist die Marktstraße weit über Hamburg hinaus bekannt für ihre zahlreichen Second-Hand-, Bekleidungs- und Design- und Modeläden, die besonders an Wochenenden vorwiegend ein junges Publikum anlocken. Viele der jahrzehntelang im Karolinenviertel ansässigen Gewerbebetriebe, besonders aus der Fleischereibranche, sind hingegen längst weggezogen oder mussten ganz schließen.
EStH: Ben.[annt] 1841 vermutlich als zum Neuen Pferdemarkt führende Straße; vorher Bei der Ölmühle und Bei der Glashütte.
HANKE: (1841) Die Marktstraße führt in Richtung auf dem Neuen Pferdemarkt.
PABEL: Nördlich des Heiligen-Geist-Feldes, zwischen Karolinenstraße und Neuem Pferdemarkt. Seit 1841unter diesem Namen bekannt. Davor hieß der östliche Teil "Bei der Oelmühle".
Eine Besonderheit der Marktstraße – ebenso wie der Glashüttenstraße – ist die bis heute erhalten gebliebene konsekutive statt einer alternierenden Numerierung der Häuser, die auf einen Ratsbeschluss von 1833 zurückgeht. Dazu finden sich bei Tiedt (In: Hamburg in Zahlen, Jahrg.1952, H.9: S.141, Fußnote 1) folgende Ausführungen: [1833 erhielten Stadt und Vorstädte neue Straßenschilder und Hausnummern (schwarz auf weißem Grund)] "jede Straße mit Nr. 1 anfangend, die eine Seite fortlaufend hinunter und an der anderen Seite wieder hinauf." [Erst] "durch eine Verordnung vom 26.6.1843 [wurden] die Namen der Straßen erneut festgestellt und den Häusern einer Straßenseite die geraden, der anderen die ungeraden Zahlen zugeteilt."
Durch die Ausdehnung des Schlachthofes änderte sich in den 1890er-Jahren der Straßenverlauf, da ein Teil der Straße dem Schlachthofgelände zugeschlagen wurde. Die Einmündung wurde vom Neuen Kamp weg und zur Feldstraße hin verlegt, indem man den unbefestigten "Müllergang" zur Mühle auf dem Heiligengeistfeld als neuen Teil der Marktstraße befestigte. Zugleich entfiel ein ganzer Hausnummernbereich, der sich durch die Zerstörung der Häuser an der Nordseite des heutigen Ölmühlenplatzes durch die Bombardierungen des 2. Weltkriegs noch vergrößerte. Heute endet die Nummernfolge an der Südseite der Straße mit Nr. 40a und setzt an der Nordseite mit Nr. 92 wieder ein.
Im ersten Band der "Historischen Topographie" von MELHOP heißt es dazu:
"Die Marktstraße, welche früher bei den genannten Grundstücken [Nos. 61-69] vorbei bis zum Neuen Kamp führte, wurde 1891 mit ihrer Ausmündung östlich vom Schlachthof in den ehemaligen Müllergang verlegt und so nach der Feldstraße geleitet. ...
Die Marktstraße wurde, um Terrain für den neuen Schlachthof zu gewinnen, zwischen der Laeiszstraße und dem Neuen Kamp 1891 aufgehoben. Der 7m breite Müllergang wurde nach dem Osten auf 17m verbreitert bis in ungfährer Verlängerung der Laeiszstraße und als nunmehriger westlicher Ausgang der Marktstraße 1893 unter Aufhebung der Bezeichnung 'Müllergang' mit dem Namen Marktstraße belegt. Die über den regulirten Müllergang hinaus nach Westen vortretenden Häuser der Marktstraße und Bei der Oelmühle wurden 1890 staatsseitig angekauft und 1891 abgebrochen, desgleichen das in neuerer Zeit als Lager- und Arbeitsraum vermiethet gewesene alte Spritzenhaus an der Nordwestecke der Marktstraße neben dem Müllergang. ..."

(Wilhelm Melhop: "Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880-1895 (...), im Anschluß an die 'Historische Topographie' von C.F. Gaedechens, unter Benutzung älterer Quellen." Hamburg, 1895: S. 258-59)
Zur vielfältigen Bebauung der Marktstraße gehören auch einige größere Gebäude aus dem Jahrzehnt vor dem 1. Weltkrieg, die in der vom Architektur-Historismus des 19. Jahrhunderts geprägten Vorstadt neue Akzente setzten, z.B. mit dem Jugendstil-Etagenhaus in der Marktstraße 114, das seine älteren Nachbarn deutlich überragt.

 

Markt- und Landungsplatz
<< auf der Karte anzeigen
EStH: Ben.[annt] 1871 nach Lage und Bestimmung des neu hergerichteten und mit Landungs- und Markteinrichtungen ausgestatteten Platzes.
Es handelt sich hierbei um den Bereich des heutigen St. Pauli-Fischmarkts – unmittelbar östlich der früheren Stadtgrenze nach Altona – und den Platz nördlich der St. Pauli Landungsbrücken. Er wurde nicht nur von den Passagieren der Fahrgastschiffe und Barkassen genutzt, sondern auch zum Be- und Entladen von Frachtschiffen und Fischereibooten, für die eine eigene Fischmarktbrücke als Liegeplatz und eine Markthalle zum Verkauf des Fangs diente. Für lebendes "Export-Vieh" gab es in diesem Bereich eigene Stallungen und ein Zollamt. Importiertes Vieh wurde von hier aus auf öffentlichen Straßen Straße bis zum Schlachthof im Norden St. Paulis getrieben.
Nach Westen ging dieser Platz in den Altonaer Fischmarkt über, der eine eigene – bis heute existierende – Fischaktionshalle besaß. Die Grenze verlief entlang der Seestermannstraße / Kleinen Elbstraße, Bachstraße und Finkenstraße.

siehe auch: St. Pauli-Landungsbrücken

 

Marktweg
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1880, im Anschluß an den Namen Marktstraße.
EStH: Ben.[annt] 1880 im Anschluß an den Namen der Marktstraße.
HANKE: (1880) Der Marktweg wurde wegen seiner Nähe zur Marktstraße so benannt.
Im ersten Band der "Historischen Topographie" von MELHOP findet man eine zuverlässigere Angabe:
"Der Marktweg, eine alte, 10m breite Verbindung zwischen der Marktstraße und Bei der Oelmühle ist 1890 benannt. 1883 sind daselbst Neubauten errichtet."
(Wilhelm Melhop: "Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880-1895 (...), im Anschluß an die 'Historische Topographie' von C.F. Gaedechens, unter Benutzung älterer Quellen." Hamburg, 1895: S. 259)

 

Mathildenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1865, wahrscheinlich die Schwägerin oder Nichte des Grundeigentümers Eduard Buhbe.
EStH: Ben.[annt] 1865 wahrscheinlich nach der Schwägerin oder der Nichte des Grundeigentümers Eduard Buhbe.
HANKE: (1865) Die Mathildenstraße wurde auf Antrag von einem der beiden früheren Grundeigentümer der Straße, Eduard Buhbe, nach drei seiner Verwandten benannt. Seine Schwägerin hieß schlicht Mathilde und deren Töchter trugen den Namen Caroline Amalia Mathilde und Gesine Elisabeth Mathilde.
Die letzte Darstellung folgt derjenigen bei MELHOP, der in seiner "Historischen Topographie" (Band 2, 1925) schreibt:
"Die Mathildenstraße ist 1865 angelegt und benannt auf Antrag der Grundeigentümer Eduard Buhbe und Johann Maaß. Die Schwägerin des ersteren, Frau seines Bruders Georg Ferdinand Vinzent Buhbe, sowie deren Töchter hießen Mathilde, die eine Caroline Amalia Mathilde, die andere Gesina Elisabeth Mathilde."
Hier handelt es sich also offenbar nicht um eine schematische, alphabetische Benennung, wie sie bei der Parzellierung und Neuanlage von Straßen zwischen Spielbudenplatz und St. Pauli-Kirche mit Männernamen oder im Bereich des ehemaligen "Pest-" bzw. Krankenhofes mit – einzelnen – Frauennamen erfolgte.

 

Merkurstraße
(auch: Mercurstraße)
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1899, mit Bezug auf die Zollvereins-Niederlage nach dem altrömischen Gott des Handels; vorher Wilhelmstraße.
EStH: Ben.[annt] 1899 mit Bezug auf die Zollvereins-Niederlage nach dem altrömischen Gott des Handels; vorher Wilhelmstraße.
Die Straße existierte seit dem Abbruch der Lagerschuppen auf dem Zollvereinsgelände an der Ecke Lager-/ Karolinenstraße in den 1980er-Jahen nicht mehr bzw. war im Stadtbild nicht mehr erkennbar, da sie auch keine Zufahrt zu irgendwelchen Gebäuden mehr bildete. Im Zuge der laufenden Erweiterung des Geländes der Hamburg-Messe nach Westen verschwanden die vereinzelt noch erkennbaren Reste des alten Straßenverlaufs vollständig, da an dieser Stelle der Baugrund für die neuen Messehallen vorbereitet und umfangreiche Ausschachtungsarbeiten vorgenommen wurden. Bei diesen Arbeiten kamen auch die recht massiven Backsteinfundamente einiger oberirdisch längst verschwundener Bauwerke an der Karolinen- und Lagerstraße nochmals zu Tage. Diese Gebäude wurden teilweise bereits im Zweiten Weltkrieg zerstört, wie auch die Brandschichten und Schlackenreste von Gebäudeteilen und Inventar belegten, die auf der Baustelle in größerem Umfang zu finden waren.

siehe auch: Zollvereinsniederlage

 

Millerntordamm
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt), um 1896, zur Bezeichnung des Dammes, der um 1820 durch den Stadtgraben gelegt wurde.
EStH: Ben.[annt] um 1896 zur Bezeichnung des Dammes, der um 1820 an Stelle des Millerntors durch den Stadtgraben gelegt war.
HANKE: (um 1896) Hier, an der Grenze zur Vorstadt Hamburger Berg (St. Pauli) befand sich nach der Neubefestigung Hamburgs (1615-26) das Millerntor. Seine Vorgänger standen am Rödingsmarkt bzw. an der Ellerntorsbrücke. Der Name könnte "Mittleres Tor" bedeuten, da es ursprünglich zwischen dem Dammtor und dem Schaartor lag.
PABEL: Die kurze Straße verdankt ihren Namen dem Damm, der um 1820 an Stelle des Millerntores durch den Stadtgraben gelegt wurde. Das älteste Millerntor – ursprünglich noch "Mildradis-" oder "Milderdor" genannt – lag 1246 an der Nordseite des Hl. Geist Hospitals am Graskeller. Es bestand später aus einem hohen Turm mit vier kleinen Türmen an den Ecken und scheint reich ausgestattet gewesen zu sein; denn 1367 erhielt der Maler Meister Bertram 24 Schillinge für das Bild der Jungfrau Maria vor dem Milderdor (Gaedechens, Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 37). Bei der Stadterweiterung um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde dieses Tor an die Stelle der heutigen Ellerntorsbrücke verlegt; dies wird bestätigt durch eine Bemerkung von Adelungk (Kurtze Historische Beschreibung der Uhr-Alten Handels-Stadt Hamburg; S. 83): "Anno 1545 wurde die Brücke für den (sic!) Millernthor zu Hamburg verfertiget, auch ward das Graben-Geld, von jedem Brauhause 8 Schilling und jedem Wohnhause 4 Schilling bewilliget."
Dieses zweite Millerntor wurde dann 1621 verlegt nach der Gegend zwischen der zweiten und dritten Bastion im Wall, von der Elbe her gesehen, also auf dem Grund des heutigen Millerntorplatzes; anfangs trug es auch den Namen Altonaertor.
"1720 wurde das Millernthor gründlich repariert. Der zweistöckige Thorthurm erhielt nach dem Brande der St. Michaeliskirche (1750) eine Schlaguhr, diese wurde aber schon 1790 sammt den drei, Klugheit, Einigkeit und Friede darstellenden Bildsäulen wieder heruntergenommen. 1806 brach man das Gewölbe des Millernthores ab und legte Auffahrten zum Walle an" (Gaedechens, Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 161).
Zur Etymologie des Millerntores hat K. Koppmann (Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, 2. Jg., S. 151) einen Beitrag geleistet, in dem es u.a. heißt: "Im Hamburgischen Urkundenbuch (Bd. I, 457) wird es unter 1247 'porta Mildradus' genannt. (Zwischenbemerkung: Lappenberg, Herausgeber dieses 1. Bandes, fügt in einer Fußnote ausdrücklich hinzu: "Das Thor der Mildrade, nicht porta militis.") Auch im Stadterbebuch von 1269 und 1271 hieß es so, 'porta Mildradis', 1261 und 1267 aber gleichzeitig 'mildere dor' oder 'milderdor'." Im Laufe der Zeit verschliff sich das Wort durch Verschluckung des "d" von "mildere" zu "millern dor". Die vollere Form "porta Mildradis" oder "porta Milderadis" hat man zu erklären versucht als zurückgehend auf "eine oder zwei weibliche Heilige, deren Gedächtniß die Kirche am 20. Februar und 13. Juni beging." Diese Annahme steht allerdings auf schwachen Füßen; denn man weiß von keiner solchen Heiligen mit Beziehung zu Hamburg, wie Koppmann bemerkt, und wenn das Tor nach einer Heiligen dieses Namens benannt worden wäre, hatte es im 13. Jahrhundert wohl die Bezeichnung "porta Sanctae Milderadis" erhalten.
Zwei Jahre nach dem Erscheinen des Beitrags von Koppmann (1882) meldete sich jedoch ein Befürworter der Version von der Heiligen als Namensgeberin zu Wort (Lieboldt, Die St. Pauli-Kirche ehemals und jetzt; S. 54): "Der Name des Thores leitetet sich von einer in England und Holland z.Zt. des Mittelalters sehr in Ansehen stehenden, heilig gesprochenen englischen Prinzessin Miltratis her, deren Bildnis nach Lappenbergs Angabe sich an der Außenseite des alten Millernthores angebracht fand. Diese Heilige mochte sich wohl deswegen besonders als Schutzpatronin zweckdienlich erweisen, weil sie nach der Legende gelegentlich durch Schelten und Ohrfeigen nachlässige Wächter ihres Heiligtums an ihre Pflichten zu erinnern pflegte."
Es mag bezweifelt werden, daß ein Bildnis der Heiligen namengebend für das Millerntor sei. Fest steht jedenfalls, daß im 14. Jahrhundert die Form "miller dor" gebräuchlich war.
Die lateinische Bezeichnung "prope vel extra portam militis" gibt weitere Rätsel auf. Heß schreibt dazu: "Die lateinische Bezeichnung porta 'militis' wird mit Soldatenthor übersetzt; welchen Namen zu autorisiren, die Vertheidiger derselben sich auf einen gewissen ENNO MILES aus dem 13. Jahrhundert berufen, der aber nicht Soldat, sondern Rathmann der Stadt gewesen, und das Thor soll haben bauen lassen. Sie ist also 50 Jahre später hier erschienen als das erste Thor selbst" (Heß, Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben; 2. Aufl.; I, 79). Daher, so müßte man folgern, kann Enno Miles nicht der Erbauer des Tores gewesen sein. Heß geht aber bei diesem Argument von einer falschen Voraussetzung aus, indem er nämlich das Jahr der Erbauung des Tores ansetzt auf das Jahr 1200, während nach allgemeinem heutigen Consens für die erste Erwähnung nur 1246 oder 1247 in Frage kommt. Dies sei urkundlich erwähnt, so Klefeker (Sammlung Hamburgischer Gesetze und Verfassungen; X, 8, nach Schlüter, Historisch und Rechts-Begründeter Tractat von denen Erben in Hamburg, 627), und so könnte Enno Miles durchaus namengebend gewesen sein, da er "schon 1248 im Rathe gewesen" sei.
Ergänzend wäre noch nachzutragen, daß folgende Schreibweisen außer den bereits erwähnten im Laufe der Zeit vorkamen: Mylderedor, Middele-Thor, Möllerntor, Ellerntor, Mittleres Tor. Die letzte Bezeichnung ist insofern berechtigt, als von den drei Toren Dammtor, Schaartor und Millerntor das letztere "in der Mitten gelegen" (Lambeck, Origines Hamburgenses sive rerum Hamburgensium; II, 275) ist.

SCHLÜTER stellt in seinem umfassenden Werk "Historisch und Rechts-Begründeter Tractat von denen Erben in Hamburg" (1698) folgende Überlegungen zum Zusammenhang zwischen der Lage und der Namensgebung sowie zum historischen Hintergrund an:
"Weil indessen die Stadt / … von der Alster / biß an die Elbe selbiger Seite der Stadt drey Thore gewesen / nemlich das alte Dam-Thor / vor dem Dam / oder Jungfern-Steig / dieses Millern- und das Schaar-Thor / das Millern-Thor aber in der Mitten gelegen / So schreibet Lambec.Rer.Hamb.lib.II.n.275. davon also: Der alte / und rechte Nahme dieses Thors ist gewesen / dat Midlere Dohr. Nachgehendes ist durch die Langheit der Zeit / Unwissenheit der Leute / und übele Gewohnheit es dahin gekommen / daß durch Versetzunge / Veränderunge / und Abziehunge einiger Buchstaben / der rechte Nahme in diese verdorbene Worte verkehret / als: dat Mildere Dohr / Melder-Dohr / Miller-Dohr / Meller-Dohr / und Eller-Dohr. Weil aber gleichwol das Millern-Thor / im Stadt-Erbe-Buche / wie obgedacht / auf Lateinisch porta militis genannt wird / So hielte der sehl. Gerhard Kelpe / der / wie mehr erwehnet / aus den Stadt-Erbe-Büchern vor vielen andern in dergleichen grosse Erfahrunge erlanget hatte / dafür / dass Lambecius in seiner Meinunge geirret; indem aus dem erstgedachten lateinischen Worte: 'Militis' zu vernehmen / daß man es nicht das Middele-Dohr / sondern das Militis-Thor nennen müssen / und zwar von einem Herren des Raths / der Miles geheissen.
Wenn nun dem also wäre / (wie ich den Umständen nach glaube / auch der Lambecius vielleicht selbst geglaubet hätte / wenn ihm bekannt gewesen wäre / daß dieses Thor im Lateinischen Porta Militis genant werde) so müste der erste des Namens / nemlich; Enno Miles / dem Thore den Namen gegeben haben. In Betrachtunge / daß dasselbige Thor vor dem Jahr Christi 1258. schon gestanden / wie aus dem von besagtem Lambecio, an obgedachtem Orte / angeführten Briefe / und dessen dato zu ersehen / und aber / da die andere Herren des Nahmens lange nach der Zeit erst in den Rath gekommen / dieser Enno Miles, von nicht länger / dennoch zum wenigsten schon 10. Jahr vorhero / nemlich Ao. 1248. im Rathe gewesen."

(Schlüter, 1698: S. 611 ff., Des Dritten Theils / Fünffter Titel. / von Denen Gassen des Kirchspiels S. Nicolai.)
Auch die letzte Umgestaltung des Millerntores, die nach der Schleifung der Wallanlagen erfolgte, ist längst aus dem Stadtbild verschwunden. Es handelte sich um 5 steinerne Pfeiler, an denen hölzerne Torflügel angebracht waren, und wurde am 18. Oktober 1820 eröffnet. Als Wegmarke auf der Route in die "aufblühende Vorstadt" (Heckscher, 1909: S. 29) und zum Vergnügungsviertel rund um Spielbudenplatz und Reeperbahnen wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiederholt abgebildet und blieb – ebenso wie die anderen Hamburger Stadttore – bis zur Aufhebung der Torsperre am 31. Dezember 1860 in Funktion und ist Ort lebhaften Alltagslebens, wie C.G. SEMMLER (um 1845) berichtet:
"Unter Hamburgs Thoren ist am merkwürdigsten das altonaer [sic!] Thor, weil es vom frühen Morgen bis zum späten Abend fast immer von Menschen und Wagen wimmelt, im kleinen ein anschauliches Bild des hamburger [sic!] Volkslebens liefert und überhaupt mit seinen 5 Laternenpfeilern, seinen schönen Baumreihen, dem hervorragenden Michaelisthurme und dem Menschengewühle eine interessante Ansicht darbietet. Von der Stadt her befindet sich rechts am Eingange die Hauptwache der Hanseaten, links ihr gegenüber die Zoll- und Akzisekontrolle; vor demselben beginnt sogleich eine lange Reihe Verkäufer in- und ausländischer Waaren und Seltenheiten. Am stärksten und buntesten ist das Gedränge am altonaer Thore, wenn abends das Sperrglöcklein ertönt und Alles in größter Hast dem Thore zueilt. Den allgemeinen Antrag benutzt eine eigene Art Schmuggler – nämlich Frauen und Kinder – gewöhnliche Lebensmittel, auf welchen eine hohe Akzise steht, aus Altona und St. Pauli, weil die Vorstadt außerhalb der Akziselinie liegt, in die Stadt zu paschen [sic!]. Manche machen daraus ein ordentliches Gewerbe, um ihren Unterhalt damit zu verdienen."
Zu den öffentlichen Gebäuden des Stadttores zählten ein "Akzisegebäude", in dem die Zöllner ihrer Funktion nachgingen, "ein Häuschen für die Einnahme des Sperrgeldes" und die "Prüfung der Legitimationspapiere einwandernder Handwerksburschen" sowie ein weiteres,
"in dem die Sperrglocke geläutet wurde und in dem die Amtsmeister sich aufhielten, um sorgsam achtzuhaben, daß nicht etwa von außen Arbeiten eingeschmuggelt wurden, deren Verkauf den ehrbaren Mitgliedern der Ämter in ihrem Gewerbe einen unberechbaren Schaden hätte zufügen können. ...
Das Häuschen hat aber die Aufhebung der Torsperre im Jahre 1860 überdauert; es steht jetzt noch als ein MONUMENTUM AERE PERENNIUS und dient als Verkaufsbude für Tabak und Zigarren, ....."

(J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. Berlin, 1909: S. 29-30)
In den folgenden Jahrzehnten diente das ehemalige Wachhäuschen am Millerntordamm verschiedensten Zwecken und hatte bis vor wenigen Jahren sowohl unter dem zunehmenden Straßenverkehr und den damit verbundenen Immissionen als auch unter fehlender Instandhaltung und zahlreichen Graffiti zu leiden. Erst im März 2004 wurde es auf Initiative der STIFTUNG DENKMALSCHUTZ und mit finanzieller Unterstützung des LIONS-CLUBS um einige Meter an den südlichen Rand der Wallanlagen versetzt und denkmalgerecht wiederhergerichtet.
Der "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE geht ausführlicher auf die zeitgeschichtliche Bedeutung des letzten Torhauses der ehemals umwallten Stadt ein:
"Millerntorwache, Millerntordamm 2, Neustadt. Architekt: Carl Ludwig Wimmel, 1819/20. – Das Wachgebäude des Millerntors, ein kleiner dorischer Tempel mit Trglyphenfries, hatte ursprünglich noch ein Gegenstück. Davor spannten sich massive eiserne Gitterpforten zwischen vier Meter hohen Pfeilern, die von Laternen bekrönt waren. Heute stellt der vernachlässigte Bau das letzte Zeugnis der allabendlichen Torsperre dar, die bis 1861 nicht nur das Stadtwachstum hemmte, sondern auch immer mehr zum verhaßten Symbol der gängelnden Staatsmach und der rechtlichen und sozialen Ausgrenzung der Vorstadtbewohner [St. Paulis] wurde – was sich besonders während der Revolution 1848 zeigte, als die Tore nach St. Georg und St. Pauli von spontanen Volkserhebungen attackiert wurden."
(Lange, 1995: S. 57, "A120")
Eine Beschreibung der – inzwischen an ihren heutigen Standort vesetzten – Millerntorwache liefert auch der neue "Architekturführer Hamburg" (2006) von Dirk Meyhöfer, der zunächst als Architekten Carl Ludwig Wimmel und als Baujahr 1820 nennt und anschließend stärker auf das Umfeld eingeht:
"Ein kleiner dorischer Tempel mit Triglyphenfries diente als Wachhäuschen für eine 'Torsperre', die sich das alte Hamburg immerhin bis 1861 leistete. Ursprünglich existierte ein exakter Doppelgänger auf der anderen Wegseite. Hier, jenseits der heutigen Wallanlagen, endet die Kernstadt: heute eine unstrukturierte Gegend, die schwer einzuordnen ist. Der östlich anschließende Zeughausmarkt mit der Englischen Kirche (…) vermittelt einen Eindruck, wie Hamburg in der Biedermeierzeit ausgesehen hat. … Die Millerntorwache führte lange Zeit einen 'Dornröschenschlaf', anders gesagt, sie war stark heruntergekommen. Symbolische Erklärung dafür: Solche Häuser stehen in Hamburg für staatliche Kontrolle, wie sie dort verhasst ist. Im Jahre 2005 Vor wurde das Haus mit einem hohen technischen Aufwand um wenige Meter verschoben und dient nun als Showroom des Hamburgischen Museums, das in den Wallanlagen dahinter liegt. Westlich davon, am heutigen Millerntorplatz, beginnt eine völlig andere Welt, die Reeperbahn, und das wilde Kunstglasdach der U-Bahnstation St. Pauli gibt einen architektonischen Vorgeschmack." (Meyhöfer, 2006: S. 28 – Nr. 26)

 

Millerntorplatz
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), um 1896, als um 1820 angelegter Platz vor dem Millerntor, vorher "Am Wall beim Millerntor".
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Benannt 1896 nach dem 1820 angelegten Platz vor dem Millerntor. Zuvor hieß die Straße »Am Wall beim Millerntor«. Der Platz befindet sich direkt am südlichen Ende des Heiligengeistfeldes. Das Millerntor wurde früher als »Ellerntor«, »Altonaertor« oder »Düsterntor« bezeichnet. Eine von vielen Auslegungen besagt, das Millerntor »mittleres Tor« bedeuten könnte, weil es zwischen dem Dammtor und dem Schaartor gelegen war."
EStH: Ben.[annt] um 1896 als um 1820 angelegter Platz vor dem Millerntor; vorher Am Wall beim Millerntor.
HANKE: (um 1896) siehe Millerntordamm.
Die Plätze außerhalb des Walles vor den Toren waren bis zur Aufhebung der Torsperre u.a. notwendig, um ankommenden Fuhrwerken und Reisenden Stellplätze für die Übernachtung zu verschaffen, da bis zum 31.12.1860 nachts alle Stadttore geschlossen wurden und nur gegen Entrichtung des sog. "Sperrgeldes" passiert werden konnten. Vom Millerntorplatz führten zahlreiche Fahr- und Feldwege in die nähere und fernere Umgebung, u.a. nach Altona und Eimsbüttel.
Im Revolutionsjahr 1848 war der Vorplatz des Stadttores Schauplatz einiger Unruhen, u.a. am 13. März 1848. Darüber berichtet Michaelis in seiner "Treue[n] Schilderung der betrüblichen Ereignisse in der Nacht vom Montag auf Dienstag dieser Woche vor dem Millerntor und in St. Pauli" (Hamburg, 1848) u.a. folgendes:
"Als das Tor um 6.30 gesperrt worden war, erhoben sich aus der Menge einige Stimmen: Es lebe die Freiheit! Hurra! Hamburg ist frei! Keine Torsperre mehr! Hurra! … die Zahl der am Platze Versammelten (mochte) nahe an 1000 Individuen, Frauen und Kinder inbegriffen, erreichen, als gegen 9 Uhr Obrist Schohl, Kommandant der hanseatischen Garnison, mit einer imposanten Macht erschien, durch welche das Tor besetzt wurde, ohne daß man dadurch jedoch die Passsage hemmte."
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zum Millerntorplatz und dem historischen Torhaus:
"... - früher war das Millerntor ein Nadelöhr, durch das jeder musste, der vom Hamburger Stadtzentrum nach St. Pauli oder Altona wollte. Allein das klassizistische Wachhäuschen mit der Säulenvorhalle, ein 1819 [sic!] entstandener Bau von Carl Ludwig Wimmel, erinnert noch an die Zeit der von vielen als lästig empfundenen Torsperre, … Am 31. Dezember 1860 wurde die Torsperre aufgehoben. Ein Wachhaus wurde abgerissen, das andere wurde um 1900, …, als Tabakladen genutzt. Das denkmalgeschützte Bauwerk ist wiederholt um einige Meter versetzt worden, zuletzt am 7. März 2004." (a.a.O., S. 30)

siehe auch: Millerntordamm

 

Müllergang
" M ü l l e r g a n g .
No. 24 bis 41. 8 Buden. – A.D. [= Armen-Distrikt] 5.
Nach 1814 entstanden."

Die hier erwähnten "Buden" sind offenbar beim Wiederaufbau St. Paulis nach der Franzosenzeit entstanden. Es waren einfache, wohl eingeschossige und sehr kleine Wohnhäuser, wie sie häufig als preiswerte Unterkünfte für die unteren Bevölkerungsschichten errichtet wurden.
Jürgen ELLERMEYER beschreibt "Buden" im "Hamburg-Lexikon" wie folgt:
"Dem Worte nach waren Buden für nord- und mitteldeutsche Städte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit kennzeichnende Kleinwohnungen und Gewerbestätten. Bis zu den Sanierungen Ende des 19. Jhdts. gab es massenhaft Buden in Hamburg. In den Beschreibungen größerer Wohnungsnot um 1800 werden sie häufig als Bau- und Wohnform genannt. J.L. von Heß erwähnt sie in seiner Topographie als 'kleine Wohnungen von einem Stockwerk [...] gemeiniglich in Gängen und Höfen' gelegen. Von der Einräumigkeit im Mittelalter bis zur kleinen Einheit von (bisweilen unterkellerter) Stube und Diele, womöglich auch Dachraum, entwickelten sich Buden nicht nur für das 'Proletariat' als ein notgedrungen weitgenutzter Typ von Mietwohnung. Dabei waren sie von der Straße (als traufständig von den giebelständigen Häusern unterschieden) zunehmend auf die hinteren Grundstücksteile zurückgedrängt worden, wo sie in Reihen von bis zu 95 m Länge, z.T. beidseitig des Hofes und mit dem Rücken gegen die entsprechende Reihe des Nachbargrundstücks standen. Die Buden wichen ab 1800 der zunehmend höher werdenden, profitableren Bebauung." (Kopitzsch / Tilgner [Hrsg.], 1998: S. 534).
In den Vorstädten zählten die im 19. Jahrhundert in großer Zahl errichteten sog. "Terrassen" zu einer neuen Erschließung und einträglichen Nutzung der langen Gartengrundstücke, die – angelehnt an die traditionelle Bodenordnung der langgestreckten Kaufmanshaus-Bebauung – auch außerhalb der Inneren Stadt üblich waren.
PABEL: Nach 1814 entstanden. Zugang zu der auf dem Heiligengeistfeld belegenen Mühle.
Dieser unbefestigte Weg verband die – 1939 abgebrochene – Mühle auf dem Heiligengeistfeld mit Wohnhaus des Müllers und Nebengebäuden an der heutigen Laeiszstraße 13/16 im Karolinenviertel. Erhalten sind dort Hintergebäude, die jedoch in jüngster Zeit durch Modernisierung und Umbau zu Wohnungen stark verändert worden sind.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Konzession für das Betreiben einer Windmühle auf dem Heiligengeistfeld stammt aus dem Jahr 1755. Auch diese fiel der "Demolirung" der Vorstadt Hamburgerberg durch die napoleonischen Besatzungstruppen im Winter 1813/14 zum Opfer. Für das Jahr 1817 ist im Hamburgischen Staatsarchiv folgende Eintragung des damaligen Landherrn der Vorstadt überliefert:
"Dem hiesigen Schutzverwandten Matthias Redenburg wird hiermit die Erlaubnis erteilt, seine erlernte Müller-Profession, mit den dazu benöthigten Gesellen, in der Mühle auf dem Heiligen Geistfelde frey und ungehindert treiben zu dürfen. Meine Herren Nachfolger werden ersucht, denselben bey dieser ertheilten Freyheit zu schützen."
(Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Bestand 411-2, Aktenstück I 224)
Die Auftragslage für den Windmüller blieb nach dem Wiederaufbau der Mühle bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auskömmlich. Zu Beginn des letzten Jahrhundertdrittels geriet er jedoch durch die Konkurrenz der Dampfmühle am Hafenrand und die Errichtung der höheren Wohngebäude der Gründerzeit in wirtschaftliche Nöte. Zudem galt die Windmühle der Obrigkeit der damaligen technikgläubigen Epoche allmählich als zu antiquiert. So berief sich die "Löbliche Finanzdeputation" 1865 darauf, dass dem Müller nie eine Zusage über die "Sicherheit der Winde" oder eine Begrenzung der Höhe der Häuser an den umgebenden Straßen gemacht worden war. Trotzdem verweigerte man auch die Genehmigung für eine durch Pferde angetriebene "Roßmühle", da das Heiligengeistfeld unbebaut bleiben sollte. Wenige Jahre später wurde auch die Errichtung einer Dampfmühle abgelehnt, da
"die Windmühle doch nur so lange hier verbleiben dürfte, bis über die Staatsländereien in dieser Richtung bis zur Sternschanze, welche zur Überführung einer Hafenbahn, Erbauung eines Schlachthauses etc. in Aussicht genommen sind, definitiv disponirt sein wird"
(Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Finanzdeputation I-III, Aktenstück 2651).
Als der Schlachthof sich Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Neuen Kamp ausdehnte, wurde die ehemalige Einmündung der Marktstraße in den Neuen Kamp abgetrennt und teilweise überbaut. Stattdessen wurde der zuvor unbefestigte Müllergang zu einer neuen Einmündung in die Feldstraße ausgebaut und dem neuen Verlauf der Marktstraße zugeschlagen.

siehe auch: Marktstraße

 

N

Nach den Sandgruben …
Bevor viele Straßen der Hamburger Vorstadt St. Pauli ab 1841 mit amtlichen Bezeichnungen versehen wurden, waren Kartographen zu ihrer Bezeichnung häufig auf traditionelle Flurnamen oder beschreibende Bezeichnungen angewiesen. So erhielt die "Vorgängerin" der heutige Karolinenstraße, die wahrscheinlich bestenfalls eine befestigte, baumgesäumte Allee war, auf dem "Plan Von Hamburg, den Wallanlagen und den nächsten Umgebungen der Stadt.“ (kolorierte Lithographie; Größe: 56 x 41 cm) von Otto (Hamburg: Nestler & Melle, 1835) die Bezeichnung "nach d.[en] Sandgruben u.[nd der] Sternschanze".
Sie bezieht sich darauf, dass es zwischen dem Grindel und den Begräbnisplätzen zahlreiche Gruben gab, in den Sand verschiedener Körnungen gewonnen wurde, weshalb einer dieser Gruben auf einer anderen Karte dieser Zeit auch als "Grand-Grube" bezeichnet wird. Das Material wurde für unterschiedliche Zwecke verwendet, hauptsächlich jedoch im Bauwesen. Die Nutzung feiner Sande zur Glasherstellung war bereits einige Jahre zuvor eingestellt worden, als die Glashütten (westlich der gleichnamigen Straße) geschlossen wurde.
Eine andere Nutzung der Sandgruben erfolgte in der Notzeit der Pestepidemie des Jahres 1713: Da die vielen Todesopfer schnell beigesetzt werden mussten, brachte man sie vor die Stadt, wo aus einigen der Sandgruben Massengräber wurden. Diese Tatsache war in der historischen Überlieferung noch bis in die 1930er Jahre gut bekannt, als ein Artikel über den "Pesthügel" im (damaligen) Zoologischen Garten erschien.

siehe auch: Glashüttenstraße

 

Neuer Kamp
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, nach einem der Gegend anhaftenden Flurnamen.
EStH: Ben.[annt] 1841 unter Übertragung eines an der Gegend haftenden Flurnamens.
HANKE: kein Eintrag.
Ebenso wie bei der Kamp- oder der Feldstraße, die den Neuen Kamp nach Osten verlängert, hat sich im Straßennamen die ehemals ländliche Struktur der Landgebiete im Weichbild der umwallten inneren Stadt erhalten. Die in Hamburg weit verbreiteten Straßennamen mit den Namensteil (~)Kamp oder (~)Koppel beziehen sich auf eingefriedete und landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen und werden sowohl für Anbau- als auch für Weideflächen verwendet.
Der "Kamp" (von lat.: campus = Feld) und die "Feld"-Straße bildeten spätestens seit der Parzellierung und amtlichen Vermessung größerer Teile durch den Feldmesser Olbers in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die nördliche Grenze des Heiligengeistfeldes. Nördlich schlossen sich erste Privatgrundstücke mit Gewerbebetrieben (Ölmühle, Glashütte), aber auch einzelnen privaten Landhäusern an. An der Einmündung der heutigen Glashütten- in die Feldstraße ist auf frühen Karten zudem ein kleiner mennonitischer Begräbnisplatz dargestellt, denn allen Nicht-Lutheranern war es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht gestattet, ihre Toten innerhalb der Stadtwälle, d.h. auf den "Kirchhöfen" beizusetzen.
Weiter nördlich – bis zur Sternschanze – erstrecken sich größere Flächen Weidelandes, die von der "Cämmerey" einzelnen Pächtern "verhauret", d.h. verpachtet waren. Auch Teiche, Quellen und Wassergräben werden in den Olbers'schen Plänen dargestellt, d.h. hier trat Wasser auf natürlichem Wege an die Oberfläche und wurde zeitweilig durch Brunnenleitungen auch zur Trinkwasserversorgung genutzt.
Das dominierende Gebäude am Neuen Kamp ist heute der Discountmarkt an seiner Südseite. Er nimmt – zusammen mit einigen Nebengebäuden die nordwestliche Ecke des ehemals bis hierher reichenden Heiligengeistfeldes ein. Der heutige Bau aus den Jahren 1950/51 ersetzte die 1887/88 errichtete, jedoch im 2. Weltkrieg zerstörte "Centralviehmarkt Halle". Ihr ursprünglicher Zweck als Rinder-, Schaf- und Pferdemarkt ist einerseits an der ungewöhnlichen Form, andererseits an zwei Reliefs an den beiden Treppenhäusern ablesbar.
Das Gebäude wurde auf den erhaltenen Grundmauern des Vorgängerbaus errichtet und in seinen Entstehungsjahren mit zeitgemäßer Technik versehen. Diese Technik sollte es ermöglichen, die durch sog. Shed-Dächer gleichmäßig von Norden her belichtete Halle auch für Großveranstaltungen mit bis zu 30.000 Besichern zu nutzen. Diese Nutzung entfiel mit der Umwandlung der Halle in einen Discount-Markt zu Beginn der 1970er Jahre und dem Einbau eines Parkdecks als Obergeschoss über der gesamten Grundfläche. Auch das äußere Erscheinungsbild wurde durch die Verkleidung großer Wandflächen mit Metallprofilen stark verändert. Die derzeitige Pächterin des Hauptgebäudes hat angekündigt, die jetzige Nutzung nicht über das Vertragsende hinaus fortsetzen zu wollen, so dass derzeit (2009) Vorschläge für eine Umnutzung oder sogar eine Neubebauung der Fläche öffentlich diskutiert werden.

siehe auch: Feldstraße

 

Neuer Pferdemarkt
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), ben. 1841, als "Am neuen Pferdemarkt", nach der Benutzung des anliegenden freien Platzes und im Gegensatz zum Pferdemarkt in der Altstadt.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz befindet sich in der Verlängerung Stresemannstraße, Budapester Straße, auf der Höhe Neuer Kamp. Benannt 1841 als »Am neuen Pferdemarkt«. Hier befand sich tatsächlich ein Pferdemarkt. Den Zusatz »Neuer« erhielt der Platz im Unterschied zum »Pferdemarkt« in der Altstadt, der im Todesjahr von Gerhart Hauptmann (1946) in Gerhart-Hauptmann-Platz umbenannt wurde."
EStH: Ben.[annt] 1841 als Am neuen Pferdemarkt nach der Benutzung des anliegenden freien Platzes und im Gegensatze zum Pferdemarkt in der Altstadt.
HANKE: (1841) Auf dem neuen Pferdemarkt, der bis 1841 Bestandteil der Straße Schulterblatt war, wurde mit Pferden gehandelt. Neu war er im Vergleich zu dem Pferdemarkt der Altstadt, dem heutigen Gerhart-Hauptmann-Platz.
Südlich anschließend findet sich auf der Karte "Grundriss der Vorstadt von Hamburg S[ank]t Pauli; herausgegeben von P. G. Heinrich." Gezeichnet v. A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel. In Stein gestochen v. Th.[eodor] Boehden; verlegt von Otto Speckter, Hamburg, 1836 (Lithographie; Maßstab: [Ca. 1:5.800]; Größe: 37 x 44 cm) der Ochsenmarkt, der bereits auf Altonaer Gebiet zwischen der "Bleichen-Strasse" (heute Bleicherstraße) und dem Grenzgang abgehalten wurde.
Mit dem Wiederaufbau der im Winter 1813/14 unter französischer Besatzung niedergebrannten Bebauung entstanden am Neuen Pferdemarkt Wohnhäuser, deren langgestreckte rückwärtige Gartengrundstücke teilweise auch Gewerbe- und Handelszwecken in Verbindung mit dem Vieh- und Pferdehandel dienten. Der Pferdemarkt wurde hier bis 1826 abgehalten. Er wurde nicht nur von Pferdehändlern und Fuhrunternehmern aus Hamburg besucht, sondern auch von Gutsbesitzern und Händlern aus den ostelbischen Provinzen und von Aufkäufern, die Pferde für die Kavallerie-Einheiten unterschiedlicher Armeen erwarben. Um den Platz herum siedelten sich "Kommissionäre" (Zwischenhändler), Tierärzte und eine Fabrik für Kutschen und Wagenaufbauten an. Diese – in den 1840er Jahren gegründete – Firma von F. SACHS & Sohn ist im Hinterhof des Hauses 27 bis heute tätig.
Auch die langgezogene Form der Grundstücke auf beiden Seiten des Platzes ist z.T. bis heute erhalten und spiegelt sich in ihrer Bebauung wider, die in Form mehrerer Terrassen und Passagen (davon zwei bis hin zur Sternstraße) errichtet wurde. Zu den Relikten der früheren Nutzung zählen eine Tierarztpraxis und ein Fachwerkgebäude aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das nach lokaler Überlieferung der napoleonischen Kavallerie als Pferdestall gedient haben soll.
Auch im Umfeld gab es Quartiere für Reisende und ihre Reittiere. So dienten z.B. das obere Geschoss des Hinterhauses Beim Grünen Jäger 6a oder Kellerräume im Braunschweiger Hof am Schulterblatt zum Unterstellen von Pferden. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhundert gab es auch Viehkoppeln hinter der Rindermarkthalle südlich des Neuen Kamps zwischen Eimsbütteler Straße (heute: Budapester Straße) und den Gleisanlagen des Viehbahnhofs am westlichen Rand des Heiligengeistfeldes.
Die gründerzeitlichen Vorderhäuser der östlichen ("Hamburger") Seite fügten sich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einer "Platzwandbebauung" zusammen, die teilweise – z.B. an der Einmündung der Beckstraße heute noch in Resten erkennbaren – von Vorgärten zum Platz- bzw. Straßenraum hin abgeschirmt war. Die meisten Vorgärten fielen jedoch – als Tribut an die "autogerechte Stadt" – einer Nebenfahrbahn mit Parkplätzen zum Opfer. Die westliche ("Altonaer") Seite des Platzraums – an der Straße Beim Grünen Jäger – zeigt sich hingegen erheblich heterogener und hatte noch einige vorstädtische Reminiszenzen (z.B. Beim Grünen Jäger 6, 6a) bewahrt, die inzwischen jedoch teilweise zerstört oder durch Neubauprojekte zumindest erheblich bedroht sind.
Das an die spitzwinkligen Ecken Pariser oder Brüsseler Plätze Hausmannscher Prägung (Georges-Eugène Haussmann, 1809-1891; Architekt und Stadtplaner) erinnernde Eckhaus im Norden des Platzes zwischen Schulterblatt und Schanzenstraße trägt als besonderen Hinweis auf seine Lage an der ehemaligen Grenze zwischen Hamburg und Altona an der westlichen Fassade das Altonaer Stadtwappen mit dem einladend geöffneten Tor, an der östlichen hingegen das Hamburger mit den trutzig geschlossenen Flügeln des "Tores zur Welt".
Der Neue Pferdemarkt wurden im Zuge fortschreitender Motorisierung und zeitweilig mit der Zielsetzung, die Schaffung der "autogerechten Stadt" (siehe: Hans Bernhard Reichow: Die autogerechte Stadt. Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos. Ravensburg, 1959.) voranzutreiben, immer wieder umgebaut. Meist wurden dabei die Verkehrflächen für den Kraftfahrzeugverkehr ausgeweitet und optimiert, z.B. durch die Auflösung der Kreuzungssituation mit der Straße Beim Grünen Jäger. Im Zuge verschiedener U-Bahn-Planungen war jedoch seit den 1920er Jahren auch immer wieder eine Verlegung der U-Bahn-Trasse und der Haltestelle Feldstraße nach Westen in der Diskussion, wurde aber bekanntlich nie realisiert.

siehe auch: Beim Grünen Jäger

 

Nobishaus - Nobiskrug - Nobisthor
<< auf der Karte anzeigen
PABEL: Auf des Stadtplänen des frühen 19. Jahrhunderts erscheinen Nobistor bzw. Nobishaus oder Nobiskrug westlich des Millerntors als hart an der Grenze zu Altona befindlich, oder, wie STELTZNER es formuliert, "ein Stück Landes für Altenau, in der Stadt Gebiete gelegen". NEDDERMEYER schreibt (N., Top.; S. 337) von der als "4. Einfahrt" (nach Altona hin) bezeichneten Straße: "auch Nobisthor und Trotz-Altona genannt; die Gasse, die darauf zuführt, wird die Langereihe genannt und ist von 1662 bis 1729 angebauet." Diese Lange Reihe ist nicht zu verwechseln mit der in St. Georg. Sie verband den westlichen Ausgang des Millerntores mit der auf Altonaer Gebiet liegenden Reichen- bzw. Bergstraße, auf der Trasse der heutigen Reeperbahn. Nobishaus und Nobiskrug wurden offenbar synonym benutzt, wobei die ältere Form (nach Grimm) wohl Nobiskrug war und erst allmählich Nobishaus gewichen ist. "Am Anfang des 16. Jahrhunderts, wenn nicht schon früher, wurde in der Gegend des Hamburgre Berges das bereits 1534 erbaute Nobishaus gebaut. Den Platz, wo einst das Nobishaus stand, nahm später die Neue Dröge ein. Ursprünglich war das Nobishaus wohl eine Art Wachhaus, 1549 aber bereits ein Krug" (N.; Stat.; 70).
Die Etymologie von Nobistor scheint auf den ersten Blick eindeutig zu sein. An dem hölzernen Tor befand sich nämlich auf gußeisernem Schaft die lateinische Inschrift: "Nobis bene - nemini male" ("Für uns das Gute, für niemanden das Böse"). Der Nobiskrug gehörte einem Hamburger, der nach dem Sinn dieses Spruches offenbar zum Ausdruck bringen wollte, daß die "Unsrigen" (Hamburger) für sich alles Gute wünschten, ohne deswegen den (Altonaer) Nachbarn etwas Übles anhängen zu wollen. Ein friedfertiges Motto, ohne Zweifel.
Zur lateinischen Inschrift gibt es eine hübsche Anekdote, die bezeugt, wie sich ein mißverstandenes Wort umfunktionieren läßt in eine "einleuchtende" Erklärung, die zugleich eine Kritik an einer unbeliebten städtischen Einrichtung wie der Torsperre zum Ausdruck bringt:
Ein Altonaer Mädchen wollte nach einem Besuch in Hamburg zurück, eben noch vor der Torsperre. Als sie halb durch die Sperre war, schnappten die eisernen Flügel zu. Dabei wurde sie verletzt, die eine Hälfte befand sich noch in Hamburg, die Beine baumelten schon auf Altonaer Seite. Es entstand ein Streit unter Juristen über die Frage, wer denn nun für den angerichteten Schaden verantwortlich sei. Da das Mädchen Amalie hieß – Kurzform "Male" – wurde die lateinische Torinschrift interpretiert als: "Nur bis de Beene nehm ich die Male!" und Hamburg mußte zahlen (GROBECKER, III).
Nun hätten die Etymologen mit der Deutung des lateinischen Spruches zufrieden sein können, wenn nicht doch Bedenken angemeldet worden wären angesichts der Tatsache, daß dieser erst verhältnismäßig spät entstand, nämlich in dänischer Zeit. Der Name Nobiskrug oder Nobishaus war aber schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebräuchlich, worauf auch R. EHRENBERG in seinem Buch "Altona unter Schauenburgischer Herrschaft" (II/III; S. 49 ff.) hingewiesen hat. Demnach muß die Wurzel für die Namenserklärung zeitlich weiter zurückliegen.
"Nobiskroch" bedeutet im Mittelniederdeutschen eine Schenke an der Grenze, wobei das "nobis" eine Verstümmelung von "na'n Obis-Kroog" sein könnte, laut TILING: "Was aber ist Obis-Kroog für ein Ort? Wir brauchen es überhaupt für einen Ort, woher niemand zurückkommt: den Tod, den Untergang. 'He is na'n Obskroge': Er ist nicht mehr in der Welt, man weis nicht, wo er geblieben ist" (TILING, Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörterbuchs; III, S. 254).
Die Hypothese von dem Bedeutungsursprung "Hölle", "Abgrund" (möglicherweise von abyssus = Abgrund, Ort der Nimmerwiederkehr) erscheint durchaus bedeutsam. Denn es gab eine Redensart: "Jemand sagt im Zorn, er solle in den Nobiskrug gehen, welches soviel bedeutet, als solle er zum Teufel gehen" (nach ZIEGRA, Sammlung von Urkunden; S. 298). NEDDERMEYER (Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 335/6) zitiert aus der Literaturgeschichte Beispiele, welche diese Lesart bestätigen:
"Dein dürrer Körper mit Deinem Fleisch
werd' allhier der Raben Speiß.
Dein Seel' fahr hin in Nobiskrug,
Da ihr bereit ist Qual genug."

(aus Cursus Klesilianus)
"Als Eulenspiegel ward zu schwach,
da wollt man thun auch zur Sach,
Daß er nicht stürb so ungebeicht,
und führ in Nobishaus vielleicht."

(aus Fischart, Eulenspiegel; S. 277)
Und aus einem Hamburger Diarium von 1714 zitiert NEDDERMEYER: "Die Juden haben den Gebrauch, wenn einer von ihnen abstirbet, so sagen sie, wenn er dorthin kommt, soll er Abraham fleißig grüßen. Es lag auf eine Zeit ein Jude krank, denselben besuchten andere und sagten auch, er solle Abraham von ihretwegen grüßen, Christum aber nicht, der wäre ihnen gram; da fährt der sterbende Jude an und sagt: gram wider gram, und fuhr also hin in seinen Abrahams Garten in Nobiskrug." An anderer Stelle bekräftigt Neddermeyer: "Der Name Nobishaus ist ein Volkswitz, denn er bedeutet die Hölle" (NEDDERMEYER, Zur Statistik und Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 70).
EHRENBERG (Altona unter Schauenburgischer Herrschaft; II/III, 49 ff.) berichtet, seinem Gewährsmann Casper folgend, von einer in Norddeutschland verbreiteten Sitte, nach der man dort, wo ein Mensch gewaltsam umgekommen war, beim Vorübergehen eine Handvoll Erde, einen Zweig oder Stein niederlegte ("Stein- oder Reiser-legen"), sozusagen als Opfer für die Seele des Verschiedenen; ein Relikt aus heidnischer Zeit, wo man mit diesem symbolischen Akt der Rache des umherirrenden Geistes des Verschiedenen entgehen zu können glaubte. Diese stehe in direktem Sinnzusammenhang mit der geschilderten Bedeutungsvariante, "Nobiskrug" (mit Varianten: Nobiskuhle, Naberskroech, Nobelskrug, Obiskroog) weise hin auf (ursprünglich) Totenwelt, Unterwelt, Aufenthaltsort nach dem Tode (neutral von einem Verstorbenen: "he is nu all' na Naberskroch"; oder spezifisch: in der Hölle oder Fegefeuer). Bei GRIMM (XIII; S. 863 ff.) finden sich zahlreiche andere literarische Zeugnisse zum Thema. Ergänzend wäre zu bemerken, daß es in der Nähe des Nobistors den "Düwels Bomgarden" gab (1386 erwähnt), so wie in der Ecke Breitenstraße und Palmaille ein Haus mit der Bezeichnung "Bi'm Dreedüwel".
MENSING (Schleswig- Holsteinisches Wörterbuch; III, S. 805) bietet eine wenig schlüssige Deutung von "Nobis". Das lateinische Wort sei zwar mit "uns" zu übersetzen, aber im Rotwelsch (Gaunersprache) als Deckwort für "non" gebraucht und als solches Verneinungswort in Verbindung gebracht worden sein mit Krug. Danach wäre also ein Nobiskrug eine schlecht angesehene Kneipe (nach: Niederdeutsche Zeitschrift für Volkskunde; Jg. 6, S. 103).
Der Name Nobiskrug findet sich übrigens in Norddeutschland mehrfach; außer in Hamburg z.B. in Rendsburg oder in der Altmark (bei DANNEILL allerdings nicht erwähnt). In allen Fällen handelt es sich um grenznahe Lokalitäten, deren Lage häufig Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen zwischen den Nachbarn mit sich bringt. Dies im Falle des Hamburger Nobiskrugs mehrfach dokumentiert und kommt nicht zuletzt durch die Bezeichnung der Örtlichkeit bei Neddermeyer als "Nobuskrug und Trotz-Altona" zum Ausdruck.
GAEDECHENS (Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 109) weiß noch zu berichten: "Das Kloster Herwardeshude – hier handelt es sich um das alte Kloster auf dem Hamburger Berg – vermietete 1606 ein neben dem Hause liegendes Land an den Pächter desselben, verkaufte es aber 1650 für 400 Mark. Die Landstraße führte an der Grenze über einen 1542 erwähnten Damm, welcher hier den Norder- und Süder-Nobisteich trennte."
Die Deutung des Ortsnamens "Nobiskrug" wird in einem Beitrag über eine heute noch bestehende Gaststätte gleichen Namens in Handorf bei Münster/Westf. durch eine Herleitung aus dem Schweizerischen ergänzt:
"Der Name 'Nobiskrug' ist wahrscheinlich schweizerschen Ursprungs. 'Nobischratten' bedeutete in der Schweiz zunächts viel wie Obstkorb (Nobis = n'Obis, Obis = Obst). Später übertrug man diese Bezeichnung auf die 'Kiepe', mit der nach alten Vortsellungen der Teufel die verdammten Seelen in die Hölle schaffte. Diese Kiepe setzte man bald gleich mit dem Aufenthaltsort der Verdammten selbst. So wandelste sich der Begriff 'Nobischratten' zu 'Nobishus' bzw. 'Nobishaus', was schließlich einfach noch 'Wohnung der Toten' bedeutente. Nach Niederdeutschland gelangt, wandelte sich der Begriff zu 'Nobiskrog' oder 'Nobiskrug' und nahm hier den Sinn 'Wirtshaus' an.
Nach alter Sage wanderten nach dem Hinschleichen die Seelen in den Nobiskrug, ein Wirtshaus zwischen Zeit und Ewigkeit, in dem sie noch eine Nacht verweilen durften, bevor sie endgültig ins Jenseits eingingen. Der Wirt war in dieser Vorstellung der Teufel, der sich ein Vergnügen daraus machte, mit den Seelen in dieser Nacht um ihre Seligkeit oder Verdammnis zu würfeln. Bezeicnenderweise stehen die 'Nobiskrug' genannten Gasthäuser meistens vor den Toren einens Ortes."

(Siehe: http://buene.muenster.de/mauritz/projekte_in/lotsen2001/Geschichte/Geschichte.htm )
NEDDERMEYER weiß über die Nobisteiche zudem folgendes zu berichten:
"Im Jahre 1626 wird des Verkaufs eines Platzes bei den Reperbuden hinter der Wache gedacht, der zur Anlegung der alten Dröge benutzt wurde. Bei demselben Jahre wird angeführt, daß die Quelle des Süder- und später, daß die des Norder-Nobisteich versiegte."
(NEDDERMEYER, Zur Statistik und Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg. Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832: S. 64)
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." heißt es hingegen nur knapp:
" N o b i s t h o r , bei dem, siehe 4te Einfahrt."

 

Nobistor
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1948, nach dem früher hier gelegenen Grenztor zwischen Hamburg und Altona und nach der Inschrift dieses Tores: "Nobis bene, nemini male" = für uns das Gute, für Niemandem das Böse. Das Nobistor erhielt seinen Namen von der Grenzwache "Nobishaus", die auch Schankrecht hatte. Dieses Schankrecht wurde an alte verdiente Ratsherren verpachtet.
HANKE: (1848) Das Nobistor, das einst den Grenzübergang von Hamburg nach Altona bildete, wurde im 17. Jahrhundert nach dem Nobishaus benannt, einer alten Grenzwache mit Schankgerechtigkeit, die an verdiente Ratsherrn verpachtet war. Der Name von Haus und Tor könnte sich vom lateinischen "nobis" = wir oder von "in obis" = "in der Tiefe" ableiten. Die Bedeutung "wir" hing mit der Grenzlage zusammen. Hier wurden oft Grenzstreitigkeiten ausgetragen und die Sieger konnten stolz behaupten, daß "wir" gewonnen haben.
Ähnlich wie auf Hamburger Seite mit dem historischen Wachhäuschen der früheren Millerntor-Wache hat sich auch auf Altonaer Seite ein Relikt des früheren Stadttores erhalten, wenn auch weniger auffallend und inzwischen auch an einem unhistorischen Ort, nämlich an der Nordseite der Reeperbahn (Hausnummern 170 / 172) vor dem Eingang zum sog. Kontakthof des „Eros Centers“. Dieser Eingang liegt zwar direkt im Verlauf des historischen Grenzganges. Der Grenzpfeiler hatte seinen ursprünglichen Standort (seit der Wiederaufstellung im Jahre 1959) jedoch weiter westlich. Die aktuelle Themenkarte „Hamburg Postkolonial – postcolonial hamburg“ (2010) beschreibt die Situation wie folgt:
"Nobistor – Grenze zwischen St. Pauli und Altona: 1844 wurde die gusseiserne Markierung der Grenze zwischen dem – von 1640 bis 1864 dänischen – Altona und dem hamburgischen St. Pauli am Nobistor aufgestellt. Bis zur Eingemeindung Hamburgs nach Altona 1937/38 bestand diese Grenze. Das Verhältnis zwischen Hamburg und Altona war von Wanderungsbewegungen unterschiedlicher Minderheiten geprägt. …"
Zu den "Wanderern" zählten vor allem Angehörige verschiedener Glaubensgemeinschaften wie z.B. Juden, Mennoniten oder Katholiken, die im - in religiöser Hinsicht wesentlich freizügigeren - dänischen Altona willkommen waren und sowohl Niederlassungs- als auch Gewerbefreiheit genossen, während Hamburg sowohl auf wirtschaftspolitischem als auch religiösem Gebiet bis weit ins 19. Jahrhundert unter der Herrschaft der Zünfte und lutheranischem Dogmatismus verharrte.

 

O

Ölmühle
<< auf der Karte anzeigen
(historische Schreibweisen auch: Oehlmühle, Öhlmühle)
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1841, als "Bei der Ölmühle" durch Übertragung dieser sich ursprünglich auf ein größeres Gelände, insbesondere auch auf die Gegend der jetzigen Marktstraße, erstreckenden Ortsbezeichnung, die sich von der hier gelegenen, 1686 eingeäscherten Ölmühle herleitet (verkürzt 1899).
EStH: Ben.[annt] 1841 als Bei der Ölmühle durch Übertragung dieser sich ursprünglich auf ein größeres Gelände, insbesondere auch auf die Gegend der jetzigen Marktstraße erstreckenden Ortsbezeichnung, die von der hier belegenen, 1686 eingeäscherten Ölmühle hergeleitet war; verkürzt 1899.
HANKE: (1841) Mindestens seit 1633 stand hier eine Ölmühle, die 1686 abgebrochen wurde, um die Sternschanze zu sichern.
Einen frühen, jedoch teilweise irreführenden Hinweis auf die Ölmühle findet man bei NEDDERMEYER, der 1832 schreibt:
"1633 wird Land bei der Oelmühle vermiethet, und 1635 einer Olienmühle bei den Schwinekoven gedacht, welche bei der Belagerung Hamburgs 1686, nebst den um 1649 angelegten Thranbrennereien, die Dänen zerstörten. Die Oelmühle wird 1699 wieder erbauet." (Neddermeyer, F.H.: "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832. Laut dortiger Anmerkung nach einer Mitteilung des Stadtarchivars, Dr. Lappenberg.)
Tatsächlich greift Neddermeyers Blick hier m.E. über die gesamte Vorstadt aus, so dass die Ölmühle im Norden St. Paulis – im Bereich des Karolinenviertels – und die "Thranbrennereien" im Süden am Elbufer in unmittelbarem Zusammenhang erscheinen. Er bezieht sich dabei wohl auf die Angaben von SCHLÜTER zu Örtlichkeiten "Außerhalb der Stadt vor dem Millern- und dem Damm-Thor .." (Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ ..... . Hamburg, 1698: 658). Dieser nennt in seinem "Tractat" sowohl die"Oehlmühle." als auch "Bey den Trahnhütten.", jedoch im Sinne einer Aufzählung und ohne unmittelbaren topographischen Zusammenhang.
Historisch zutreffend ist, dass beide zwar bei derselben Gelegenheit anlässlich der Belagerung Hamburgs durch das Königreich Dänemark zerstört wurden, jedoch nicht von den Angreifern, sondern vom hamburgischen Militär, das sich freies Schussfeld nach Westen verschaffen wollte.
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." der "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) findet man überraschender Weise eine abweichende – diesmal korrekte – Beschreibung:
" O e l m ü h l e, bei der.
No. 25 bis 80, 40 bis 63. 67 Häuser, 127 Wohnungen, Mühle, Remisen, Ställe. – A.D. [= Armen-Distrikt] 5.
Die Oelmühle kommt schon 1633 vor, und damals entstanden auch wohl einige Häuser in der Nähe. Die Mühle selbst wurde am 23. August 1686 von den Hamburger Dragonern abgebrannt, weil das Gebäude der Bastion Joachimus im Wege ag und die Sternschanze verdeckte, so daß die von den Dänen gegen die Stadt aufgeworfenen Batterien nicht bestrichen werden konnten. (S. kurze und ausführl. Relation, was sich während der Berennung der Stadt Hamburg zugetragen. 1686. S.7.)
1713 legte man hier ein Quarantainehaus für die der Pest Verdächtigen an. Hier befindet sich eine Spritze."

Bei der genannten Quelle handelt es sich um die: "Kurtze und ausführliche Relation, was sich in waehrend der Berennung der Stadt Hamburg in und ausser derselben zwischen Ihr. Koenigl. Maj. von Dennemarck und obgedachter Stadt von Tage zu Tage begeben und remarquables zugetragen ... : Worbey das Kupffer von der Stern-Schantze Aprochen und Trencheen." 1676 [i.e. 1686].
Der Hinweis auf die Zerstörungen auf dem Hamburger Berg und die "Quarantaine-Anstalt" knüpft offenbar an J.L. von HEß an. Er berichtet 1811 leicht abweichend in seiner Topographie: "1712 war bei der Oelmühle eine Quarantaine-Anstalt." (Heß, Jonas Ludwig von: Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben. Zweite Auflage, umgearbeitet und vermehrt. Dritter Teil. Hamburg, 1811: S. 40.).
Zuvor heißt es bereits:
"Die Dänischen Truppen besetzten am 10ten August [1686] den Hamburgerberg, ...
Die Oelmühle, de Grindelhof, die Thranbrennereien, wurden während dem 22sten und 24sten August von der Stadt aus, als der Verteidigung derselben hinderlich, in Brand geschossen."
(a.a.O., S. 36)
In seinem Werk über "Die Entwicklung der Hamburgischen Hospitäler seit Gründung der Stadt bis 1800 aus ärztlicher Sicht" (Hamburg, 1977) bestätigt der Verfasser Dieter BOEDECKER im Kapitel über den "Pesthof":
"Ende des Jahres 1712 wurde außerdem von Staats wegen ein Pestlazarett und Quarantänehaus in der Nähe des Heiligen Geistfeldes [sic!] neu errichtet (…). In einem ärztlichen Wochenbericht an den Stadtphysikus Dr. Biester werden diese Pesthäuser erstmalig am 7. Januar 1713 erwähnt (…). Es wird hinzugefügt, daß sich das Quarantänehaus in der Nähe der Ölmühle befinde.
Am 7. Januar 1713 befinden sich 31 'schadhafte Personen' im Lazarett, deren Befinden sich täglich besserte, wie es in dem Bericht heißt (…)."
(S.266/7)
Die gesonderte Anlage war offenbar erforderlich, da der eigentliche "Pesthof" – und spätere "Krankenhof" – zu dieser Zeit gar nicht mehr alle Erkrankten aufnehmen konnte, wie noch während der Pestepidemie der Jahre 1627/28, da er bereits anderweitig belegt war und nicht geräumt werden konnte (siehe: BOEDECKER, 1977: 261).
Die "Spritze", d.h. ein Spritzenhaus der Feuerwehr, wird nach von Melhop (1895: S. 259) im Jahre 1891 im Zuge der Erweiterung des Schlachthofs bis zum Neuen Kamp abgebrochen. Das Gebäude war nach längerer Vorplanung in den Jahren 1858 / 59 westlich des heutigen Ölmühlenplatzes errichtet worden und wurde am 19. Februar 1859 behördlich abgenommen. (Der Antrag des St. Paulianer Krämers, d.h. Kaufmanns, Matthias Mahlandt ist zusammen mit einem Plan des Grundstücks und des Spritzenhauses sowie dem Gebührenbescheid über 7 Schilling im Bestand 411-2 – Patronat St. Pauli – als Aktenstück II D 8917 im Hamburgischen Staatsarchiv erhalten.)

siehe auch: Kamp, am neuen

 

P

Paulinenplatz
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1869, im Anschluß an den Namen Paulinenstraße.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Der Platz befindet sich zwischen Wohlwillstraße und Paulinenstraße. Benannt 1869 im Anschluss an den Wegenamen Paulinenstraße. In der Gegend befinden sich einige Straßen, die nach weiblichen Namen benannt wurden.
Beim schnellen Wachstum der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren den Stadtvätern die Ideen für Straßennamen ausgegangen. So verwendete man zunächst, dem Alphabet folgend, männliche Vornamen und später weibliche."

EStH: Ben.[annt] 1869 im Anschluß an den Namen der Paulinenstraße.
HANKE: (1869) Der Platz und die Paulinenstraße in St. Paulis Mitte gehören vermutlich zu einer Gruppe von Straßen, die nach weiblichen Vornamen benannt sind, zu der auch die Karolinenstraße (1841), die Brigittenstraße (1897) und die Annenstraße (1856) zählen. Auch hier wurde wie bei den nach männlichen Vornamen benannten Straßen (siehe Davidstraße) offenbar mit einer alphabetischen Reihenfolge begonnen, denn die Karolinenstraße schrieb sich ursprünglich mit "C".
H. HIPP gibt in seinem "Kunst-Reiseführer Hamburg" eine knappen Überblick über den Platz und seine Nachbarstraßen: "Die Mitte des 1857-60 parzellierten Geländes [des ehemaligen Pest- bzw. Krankenhofes] bildet der Paulinenplatz. Soweit die ursprüngliche Bebauung der von dort abgehenden Straßen erhalten ist, zeigt sie einen sehr bürgerlichen Charakter – mit Stadthaus-Reihen an der Annenstraße, mit spät-klassizistischen und Rundbogenstilfassaden (am schönsten das Doppelhaus Budapester Str. 21/ 22." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./1996: S. 252.)

 

Paulinenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1860, im Anschluß an die auch sonst hier verwendeten weiblichen Vornamen. Beim schnellen Wachstum der Stadt waren den Verantwortlichen die Ideen für neue Straßennamen ausgegangen, so verwendete man dem Alphabet folgend zunächst männliche, später weibliche Vornamen.
EStH: Ben.[annt] 1860 im Anschluß an die übrigen im Norderteil der Vorstadt St. Pauli mit weiblichen Vornamen bezeichneten Straßen und mit Beziehung auf den Namen der Vorstadt selbst.
HANKE: (1860) siehe Paulinenplatz.

siehe auch: Paulinenplatz

 

Paul-Roosen-Straße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), vor 1665, nach Paul Roosen (1582-1649), Lohgerber, Diakon der Mennonitengemeinde in Altona. Die Roosens hatten dort auch Grundbesitz.
HANKE: (1948) Paul Roosen (1582-1649), Vorsteher der Mennonitengemeinde in Altona. Bis 1948: Große Roosen-Straße. An die Mennoniten, die im 17. Jahrhundert in Altona im Bezirk "Freiheit" Zuflucht fanden, erinnern in Altona auch der Govertsweg (1950, vorher Mühlendamm), de De-Voss-Straße (1950, vorher Große Brauerstraße) und die Van-der-Smissen-Straße (1991), die nach renommierten Altonaer Mennonitenfamilien benannt sind, sowie die Gerritstraße (1861/63), die 1861 von Mennoniten angelegt und nach deren Prediger und Verfasser von religiösen Schriften, Gerrit Roose (1611-1711) benannt wurde.
Die folgenden Häuser der historischen Bebauung wurden bereits in das "Verzeichnis der erkannten Denkmäler nach §7a Hamburgisches Denkmalschutzgesetz" aufgenommen:
Paul-Roosen-Str. 5 (erbaut: 1886) und Paul-Roosen-Str. 7: Die beiden Etagenhäuser zählen zusammen mit den benachbarten Häusern Nr. 8 und 10 und weiteren in der Bleicherstr. 2-17a zu einem schützenwerten Ensemble. Beim Gebäude Paul-Roosen-Str. 8 handelt es sich um eine Gaststätte mit Saalanbau, die ca. 1880-90 errichtet wurde, bei der Hausnummer 10 um ein ca. 1880 errichtetes Etagenhaus, das 1889 nach Plänen von Adolf Karnatz umgebaut wurde. Karnatz war ein in Altona ansässiger Architekt, nach dessen Entwürfen seit den 1870er Jahren zahlreiche weitere Etagenhäuser in Altona, darunter das Ensemble in der Stuhlmannstr. 1-5/ Esmarchstr. 87a, und auch einige im heutigen St. Pauli errichtet wurden, z.B. Am Brunnenhof (Nr. 2/4), in der Bernstorffstraße (Nr. 154), am Schulterblatt (Nr. 92) und in der Rosenhofstraße (Nr. 17).
Hinzu kommen zwei Grenzsteine, die sich östlich des Hauses Nr. 5 und westlich des Hauses Nr. 6 befinden.

 

Paulsplatz
EStH: Ben.[annt] 1887 nach dem Apostel Paulus als Patron der benachbarten St. Pauli-Kirche.
(Ab 1949 Hein-Köllisch-Platz.)

siehe auch: Hein-Köllisch-Platz

 

Paulstraße
Otzenstraße (umbenannt 1948); bis zum Groß-Hamburg-Gesetz (1937/38) auf Altonaer Gebiet.

siehe auch: Otzenstraße

 

Pepermölenbek
<< auf der Karte anzeigen
(historische Schreibweise auch: Pepermöhlenbek, Pepermölenbeck)
BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt), 1948, nach dem längst versiegten Grenzbach zwischen Holstein und Hamburg. Der Standort einer Mühle an dieser Stelle ist historisch nicht gesichert, überliefert ist jedoch, daß dort eine Pulvermühle gestanden haben soll, die sich hier – wie die meisten Pulvermühlen – aus Sicherheitsgründen am Stadtrand befunden hat.
HANKE: (1948) Der Pepermölenbek war über Jahrhunderte der Grenzbach zwischen St, Pauli und Altona. Seinen Namen hat er vermutlich von einer hier gelegen Pfeffermühle, die der Stadt Hamburg gehörte. Vor 1948: Am Bache (seit 1618), Bachstraße.
Im südlichen Abschnitt trug die Straße zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Namen "Kleine Elbstraße", wie eine Karte Altonas aus dem Jahre 1802 belegt.
PABEL: Dieser Pfeffermühlenbach, "an den die urkundlich vorkommende, der Stadt gehörende Pepermöhle lag, floß zur Elbe, später übertrug sich dieser Name auf das Rinnsal, welches von der Gegend des Schulterblattes in St. Pauli nordwärts floß. Dieses Bächlein trieb indessen niemals eine Mühle" (MELHOP, Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 263).
NEDDERMEYER (Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 32-33) bestreitet dies. Er erwähnt, dass diese Gegend noch zum Territorium des Johannisklosters gehörte, "welches von dem dabei fließenden Bache, der damals noch eine Mühle treiben konnte, den Namen Herwerdshude erhalten hatte; später nannte man diesen Bach, der jetzt zwischen Hamburg und Altona die Gränze bildet, Pepermöhlenbeck." Der Autor beruft sich dabei auf LAPPENBERG (Programm zur 3. Secularfeier der bürgerlichen Verfassung Hamburgs; S. 65), wo es heißt: "Jenseits der Grenze an dem ehemals eine Mühle treibenden, doch längst vertrockneten Bache Herwerdeshude, an dessen beyden Ufern das Dorf gleichen Namens auf dem jetzigen Hamburger Berge und in Altona lag ..."
GAEDECHENS hingegen hatte schon vor Melhop (dessen Werk die Fortsetzung von Gaedechens' Arbeit bildet) die Existenz einer Mühle an dieser Stelle bestritten: "Im Jahre 1531 hatten die Bürger vom Rathe die Anlage einiger Mühlengründe am Pepermölenbeke verlangt, doch scheint hier keine Mühle angelegt zu sein." Der Autor fährt dann allerdings rätselhafterweise fort: "Die Benennung Pepermölenbek läßt auf das frühere Vorhandensein einer Pulvermühle (?) schließen." Auf einer beigefügten Karte, die die Gegend im Bereich der Sternschanze um 1600 darstellt, ist ein „Pfeffermühlenbach“ eingezeichnet, der in der Gegend des „Beim Grünen Jäger“ entspringt und im Norden in die Isebek mündet.
MELHOP liefert in seiner „Topographie“ folgende Erläuterung:
"Der alte Pepermöhlenbeck […] floß zur Elbe. Später übertrug sich dieser Name auf das Rinnsal, welches von der Gegend des Schulterblatts in St. Pauli nordwärts floß. Dies Bächlein trieb indessen niemals eine Mühle; durch Zunahme der Bebauung ist dasselbe allmählig versiegt, die Rinne desselben verblieb aber als Entwässerungsgraben und war nach und nach immer ärger verunreinigt worden. Als nach dem großen Brande mit dem Bau von gemauerten Sielen vorgegangen wurde, warf man den Graben streckenweise zu und leitete die Abwässer der Grundstücke in Siele, welche jedoch theils in das ehemalige Bachbett entwässerten. Dadurch, daß der schmale Streifen des ehemaligen Baches im Laufe der Zeit mit angrenzenden Grundstücken vereinigt worden, ist die Spur desselben vielfach schon ganz verwischt.“
(Wilhelm Melhop: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1895-1920. Hamburg, 1923: S. 263)
Diese Hinweise lassen sicher darauf schließen, dass es zwei unterschiedliche Bäche gleichen Namens gab, zum einen den zur Elbe führenden Pepermölenbek im Verlauf der heutigen gleichnamigen Straße und zum zweiten ein anderen schmalen Bach im Bereich des heutigen Schanzenviertels, der in Richtung der Isebek floss. Daher können die Angaben in historischen Texten widersprüchlich sein und sich auf unterschiedliche Orte bzw. topographische Verhältnisse beziehen.
Der Grenzbach gewann von 1640 an besondere Aktualität, als König Christian IV. von Dänemark Landesherr von Holstein wurde, weil die ohnehin starken politischen Spannungen zwischen der dänischen Krone und der Stadt Hamburg durch die Grenzstreitigkeiten der auf dänischem Gebiet wohnenden Altonaer mit ihren Hamburger Nachbarn noch erhöht wurden.
BENEKE berichtet in seinem Werk "Hamburgische Geschichten und Sagen." (Hamburg, 1886: No. 27.) folgendes:
"Wie hat sich dort so Vieles verändert! Der anmuthige Bach, auf dessen grüne Ufer Heilwig's Cisterzienserinnen blickten, den wir später noch als nützlichen Pepermöhlenbeek, auch als alte Aue kennen, er ist als Bach längst versumpft und vertrocknet, und hat einem unliebsamen Rinnsal, dem Grenzgraben zwischen St. Pauli und Altona, Platz gemacht, der nun auch längst zu einem unterirdischen Grenzsiel geworden ist. Das alte Dorf Herwerdeshude an der Elbe war längst verschollen, als der Name und Begriff H a m b u r g e r b e r g , und mit ihm Spektakel, Thierbuden, Trutz-Altona, Mord und Totschlag und manch andere Nachtseiten aufkamen, die so arg waren, daß man später die Vorstadt lieber nach ihrer Kirche St. Pauli benannt hat. Ja, seit vor 600 Jahren am heutigen Pinnasberge das »kyrie eleison« frommer Klosterschwestern ertönte, wie gar Manches hat sich doch in der innern und äußern Gestaltung Hamburgs so gründlich geändert."
Wie andererseits historische Karten aus dem 18. Jahrhundert andeuten, verlief der Pepermölenbek durchgehend etwa von der Gegend der heutigen Rosenhof- und der Schanzenstraße am südwestlichen Rand des Heiligengeistfeldes entlang und von dort aus weiter durch das Gebiet der Annen-, der Tal- und der Schmuckstraße zum heutigen Geländeeinschnitt der gleichnamigen Straße und mündete ungefähr auf Höhe des Fischmarktes in die Elbe. Er hatte mehrere noch kleinere Zuflüsse.
Im Verlauf des Baches gab es zahlreiche sumpfige Stellen, die bis heute dazu führen, dass Häuser an der Tal- und der Schmuckstraße deutliche "Schieflagen" durch Setzungserscheinungen auf dem instabilen Untergrund aufweisen. Auch der ehemalige "Pesthof" war von diesen Erscheinungen betroffen, insbesondere sein Gartenland, das als sehr feucht galt und auf dem im 19. Jahrhundert das Israelitische Krankenhaus errichtet wurde.
Krankenhaus errichtet wurde.
Die besondere Rolle des Grenzbachs hebt D. BREMER in ihrer Dissertation über "Die räumlich-soziale Bedeutung von städtischen Umstrukturierungsprozessen am Beispiel von Altona-Altstadt St. Pauli-Süd" (Hamburg, 1987) hervor, in der es heißt:
"Die traditionelle Stadtgrenze zwischen Altona und St. Pauli bildete ein Bach, der etwa im Verlauf der heutigen Straße Pepermölenbek verlief und dieser Straße auch den Namen gab ([FN]2). Die [sic!] Pepermölenbek[,] früher 'Alte Aue' genannt[,] mündete damals in die Elbe (...)."
"([FN]2) Heute ist sie noch in Form eines Abwassersieles als unterirdischer Sammler vorhanden."

 

Pesthof
(Historisch auch: Pesthoff.)
PABEL: Der Pesthof zwischen Hamburg und Altona, nahe dem Millerntor gelegen, wurde nach dem Ausbruch der Pest 1606 errichtet als Nachfolgeinstitut eines älteren Krankenhauses am Eichholz. Die Anstalt hatte einen eigenen Verwalter, Arzt, Chirurgen und Pastoren. Später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, übernahm das Haus auch die Funktionen eines allgemeinen Krankenhauses, wie RICHEY (Anmerckungen über die in Halle bey Rengern herausgekommene Nachricht von der Stadt Hamburg von H.L. GUDE; Anmerk ad pag., 304) berichtet: "Es heißet dieses Lazareth zwar der Pest-Hof, ist aber mit anderen, bey mehr als 800 Kranken, sinnlosen, elenden und anderen Leuten dermassen angefüllet, das es zu Pestzeiten nicht gebraucht werden kann. Daher, wenn Gott über das volkreiche Hamburg dergleichen Plage verhänget, gantz andere hinlängliche Anstalten gemacht werden müßen, wie uns davon noch die merkwürdigsten Exempel der Jahre 1713 und 1714 in unentfallene Andencken sind."

Friedrich Georg BUEK überliefert in seinem Werk " Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert" folgende Informationen zur Entstehung des "Pesthofs":
" … Das Jahr 1604 war ein Cometen-Jahr, aber auch zu gleicher Zeit ein Pest-Jahr für Hamburg. Vielleicht war es nicht die eigentliche orientalische Bubonenpest, aber doch gewiss eine ansteckende verheerende Krankheit. Die damit Befallenen wurden in einem Gebäude im Eichholze, der damaligen Vorstadt untergebracht, und 1606 beschlossen Rath und Bürgerschaft die Erbauung eines eigenen Pesthofes, der in der Nähe von Altona, außerhalb der Stadt, errichtet wurde, und Kranke, Gebrechliche, Wahnsinnige und Arme aufnahm. Erst Ende des Jahres 1797 wurde der allmälig immer erweiterten Anstalt der schauderhafte Name des Pesthofes genommen und in Krankenhof umgewandelt. Nach von Hess, der dem Krankenhofe eine lange und höchst interessante Abhandlung widmet, befanden sich im September 1810 auf de Krankenhofe 482 Invaliden, oder blos Versorgte, und 400 Kranke, worunter 104 Wahnsinnige. Der Krankenhof zählte zu seinen Einnahmen einen Zuschuss aus der Staatskasse, in den Jahren 1808 und 1809 von 10,000 [Mark Courant], der sonderbarerweise aus der Abgabe des Dreckkarrengeldes erhoben wurde. Damals hatte die Anstalt nur einen Arzt, der in der Stadt wohnte, aber verbunden war, täglich drei Stunden auf dem Krankenhofe zuzubringen, und zwei Wundärzte, welche auf dem Hofe wohnten und die äusserlich Kranken täglich zweimal besuchen mussten.“
(Buek, F. G.: "Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert." Hamburg, 1844 / 1848: S. 80.)
In den Jahren 1713/14 hatte es die letzte große Pestepidemie in Hamburg gegeben. Da die Stadttore in Zeiten von Seuchen und kriegerischen Bedrohungen geschlossen bleiben mussten, war der außerhalb des Walles liegende Pesthof nicht erreichbar, so dass innerhalb der Stadt sowohl Hospitäler als auch Friedhöfe – wie z.B. in der zu dieser Zeit erst relativ dünn besiedelten Neustadt – angelegt werden mussten. Als die Anzahl der Opfer immer weiter zunahm, wurden jedoch auch außerhalb der Wälle Friedhöfe, teilweise mit Massengräbern, angelegt.
Die Zustände Mitte des 18. Jahrhunderts illustriert ein "Bittblatt" aus dem Jahre 1750, das zur Sammlung von "milden Gaben" diente und im Hamburgischen Staatsarchiv (Plankammer, Bestand 134-6, Nr. 91/451) aufbewahrt wird. Es zeigt einen überfüllten Krankensaal mit sechs sog. "Tollkoben", d.h. Einzelzellen für "gemeingefährliche Geisteskranke", im Hintergrund. Zwischen den zahlreichen Kranken liegen Sterbende, ein Toter wird von zwei Wärtern aus dem Saal getragen. Im Vordergrund sind eine Beinamputation und eine Starstichoperation abgebildet. Mit der Überschrift des Blattes "Neunhundert schreyn hier Weh und Ach! Thu wohl! Gott segne tausendfach" wurde an die Großzügigkeit der Spender appelliert.
Auch das beginnende Zeitalter der Aufklärung brachte noch keine wesentliche Besserung. Noch 1789 berichtet der Arzt. Joh. G. Krunitz, dass "im dortigen Pesthof, falls jemand zu später Stunde starb, dieser bis zum Morgen in seinem Bett blieb", und "in diesem Fall muß der Lebendige, der an demselben Bette Theil hat, entweder die ganze Nacht an der Seite des Toten liegen oder aufsitzen". (siehe: Krunitz, Joh. G.: "Ökonomisch-technologische Enzyklopädie….", 1773-1798), Teil 47, S. 567 f.). Erst um 1770 war eine Absonderung der ansteckenden Fieberkranken von den übrigen Insassen des Pesthofes erfolgt. In den Sälen, die mit 800-1000, zeitweise mit 1100 Personen belegt waren, war die Luft durch Nachtstühle verpestet. Da der ganze Gebäudekomplex von einem Graben umgeben war, in den sich sämtliche übel riechenden Abwässer entleerten, gewann man nichts, wenn die Saalfenster geöffnet wurden.
Die Umbenennung des Pesthofs in "Krankenhof" erfolgte durch ein Senatsdekret vom 22. September 1797. Wegen des gravierenden Missverhältnisses zwischen der Anzahl der dauerhaft untergebrachten Kranken und Armen und dem ärztlichen und Pflegepersonal wurde am 5. November 1805 eine ärztliche Kommission eingesetzt. Sie sollte die medizinische und chirurgische Pflege der Kranken untersuchen und trug zur Einstellung einiger weiterer ärztlicher Assistenten bei.
Die Gebäude des Pesthofes fielen ebenfalls der Zerstörung der Vorstadt Hamburger Berg durch die Franzosen zum Jahreswechsel 1813/14 zum Opfer. Sie mussten bis zum 3. Januar 1814 "aus militärischen Gründen" geräumt werden und wurden anschließend geplündert am Vormittag des 4. Januar 1814 vollständig niedergebrannt. Dies Geschehen, dessen Erinnerung für die Zeitgenossen noch sehr lebendig war, wird sehr drastisch von Friedrich Georg BUEK in seinem Werk " Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert" in einem darin abgedruckten Brief von Juni 1841 an seine Mutter geschildert:
" … Tausende Deiner armen Landsleute wurden von Teufeln in Uniformen in das grässlichste Elend, in den jammervollen Tod getrieben. Am 30. Dezember 1813, mittags 2 Uhr, also etwa zwei Stunden vor Dunkelwerden, erhielt der jetzige Bürgermeister Dr. Bartels, damals Präsident der Verwaltungs-Commission der bürgerlichen Hospitäler, durch den Präfecten den Befehl des Prinzen von Eckmühl [d.i. der französische Stadtkommandant Marschall Davoust], bis zum nächsten Vormittage sämtliche Gebäude des Krankenhofes räumen zu lassen, indem bereits die Ordre ertheilt sei, am Abend Alles niederzubrennen. Der Maire, Herr Röder, that alles Mögliche, und schaffte dem wackern Bartels einen – Pass, um aus dem Thore hinaus zu kommen; das war Alles, wenn man nicht etwa einen Brief mit einer lateinischen Phrase an den Präfecten für Etwas rechnen will, den dieser mit der beigeschriebenen Bemerkung zurückschickte: jetzt wäre keine Zeit zum Lateinschwatzen; es solle gebrannt werden. Wäre nicht der Ober-Präsident von Blücher in Altona gewesen, der reichlich so ehrenvoll, wie alle Schlachten-Generale, den Titel: Graf Blücher-Altona von seinem dankbaren König erworben hat, es wären nicht einmal Wagen zu erhalten gewesen, denn der Commandant in Hamburg schlug dem flehenden Bartels selbst die Gassenwagen mit rohem Trotze ab. Noch waren Hunderte von Kranken im Hause, als Höllengeister in Menschengestalt und in der Uniform des grossen Soldatenkaisers eindrangen, Kranke und Todte plünderten, mit Sterbenden um ihre Decken rangen, die Dächer abdeckten und in das Stöhnen der Leidenden, in das Jammern und Heulen der gefesselten Irren ihr satanisches Hohngelächter, ihre scheusslichen Witze brüllten. Ich schliesse mit Bartels Worten: 'Den 4. Januar des Morgens endlich lief das Raubgesindel mit Brandmaterialien umher, und während mehrere der höheren Officiere, unter denen, wie man sagt, selbst der unmenschliche Davoust gewesen sein soll, wie zu einem Feste sich dort umher gelagert hatten, standen auf einmal alle Gebäude in lichten Flammen. Beinahe zwei Drittheile der wegtransportirten Kranken sind bald nachher ein Raub des Todes geworden.'"
(Buek, F. G.: "Hamburg und seine Umgebungen im 19ten Jahrhundert." Hamburg, 1844 / 1848: S. 81.)
Zu den zerstörten Bauten gehörte auch die Kapelle, die das erste Gotteshaus für die BewohnerInnen der Vorstadt gewesen war, bevor 1682 die St. Pauli-Kirche errichtet wurde. Der Historiker Th. DENEKE überliefert das tragische Schicksal der aus dem Krankenhof vertriebenen Insassen in seiner "Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg in Hamburg" (Leipzig, 1825: S. 4):
[Die Kranken wurden] "ausgeplündert von räuberischen französischen Soldaten, mit den primitivsten Transportmitteln in harter Winterkälte nach Eppendorf gebracht, wo sie in der Kirche und einigen Wohnhäusern notdürftige Unterkunft fanden. Auch hier konnten sie trotz aller Bemühungen des Hospitalarztes Dr. Ritter dem Hunger und Elend nicht entgehen, bald brach der Flecktyphus aus und mehr als zwei Drittel der früheren Krankenhofinsassen erlagen der Seuche."
Eine bildliche Darstellung des Pesthofes Ende des 18. Jahrhunderts nach einem Stich von Jaques DE FOISSE enthält VON HEß (II. Teil, 1789). Eine weitere erwähnt RAMBACH (1801):
"Im Journal von und für Deutschland 1784, Seite 174 steht ein Gemälde derselben [Anstalt], das in keinem Zuge übertrieben ist" und resümiert:
"Der Name Pesthof war ein Schrecken für alle Arme [sic!], und doch gab es damals viele so höchst Unglückliche, daß selbst dieses Elend noch eine Wohlthat für sie war." (S. 414 f.)
Nach dem Abzug der napoleonischen Besatzungstruppen wurden einige Gebäude des alten Krankenhofs provisorisch wiederaufgebaut, bevor im Herbst 1823 das neuerbaute "Allgemeine Krankenhaus" in St. Georg weitgehend bezugsfertig war. Dieses Krankenhaus befand sich erstmals vollständig in Trägerschaft des Staates und übernahm neben den Aufgaben des alten Krankenhofes auch seine Akten und Archivalien. Diese befinden sich heute im Bestand "Allgemeines Krankenhaus St. Georg" im Hamburgischen Staatsarchiv.
In dem Werk von NEDDERMEYER "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg (1832) heißt es in einem eigenen kurzen Abschnitt zur Wasserversorgung unter der Überschrift "Brunnenleitung des ehemaligen Pest- oder Kranken-Hofes" (S. 185):
"Diese wurde 1748 angelegt und 1805 erneuert. Das Hauptbassin lag südwestlich von der Landstraße nach Eimsbüttel (...); seine Länge betrug 123, seine Breite 14 Fuß; ferner lag ein kleines Bassin von 20 Fuß Länge und 4 Fuß Breite jenseits der Landstraße, am Heil. Geistfelde, dicht am Graben, welches durch eine 151 Fuß lange Leitung mit einem andern eben daselbst liegenden Bassin von 29 Fuß Länge und 8 Fuß Breite in Verbindung stand; endlich lag ein drittes Bassin, 28 Fuß lang und 5 Fuß breit, auch am Heil. Geistfelde. Alle diese Leitungen stossen in ein Brunnenhaus zusammen, welches am Ende des Hauptbassins lag und wohin vom zweiten Bassin eine 64 Fuß lange Leitung, quer unter der Landstraße führte, und vom dritten Bassin eine 65 Fuß lange Leitung ebenfalls quer unter der Landstraße durch laufend, und dann in südlicher Richtung nach dem Brunnenhause führend, durch eine Leitung von 165 Fuß Länge. Von dem ebengedachten Brunnenhause führte eine 731½ Fuß lange Leitung in nordöstlicher Richtung nach dem Krankenhofe, wo sich eine 600 Eimer Wasser fassende Kumme befand. Diese Wasserleitungen gingen alle mit der Zerstörung des Krankenhofes ein."
An anderer Stelle verweist NEDDERMEYER (S.64) auf SCHLÜTER, der diese Einrichtung auf dem "Hamburgerberge" 1698 erwähnt (Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ ..... . Hamburg, 1698: 658 – in der Schreibweise: "Pesthoff“).
In den Jahren 1940 und 1941 behandelt G. H. Sieveking den Pesthof in mehreren Beiträgen für die "Hamburgischen Geschichts- und Heimatblätter" (HGH; zugleich: "Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte"). Dazu gehören die Beiträge "Zur Baugeschichte des Pesthofes in Hamburg" (HGH, 12. Jahrg., Nr. 3; S. 1-12. Hamburg, 1940), "Die Verwaltung des Pesthofes in Hamburg" (HGH, 12. Jahrg., Nr. 4; S. 13-24. Hamburg, 1940) und "Prediger, Schulmeister, Organisten, Ökonomen, Chirurgen und Ärzte des Pesthofes in Hamburg" (HGH, 13. Jahrg., Nr. 1; S. 25-47. Hamburg, 1941). Darüber hinaus legte er in der Reihe "Genealogische Sammlungen" (Nr. 22) des Staatsarchivs Hamburg ein "Personenregister zu den Protokollen des Pesthofes 1675-1822 mit biographischen Angaben" vor.
Eine ausführliche Darstellung des Pesthofs enthält das Werk über "Die Entwicklung der Hamburgischen Hospitäler seit Gründung der Stadt bis 1800 aus ärztlicher Sicht" (Hamburg, 1977) des Verfassers Dieter BOEDECKER. Dort heißt es im Kapitel über den "Pesthof" zu dessen Ursprüngen in St. Pauli:
"Daher beschlossen Rat und Bürgerschaft 1606 einen Pesthof im Westen von Hamburg zwischen der Stadt und Altona zu errichten. Eine Allee, die bald vor dem alten Millerntor begann, führte gerade auf den Pesthof zu.
Er lag in der Gegend südlich der Kieler Straße, der heutigen Clemens-Schultz-Straße (…).
Die Kosten für den Neubau sind zum weitaus größten Teil unmittelbar aus Spenden gedeckt worden. Es hat sich 'von vornherein um eine rein bürgerliche Gründung gehandelt. Der Pesthof galt also nicht als städtisches Eigentum, sondern als selbständige milde Stiftung' (…). Zu denn Baukosten gab die Kämmereikasse einen für damalige Zeiten bedeutenden Zuschuß 7026 m
[Mark Lübisch], 10 ß [Schilling Lübisch], 2 d [Pfennig Lübisch] (…). Außerdem mussten sich die vier Kirchspiele auf Beschluß von Rat und Bürgerschaft finanziell am Neubau beteiligen (…). Nach SIEVEKING ist das neue Pesthof-Krankenhaus 1607 fertiggestellt worden (…), 'welches dermalen eine aus dem Armen-Hause, verschiedenen Krankenhäusern und einem Toll-Hause zusammengesetzte Anstalt ist, in der fast 1000 Seelen unterhalten werden (…)." (S. 231/32)
In den folgenden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts wurde die Anzahl der Gebäude kontinuierlich vermehrt und dicht mit Armen, Kranken und "Tollen", d.h. psychisch Erkrankten, belegt. Von 1638 an ist der Pesthof die zentrale Kranken- und Armenpflegeanstalt Hamburgs, nachdem die sog. Leichnamsgeschworenen der vier Hauptkirchen im Mai 1638 beschlossen hatten, dort alle diejenigen Armen unterzubringen, die sich auf den Straßen Hamburgs aufhielten. Erst ein großer Neubau des Jahres 1675 wird jedoch ausdrücklich als "Neues Krankenhaus" bezeichnet. In den 1740er Jahren wird der Pesthof erneut vergrößert. Dazu heißt es in einem Zitat bei SIEVEKING:
"Am 28. Juni 1740 wird resolviret, das große Krankenhaus nach hinten zu verlängern, auch das eine gute durable Versetzung von Felsen an den Graben sollte gemacht werden, da der Gibel auf zu stehen komme."
Der Anbau bildete eine "völlige Ausbauung eines gantz neuen Krankenhauses von zwey Stockwerken hoch …" und erforderte offenbar auf dem feuchten Untergrund am "Graben" eine solide Gründung. Dieser Graben umgab die gesamte Anlage, wie eine Abbildung aus dem Jahre 1769 zeigt. Er dürfte einer der Entwässerungsgräben oder (begradigten) Bachläufe gewesen sein, die das Vorland der Stadt noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in großer Zahl durchzogen. Sie dienten zugleich zur Entsorgung von Abfällen und als Wasserreserve, um die "Sprützen" zum Löschen von Brande betreiben zu können. Die Trinkwasserversorgung erfolgte zunächst durch mehrere Brunnen – sog. "Sohde" oder "Soodte" – auf dem Gelände. Der Anschluss an eine der Brunnengesellschaften scheiterte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts am Widerstand von Gewerbetreibenden in der Neustadt und erfolgte erst 1748, wie NEDDERMEYER beschreibt.
Der sehr feuchte, teilweise moorige Untergrund bereitete der Verwaltung des Pesthofs während seines gesamten Bestehens Schwierigkeiten, da er die Nutzung des Gartenlandes beeinträchtigte. Seine geringe Tragfähigkeit ist im Gebiet zwischen Schmuckstraße, Wohlwill- und Annenstraße bis heute an manchen Stellen erkennbar, denn dort sind einige der großen gründerzeitlichen Zinshäuser inzwischen in erhebliche "Schieflage" geraten.
BOEDECKER bezieht sich dabei u.a. auf W. L. Meeder, "Geschichte von Hamburg, vom Entstehen der Stadt bis auf die neueste Zeit." Theil 1, 2 (Hamburg, 1838/39), A. Wohlwill, "Hamburg während der Pestjahre 1712-1714" (In: "Jahrbuch der Hamburgischen wissenschaftlichen Anstalten." Hamburg, 1893) und A. Kreßin, "Die Entstehung der Hamburger Krankenanstalten" (Hamburg, 1959; mit ausführlichen Literaturangaben).
H. HIPP gibt in seinem "Kunst-Reiseführer Hamburg" nur folgenden knappen Hinweis: "Das [ehem. Israelitische] Krankenhaus steht der Lage nach in der Tradition des 1606 ebenfalls weit draußen vor der Stadt eingerichteten Pesthofes und späteren Krankenhofes – des ersten städtischen, nicht als kirchliche Stiftung entstandenen Krankenhauses in Hamburg. Er wurde 1814 abgerissen." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./1996: S. 253.)
Ein Hinweis auf den teilweisen Wiederaufbau fehlt ebenso wie auf möglicherweise noch erhaltene bauliche Relikte in einigen Kellern der Häuser an der Straßenecke der Annen- und der Clemens-Schultz-Straße. Hier sind bis heute unter der "Zoë-Bar" einige Kellerräume mit Gewölbedecken erhalten, die der lokalen Legende nach ehemals zum Pesthof gehörten.

 

Petersenstraße
Petersenstraße:
" P e t e r s e n s t r a ß e , große.
No. 16 bis 29. 18 Häuser, 43 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2."
" P e t e r s e n s t r a ß e , kleine.
No. 30 bis 37. 13 Häuser, 24 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2.
Beide Gassen entstanden seit 1829."

Ein Teil der Großen Petersenstraße wurde 1866 in Lincolnstraße umbenannt. Ein weiterer Abschnitt wurde laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 ebenfalls zur Lincolnstraße hinzu gezogen. Das verbliebene Stück erhielt den neuen Namen Am Nobisteich.
Die Kleine Petersenstraße wurde laut Hamburgischem Amtsblatt vom 1. Oktober 1899 zur Hörmannstraße hinzu gezogen.

siehe auch: Lincolnstraße

 

Pinnasberg
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt), im 18. Jahrhundert, nach dem Namen eines hier gelegenen Wirtshauses. Pinnas ist die niederdeutsche Bezeichnung für die Schiffsgattung Pinasse.
EStH: Ben.[annt] im Volksmunde im 18. Jahrhundert im Anschluß an den Namen des hier belegenen Wirtshauses Der neue Pinnas, der von der niederdeutschen Bezeichnung für die Schiffsgattung Pinasse entlehnt war.
HANKE: (18. Jhdt.). Ein gelbes Haus, das es allerdings nur im Roman und im Film gibt, machte den Pinnasberg weit über Hamburg hinaus bekannt. Ein hier gelegenes Wirtshaus, das wirklich existierte, gab der Straße ihren Namen. Es hieß "Der neue Pinnas" im Gegensatz zum "Alten Pinnas" an der benachbarten Langen Straße und führte ein Schiff im Schild. "Pinnas" kommt von Pinasse. So wird ein Beiboot aus Fichtenholz genannt. Das Wort stammt vom lateinischen "pinus" für Fichte (gehört heute zu Altona).
PABEL: Bei Neddermeyer unter "Erste Einfahrt" (vom Hamburger Berg nach Altona) geführt. Die Gasse an der Altonaer Grenze – eine nahe Pforte hieß einmal Pinnasthor – leitet ihren Namen ab von einem dort früher befindlichen Wirtshaus oder eigentlich einer Matrosenkneipe namens "Der neue Pinnas". Das Wirtshausschild zeigte eine Pinasse, ein leichtes Boot mit Segeln, das meist aus Fichtenholz (lat. "pinus" = Fichte) gebaut war. Die nach Altona abfallende Gasse wurde schon 1612 im Stadterbebuch erwähnt.
Die Bezeichnung "Pinnas Thor" als Straße zur "1[t]e[n] E[infahrt]" nach Altona findet sich auch auf einem Plan Altonas aus dem Jahre 1802. Weitere Durchlässe zwischen der "Vorstadt Hamburger Berg" bzw. St. Pauli und der – dänischen bzw. preußischen – Nachbarstadt Altona waren das Juden- oder Schlachterbudentor, Trommel-, Nobis- und Hummeltor sowie ein unbenanntes Tor an der Großen Gärtnerstraße (heute Thadenstraße). Es handelte sich nicht – wie bei den Hamburger Stadttoren – um massive Sperren, sondern i.a. um Pforten oder Schlagbäume, die zu fast jeder Zeit passiert werden konnten. Zudem gab es im Verlauf der Stadtgrenze eine Reihe weiterer Verbindungen ohne Tore oder Kontrollen, so dass St. Pauli mit der Nachbarstadt räumlich enger verbunden war als mit der Hamburger Kernstadt.
NEDDERMEYER erwähnt in seiner "Topographie", dass einige der Häuser an dieser Straße "früher zum Johanniskloster-Gebiet" gehörten bzw. nach wie vor "Eigenthum der Kirche" sind. Es handelte sich dabei wohl um Relikte der Besitzungen des ehem. Zisterzienserinnen-Klosters an der Mündung des Pepermölenbeks in die Elbe. Dort hatte – ungefähr im Bereich des Fischmarktes – auch nach dem Wegzug des Klosters nach Harvestehude (1295) – noch für lange Zeit ein klösterlicher Wirtschaftshof gelegen. (Siehe: Neddermeyer, F.H.: "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg, 1832: S. 22.)
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." heißt es auf S. 341 hingegen nur knapp:
" P i n n a s b e r g , siehe 1ste Einfahrt."
Bei dem von HANKE erwähnten Roman handelt es sich um " Das gelbe Haus am Pinnasberg oder Die 36 Eros-Brüder von St. Pauli" (Beigefügtes Werk: Das verliebte Lenchen. 2 Romane.) von Bengta BISCHOFF (mit Illustrationen von Hellmuth Costard), der 1970 im Konkret-Verlag, Hamburg, erschien. Im selben Jahr kam eine Verfilmung in die deutschen Kinos (Regie: Alfred Vohrer). In den folgenden Jahren wurde der Roman mehrfach neu aufgelegt und ins Niederländische übersetzt.
In seriöser Weise beschäftigten sich in den 1980er Jahren die Soziologen und Stadtplaner Josef Bura, U. Thormann und B. Voegt mit der von einem rapiden baulichen Wandel betroffenen Straße. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse 1987 in einer Dokumentation unter dem Titel "Steine des Anstoßes – Der Pinnasberg" (Hamburg: Stattbau).
Einen Blick auf das Leben am Hafenrand aus Sicht der BewohnerInnen und die Veränderungen durch die fortschreitende "Waterfront Revitalization" liefert die Broschüre "Einschnitt, St. Pauli: Hafenstraße, Pinnasberg, Nachbarn, Kinder, St. Pauli Süd", die 1993 vom "Hafenrandverein für Selbstbestimmtes Leben und Wohnen in St. Pauli e.V." herausgegeben wurde. Sie erschien, nachdem mehrere jahrelang leerstehende Häuser am Pinnasberg im Sommer 1992 gegen heftigen Widerstand vieler AnwohnerInnen und lokaler Initiativen abgebrochen worden waren. Anschließend wurden von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA an ihrer Stelle neue Wohnhäuser errichtet.
Inzwischen sind mit dem Bürohaus "Dock 47" (Pinnasberg 47; Entwurf: Spengler / Wiescholek Architekten; Fertigstellung: 2004) am westlichen Ende des Pinnasbergs und dem in Passivhaus-Bauweise errichteten genossenschaftlichen Wohnprojekt "ParkHaus" (Pinnasberg 27; Entwurf: Joachim Reinig/ plan R ; Fertigstellung: 2002) neben dem Antonipark weitere Neubauten errichtet worden.

siehe auch: Einfahrt[en], 1ste bis 6te

 

Planten un Blomen
"Im Herzen der Stadt, nahe dem Dammtorbahnhof, auf dem Gelände des ehemaligen Zoologischen Gartens und der ehemaligen Dammtorfriedhöfe, befindet sich die im Juni 1935 eröffnete Niederdeutsche Gartenschau (Eintritt 0,50 RM, ab 19 Uhr 0,30 RM), die auch für die Zukunft als öffentlicher Park erhalten bleiben wird. Die Gartenschau, betitelt 'Planten un Blomen', bringt jedem Stadtbewohner, der Garten und Pflanzenwelt liebt, in vollkommen neuartiger und großzügiger Weise die Pflanze im Einzelnen und in größeren Zusammenhängen nahe. Den Mittelpunkt des Parkes bildet eine Wasseranlage mit Kaskaden und Uferbepflanzung. Beispiele für verschiedenartige Einzelgärten und Kulturmethoden sind gegeben. Aus der reichhaltigen Darstellung seien erwähnt: Kakteen-, Sommerblumen-, Nelken-, Stauden- und Rosenschauen. Zum Verweilen laden ferner eine große und zwei kleinere Gaststätten ein, worunter das Orchideencafé mit dem Victoria-regia-Becken das besondere Interesse der Liebhaber finden wird. Ein Kinderspielplatz mit Tiergehege vervollständigt diesen neuen Park der Stadt." (a.a.O., S. 80/ 81)
Auch nach dem 2. Weltkrieg veränderten die drei sich anschließenden Internationalen Gartenausstellungen (IGA) der Jahre 1953, 1963 und 1973 das Erscheinungsbild der Anlage erheblich, so dass von der ursprünglichen Gestalt nur noch wenig Relikte erkennbar sind. Hierzu zählt z.B. die von Westen nach Osten verlaufende breite "Wassertreppe".
Zu den gestalterischen Elementen der Umgestaltungen nach dem Zweiten Weltkrieg zählen neben den Wasserläufen auch die Modellierung der ehemaligen Hänge des Wallgrabens zu Terrassen und die Errichtung der Tropenschauhäuser, mit denen die Tradition der Ausstellung tropischer Pflanzen – darunter zahlreicher Kakteen – in den früheren Tiergartengebäuden fortgesetzt wurde.
Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE finden sich dazu die folgenden Informationen:
"Pflanzenschauhäuser und Mittelmeerterrassen, Alter Botanischer Garten, Neustadt. Architekten: Bernhard Hermkes und Gerhart Becker. 1962/63. – Die prismatische Form der Gewächshäuser ist aus dem Parallelogramm entwickelt. Das Tragwerk wurde außenliegend angeordnet, um Korrosionsschäden an der punktförmigen Befestigung der Glasflächen zu vermeiden, die aufgrund des z.T. feuchtschwülen Klimas im Innern zu erwarten gewesen wären. Kakteenhaus, Cycadeenhaus, Subtropenhaus und Tropenhaus sind gegeneinander abgeschlossen und haben eigene Klimata. Der Hang zum Wallgraben wurde mit den 'Mittelmeerterrassen' modelliert, so benannt nach den hier ursprünglich ausgesetzten Gewächsen, wobei der Belag und die Stützmauer aus Schiefer der Wärmespeicherung dienen. Heute ist die empfindliche mediterrane Flora jedoch weitgehend durch pflegeleichtere Arten ersetzt." (siehe: Lange, 1995: S. 68/69, "A157")
Die Entfernung der meisten älteren, teilweise kriegsbeschädigten Gebäude mit Ausnahme des ehemaligen Botanischen Instituts der Universität – heute Hauptgebäude der Bucerius Law School, einer juristischen Privathochschule – erfolgte vor der Errichtung des Congress Centrums Hamburg (CCH) und des benachbarten Hotelhochhauses im nördlichen Bereich des Alten Botanischen Gartens. Zu CCH und Hotel findet man im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE die folgenden Informationen:
"Congress Centrum Hamburg (CCH) und Radisson SAS Hotel, Marseiller Straße, St. Pauli. Architekten: Schramm & Elingius mit Ernst May (Wettbewerb), Schramm & Pempelfort (Realisierung). 1963 W[ettbewerb], Planungsbeginn 1968, 1970-73. – Eine extrem kurze Bauzeit nach einer langen Diskussionsphase über Standort und Gesamtkonzept – zeitweilig stand auch das gründerzeitliche Viertel zwischen Karolinenstraße und Schlachthof für ein kombiniertes Sport- und Kongreßzentrum zur Disposition – kennzeichnet die Planungsgeschichte dieses Bauwerks. Das Hamburger CCH ist keine introvertierte 'Kongressmaschine' wie etwa die Berliner Konkurrenz. Ein flacher 'Breitfuß' verklammert den Kongressbereich und das 105 m hohe Bettenhochhaus des Hotels, das betont punktförmig gestaltet wurde, um die Parkanlagen möglichst wenig anzutasten. Auch ein Teil der Kongreßräume verschwindet deswegen unter einer Erdaufschüttung. Galerien und großzügige Glasflächen öffnen die Foyers nach außen. Dem 'Zeitgeist' geschuldet – wenn auch nicht ohne Reiz – sind das grobkantige Profil der Fassaden und der signifikante Umriß des Hotelgebäudes." (siehe: Lange, 1995: S. 68, "A156")
Einige Jahre nach Erscheinen dieser Beschreibung rückte das Ziel des sparsamen Flächenverbrauchs bei Bauten im größten innerstädtischen Park Hamburgs wieder in den Hintergrund. In der Standortkonkurrenz mit anderen Kongresszentren – u.a. dem Berliner Congress Centrum (BCC) – setzte die Hamburg Messe und Congressgesellschaft (HMC) die Erweiterung des CCH um einen riesigen Saalanbau mit fast 10.000 m² Grundfläche zu Lasten des Parks durch. Auch wenn der erst Mitte der 1990er Jahre neu angelegte Rosengarten vor der erneuten Verlagerung gerettet werden konnte, bedeutete dieser "Flächenfraß" sowohl die Fällung von mehr als 300 Bäumen als auch die Missachtung vorher getroffener Vereinbarungen: Weder wurde die Nutzung der gerade neu errichteten Messehallen als Standort für kongressbegleitende und andere Großveranstaltungen ernsthaft geprüft noch wurde die Zusage eingehalten, das vernichtete Grün durch eine gleichwertige Begrünung des Daches der neuen Veranstaltungshalle zu ersetzen. Stattdessen wurden zwischen den hoch aufragenden, von oben die Hallendecke tragenden Bögen lediglich großflächige Kiesplätze und -wege, die von niedrigen Staudenpflanzungen unterbrochen werden, angelegt.
In der Broschüre "Hamburgs Grün" wird dieser Teil der Parkanlagen trotzdem folgendermaßen beschrieben:
"Hier [im Alten Botanischen Garten] führt ein Wasserlauf mit Wasserfall, entworfen vom bekannten Hamburger Landschaftsarchitekten Karl Plomin für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 1963, in den einzigen Teil des Parks, in dem der historische Wassergraben der ehemaligen Befestigungsanlage noch richtig erlebbar ist. Hält man sich auf dem erhöhten Weg, wird der Höhenunterschied zwischen Wall und Graben deutlich. Der Weg über die Johan-van-Valckenburgh-Brücke (benannt nach dem Erbauer der historischen Befestigung Hamburgs) führt in den ausgedehnten Park und bietet einen schönen Blick auf die sonnigen Mittelmeerterrassen und die Tropenschauhäuser, die ebenfalls für die IGA 1963 angelegt wurden. Ihrer gelungenen Konstruktionen wegen stehen sie unter Denkmalschutz … Nach Nordosten schließt sich der Japanische Landschaftsgarten aus dem Jahr 1988 an. …" (siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 16-17)
Ein weiteres japanisches Element ist der Japanische Garten mit Teehaus, Wasserlauf, Sonnenuhr und kunstvollen Steinsetzungen, der 1990 – ebenso wie zuvor der Landschaftsgarten – nach Plänen des japanischen Architekten Yoshikumi Araki angelegt wurde. Im Westen und Nordwesten der Anlage befinden sich der Rosengarten (neu angelegt ab 1993) und der wissenschaftliche Apothekergarten mit zahlreichen Heilkräutern. Sie werden im Süden von den Wasserarkaden begrenzt, die zu den wenigen noch erhaltenen Gestaltungselementen der Gartenschau "Planten un Blomen" von 1935 zählen. Sie nutzen den Höhenunterschied zwischen dem ehemaligen Geesthöhenzug vor den Wällen "auf St. Pauli" und dem Parksee mit der 1973 installierten Wasserlichtorgel.
Östlich des Japanischen Gartens verläuft der Messegang, zu dem man im „Architekturführer Hamburg“ (1995) von R. LANGE die folgende Beschreibung findet:
"Messegang, Planten un Blomen, St. Pauli. Architekten: Planungsgruppe me.di.um Jentz, Popp, Störmer, Wiesner; Mitarbeiterin: Barbara Jentz-Koska. 1987 W[ettbewerb], 1989/90. – Wie ein Lindwurm schlängelt sich das 400 m lange, filigrane Bauwerk aus Stahl, Glas und Holz zwischen dem Parkeingang Jungiusstraße und dem Congress-Centrum. Es soll vorrangig Messebesuchern einen Regenschutz auf dem Weg zu den Kongreßsälen und den ihnen angegliederten Gastronomiebetrieben bieten, bildet dabei aber auch einen signifikanten Abschluß der Parkanlage, die zur gleichen zeit neu gestaltet wurde, nachdem die Internationalen Gartenbauausstellungen 1963 und 1973 aus der einstmals populären Blumenschau 'Planten un Blomen' – Spottname im Volksmund 'Platten und Beton' – eine Beton- und Asphaltwüste gemacht hatten." (siehe: Lange, 1995: S. 68, "A155")
Einen guten Überblick über weitere Entwicklungsschritte der Parkanlagen gibt die Internetseite http://www.plantenunblomen.hamburg.de/, die auch die Grundlage für die folgende Zusammenfassung bildet:
Nach der letzten Internationalen Gartenbauausstellung (IGA '73) erhielt das gesamte Gelände, das aus mehreren unterschiedlich gestalteten Teilbereichen besteht, den Namen "Wallringpark". Es wird seither von der Gartenbauabteilung des Bezirksamts Hamburg-Mitte verwaltet und unterhalten.
Da der Name sich im alltäglichen Sprachgebrauch in Hamburg nicht durchsetzte, tragen seit 1986 auch die Wallanlagen und der Alte Botanische Garten offiziell den Namen "Planten un Blomen". Im Zuge eines langfristig angelegten Rahmenplans für die Gestaltung der gesamten Grünanlage entwickelte sich der Park in mehreren Schritten zügig weiter:
* 1986 wurden die Uferzonen rund um den Parksee renaturiert und der Rückbau vieler Asphaltflächen begann.
* Von 1988 bis 1990 wurden der Japanische Landschaftsgarten und der große Japanische Garten errichtet und das Teehaus konnte in Betrieb genommen werden.
* Ab 1991 wurde der große und weit über die benachbarten Quartiere hinaus sehr beliebte Spielplatz an der St. Petersburger Straße umgestaltet. Gleichzeitig wurde der 1963 gebaute Apothekergarten von seinem früheren Standort an die Tiergartenstraße verlegt.
* 1994 folgte in unmittelbarer Nähe der Rosengarten, der in jüngster Zeit durch die Erweiterungspläne des Congress Centrums Hamburg (CCH) akut gefährdet war.
* Von 1995 bis 1997 wurden der Quellgrund restauriert und der Eingangsbereich am Millerntor umgestaltet.
* Die ebenfalls 1995 begonnene Umgestaltung der Großen Wallanlagen konnte im Jahr 2000 weitgehend abgeschlossen werden.
* Derzeit (2006) wird an den Planungen für die Umgestaltung der Kleinen Wallanlagen gearbeitet.
Der Park, die Tropenhäuser des Alten Botanischen Gartens sowie die benachbarten Mittelmeerterrassen und der Musikpavillon stehen allen Gästen ohne Eintritt zur Verfügung.

siehe auch: Wallanlagen, Große und Kleine

 

Prahlenhof
Diese Bezeichnung wird bei J.L. von Heß als Standort einiger kleiner Häuser auf dem Hamburger Berg erwähnt (Heß, 1789: II, 25-27).
Bei NEDDERMEYER heißt es einige Jahrzehnte später unter "Einfahrt, 6te: Auch beim Prahlenhof genannt; wird 1689 [im Stadt-Erbebuch] erwähnt." (Neddermeyer, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 337)
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." heißt es auf S. 341 hingegen nur knapp:
" P r a h l e n h o f , siehe 6te Einfahrt."
Die Karte "Grundriss der Vorstadt von Hamburg S[ank]t Pauli; herausgegeben von P. G. Heinrich." Gezeichnet v. A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel. In Stein gestochen v. Th.[eodor] Boehden; verlegt von Otto Speckter, Hamburg, 1836 (Lithographie; Maßstab: [Ca. 1:5.800]; Größe: 37 x 44 cm) zeigt einen Weg dieses Namens und ein anschließendes Flurstück südlich des [Neuen} Pferdemarkts. Er geht in einem weitere Belegenheit mit der Bezeichnung „am Heiligen Geist Felde“ über.

siehe auch: Einfahrt[en], 1ste bis 6te

 

Q

Querstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), zwischen 1815 und 1832, nach der Lage als kleine Querstraße von der Silbersackstraße zum Hans-Albers-Platz (früher: Wilhelmsplatz).
EStH: Ben.[annt] zwischen 1815 und 1832 als Querstraße zwischen der Silbersack- und der Wilhelmstraße (jetzt Wilhelmplatz).
HANKE: kein Eintrag.
PABEL: Verbindung zwischen Silbersackstraße und dem heutigen Hans-Albers-Platz. Erhielt ihren Namen zwischen 1815 und 1832.

 

R

Reeperbahn
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), im 18. Jahrhundert. Erstmalig wird in der Geschichte Hamburgs eine Reeperbahn 1373 erwähnt. Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: "Reep" bedeutet Seil. Ein Reeper ist ein Seilmacher. Das Wort stammt aus dem Mittelniederdeutschen. Die Reeper benötigten zur Herstellung ihrer Taue lange Bahnen, auf denen die Seile gedreht werden konnten. Sie arbeiteten meist in überdachten Gassen, in denen sie ihre Schiffstakelagen und Taue drehten. Vermutlich hat es solche Seilerstraßen (Reeperbahnen) gegeben, solange es die Schiffahrt gibt. Angemerkt sei hier, daß auch die "Drehbahn" ein solcher Herstellungsplatz war. Kapitäne und Seeleute mußten nach kleiner oder großer Fahrt immer wieder Reeper aufsuchen, um Ausbesserungen an ihrer Takelage vorzunehmen. Da war es nur natürlich, daß sich in einer solchen Straße auch die Damen des ältesten Gewerbes der Welt ansiedelten, um sich der von See kommenden Seeleute anzunehmen. So entwickelte sich im Umfeld dieses seriösen Berufsstandes der Reeper eine zweite Branche, die in direktem Zusammenhang mit der Seefahrt stand. Im Laufe des 19./20. Jahrhunderts verschwanden die Reeper ganz, da die Schiffahrt nur noch wenige Taue benötigte und die Herstellung von Seilen und Trossen auf die Industrie übergegangen war. Die zweite Branche blieb jedoch und hat sich auf unterschiedlichem Niveau bis heute gehalten.
EStH: Reperbahn [sic]: Ben.{annt] im 18. Jahrhundert als Weg von den eigentlichen Reperbahnen, den Einrichtungen zur Herstellung von Tauen und Seilen, für die das anliegende Gelände dem Amte der Reepschläger von 1626 bis 1883 überlassen war; der Name ging auf die bebaute Straße über, die hie im zweiten oder dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entstand.
HANKE: (um 1830) Keine Hamburger Straße ist bekannter als die Reeperbahn, denn an kaum einem anderen Ort der Welt wird soviel Vergnügen verkauft. Der sündigen Meile haben solide Handwerker ihren Namen gegeben. 1626 richteten die Seiler oder Reeper hier Bahnen ein, auf denen sie ihre Taue und Seile anfertigten. Ihre alten Bahnen am Eichholz waren durch die Festungserweiterungen zu klein geworden. 1883 mußten sie aus St. Pauli weichen. Die Stadt wollte bauen. Die Nähe des Hafens ließ ein Vergnügungsviertel entstehen. Die Straße wurde bereits zwischen 1820 und 1830 angelegt und hieß zunächst "Altonaer Allee".
PABEL: "Reep" bedeutet Reif, Riemen (vergl. Fallreep). RICHEY (Idioticon Hamburgense; S. 209) definiert Reep als "Seil, Strick, Tau. Reep-Släger = Seiler, Reeper-Bahn = Drehe-Bahn der Seiler". Die hamburgischen Reepschläger drehten ihre schweren Schiffstaue, die später geteert wurden, im Rückwärtsgehen in langen Bahnen, die gewöhnlich zwischen zwei Baumreihen lagen und meist mit einem Schutzdach versehen waren. Diese Reeperbahnen (Seilerwerkstätten) befanden sich ursprünglich im Eichholz und wurden 1626 nach dem Hamburger Berg etwa an die Stelle der heutigen Reeperbahn verlegt, genauer gesagt, etwas nördlich davon. Die Bahnen als Werkstätten verschwanden erst 1883. Früher standen hier nur unbedeutende Buden (Spielbudenplatz). 1643 befanden sich hinter der Reeperbahn das Hanfhaus und ein Pulvermagazin. Die Bebauung erfolgte seit 1826 nach vorgeschriebenen Rissen mit Front nach Süden. Im Parterre befanden sich Läden.
Damit bezieht er sich offenbar auf NEDDERMEYER, der 1832 in dem Abschnitt "Hamburg im siebenzehnten Jahrhundert" seiner Topographie schreibt: "1643 wird des Hanfhauses gedacht, welches hinter der Reeperbahn lag, und des Pulverhauses." (Neddermeyer, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832. Laut dortiger Anmerkung nach einer Mitteilung des Stadtarchivars, Dr. Lappenberg.)
Im Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." (S. 341/42) heißt es bei NEDDERMEYER weiterhin:
"No. 509 bis 590. 80 Häuser, 44 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 5.
Die Seilerwerkstätten kamen 1626 hierher. Die jetzige Häuserreihe entstand 1826. Vor der Demolirung stand hier eine Reihe hölzerner Buden. Im Jahre 1643 lag hinter der Reeperbahn das Hanfhaus und ein Pulvermagazin."

Erwähnung findet außerdem ein Weg
"R e e p e r b a h n, hinter der. Weg nach dem Klütjenstieg.
No. 498 bis 507. 10 Häuser, 2 Wohnungen."


Bei SCHNITGER ("Plattdeutsche Straßen-Namen in Hamburg." Geschichtlich und sprachlich erläutert von C. Rud. Schnitger. Im Quickborn-Verlag zu Hamburg, 1922.) heißt es unter dem Stichwort
»Reeperbahn (in St. Pauli): Das Grundwort "...bahn", mittelniederdeutsch "bane", bezeichnet hier wie auch noch jetzt im Hochdeutschen, einen freien Raum zum Gehen, auch Reiten und Fahren. Das Bestimmungswort "Reeper", mittelniederdeutsch "rêper", bezeichnet den Seiler; doch meint RÜDIGER (O. Rüdiger: Die ältesten hamburgischen Zunftrollen und Brüderschaftsstatuten [1874]: 355 [im Glossar]), daß Reeper oder Reepschläger und Seiler eigentlich nicht genau dasselbe bezeichnen.(a) "Reeper" habe es nur in den Seestädten gegeben; sie machten das große, geteerte Schiffstauwerk, während die binnenländischen "Seiler" nur kleineres, ungeteertes Tauwerk anfertigten. Doch ist mit dem Größerwerden der Flußschiffe auch für Sie stärkeres geteertes Tauwerk nötig geworden, das auch von den Seilern im Binnenlande hergestellt wurde, so daß der Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen allmählich verschwunden ist.
Die Reeperbahn, "rêperbane", ist der gewöhnlich zwischen zwei Reihen Bäumen belegene meist mit einem Schutzdach versehene Gang, auf welchem die Reeper und Seiler, rückwärts schreitend, die Taue aus Hanfhede drehen. (b)
Die ältesten Reeperbahnen unserer Stadt lagen im Eichholz, einem Wäldchen, daß sich ehemals wohl nicht nur in der Gegend der jetzigen Straße "Eichholz" befand, sondern sich auch auf die Höhe bis in die Gegend der jetzigen St. Michaeiliskirche hinaufzog, und auch nach Osten sich weiter erstreckte. In jener Gegend, zwischen der jetzigen Mühlenstraße und der Böhmkenstraße, wird 1373 ein Reeperberg erwähnt (C.F. Gaedechens, Historische Topographie von Hamburg [1880]: 56), wahrscheinlich nach ihrer hohen Lage benannte Reeperbahnen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß das Reepergewerbe schon vor dem ebengenannten Jahre in Hamburg betrieben worden ist, ja vielleicht so alt ist wie der Seeverkehr unserer Stadt überhaupt. Die Reeper gehören mit zu den Handwerkern, die im Jahre 1375 vom Rate "Settinghe" (Diese "Settinghe" sind abgedruckt in Rüdigers "Zunftrollen": 200 ff.), d.h. Satzungen erhielten und als "Amt" anerkannt wurden. In diesen "Settinghen" wird auch der "reperberg" erwähnt. Noch im Jahre 1538 wurde mit den Reepern eine Vereinbarung getroffen, um die Anpflanzung junger Eichen zu fördern, und dadurch das Eichholz in gutem Stande zu erhalten (C.F. Gaedechens, Historische Topographie von Hamburg [1880]: 107).
Infolge der 1620-1626 erfolgten ausgedehnten Neubefestigung Hamburgs, durch welche ein großer Teil des westlich der Alster und nördlich der Elbe liegenden Geländes mit in die erweiterte Stadt einbezogen wurde, mußten die Reeperbahnen verlegt werden. Die Reeper erhielten im Jahre 1626 Plätze auf dem Hamburgerberge angewiesen, und zwar in einem Überrest des ehemaligen Eichholzes, das sich danach also auch viel weiter nach Norden erstreckt hat. Diese neuen Bahnen lagen an der Nordseite ziemlich zu Anfang der vom neuen Millerntore ausgehenden westlichen nach Ottensen und weiter an der Elbe entlang gehenden Landstraße. Noch jetzt trägt dieser erste Straßenteil nach den alten Reeperbahnen den Namen. Er reichte bis 1900 bis zur Heinestraße, und hieß dann bis zum Nobistor: Langereihe. Dieser Name ist seitdem verschwunden, und der Name "Reeperbahn" reicht jetzt bis zur Altonaer Grenze.
Im Jahre 1882 verschwanden die Reeperbahnen, die zuletzt wohl nur noch wenig benutzt wurden (c), auch hier. An ihre Stelle traten mehrere Straßen, von denen die Seilerstraße und die kleine Seilerstraße ebenfalls noch an die frühere Benutzung des Geländes erinnern (W. Melhop, Historische Topographie von Hamburg [1895]: 245).«
Hierzu noch einige Anmerkungen:
(a) Tatsächlich unterscheidet auch Michael Richey in seinem "Idioticon Hamburgense – sive Glossarium Vocum Saxonicarum quae Populari Nostra Dialecto Hamburgi Maxime Frequentatur" (Hamburg, 1743) mehrere Arten von Garnen, Leinen und Tauen (p. 33 – Eintrag "Segel-Garn" [Siegelschnur])", wobei allerdings "Reep" synonym für "Seil, Tau" gebraucht wird (p. 28 – Eintrag "Reep", "Reepsläger", "Reeper-Bahn").
(b) Zahlreiche historische Pläne und bildliche Darstellungen zeigen im Gebiet der heutigen Seilerstraße – zwischen Reeperbahn und Simon-von-Utrecht-Straße – lang gezogene, überdachte Bahnen zwischen Baumreihen.
(c) Der Vermutung, dass die Reeperbahnen nicht mehr gebraucht wurden, steht die Tatsache entgegen, dass das Seiler-Handwerk noch bis Ende der 1980er Jahre in der Berufsschule für See- und Hafenberufe in der Wohlwillstraße (St. Pauli) gelehrt wurde. Es ist vielmehr anzunehmen, dass auch in diesem Falle die Grundstücksspekulation obsiegt hatte, die nach immer neuen Bauplätzen in den innenstadtnahen Vorstädten und Stadterweiterungsgebieten verlangte, denn etwa zur gleichen Zeit wurde auch das Wiesenland südlich des Spielbudenplatz parzelliert und veräußert, um dort neue Wohnstraßen (z.B. die Kastanienallee) anzulegen.

Wenige Jahre nach Richey lobt GRIESHEIM die landschaftliche Schönheit der Wälle und ländlichen Alleen, die aus der Stadt herausführenund zu denen auch die "Reeper-Bahn" zählt wie folgt:
"An allen Thoren sind wunderschöne Alleen, mehrenteils von Linden und Ypern; ein Baum, der in Obersachsen nicht bekannt, aber einer der prächtigsten in Lust-Alleen ist, geschwind wächst, und eben keinen fetten Boden begehret. Die Reeper-Bahn zwischen Hamburg, und Altona, und noch andre, von gleicher und grösserer Pracht gehen weiter als eine halbe Stunde, ja wäre auch die Pesthofs-Anstalt an sich nicht schon sehenswürdig, so wäre es schon die Allee, so einen dahin führet, und eben auch, wie die am Jungfern-Stieg, zusammen gewachsen ist." (Griesheim, 1760: 147)

Hans WALDEN fasst unter dem Stichwort Reeperbahn (in: KOPITZSCH / TILGNER, 1998: 391/392) die historisch-topographische Entwicklung wie folgt zusammen:
"Reeperbahn heißt Hamburgs berühmteste Straße im Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli. Auf ihrer Südseite liegt der Spielbudenplatz, eine offiziell eigenständige Straße, die aber im allgemeinen als Teil der Reeperbahn verstanden wird. Diese hat ihren Namen von den Bahnen der Reepschläger, die zwischen 1626 und 1883 ein baumbestandenes Areal beiderseits der heutigen Seilerstraße zur Herstellung von Schiffstauen ("Reep") aus Hanf nutzten. Im 18. Jahrhundert ging der Name »Reeperbahn« auf den südlich vor diesem Gelände gelegenen Teil des weges zwischen Hamburg und Altona über; 1899 wurde auch die sich westlich anschließende Straße »Lange Reihe« durch Umbenennung zu einem Teil der Reeperbahn. Deren Nordseite wurde um 1826 erstmals planmäßig mit Häusern bebaut.
Die Anfänge des Vergnügungsviertels reichen in die Zeit vor 1800 zurück, wobei dessen Mittelpunkt zunächst eine jahrmarktartige Ansammlung von Holzbuden, der Spielbudenplatz, bildete. Erstes Wahrzeichen der Reeperbahn war der »Trichter«, ein um 1805 gebauter hölzerner Pavillon mit Spitzdach für Erfrischungen (verschiedene Nachfolgebauten). Mit der Expansion des Hafens stieg die Zahl der Seeleute, die auf der Reeperbahn Amüsement suchten. Immer neue Attraktionen bewirkten einen ständigen Wandel im Vergnügungsangebot von Reeperbahn und Spielbudenplatz: Ab 1840 entstanden mehrere Volkstheater (u.a. das St. Pauli-Theater), nach 1850 große Bierhallen, Ballhäuser und Musikpaläste, seit der Jahrhundertwende Kinos (u.a.»Knopf's Lichtspielhaus«), nach 1920 neue Stimmungslokale (»Zillertal«), Varietés (»Alkazar«) und Tanzbars (»Café Heinze«). Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kam der Amüsierbetrieb erst allmählich wieder in Schwung, Neue Akzente setzten ab 1953 das »Café Keese«, seit den 1960er Jahren Diskotheken (»Top Ten«), die Groß-Bordelle »Eros-Center« und »Palais d'Amour« (beide inzwischen geschlossen), Sex-Shops, Peep-Shows und Spielhallen. In letzter Zeit haben sich auf der Reeperbahn und in ihrem Umfeld neue Lokale und Kleinkunsttheater etabliert, die außer Touristen auch wieder das Hamburger Publikum anziehen."


Nach dem Grimmschen Wörterbuch ist eine Bahn ein »durch schwieriges Gelände geebneter oder geglätteter Weg oder Pfad". Dies bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass bei der Neuanlage der Reeperbahnen im Vorland der Wallanlagen auf dem unebenen Gelände des "Hamburger Berges" zunächst einmal eine ebene, geglättete Fläche geschaffen werden musste.«
Das Gebiet vor dem Millerntor, auf dem die Reeperbahnen angelegt waren, unterlag – ebenso wie das Heiligengeistfeld und der nördliche Teil der Landherrenschaft bzw. Vorstadt Hamburger Berg – bis zur Franzosenzeit, 1806-1814, dem sog. Festungsreglement, d.h. es durften keine höheren Gebäude aus dauerhaftem Material errichtet werden. Es befand sich im Besitz der "wohl-löblichen Cämmerey", d.h. in städtischem Eigentum, und wurde seit den 1820er-Jahren allmählich veräußert und systematisch bebaut. Die Aufteilung der Bauplätze und die Vorgaben für die Bebauung erfolgten durch städtische Institutionen.
Bis zur Fertigstellung der neuen Wallanlagen und der Einbeziehung der Neustadt in den Wallring hatten die Reepschläger ihre Arbeitsstätten nahe der heutigen Straße Drehbahn.

Für die Reeperbahnen erfolgte diese Konversion, wie eine moderne Beschreibung wohl lauten würde, erst nach langjährigen Auseinandersetzungen mit den dort tätigen Handwerkern. Die Amtsmeister der Reepschlägerzunft beanspruchten bis 1883 die uneingeschränkte Nutzung ihrer riesigen Freiflächen innerhalb der rasant wachsenden und zunehmend dichter bebauten Vorstadt, obwohl mit dieser Anlage zahlreiche Probleme verbunden waren, u.a. Grenzstreitigkeiten mit den nördlichen Anrainern der Straße Reeperbahn und Konflikte um die Instandhaltung der Planke zwischen den dortigen Gärten und den Bahnen. Hinzu kamen Auseinandersetzungen um die Nutzung und Beleuchtung des (halblegalen) Fußweges, der sich zwischen dem Vergnügungsviertel und den weiter nördlich gelegenen Wohngebieten gebildet hatte. Erst in zähen Verhandlungen konnte die Höhe der Entschädigung festgelegt werden, die von der Finanzdeputation für die Auflösung der – flächenzehrenden und die Vorstadt zerschneidenden – Gewerbeanlage gezahlt werden musste, obwohl die Bahnen mit dem Vordringen der Stahltrossen und der beginnenden maschinellen Fertigung von Schiffstauen immer weniger genutzt wurden. Letztlich obsiegte jedoch hier der Wille, die flächenhafte gewerbliche Nutzung durch eine wesentlich profitablere Wohnbebauung zu ersetzen. Damit steht auch diese Umnutzung in einer langen Reihe der Konversionen gewerblicher Flächen, die in der Vorstadt Hamburgerberg bzw. im Stadtteil St. Pauli durch das Stadtwachstum induziert wurden und dabei (störendes) Gewerbe und Industriebetriebe allmählich verdrängten. Diese Entwicklung lässt sich von der Epoche der Industrialisierung bis zum jüngst erfolgten Abbruch der Bavaria-St. Pauli-Brauerei und dem Baubeginn für das neue "Bavaria"-Quartier südlich der Reeperbahn verfolgen.
Über die Erwähnungen in den gedruckten Verzeichnissen der Hamburger Straßennamen hinaus gibt es auch im Internet zahllose Einträge – teils mit Illustrationen – zur Reeperbahn, u.a. in der Datenbank historischer Photos Hamburgs unter http://fhh.hamburg.de/foto.../ oder in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Reeperbahn_%28Hamburg%29). Dort wird u.a. darauf hingewiesen, dass der Straßenname auch ich anderen norddeutschen Städten – z.B. in Kiel, Buxtehude und Stade – vorkommt, wo ebenfalls eine Nachfrage nach hochwertigen, langen Tauen bestand. Diese konnte bis zur Verbreitung von Stahl- und später Kunstfaserseilen nur durch Taue aus reißfesten Naturfasern befriedigt werden.
Bekannteste Reminiszenz an das Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn ist wahrscheinlich das Lied "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins", das durch den Film »Große Freiheit Nr. 7« mit dem Hauptdarsteller Hans Albers berühmt wurde. Nach ihm ist der im Süden von der Reeperbahn abzweigende Hans-Albers-Platz (ehemals: Wilhelmsplatz) benannt. Einen moderneren Bezug zur Musikszene bildet der Beatles-Platz auf der Nordseite der Reeperbahn an der Einmündung der Großen Freiheit.

siehe auch: Große Freiheit

 

Rendsburger Straße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1894, nach der holsteinischen Stadt Rendsburg, im Anschluß an den Namen der benachbarten Kieler Straße.
EStH: Ben.[annt] 1894 nach der holsteinischen Stadt im Anschluß an den Namen der benachbarten Kieler Straße.
HANKE: kein Eintrag.

 

Rentzelstraße (Südteil)
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Rotherbaum), 1899, nach dem Senator (seit 1658) Peter Rentzel (1610-1662), der der Stadt die Baukosten für das 1666 errichtete Spinnhaus vermachte. Nachdem 1657 St. Nikolai einen Barockturm erhalten hatte, stiftete ein Jahr später Peter Rentzel für St. Katharinen ebenfalls einen solchen, sogar mit vergoldetem Helm.
EStH: Ben.[annt] 1899 zu Ehren des Senators (seit 1658) Lic. Peter Rentzel (1610-62), der der Stadt die Baukosten für das 1666 errichtete Spinnhaus vermachte; vorher seit 1858 Zweiter Durchschnitt.
HANKE: (1899) Peter Rentzel (1610-62), Hamburger Ratsherr, richtete für mittellose Hamburger "Rentzels Wohnungen" am Dammtorwall ein und begründete das Spinnhaus an der Binnenalster, in dem "Diebe und leichtfertige Weiber zur Arbeit angehalten" wurden. Bis 1899: Zweiter Durchschnitt.
Westlich der Straße wurde von der Bauanteilung der Oberpostdirektion Hamburg zwischen 1965 und '68 nach einem betont unspektakulären Entwurf der Architekten Fritz Trautwein und Rudolf Behn der Hamburger Fernsehturm, auch "Tele-Michel" genannt, errichtet. Das offiziell die Bezeichnung "Heinrich-Hertz-Turm" tragende Bauwerk ist 271,5 Meter hoch und mit einer drehbaren Aussichtskanzel in 127 Meter Höhe versehen. Hier befand sich mehrere Jahrzehnte lang ein populäres Ausflugslokal, das jedoch Ende der 1990er Jahre aus technischen und wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde. Der Ort wurde danach zeitweilig als Diskothek und für Einzelveranstaltungen genutzt, bevor er einige Zeit lang als "Sprungschanze" für Bungee-Jumping diente. Das offenkundige Fehlen eines Konzepts für den künftigen Betrieb und die zu erwartenden notwendigen Investitionen für eine neue Nutzung verhindern derzeit die Wiedereröffnung der Aussichtsplattform oder eines gastronomischen Betriebs. Im Zuge der Erweiterung der Hamburg-Messe wurden jedoch inzwischen "der unattraktive Eingangsbereich auf einem Waschbetonsockel [,der] zu den weniger geglückten Aspekten der Planung" (siehe: Lange, 1995: S. 92, "C2") zählte, mit den Parkgeschossen, die Sockelbebauung mit den technischen Einrichtungen der Telekom und die Brücke nach Planten un Blomen abgebrochen. An die Stelle dieser Bauteile soll ein attraktiver neuer Eingangsbereich treten, der mit dem benachbarten neuen Haupteingang der Hamburg-Messe korrespondiert.
Zu den Vorgängerbauten am heutigen Standort des "Heinrich-Hertz-Turms" zählen das ehem. "Hotel Central". Als "Zentralhotel" wird es in einem Bericht Martin Hallers über den ehemaligen Hamburger Baudirektor Franz Gustav Forsmann erwähnt, in dem es heißt:
"Nach seiner Pensionierung bezog er [Forsmann] Wohnung im Zentralhotel beim Sternschanzenbahnhof, wo er, umgeben vo seiner werthvollen Büchersammlung noch mehrere Jahre ein stilles beschauliches Leben verbrachte und wo ich ihn noch manchmal besucht habe." (Martin Haller, Lebenserinnerungen; 1911. In: Staatsarchiv Hamburg, Bestand 621-2)
Das Hotel bzw. einige Nebengebäude beherbergten später die Emilie-Wüstenfeld-Schule und – in den 1930er Jahren – Abteilungen des Wohlfahrtsamtes, d.h. der Sozialbehörde.

 

Rosenhof(f)straße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1889, zur Erinnerung an den in dieser Gegend seit dem 16. Jahrhundert gelegenen Rosenhof, einen Pachthof des Klosters St. Johannis.
EStH: Ben.[annt] 1889 zur Erinnerung an den in dieser Gegend seit dem 16. Jahrhundert belegenen Rosenhof, einen Pachthof des Klosters St. Johannis.
HANKE: (1889) Die Straße ist nach dem hier gelegenen Rosenhof benannt, einem Pachthof des St. Johannesklosters.
Zusammen mit einer Schäferei, der der Schäferkamp im südlichen Eimsbüttel seinen Namen verdankt, bildete das Gehöft des Rosenhofes für lange Zeit die einzige wesentliche Bebauung zwischen der Hamburger Stadtgrenze und dem Dorf Eimsbüttel an der Landstraße nach Pinneberg.
Die Rosenhofstraße war namensgebend für den 1931 erschienenen Roman des Arbeiterschriftstellers Willi BREDEL (2. Mai 1901 – 27. Oktober 1964) mit dem Titel: "Rosenhofstrasse. Roman einer Hamburger Arbeiterstrasse". Im Klappentext der Neuausgabe in der "Reihe Proletarisch-Revolutionärer Romane" im Oberbaumverlag – Verlag für Politik und Ökonomie (Berlin, 1974) – wird der Roman wie folgt präsentiert:
"Die Straßenzelle Rosenhofstraße der KPD im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel kämpft 1930 um den Zusammenaschluß der kommunistischen, sozialdemokratischen und parteilosen Arbeiter gegen die Offensive der Kapitalisten und ihrer Regierung und gegen die Gefahr des Faschismus. Die Straßenzelle organisiert den ersten erfolgreichen Mietstreik in Hamburg, sie unterstützt die Arbeiter der Pianofabrik des Viertels die selbständig – ... – gegen den Lohnabbau streiken."
Die Herausgeber wiederholen in dieser Einführung die weit verbreitete, jedoch irrige Zuordnung der Rosenhofstraße im Schanzenviertel zu Eimsbüttel statt zu St. Pauli-Nord. Seit der im Jahr 2008 durchgeführten Neugliederung der Stadtteile St. Pauli und Schanzenviertel im Zuge der Bezirksverwaltungsreform liegt die Rosenhofstraße im neu geschaffenen Stadtteil Schanzenviertel, einem östlichen Anhängsel des Bezirks Altona.

 

Rosenstraße
Eigentlich: Neue Rosenstraße.
PABEL: Diese Neue Rosenstraße, 1841 zum Unterschied von der (alten) Rosenstraße im St. Jacobi-Kirchspiel in der Altstadt so genannt, verlief vom Neuen Pferdemarkt in nördlicher Richtung. SCHNITGER schrieb darüber: "Vor 1841 ist die Straße als Weg zum Rosenteich schon früher vorhanden gewesen. Sie führt ihren Nsmen nach dem erwähnten Teiche, welcher in der Gegend des nordöstlichen Endes der jetzigen Straße lag. Dieser Rosenteich gehörte wohl zu der ehemaligen Besitzung des St. Johannis-Klosters, dem Rosenhof, welcher 1576 aber noch nicht als Klostereigentum genannt wird." (Schnitger, Hamburgische Straßennamen. In: Hamburger Schulzeitung, Jg. 6, S. 295.)
Das Gebiet östlich der Neuen Rosenstraße bildete eines der ersten planmäßig erschlossenen Stadterweiterungsgebiete im Norden der Vorstadt St. Pauli. Seine ursprünglich sehr regelmäßig zugeschnittenen Grundstücke folgten einem rechtwinkligen Straßennetz, zu dem auch die Kamp-, Ludwig- und Sternstraße gehörten und das mit Vorstadtwohnhäusern auf schmalen Gartenparzellen bebaut war. Diese Struktur ist heute jedoch nur noch schwer zu erkennen, da sie von späteren Bauschichten verdeckt wird. Der in diesem Gebiet bis weit ins 20. Jahrhundert kontinuierlich fortgesetzte Stadtumbau führte statt dessen zu einer außerordentlich heterogenen Mischung von Wohnen und Gewerbebetrieben, zu denen ursprünglich sogar Hagenbeck's Tierpark an der Ludwigstraße gehörte, in sehr verschiedenartigen Gebäuden.
Mehrere Jahrzehnte lang dominierten dabei die schlachthof-bezogenen Gewerbe, denn obwohl seit 1867 der "Zwang für die Schlachter der inneren Stadt, nur noch im öffentlichen Schlachthause zu schlachten" (Boysen, 1897: S. 4) bestand, wurde dieser häufig umgangen. Zu diesem Zweck wurden auf Hinterhöfen, in ehemaligen Werkstätten oder auch in Neubauten auf vielen Grundstücken im Schanzen- und Karolinenviertel kleine, private Schlachthäuser errichtet – und auch von der Baupolizei amtlich genehmigt, da der Platz auf dem Schlachthofgelände sehr knapp war. Diese Praxis hatte zahlreiche Anwohnerbeschwerden über "bestialische Gerüche" durch Gedärmeausbraten, das Abbrennen von Schweineborsten oder das Fett- bzw. Talgauskochen. Ein Amtsveterinär berichtet außerdem eindrucksvoll von einem Schlachthaus, durch des Abwässer "die Rinnsteine der Ludwig- und Rosenstraße vom Schmutz- und Blutwasser überschwemmt werden".
Eine andere Klage wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erhoben. In der fortschrittlichen Zeitung "Die Reform" heißt es 1848:
"In der nördlichen Gegend der Vorstadt St. Pauli nimmt die Bettelei von Morgens bis Abends kein Ende, man kann sich vor Vagabunden, die gelegentlich stehlen, und wenn sie nichts erreichen können, wenigstens die Haus- und andere Schlüssel abziehen, kaum bergen. Man muß hier also eigens einen Profoß an der Türe halten. Dazu schickt die gnädige Behörde uns die fremden Straßenmusikanten scharenweise über den Hals. In der neuen Rosenstraße blasen oft drei Partien zugleich zum wahren Katzenjammer, und alle sammeln." (Reform, Nr. 23, 1848)
Ursprünglich verlief auch ein Abschnitt der Grenze zwischen Hamburg und der dänischen Stadt Altona im südlichen Teil der Neuen Rosenstraße, wie die heute dort noch im Pflaster vorhandenen historischen Grenzsteine mit den Buchstaben [A|H] - für "A"ltona und "H"amburg - belegen. Die Grenze knickte in Höhe der heutigen Hausnummer 40 in Höhe der heutigen Hofeinfahrt nach Nordwesten ab, verlief dort einige Dutzend Meter weit am früheren Grenzflüßchen der Isebek entlang zum Schulterblatt und trennte auf diese Weise den sog. "Hamburger Hof" (heute vom Schulterblatt aus zugänglich) von Altona. - Der bis vor wenigen Jahren bestehende Durchgang von der Schanzenstraße durch eine Terrasse dorthin wurde zeitweilig von den AnwohnerInnen versperrt, da er sich zu einem allzu bekannten "Schleichpfad" entwickelt hatte.
Nachdem ein Teil der Straße bereits 1875 in Schanzenstraße umbenannt worden war, wurde auch der verbliebene Abschnitt laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 zur Schanzenstraße hinzugezogen.

siehe auch: Schanzenstraße

 

Rosenstraße (Altona)
Ursprünglich bildete die Altonaer Rosenstraße - auch Große Ro(o)senstraße - die Fortsetzung der ehem. Kieler Straße (heute: Clemens-Schultz-Straße). Sie wurde in Paul-Roosen-Straße umbenannt.

siehe auch: Paul-Roosen-Straße

 

S

S(ank)t Petersburger Straße
<< auf der Karte anzeigen
HANKE: (1997) Nach Hamburgs russischer Partnerstadt St. Petersburg wurde 1997 der westliche Teil der Jungiusstraße zwischen Messegelände und "Planten un Blomen" umbenannt.
An der Südseite der St. Petersburger Straße befindet sich auf dem Messegelände die ehemalige Begräbniskapelle des Kirchspiels St. Petri, einer der innerstädtischen Hauptkirchen. Dieser um 1800 von Johann August Arens entworfene Bau bildet das letzte Überbleibsel der – 1879-99 schrittweise geschlossenen und bis 1934 weitgehend abgeräumten – "Kirchhöfe vor dem Dammthore". Der kleine Rundbau mit flacher Putzdecke und Kuppeldach zeigt zur Straße hin eine strenge Fassade mit halbrunder Eingangsnische; der Säulengang zum Messegelände hin ist eine Zutat von 1925. Ursprünglich bildete die als Torbau konzipierte und seinerzeit als "Todtenhalle" oder "Todtenhaus" bezeichnete Kapelle den nördlichen Eingang zum Friedhof der St. Petri-Gemeinde. Vor allem wohlhabende Familien nutzten sie für die Aufbahrung ihrer Toten und eine letzte Trauerfeier mit musikalischer Begleitung.
Anschließend wurden diese – den neuen Idealen der Aufklärung folgende – nicht mehr in den "dumpfigen Kellergewölben" oder auf den überfüllten Friedhöfen der innerstädtischen Kirchen, sondern in der idealisierten Natur und freier Landschaft beigesetzt.
Vor dem ideengeschichtlichen Hintergrund bildet die Begräbniskapelle nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch ein historisches Merkzeichen einen wichtigen Schritt heraus aus einer eng gefassten – fast noch mittelalterlichen – Stadtkultur in die Neuzeit.
Im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE finden sich zu dem Bauwerk ergänzende Angaben zur stilistischen Einordnung:
"Ehem. Begräbniskapelle des Kirchspiels St. Petri, Jungiusstraße [heute: St. Petersburger Straße] 27, St. Pauli. Architekt: Johann August Arens. 1796; Säulenumgang: 1925. – Der eher unscheinbare Putzbau stellt mit seinem klaren stereometrischen Aufbau und der sparsamen Akzentuierung durch Eckrustiken ein typischen Beispiel für die von Architekten wie Claude Nicolas Ledoux geprägte 'Revolutionsarchitektur' des ausgehenden 18. Jahrhunderts dar. Er erinnert daran, daß das heutige Messegelände und der angrenzende Park 'Planten un Blomen' ursprünglich Begräbnisstätten der innerstädtischen Kirchspiele waren, die aber schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sukzessive geschlossen und 1934 geräumt wurden. (…)." (siehe: Lange, 1995: S. 68, "A154")
Dass die Räumung der ehemaligen Friedhöfe in einigen Bereichen nur oberflächlich – im wahrsten Sinne des Wortes erfolgte – belegen die umfangreichen Funde sterblicher Überreste der dort Beigesetzten im Zuge der Bauarbeiten für die Erweiterung des Congress Centrums Hamburg (CCH) und für die Neue Messe Hamburg in der Jahren 2005-07. Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Untergeschosse und für Tiefgaragen kamen an einigen Stellen Knochen in großen Mengen zum Vorschein; in Einzelfällen wurden sogar vollständige Bestattungen mit Särgen und Skeletten in ihrer Totenbekleidung freigelegt. Diese Überreste wurden auf ein eigens angelegtes Gräberfeld auf dem Friedhof Öjendorf zur – hoffentlich! – letzten Ruhe gebettet.

 

Schanzenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Eimsbüttel, Rotherbaum), 1875, nach der benachbarten ehemaligen Sternschanze.
EStH: Ben.[annt] 1875 nach der benachbarten ehemaligen Sternschanze.
HANKE: (1875), Sternschanze (1870), Sternstrasse (1843). Die Sternschanze wurde 1682 als sternförmige Befestigung außerhalb der Stadtumwallung im Bereich dieser Straßen angelegt. Ihre Bewährungsprobe bestand sie 1686, als der dänische König Christian V. sie vergebens berennen ließ. An die 1200 Dänen, die bei diesem Angriff ums Leben kamen, erinnert der benachbarte Dänenweg. 1863-65 entstand auf der abgetragenen Schanze der Sternschanzenpark, in dem 1907-10 ein monumentaler Wasserturm errichtet wurde.
Die Verlängerung der Schanzenstraße von der Einmündung der Lagerstraße nach Norden erfolgte 1903 anlässlich der Verlegung des Sternschanzenbahnhofs nach Westen an seinen heutigen Standort. Vorher hatten die Gleise der Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona auf gleicher Höhe mit den Straßen gelegen. Zusammen mit der durchgehenden Erweiterung von zwei auf vier Gleisstränge erhielt die Linie eine Hochlage auf einem aufgeschütteten Damm.
Zuvor hatte nur der Straßenabschnitt zwischen den Gleisen und der Kreuzung mit der Altonaer Straße diesen Namen getragen, während der südliche Abschnitt Neue Rosenstraße hieß. Beide Abschnitte wurden um 1885 ca. 100 Meter nach Westen verlegt, um einen Ausbau der Schlachthof- und Viehmarktanlagen südlich der Bahngleise zu ermöglichen. Der südliche Abschnitt des Straßenzuges bildete bis 1938 einen Teil der Grenze zur – bis dahin selbständigen – Nachbarstadt Altona, die auf Höhe der heutigen Hausnummer 7 jedoch nach Nordwesten in das Innere des dreieckigen Häuserblocks abknickt. Sie folgt damit einem früheren Bachlauf, der auch einer etwas weiter nördlich gelegenen Wohnterrasse den historischen Namen „Bachterrasse“ hinterlassen hat. Diese Terrasse hinter dem Vorderhaus Schanzenstraße 41 ist im Gegensatz zur typischen Anordnung Hamburger Wohnterrassen nicht rechtwinklig zum Straßenverlauf angelegt, sondern folgt den historischen, von dem Bachlauf des sog. „Pepermölenbeks“ beeinflussten, Flurstückgrenzen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war sie – unter der neuen Bezeichnung „Rebien-Terrasse“ (nach der damaligen Eigentümergesellschaft) - ein Brennpunkt der Konflikte um Hausbesetzungen in St. Pauli, Altona und anderen Hamburger Stadtteilen, für die „die Hafenstraße“ zum Synonym geworden ist. Mit der Gründung der Wohnungsgenossenschaft Schanze e.G. im Jahre 1987 und dem Beginn der Sanierung im Rahmen des Programms zur „Alternativen Baubetreuung“ (ABB-Programm) konnte der Konflikt an dieser Stelle jedoch recht schnell beigelegt werden, obwohl einige Hamburger Tageszeitungen des Springer-Verlages noch mehrere Jahre versuchten, ihn durch einseitige und provokative Berichterstattung über Häuser besetzende "Chaoten" wieder aufflammen zu lassen.
Diese Medien standen damit in unseliger Tradition einer "Forschungsarbeit" der 1930er Jahre, der sog. "Notarbeit 51", in der es u.a. heißt:
"An der Schanzenstraße sind es die Hinterhäuser No. 41, die den Blick auf sich lenken. … Hier scheint es tatsächlich angebracht, von einem sozialen Krankheitsherd zu sprechen. … Verschiedentlich ist eine wiederholte Inanspruchnahme der Polizei von denselben Personen bzw. Familien zu verzeichnen. … Hier sind mindestens tieferliegende Ursachen, wie Trunksucht, Hysterie, Querulantentum usw. zu suchen." (Siehe: Karl Heinz Roth: "Städtesanierung und 'ausmerzende' Soziologie: der Fall Andreas Walther und die 'Notarbeit 51' der 'Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft' 1934-1935 in Hamburg." In: Rassenmythos und Sozialwissenschaften in Deutschland. Hrsg. v. Carsten Klingemann. Opladen, 1987: S. 370-393.)
Der frühere Bachlauf des Pepermölenbeks, wie er in Karten und Topografien des 19. Jahrhundert beschrieben wird, ist an verschiedenen Stellen in der Bebauung des Stadtteils nachvollziehbar. Er begann demnach im Kreuzungsbereich Beim Grünen Jäger / Schulterbatt, verlief entlang der Schanzenstraße und knickte zwischen den Häusern Schanzenstraße 7 und 23 nach Nordwesten ab. Zwischen der dortigen Innenhofbebauung der Terrasse Schanzenstraße Nr. 41 a und des Hamburger Hofes bildete er seinerzeit einen eineinhalb Meter breitem Graben, bevor er im Zuge von Sielbauarbeiten zugeschüttet wurde (wahrscheinlich zwischen 1888 und 1890).
Ob an dieser Stelle tatsächlich eine Mühle existierte, wie manche Quellen nahe legen, ist heute nicht mehr eindeutig belegbar. In einem Gutachten, das im Zuge der Sanierung der Terrassen entstand, heißt es dazu:
"Vermutlich ist die Bachterrasse auf dem alten Mühl-Grundstück erbaut worden. Eine weitere Besonderheit bildet die Baulücke zwischen den Gebäuden Schanzenstraße 7 und 25. An dieser Stelle traf einmal die Grenze zwischen der um 1830 gebildeten 'Landherrenschaft der Geestlande' und der Stadt Hamburg auf die Staatsgrenze nach Altona. Die markante Umlenkung des ehemaligen Bachbettes an dieser Stelle deutet außer dem auf den Standort der erwähnten Mühle hin.“
(Carsten Dose, Volker Schmidt-Lühr: Die Rebienschen Terrassen)
Auch J. HASPEL bezieht sich in seinem Gutachten über die " Wohnhofgruppe Schanzenstraße / Schulterblatt“ (Hamburg, 1987) auf die Lage der umgebenden Bebauung:
"Die Stellung der Südzeile des Hamburger Hofes, die schräg geführte Blendarkadenmauer des Hofes Schanzenstraße 33 und die abgewinkelte Hofbebauung der Bach-Terrasse zeichnen den Verlauf des Pepermöhlenbeks nach."
Neben den einfachen Terrassenhäusern für Arbeiter wurden in der Schanzenstraße jedoch auch höchst repräsentative Vorderhäuser errichtet, die ihr seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ein zunehmend großstädtischen Gesicht gaben. Als prototypisch dafür kann das 1896 fertig gestellte Wohn- und Geschäftshaus der Firma Johann Michael Fett & Co. unter den heutigen Hausnummern 56-62 genannt werden. Nach Plänen der Hamburger Architektengemeinschaft Johann Gottlieb Rambatz und Wilhelm Jolasse wurde ein massives fünfgeschossiges Haus mit Satteldach und einer recht aufwendigen Verblenderfassade aus rötlichen Industrieziegeln mit Werksteindekoration errichtet. Deren Gestaltung mit einer zentralen Tordurchfahrt, Loggien in den Obergeschossen, zwei ausladenden Erkern und paarweise zusammengefassten Fensterachsen mit krönenden Volutenaufsätzen orientiert sich an der Wiederaufnahme von Renaissanceschmuckformen und setzt sich damit vom neoklassizistischen Stil der vorherigen, niedrigeren Bauschicht der frühen Gründerzeit deutlich ab. Das Haus ist inzwischen unter der Nr. 1124 in die Liste Hamburger Baudenkmale eingetragen, war jedoch noch in den 1990er Jahren Gegenstand heftiger Konflikte zwischen Immobilienentwicklern, städtischen Stellen und HausbesetzerInnen. Nachdem zwei Hamburger Immobilienentwickler das - zwischenzeitlich im Besitz der Gewürzfirma Hermann Laue befindlichen - Haus zusammen mit dem, nach dem Umzug des Unternehmens brach gefallenen, Firmengeländes zwischen Schanzen- und Sternstraße gekauft hatten, stand es jahrelang leer und wurde im Herbst 1994 von der Gruppe "Nimm 2" besetzt, die eine Instandsetzung des Hauses durch ein Wohnprojekt verlangte, jedoch schnell wieder geräumt. Die Gruppe erhielt später ein anderes - ursprünglich gewerblich genutztes - Gebäude auf dem südlichen Teil des Laue-Geländes and der Ludwigstraße und baute dies für Ihre Wohnzwecke um.
Auch der auf der anderen Seite der Schanzenstraße liegende ehemalige Fabrik- und Verwaltungskomplex der Firma Montblanc (zuvor: Triton) ist ein Baudenkmal (Denkmalliste Nr. 970, bestehend aus Schanzenstr. 75 und 77 und Bartelsstr. 12). Er wurde ab zwischen 1897 und 1907 nach Plänen des Architekten Carl Feindt errichtet. Auch hier führte der Wegzug des langjährigen Nutzers zu einschneidenden Änderungen, nachdem der Gebäudekomplex zunächst 1987 an eine Grundstücksgesellschaft der Stadt Hamburg und später im Rahmen eines umfangreichen Privatisierungsprogramms aus dem Besitz der Stadt in denjenigen wechselnder privater Eigentümer veräußert worden war:
Noch vor dem Umzug der Firma Montblanc (1989) nach Eidelstedt übernahm die "Hamburgische Gesellschaft für Gewerbebauförderung“ (HAGG) den Gebäudekomplex und wandelte ihn in einen Gewerbehof um. Wichtigste Nutzer sind (seit 1991) die Zentrale der Hamburger Volkshochschule (VHS), das alternative Hotel und Restaurant "Schanzenstern“, das Kino "3001" und eine Anwaltskanzlei. Sich konnten ihre Flächen zunächst zu günstigen Konditionen anmieten, die sich im Verlauf der Weiterveräußerungen allerdings deutlich verschlechterten.

siehe auch: Neue Rosenstraße

 

Schauermann's Park
Namensgebend für die Grünfläche oberhalb der Kasematten der früheren Lagerräume zwischen Bernhard-Nocht- und St. Pauli-Hafenstraße ist die traditionelle Hamburger Bezeichnung für Arbeiter bei Lösch- und Ladearbeiten an Schiffen.
Eine gute Erläuterung der Berufsbezeichung "Schauermann" findet sich bei THEDE-OTTOWELL:
"Das Wort 'Schauermann' tritt in hochdeutschen Texten erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, vorher hieß es einfach 'Schauer'. Diese Berufsbezeichnung entstammt dem Niederländischen und geht zurück auf sjouwer, d.h. Tagelöhner, der beim Löschen und Laden eines Schiffes half. Verwandt damit ist das niederländische Wort 'sjouwen' = hart arbeiten. ... Sie wurden anfänglich 'auf der Straße' angeheuert, waren bald aber in festem Lohn bei Umschlags- oder Stauereibetrieben ... . Außerdem gab es 'Unständige'. Sie kamen 'aus dem Stall', der [Arbeits-]Nachweisstelle am Stubenhuk [in der südlichen Neustadt], in der sie täglich neu vermittelt wurden, nachdem sie sich bis sechs Uhr früh beim Hafenarbeitsamt angemeldet hatten. ...
Mitte des 19. Jahrhunderts zogen sie in großen Scharen zu Fuß durch die noch schlafenden Wohnviertel, um das Fahrgeld zu sparen. ... Die meisten von ihnen mußten bereits gegen drei Uhr nachts aus dem Bett und kamen erst abends gegen sechs Uhr wieder heim." (Thede-Ottowell, Anne-Marie: "Hamburg: vom Alsterhafen zur Welthafenstadt." Hamburg: Heinevetter, 1988: S.215)
Die Schauerleute arbeiteten häufig als sogenannter "Gang" zusammen. Die meist ungelernten Arbeiter wurden – unter Anleitung eines erfahrenen Hafenarbeiters – nur dann eingesetzt, wenn sie benötigt wurden. Die Tätigkeit der Schauerleute verschwand aus dem Hafen, seit die meisten Güter in Containern transportiert werden. Auch in wenigen Fällen, in denen eine Ladung zu sperrig ist, werden längst ausgebildete Logistikspezialisten für die Be- und Entladung eines Schiffes benötigt, die nur noch aus nostalgischen Gründen gelegentlich als Schauerleute bezeichnet werden.
(Literatur: K. Heinrich Altstädt, "Schauermann im Hamburger Hafen." Hamburg: Koehler Verlagsges., 1999.
Weblink: http://de.wikipedia.org/wiki/Schauerleute )
Der lokalen Überlieferung nach hielten die Schauerleute in früheren Jahrzehnten von Schauermanns Park aus Ausschau nach einlaufenden Frachtschiffen, die ihnen Arbeit verschaffen konnten. Heute ist die Grünfläche auf dem Dach der ehemaligen Lagerhallen für Händler und Fischer, die im 2. Weltkrieg auch als Luftschutzbunker genutzt wurden, Bestandteil des "ParkFiction"-Projektes. . In und vor den in den Hang gebauten Gewölben hat sich unter dem – andernorts entliehenen – Namen "Riverkasematten" ein hochpreisiges Restaurant niedergelassen.

siehe auch: Riverkasematten

 

Schmuckstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, nach dem Grundeigner Georg Schmuck, Bauunternehmer.
EStH: Ben.[annt] 1868 nach dem Grundeigentümer Georg Schmuck.
HANKE: (1868) Georg Schmuck (1821-1874), Vorbesitzer des Geländes.
Der Straßendurchbruch durch eine bereits bestehende Bebauung an Talstraße und Großer Freiheit erfolgte 1867 auch, um die Hauptfassade der katholischen St. Josephs-Kirche (fertiggestellt: 1729) an der Westseite der Großen Freiheit besser zur Geltung zu bringen. Im Zuge einer Neuorientierung kirchlicher Wirkungsabsichten wurde Kirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts von historischen Umbauungen befreit, um Platzsituationen zu schaffen (z.B. St. Jakobi in der Altstadt), oder durch neue Kreuzungssituationen freigestellt. Vor diesem Hintergrund ist auch die Schmuckstraße, die in direkter Sichtachse auf die Kirchenfassade zuführt, als Mittel zur Hebung und Betonung der Symbolwirkung des Kirchenbaus zu verstehen. Sie dokumentiert damit zugleich eine wachsende Gleichberechtigung der Konfessionen, da sie mit dem katholischen Gotteshaus das Zentrum einer religiösen Minorität in einem weit überwiegend evangelisch-lutherischen Umfeld akzentuiert.
Das westliche, ehemals in Altona belegene, Teilstück der Schmuckstraße hieß ursprünglich Ferdinandstraße. Der Hamburger Teil der Straße galt – bis zur Deportation der chinesischen Bewohnerschaft zu Beginn der 1940er Jahre – als Hamburgs "Chinatown". Dies machen u.a. zeitgenössische Photographien nachvollziehbar, die chinesische Geschäfte (z.B. Wäschereien) und BewohnerInnen dieser Straße zeigen.
An der Nordseite der Straße existierte bis zur Herstellung eines breiten Durchbruchs zur Anlage der Simon-von-Utrecht-Straße eine Blockrandbebauung, die bis auf letzte Reste an der Ecke zur Großen Freiheit wegen ihres unzeitgemäßen Zustandes oder Baufälligkeit abgebrochen wurde. Tatsächlich gab es an einigen Gebäuden deutliche Folgen von Senkungen, denn die Schmuckstraße kreuzt den früheren Verlauf des Grenzbaches zwischen Hamburg und Altona, der als Pepermölenbek in die Elbe mündete.

siehe auch: Große Freiheit

 

Schönstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1869, nach August Joseph Schön (1802-1870), dem Vorsitzenden des Gründungskomitees und ersten Verwaltungsrates der Zollverein-Niederlage.
EStH: Ben[annt] 1869 zu Ehren von August Joseph Schön (1802-1870) als dem Vorsitzenden des Gründungskomitees und des ersten Verwaltungsrates der Zollvereinsniederlage.
HANKE: kein Eintrag.
Im Zuge der Messe-Erweiterung (ab Winter 2003/04), der Errichtung mehrerer neuer Messehallen westlich der Karolinenstraße und der Verlegung des östlichen Teils der Lagerstraße ist die Schönstraße – ebenso wie die Merkurstraße und die Erste, Zweite und Dritte Seitenstraße – vollständig verschwunden.

siehe auch: Lagerstraße

 

Schulterblatt
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt, Altona-Nord, Eimsbüttel), ben. im Volksmund um 1700 als "Beim Schulterblatt". Der Wirt einer hier gelegenen Gastwirtschaft hatte als Aushängeschild das Schulterblatt eines Walfisches. Es soll sich um eine Seemannskneipe gehandelt haben, die vorwiegend von Walfängern besucht wurde. Der Wirt hatte sich das Schulterblatt eines Wales mitbringen lassen, es bunt angemalt und als Wahrzeichen vor der Tür aufgehängt.
EStH: Ben.[annt] im Volksmunde um 1700 als Beim Schulterblatt nach einem an der alten Landstraße nach Eimsbüttel belegenen Wirtshaus, das Zum Schulterblatt hieß, weil es das bemalte und mit Inschriften versehene Schulterblatt eines Walfisches als Aushängeschild führte.
HANKE: (1718) Das Schulterblatt eines Wals, welches das Schild eines Wirtshauses zierte, gab der pulsierenden Hauptstraße des vielschichtigen Schanzenviertels vermutlich ihren Namen. Zum Schulterblatt gehörten ursprünglich auch der Neue Pferdemarkt und der Neue Kamp.
PABEL: Im Grenzbereich von St. Pauli, Eimsbüttel und Altona. Neddermeyer erwähnt in St. Pauli die Straße "Am Neuen Kamp, früher auch Schulterblatt genannt und als solches schon 1718 (nach dem Stadterbebuch) erwähnt" (Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 339). Obwohl im Volksmund seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich, erhielt die Straße erst 1841 offiziell den Namen Schulterblatt.
Der Name leitet sich ab vom markanten Aushängeschild eines dort befindlichen Wirtshauses, dessen bunte Bemalung das Schulterblatt eines Wals darstellte. Damals spielte der Walfang eine gewichtige Rolle im Hamburger Wirtschaftsleben und "Walknochen fanden vielfache Verwendung, z.B. als Abweiser am Rande der Fußwege außerhalb der Thore; auch auf den ehemaligen Reeperbahnen waren Walfischrippen als eine Art Thorbogen verwendet", wie SCHNITGER (Hamburgische Straßennamen. In: Hamburger Schulzeitung, Jg. 6, S. 295) berichtet.
Die Bedeutung des Walfangs und der aus ihm gewonnenen Produkte belegt auch die Straße "Bei den Thranbrennereien" am Hafenrand. Dort befanden sich die Brennereien zur Herstellung von Tran aus dem Speck der erlegten Wale. Dieser Tran fand vielfältige Verwendung, z.B. als – stark rußendes und "geruchsintensives", aber preiswertes – Lampenöl.
In den Listen, die nach der Niederbrennung der Vorstadt St. Pauli durch napoleonische Besatzungstruppen im Winter 1813/14 angefertigt wurden, wird für die Landstraße "Bey dem Schulter Blat" eine Anzahl von 26 zerstörten Häusern genannt (siehe: Der Schulterblatt, 1982: S. 13).
In einer Publikation des "Statistischen Bureaus der Steuerdeputation“ aus dem Jahre 1875 heißt es über das Schulterblatt (S. 11): "Distrikt an der Holsteinischen Grenze am Wege nach Eimsbüttel. In der Nähe liegen auf Holsteinischem Gebiet der ebenso benannte Stationsbahnhof der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn."
Dieser "Stationsbahnhof" der 1866 fertiggestellten Bahnverbindung zwischen Hamburg und Altona ermöglichte auch das bequeme Umsteigen von den nach Eimsbüttel führenden Straßenbahnlinien auf die Fernbahn. Er wurde nach der Errichtung des neuen Fernbahnhofs Sternschanze, eines westlich des alten ebenerdigen Bahnhofsgebäudes errichteten Hallenbaus (ähnlich dem Bahnhof Holstenstraße), aufgegeben. Im Zuge der Herstellung einer neuen Eisenbahnbrücke wurden jedoch erst 2004/05 die letzten Spuren entfernt.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die gesamte Ostseite der Straße bis zur Amandastraße zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie der "Plan von Hamburg" belegt, der dem Heft II der "Statistik des Hamburgischen Staats" beigeheftet ist. Im nordwestlichen Abschnitt der Straße befand sich in den 1860er Jahren hingegen auf Altonaer Gebiet eine Vergnügungsstätte, die auf diesem Plan als "Schmidt Tivoli" bezeichnet wird. Später wurde dort das "Conzerthaus Flora" errichtet.
Ein weiteres markantes Gebäude am Schulterblatt 26-36 ist das ehemalige "Boardinghouse des Westens", dessen auffälliger Erker weit über den Bürgersteig vorkragt. Heute sind dort die STEG – Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte der Universität Hamburg (FZH) und einige Unternehmen annsässig. Es wurde 1930/31 nach Berliner Vorbildern errichtet und sollte in seinen 1- bis 2-Zimmer-Appartments den Service eines Hotels mit dem Charakter privater Wohnungen verbinden. Zunächst bezogen viele KünstlerInnen benachbarter Theater, z.B. der "Flora" oder der "Schilleroper" hier Unterkunft. Da die angestrebte Belegung jedoch längerfristig ausblieb, wurde das Gebäude schließlich als Bürohaus vermietet, zunächst an die Landesversicherungsanstalt (LVA), ab 1976 an die Firma MONTBLANC. Nach deren Weggang dienten einige Etagen ab 1989 als provisorische Unterkunft für Aus- und ÜbersiedlerInnen, bevor es ab Ende der 1990er Jahre vollständig an unterschiedliche Firmen und Institutionen vermietet wurde.
Der "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE geht auf einige architektonische Details ein. Es heißt dort:
"Ehem. 'Boardinghouse des Westens', Schulterblatt 36, St. Pauli. Architekten: Klophaus, Schoch, zu Putlitz. 1930/31. – Das ungewöhnliche Motiv des turmartigen Erkers ergab sich aus der spitzwinkligen Form des Grundstücks, die der Grenze zwischen Hamburg und Altona folgte Die für ein Wohnhaus untypische Architektur ist ein Ergebnis mehrerer Umplanungen infolge der Weltwirtschaftskrise. Ursprünglich wohl als Bürogebäude konzipiert, wie eine Entwurfsvariante der Architekten mit Fensterbändern belegt, wurde der Komplex 1931 als komfortables Wohnheim mit hotelartigem Service für Künstler und Artisten fertiggestellt, die in den benachbarten Vergnügungsstätten von St. Pauli und Altona gastierten. 1933 erfolgte die Umwandlung in ein normales Mietshaus." (siehe: Lange, 1995: S. 94, "C12")
Auch HIPP geht in seinem "Kunst-Reiseführer" auf das markante Gebäude ein:
"Das Boarding-House des Westens, Schulterblatt 36, war ein Sonderfall unter den Großwohnanlagen der zwanziger Jahre. Ein bürgerliches 'Einküchenhaus' sollte das Wohnen in der Stadt mit Gemeinschaftseinrichtungen und dem Service eines Hotels ermöglichen – ein Experiment, das auch hier scheiterte (Klophaus, Schoch, zu Putlitz 1930/31 – 1931 in ein normales Mietshaus umgebaut) ." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3. Aufl./ 1996: S. 253.)
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt das Schulterblatt seit 2008 administrativ vollständig im Bezirk Altona.

siehe auch: Flora-Park

 

Seewartenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Neustadt, St. Pauli), 1894, nach der südlich der Straße gelegenen früheren Seewarte. Unter Leitung des Direktors Georg von Neumayer begann die Seewarte 1876 mit einem Seewetterbericht, der Seeleute und Küstenbewohner über herannahende Stürme informieren sollte. Dafür wurde ein Wetterdienst eingerichtet, der von England über Ostfriesland bis zur Deutschen Bucht reichte. Nachdem sich von den Voraussagen so gut wie keine bestätigt hatte, wurde der Dienst bald wieder eingestellt.
EStH: Ben[annt] 1894 nach der Deutschen Seewarte auf dem Stintfang.
HANKE: (1894) Die 1943/44 zerstörte Deutsche Seewarte, die sich auf dem Stintfang befand, war der Vorläufer des heutigen Deutschen Hydrographischen Instituts.
Im westlichen Abschnitt der Seewartenstraße und entlang der westlich anschließenden Bernhard-Nocht-Straße wurden bereits Beginn zu des 20. Jahrhunderts mehrere öffentliche Gebäude errichtet, darunter das ehemalige Hafenkrankenhaus, Seewartenstraße 5. Nach heftigen Auseinandersetzungen um seine Schließung entstand dort seit 1999 das Sozial- und Gesundheitszentrum St. Pauli (heute Gesundheitszentrum St. Pauli).
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand aus dem früheren Seemannshaus seit den 1980er Jahren ein ausgedehnter Hotelkomplex, dessen Eigentümer Willi Bartels (*1914 – †2007) als größter "Immobilienmagnat" St. Paulis galt. Zur Baugeschichte findet man im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE die folgenden Informationen:
"Hotelbauten an der Seewartenstraße – Hotel Hafen Hamburg, Seewartenstraße 9, St. Pauli. Architekten: Christian Timmermann (Ursprungsbau), Arbeitsgemeinschaft Karl Jacobsgaard und Kleffel, Köhnholdt, Gundermann (Erweiterung). 1858-63, Erweiterung 1984, Fertigstellung 1986. – Ursprünglich auf Betreiben einiger Reeder als Logierhaus mit Freizeiteinrichtungen und Krankenstation errichtet, mußte sich das ehemalige Seemannshaus schon relativ bald nach anderen Nutzern wie der Navigationsschule, der Seemannsmission oder dem Tropenkrankenhaus umsehen, weil die Seeleute die soziale Kontrolle scheuten, die die Unterbringung hier mit sich brachte. Außerdem war das Gebäude als 'Heuerstall' für die Arbeitsvermittlung und Entlohnung bekannt. Beim Umbau zum Hotel wurde der Komplex durch ein turmartiges Gebäude mit Gesellschafts- und Tagungsräumen sowie 51 Hotelzimmern ergänzt. Zwischen expressionistischer 'Stadtkrone' und maritimem Wahrzeichen angesiedelt und dadurch vielleicht etwas zu gefällig geraten, fügt sich der exponierte Bau problemlos in die Stadtsilhouette ein.
– Hotel Residenz Hafen Hamburg, Seewartenstraße, St. Pauli. Architekten: Meyer + Fleckenstein; Mitarbeiter: Stefan Gulde, Iris Hanappel, Susanne Heinz, Cord Möller-Ewerbeck. 1991 W[ettbewerb], 1993-95. Keine Erweiterung des Hotels Hafen Hamburg, sondern ein eigenständiges Haus mit 250 Betten sollte das Hotel Residenz Hafen Hamburg werden. Das betont auch der Entwurf von Meyer + Fleckenstein, dessen elegant geschwungene Hauptfassade sich mit weißen Brüstungsstreifen und dunklen Fensterbändern ostentativ von der behäbigen Bachsteinarchitektur des unmittelbar angrenzenden Hotelkomplexes absetzt. Die Aufständerung des Gebäudes auf Stützen und die transparente Halle eröffnen Durchblicke auf den Elbstrom und zum Innenhof. Die elliptischen Aufbauten für die Konferenzräume mit Panoramablick sind eine zusätzliche Attraktion."
(siehe: Lange, 1995: S. 99, "C29.1" / "C29.2")
Laut SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) erfolgte der Erwerb des "Seemannshauses" durch Willi Bartels im Jahre 1979, die Errichtung des ergänzenden Hotelturms östlich des Hauptgebäudes im Jahre 1987 (a.a.o., S. 12).

siehe auch: Bernhard-Nocht-Straße

 

Seilerstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1886. Die für die Reeperbahn erbrachte Erklärung ist inhaltlich auch für die Seilerstraße relevant, denn Reeper ist gleich Seiler. Nachdem die Neustadt für dieses platzaufwendige Gewerbe zu eng geworden war, wurden die Reeper aus der Gegend des Eichholz vertrieben und siedelten sich in der Vorstadt am Hamburger Berg (St. Pauli) an.
Der obigen Aussage von BECKERHAUS, dass "Reeper ... gleich Seiler" sei, ist entgegenzuhalten, dass die Reepschläger auf ihren Bahnen das schwere Seilwerk für die Schiffahrt drehten, während das Handwerk der Seiler in der Herstellung dünnen Tauwerks für Landwirtschaft, Bau und Tischlerei bestand. Daher gewährten die Hamburger Reeper den Seilern bis zur Auflösung der Zünfte – durch Einführung der Gewerbefreiheit in Hamburg (1865) – auch nur in Ausnahmefällen den Beitritt in das Reepschlägeramt. Groenewold / Ohl stellen dazu ausdrücklich fest: "Die häufig vertretene Meinung, 'Reeper' sei nur der niederdeutsche Ausdruck für Seiler ist demnach falsch." (Elke Groenewold, Gunhild Ohl: "Bönhasen – Pfuscher – Freimeister: die 'handarbeitende Classe' St. Paulis im 19. Jahrhundert." Hamburg, 1990: 45.)
EStH: Ben.[annt] 1886 als auf dem Gelände der ehemaligen Reperbahnen belegen.
HANKE: (1886) Seiler betrieben hier bis 1883 ihre Bahnen (siehe auch: Reeperbahn).
Die Karte "Grundriss der Vorstadt von Hamburg S[ank]t Pauli; herausgegeben von P. G. Heinrich." Gezeichnet v. A.[nton] A.[ugust] M.[artin] Nagel. In Stein gestochen v. Th.[eodor] Boehden; verlegt von Otto Speckter, Hamburg, 1836 (Lithographie; Maßstab: [Ca. 1:5.800]; Größe: 37 x 44 cm) bezeichnet die Seilerstraße lediglich als [Straße] "Hinter der Reeperbahn". Sie bildet die Verlängerung des Klütjenstiegs nach Osten.
Die Plätze der Reeper (= Seiler) waren vom Senat am 31. März 1883 enteignet worden. Dadurch wurden 55.745 m² wertvolles Bauland gewonnen, das sehr schnell parzelliert und mit allen notwendigen Erschließungen (Gas, Wasser, Siele, Straßen) versehen wurde. Bereits um 1887 waren die meisten Grundstücke an der Seilerstraße und ihren Querstraßen zwischen Reeperbahn und damaliger Kieler Straße (heute: Simon-von-Utrecht-Straße) mit Vorder- und teilweise Hinterhäusern dicht bebaut.
Zu dieser Bebauung zählten auch die beiden neuen Schulgebäude der Volks- und der Realschule. Ersteres hat in ganz Hamburg durch das Couplet
"Mit de höhre Schule is dat nix /
Da kommt mein Kind nich rein /
In der Seilerstraße lern sie auch ganz fix /
Und was soll das mit Latein / ... "

zeitweilig eine gewisse Berühmtheit erlangt, letzteres beherbergt heute das Hamburger Schulmuseum (siehe Webseite: http://www.hamburgerschulmuseum.de/). (siehe Webseite: http://www.hamburgerschulmuseum.de/).
Informationen zur Geschichte und Architektur der beiden Schulen in der Seilerstraße sind auch im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. Lange zu finden, in dem es heißt:
"Ehem. Volksschule, Seilerstraße 41-43, St. Pauli. Architekt: Hochbauwesen der Baudeputation. 1887/88. –
Ehem. Evangelisch-reformierte Realschule, Seilerstraße 42, St. Pauli. Architekt: Hallier & Fitschen. 1885/86. – Die Namen Reeperbahn und Seilerstraße verweisen auf ein seit 1626 in St. Pauli ansässiges Gewerbe. 1883 wurden die langgestreckten Bahnen nördlich der Reeperbahn, auf denen Schiffstaue – 'Reepe' – gezogen wurden, geräumt und für eine repräsentative Bebauung mit Etagenwohnhäusern parzelliert. Außerdem fanden hier zwei Schulen Platz, die den teuren innerstädtischen Grund mit vier Geschossen und zweibündigen Grundrissen intensiv ausnutzten, was für den Hamburger Volksschulbau vor dem ersten Weltkrieg aber auch allgemein charakteristisch ist, ebenso der Verzicht auf Aulen und andere Sonderräume. Stellt die Volksschule mit ihrer ganz aus dem Material entwickelten, schlichten Backsteinarchitektur ein weiteres typisches Beispiel für den öffentlichen Hochbau unter Baudirekter Zimmermann dar, so hebt sich die Realschule zumindest durch Werksteingliederungen im italienischen Renaissancestil von diesem prosaischen Gegenüber ab."
(siehe: Lange, 1995: S. 96, "C23.1" / "C23.2")
Eine gewisse Vorliebe Zimmermanns für diese Stilrichtung belegt auch das Gebäude des ehemaligen Albrecht-Thaer-Gymnasiums (heute: Studienkolleg für ausländische Studierende) am Holstenglacis.

siehe auch: Holstenglacis

 

Seitenstraße[n]
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1952, Erste, Zweite und Dritte Seitenstraße wurden 1899 die Querstraßen auf dem Gelände Zollvereinsniederlassung benannt. Die Erste Seitenstraße wurde 1952 in "Seitenstraße" verkürzt.
EStH: ~, Erste, Zweite und Dritte. Ben.[annt] 1899, vorher Östliche, Mittlere und Westliche Querstraße.
Die Bekanntgabe der Umbenennung erfolgte im Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899.
Im Zuge der Vorbereitungen für die Erweiterung des Hamburger Messegeländes nach Westen sind auch die letzten Hinweise auf die Seitenstraße und die Zollvereinsniederlassung aus dem Stadtbild verschwunden. Das letzte verbliebene Gebäude und der noch erkennbare Verlauf der Straßen wurden in Herbst / Winter 2003/04 abgebrochen bzw. bei den Ausschachtungs- und Fundamentierungsarbeiten für die neuen Messehallen westlich der Karolinenstraße entfernt.

siehe auch: Merkurstraße

 

Silbersackstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), etwa 1700, nach dem früheren Grundeigentümer "Silversack", der hier 1697 einen Platz kaufte.
EStH: Ben.[annt] seit etwa 1700 nach einem anliegenden Grundeigentümer namens Silbersack.
HANKE: (1815) Ein Mann namens Silbersack kaufte hier 1697 Land.
PABEL: Die nahe der Reeperbahn gelegene kurze Straße, zum Teil schon 1644 bebaut, müßte eigentlich richtiger Silversackstraße genannt werden; denn namensgebend war ein gewisser Silversack, der 1677 [sic!] hier ein Stück Land gekauft hatte. Im Volksmund hieß die Straße verkürzt auch einfach Silbersack.
Die obigen Angaben dürften auf die Hinweise bei NEDDERMEYER zurückgehen, der 1832 schreibt: "1697 wurde ein Platz bei der alten Dröge (beim Jahre 1610 kommt hier noch eine Wassergrube vor) an S i l v e r s a c k verkauft, daher der Name Silbersackstraße."
(Neddermeyer, F.H.: "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg." Hamburg: Hoffmann & Campe, 1832. Laut dortiger Anmerkung nach einer Mitteilung des Stadtarchivars, Dr. Lappenberg.)
In dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." (S. 342) heißt es zu dieser Straße außerdem:
"No. 346 bis 360, 370 bis 372. 10 Häuser, 10 Wohnungen. – A.D. [= Armen-Distrikt] 2.
Richtiger wäre wohl der Name Silversackstraße, da ein Mann namens Silversack 1697 hier Land kaufte. Schon 1644 wurde diese Gegend bebauet; die Häuser der Südostseite dieser Gasse entstanden erst 1815 (S. B. [= Stadt-Erbebuch]).
In dem Hause No. 370 befand sie das Bureau No. 14 zur Anmeldung der von der Cholera Befallenen; nachstehende Gassen gehörten zum Distrikt desselben:
Antonistraße, erste und zweite Bernhardstraße, Bergstraße, erste und zweite Carlstraße, Dampfmühle, Davidstraße, Elbhalle, erste und zweite Erichstraße, Feldstraße, erste und zweite Friedrichstraße, Gerhardstraße, Herrenweide, Hinrichstraße [sic!], Hörmannstraße, Kirchenstraße, Langestraße, Langereihe, große und kleine Petersenstraße, Pferdeborn, Martenswohnungen, Pinnasberg, Querstraße, Silbersackstraße, Tatergang, bei der Thranbrennerey, Trommelstraße, Wilhelmstraße, Witthof.
Brunnen bei der Elbwasserkunst. In No. 370."

Die größte Attraktion der etwas unebenen, noch mit dem historischen Hamburger Großpflaster belegten Silbersackstraße ist wahrscheinlich die traditionsreiche Gaststätte „Zum Silbersack“, die seit dem 25. Juni 1949 in einem eingeschossigen Pavillonbau an der Ecke zur Querstraße besteht.
Nachdem die langjährige Betreiberin Erna Thomsen der Geststätte im Mai 2012 plötzlich verstorben war, war das Schicksal dieser „Kultkneipe“ St. Paulis ungewiss. Sowohl die IG St. Pauli als Vereinigung der Gewerbetreibenden als auch viele Kommunalpolitiker setzten sich für ihren Erhalt ein.
Über eine weitere ortstypische Gaststätte war in der Rubrik „Meine Strasse“ [sic!] in der Tageszeitung „DIE WELT“ am 25. Oktober 2008 zu lesen:
„Kurz danach folgt die Kneipe ‚Zum Rettungsring’: … Sie ist eine Spelunke, wie sie im Bilderbuch steht. Sie beheimatet Gestalten, die im Sommer in Unterhosen Karten spielend davor und zur kalten Jahreszeit, dunkel gekleidet, von Rauchschwaden umgeben drin verweilen.“

 

Simon-von-Utrecht-Straße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), umb. 1948, nach dem Seehelden und Bürgermeister Simon von Utrecht (gest. 1437), der sich einen Namen machte, indem er Hamburg vom Joch der Seeräuber befreite.
Klaus Störtebeker, der Führer der Vitalienbrüder, verschanzte sich um 1400 bei Helgoland und lauerte Hamburger Schiffen auf. Unter Simon von Utrecht rüsteten sich die Hamburger und brachten ihn nach Hamburg, wo er auf dem Grasbrook geköpft wurde. Die Köpfe der Seeräuber wurden auf Pfähle genagelt.
Gödeke Michels, der bei diesem Gefecht entkommen konnte, wurde ein Jahr später gefaßt und gleichfalls enthauptet. Simon von Utrecht hat an beiden Schlachten auf Hamburgs bekanntestem Schiff, der "Bunten Kuh", teilgenommen. Ein dritter Kriegszug richtete sich gegen Seeräuberschlupfwinkel an Land. In der Emsmündung nahm Simon von Utrecht Stützpunkte der Seeräuber ein. In Hamburg wurde der Seeheld mit großen Ehren überhäuft.
HANKE: (1948) Simon von Utrecht (gest. 1437) ist Hamburgs berühmtester Seeheld, besiegte er doch 1401/02 die Piraten der Vitalienbrüder mit ihren Anführern Klaus Störtebeker und Godeke Michels. 1432-33 schlug von Utrecht außerdem die ostfriesischen Häuptlinge und nahm Emden für Hamburg in Besitz. Ab 1433 amtierte er als Bürgermeister von Hamburg.
Vor 1899: Marienstraße; 1899-1948: Eckernförder Straße.
Die – nahezu alleinige – Zuschreibung des Sieges über Störtebeker entspricht nicht den historischen Tatsachen, denn zur Zeit der Gefangennahme Störtebekers im Jahr 1400 (oder 1401) war an Simon von Utrecht erst ein Jahr lang Hamburger Bürger und nicht der Oberbefehlshaber der eingesetzten Flottille. Für den Feldzug gegen die Vitalier im Jahr 1400 ist statt dessen die Funktion Hermann Nyenkerkens, der die "Bunte Kuh" – das einzige in den Kämmereirechnungen namentlich erwähnte Schiff – befehligte, als Oberbefehlshaber dokumentiert.
Simon von Utrecht stammte vermutlich aus den Niederlanden, wie auch der ihm beigelegte Familienname nahelegt. Erst 1432/33 hatte er den Oberbefehl über die Hanseatische Flotte inne und setzte erfolgreich den Kampf gegen die räuberischen "Strandfriesen" – Störtebekers ehemalige Bundesgenossen – fort, obwohl er bereits seit 1425 selbst Mitglied des Rates war. Nach der Einnahme des friesieschen Hauptquartiers, der Sebaldusburg, weiteren Siegen bei Norden und Lütetsburg und der Eroberung der friesischen Hauptstadt Emden wurde er 1433 zum einzigen Hamburger "Bürgermeister ehrenhalber" ernannt und unterlag somit nicht mehr der jährlichen Ablösung, die die Ratsverfassung Jahrhunderte lang für die Hamburger Bürgermeister vorsah. Er wohnte bis zu seinem Tod am 14. Oktober 1437 in der Gegend des Rödingsmarktes im Nikolai-Kirchspiel.
Der Legendenbildung um Simon von Utrecht leistete vor allem sein Grabstein in der St. Nikolaikirche Vorschub, der ihn zum alleinigen Sieger über die "Likedeeler" (= "Gleichteiler") Störtebekers und Michels' stilisierte. Er gelangte nach dem Erlöschen der Familie Simon von Utrechts 1661 in den Besitz des "Kirchengeschworenen" (Jurat) Jürgen Kellinghusen und verblieb bis zur Zerstörung der alten Nikolaikirche beim Großen Hamburger Brand des Jahres 1842 dort.
Ursprünglich endete der mit Fahrzeugen benutzbare Abschnitt der Simon-von-Utrecht-Straße im Westen an der Einmündung in die T(h)alstraße, in die der Verkehr nach Norden oder Süden abfließen konnte. Erst um 1970 entstanden mit der Herstellung der Verbindung nach "Neu-Altona" die westliche Verlängerung und der heutige Straßenverlauf. Dadurch wurde auch die alte Blockstruktur verändert, wie sich an der freigelegten, fensterlosen "Innen"-Wand des Grünspans bis heute ablesen lässt. Der historische Straßenblock wurde eingefasst durch Große Roosenstraße [Altona] und Kieler Straße [Hamburg] (N), Thalstraße, Schmuckstraße [Hamburg] und Ferdinandstraße [Altona] (S) und Große Freiheit [W]. Dieser recht große Block war durchzogen vom nord-südlich verlaufenden Grenzgang zwischen Hamburg und Altona und mehreren Fußwegeverbindungen, die z.T. von Terrassenhäusern eingefasst waren, wie historische Karten belegen. Mit seiner ursprünglichen Bebauung, zu der östlich der Großen Freiheit gewerbliche Bauten wie die ehemalige Fischräucherei und die Budenreihe der sog. Soldatenhäuser aus dem 18. Jahrhundert, Terrassenhäuser des 19. Jahrhunderts an der Talstraße und an allen Blockrändern – sowohl gründerzeitlicher und moderner – Geschosswohnungswohnungsbau zähl(t)en, kann dieser Block geradezu als Musterbeispiel der Baugeschichte an der alten Grenze zwischen St. Pauli und Altona betrachtet werden. Leider führten die Abbrüche der letzten Terrassenhäuser an der Ecke Simon-von-Utrecht-/Talstraße, die Sperrung des Grenzganges durch einen verschlossenen Zaun und die Schließung des Zugang von der Talstraße aus dazu, dass dieses Ensemble viel von seiner Bedeutung eingebüßt hat. Durch die jüngsten Planungen zur Umgestaltung und teilweisen Bebauung des ehemaligen Schulgeländes der Pestalozzi-Schule zwischen Großer und Kleiner Freiheit (ab 2008) werden sich jedoch voraussichtlich neue Chancen zur Realisierung einer neuen "grünen Wegeverbindung" durch das Blockinnere ergeben. Auch die durchgängige Begehbarkeit des historischen Grenzgangs soll wiederhergestellt werden.
Auf der Ostseite der Einmündung der Talstraße in die Simon-von-Utrecht-Straße ist ein weiteres bemerkenswertes Baudenkmal zu finden, dass sowohl die politische als auch die Sozialgeschichte Hamburgs widerspiegelt. Das ehemalige Israelitische Krankenhaus, das 1843 nach Plänen von Johann Hinrich Klee-Wölbern fertiggestellt wurde. Im aktuellen "Architekturführer Hamburg" von D. MEYHÖFER findet sich dazu die folgende Kurzbeschreibung:
"… 1839 hat der Bankier Salomon Heine zum Gedenken an seine Frau Betty ein für damalige Zeiten vorbildliches Hospital in der damals üblichen Pavillonbauweise gestiftet. Bezeichnend ist, dass dieses Krankenhaus noch das weiße Putzkleid der Patriziervillen trägt; dies ist sicher dem frühen Baujahr geschuldet, aber auch der Präsentation. Spätere Krankenhausbauten wurden als Nutzbauten eingestuft und dementsprechend als Ziegelrohbauten erstellt. … Der Komplex wurde mehrfach erweitert, aber 1938 ebenso zerstört wie die Synagoge, die hinter den Mittelrisaliten lag. Der Nachkriegswiederaufbau ist vereinfacht durchgeführt worden; immerhin erinnern die Oculi im Risaliten daran, dass dieser Bauteil ein Sakralbau war." (Meyhöfer, 2006: S. 38 – Nr.37)
Leider ist diese Beschreibung nur bedingt zutreffend, denn das Hauptgebäude des Krankenhauses war keineswegs ein Pavillonbau, sondern wird durch ein mehrgeschossiges repräsentatives Bauwerk gebildet. Um dieses Gebäude herum waren verschiedene weitere angeordnet, u.a. ein freistehender OP-Pavillon und ein Schwesternwohnheim. Auch wurde das Krankenhaus nicht 1938 zerstört, sondern erst 1939 enteignet und anschließend als öffentliches Krankenhaus und Lazarett genutzt; ab 1943 erlitt es Kriegszerstörungen. Durch Umbauten – vor allem das Einziehen einer Zwischendecke – verschwand der Synagogenraum zeitweilig. Später erfolgte der Einbau zahlreicher kleiner Räume, die zunächst u.a. als Notwohnungen dienten und später von der öffentlichen Verwaltung genutzt wurden. Im Zuge einer Sanierung und Restaurierung des Hauptgebäudes wurde er in vereinfachter Form als Sitzungs- und Veranstaltungssaal ("Betty-Heine-Saal") wiederhergestellt. Dabei wurden sowohl alte Farbfassungen als auch der Standort des Lesepultes dokumentiert und wieder sichtbar gemacht.
Verlässlicher ist die Beschreibung in R LANGES "Architekturführer Hamburg" (1995), in dem es heißt: "Ehem. Israelitisches Krankenhaus, Simon-von-Utrecht-Str. 4 a-f, St. Pauli; Architekten: Johann Hinrich Klees-Wülbern; Mitarbeiter: Julius Theodor Hardorff (Ursprungsbau), Ernst Friedheim (Umbau und Pavillonbauten). Distel & Grubitz (Neubau der chirurgischen Station und Umbauten). Alfred Freudemann (Wiederaufbau). Karries-Hartmeyer-Dreyer (Restaurierung). 1840, 1841-43; Umbau und Pavillonbauten 1901-04; Neubau der chirurgischen Station und Umbauten 1929-31; Zerstörung 1943; Wiederaufbau ab 1947; Restaurierung 1987-90 – .
Das Israelitische Krankenhaus, 1839 von Salomon Heine zu Ehren seiner Frau Betty Heine gestiftet, konnte 80 bis 100 jüdische, aber auch christliche Patienten aufnehmen. Mit Wasserklosetts, die den Krankensälen direkt zugeordnet waren, und einem ausgeklügelten Entlüftungssystem war das Gebäude für seine Zeit als fortschrittlich zu charakterisieren. Wiederholte Umbauten und Erweiterungen – u.a. der bemerkenswerte Eingangspavillon von 1930 und der Neubau der chirurgischen Station an der Hein-Hoyer-Straße, beide Distel & Grubitz – gewährleisteten, dass es auch noch im 20. Jahrhundert seinen Zweck erfüllen konnte, bis es 1939 der Stadt Hamburg übergeben werden mußte. Im selben Jahr wurde auch die Synagoge im ersten Obergeschoß des Mittelrisalits zerstört, wobei die Frauenempore hinter einer Zwischendecke verschwand, die erst 50 Jahre später wieder beseitigt wurde.
Der langgestreckte Putzbau stellt mit seiner Lisenengliederung, den Rundbogenfriesen und dem sparsamen Fugenschnitt ein charakteristisches Beispiel für den 'Rundbogenstil' der Gärtner-Schule dar. Der aktuelle Zustand ist das Ergebnis des Wiederaufbaus, bei dem das ehemals stattliche Gebäude seine gedrückten Proportionen erhielt, weil auf die Wiederherstellung der Doppelgiebel auf den Seitenrisaliten und der Drempel verzichtet wurde. Lediglich die nach dem Zweiten Weltkrieg gerade vermauerten Rundbogenöffnungen der Fassade und die schon 1939 zerstörten Zwillingsfenster und Oculi des Synagogenraums wurden in den 80er Jahren rekonstruiert, nicht zuletzt, um die ehemals sakrale Bedeutung des Gebäudezentrums wieder in Erinnerung zu rufen (heute Ausstellungs- und Veranstaltungsraum). Die übrigen Räume sind in Büros für die Sozialbehörde aufgeteilt."
(siehe: Lange, 1995: S. 91, "C22")
Auf die Motive zur Anlage des Krankenhauses an dieser Stelle geht Hermann HIPP in seinem Kunst-Reiseführer Hamburg ein: "Damals [d.h. um 1820] lag das Gelände nördlich der Reeperbahn noch frei im Grünen und wurde der dort herrschenden frischen Luft halber als Standort ausgewählt für das Deutsch-Israelitische Krankenhaus (…), das der Bankier Salomon Heine 1841-43 bauen ließ."
Er fährt fort: "Die Pläne entwarf Johann Hinrich Klees-Wülbern, der zur gleichen Zeit die Tempel-Synagoge in der Neustadt baute. Die Rundbogenstilfassade mit Mittelrisalit ist eingebunden in die moderne Architektur dieser Zeit – baulich ein Stück Emanzipation der Juden in Hamburg (einfühlsam wiederhergestellt 1988-90).
Der nach dem Korridorsystem angelegte Bau war auch krankenhaustechnisch modern und hatte nach Süden gerichtete Krankensäle; den religiösen Bedürfnissen trug er Rechnung durch die Synagoge, die den Mittelteil einnahm. – Der rückwärtige Neubau entstand 1928-30 nach Entwürfen von Distel & Grubitz, die damals unter den Hamburger Architekten als Krankenhausspezialisten galten. – Das Krankenhaus ist eine der Stationen der Hamburger Juden durch die Nationalsozialisten: 1939 geschlossen, wurden die Gebäude von der Stadt 'übernommen' und innen umgebaut. Nachdem lange Zeit der Abbruch geplant war, ist in den letzten Jahren die Instandsetzung eingeleitet worden. …
Das Krankenhaus steht der Lage nach in Tradition des 1606 ebenfalls weit draußen vor der Stadt eingerichteten Pesthofes und späteren Krankenhofes – des ersten städtischen, nicht als kirchliche Stiftung entstandenen Krankenhauses in Hamburg."
(Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 251-52.)
Weitere Informationen zur Gründungsgeschichte des Krankenhauses, seiner Tätigkeit bis 1939 und zur späteren Nutzung des Gebäudes enthalten mehrere Publikationen, u.a.:
• "150 Jahre Israelitisches Krankenhaus in Hamburg." (Hamburg: Hartung, 1997.)
• Frank P. Hesse (Redaktion) / Klaus-Jürgen Steinmetz (Dokumentation u. Gestaltung): "Das ehemalige Israelitische Krankenhaus." Hrsg. von der Kulturbehörde Hamburg, Denkmalschutzamt. (Hamburg, 1991.)
Auch im Gebäude gibt es eine sehenswerte Dokumentation zur Geschichte des ehemaligen Israelitischen Krankenhauses und seiner Gebäude, die nach Anmeldung am Eingang zugänglich ist.

siehe auch: Talstraße

 

Sophienstraße
EStH: Ben.[annt] 1838 nach der Schwester des damaligen Patrons der Vorstadt St. Pauli, des Senators Dr. Dammert, Sophie Marie Reimerdes (geb. 1792).
Die Straße wurde zum 1. Januar 1940 im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im – nach 1938 geschaffenen - "Groß-Hamburg" in Detlev-Bremer-Straße umbenannt. (Bereits seit 1922 trägt eine Straße im Hamburger Stadtteil Wilstorf den Namen Sophienstraße.)

siehe auch: Detlev-Bremer-Straße

 

Spielbudenplatz, Spielbudenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), um 1840, nach dem Platz, auf dem sich Künstlerbuden, die sog. Spielbuden befanden. Seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts benutzten den Platz vor dem Millerntor Artisten für ihre Schaustellungen aller Art. Es gab Marionettentheater, Zauberkünstler, Seiltänzer, Kunstreiter und sogar Menagerien. Die auf Kämmereigelände befindlichen Holzbuden hatten sich nach und nach so vermehrt, daß man sie 1875 wegen Feuergefahr durch Massivbauten ersetzte.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Benannt um 1840. Parallel zur Reeperbahn verläuft – mehr als Straße denn als Platz – der so genannte Spielbudenplatz. In den einst hier befindlichen Holzbuden zeigten Straßenkünstler alle Arten von Schaustellungen. Die zunehmende Anzahl dieser Buden wurde allmählich zu einer ernsten Feuergefahr, so dass sie nach und nach durch Steinbauten ersetzt wurden.
Auch Hamburgs berühmteste Polizeiwache, die Davidswache, befindet sich nach wie vor in der Nähe sowie das St. Pauli-Theater und das Operettenhaus."
EStH: Ben.[annt] um 1840 nach den Buden für Schaustellungen, die hier vorher lagen.
HANKE: (1840) Seit 1795 standen an dem Platz vor der Reeperbahn hölzerne "Spielbuden", in denen Seiltänzer, Kunstreiter und Gaukler ihre Triumphe feierten. Es war "das Eldorado der Hamburger Bevölkerung", wie ein Chronist schrieb. So ist es geblieben. Allerdings sind die Spielbuden steinernen Gebäuden gewichen, in denen sich Theater, Kneipen und Läden etabliert haben.
PABEL: Der Platz im Umfeld der Reeperbahn diente seit altersher, zunächst als Konkurrenz zu den Kollegen vom Großneumarkt, ambulanten Händlern, Zauberern, Schaustellern aller Art als Aktionsraum. Anfangs befanden sich dort einzelne hölzerne Buden. Heß beschreibt das Treiben auf dem Rummelplatz so: "Den Weg überlagern auf den Seiten ambulante Boutiquen, die größtenteils von Juden gehalten werden. Schiebkarren mit Bibliotheken, aus denen Bücher stückweise für 4 Schilling verkauft wurden. Salzgurken, Zigarren, Knackwürste usw., als bei- und durcheinander, ein lebendiges Caricatur-Gemälde, der Auslegung eines Lichtenberg würdig" (Heß, Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben; 2. Aufl.; III, S. 47).
Ab 1840 wurden die hölzernen Buden durch festere Bauten ersetzt. Unter den bekannteren Etablissements waren die "Camera Obscura" und der bis in neuere Zeit bestehende "Trichter". Auch ein anderes "optisches Handwerk" hatte hier mehrere Jahrzehnte lang einen Schwerpunkt: Zwischen den 1840er Jahren und dem frühen 20. Jahrhundert hatten zunächst Daguerrotypen und seit Mitte der 1860er Jahre zahlreiche Photographen hier ihre Studios. Schließlich wurde hier 1900 mit "Knopf's Lichtspielhaus" auch Hamburgs erstes Theater für die neuen "bewegten Bilder" eröffnet.
Ab 1836 wurde der Raum zwischen Wilhelm-Straße, Spielbudenplatz, der Ersten Friedrichstraße und der Langen Reihe (St. Pauli) sukzessive bebaut. An der Ecke Spielbudenplatz und Davidstraße wurde 1854 eine größere Wache für das Bürgermilitär eingerichtet, die später zur wohlbekannten Polizeiwache avancierte.
Das bunte Treiben in der Vorstadt vor dem Millerntor verdeutlicht ein um 1846 erschienener Stadtführer, in dem es heißt:
"Vor allem ist dies der Tummelplatz der Matrosen fast aller Nationen, die nach langen mühsamen Reisen in den vielen Wirtshäusern bei Grog und Punsch, bei Tanz und Vergnügungen mit feilen Dirnen, womit die Wirtshäuser zu den Löwen, Sternen und wie sie alle heißen mögen, überfüllt sind, ihre höchste Lust suchen und auch finden. – Diese Häuser, welche durch flatternde Flaggen aller Nationen, schmetternde Trompetenstöße und das Gefiedel einer herzzerreißenden Tanzmusik ihre Gäste einzuladen suchen, feiern ihre Triumphe besonders im Herbst, wo die Matrosen ihren Lohn erhalten. Vorzüglich an Sonntagen herrscht dann hier ein Jubel, der nicht selten durch eine derbe Prügelei zwischen Matrosen und Handwerksgesellen eine hübsche Abwechslung erhält. … Auf dem großen Spielplatze befindet sich jetzt eine Reihe niedlicher Häuser und eine Menge Buden in allerlei Formen, wo Kunstreiter, Schauspieler, Karussell, Seiltänzer, Taschenspieler, Elektrisiermaschinen und wilde Tiere ihr Wesen treiben. … Um aber diesem Gemälde die Vollendung zu geben, so ist dieses Feld mit Trödlern und Schiebkarren übersäet, von denen Würste und Mordgeschichten, Bücher und Käse, neue schöne Lieder und Salzgurken, frische Eier und gedörrte Fischen feil geboten werden." (N.N., Neuester Führer durch Hamburg, Altona und deren Umgebungen. Hamburg, o.J. [ca. 1846]: S. 144 f.)
Offenkundig wurde diese Beschreibung nach der Parzellierung und Erstbebauung der Südseite des Spielbudenplatzes verfasst, die kurz nach dem großen Brand von 1842 erfolgte, um zum Ersatz für die durch den Brand zerstörten Teile der Altstadt beizutragen.
Eine weitere ausführliche Schilderung des Spielbudenplatzes und der näheren Umgebung findet sich bei Albert BORCHERDT (Das lustige alte Hamburg; I, S. 249 ff.).

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrjunderts eröffneten nach "Knopf's Lichtspielhaus" zahlreiche weitere Kinos am oder in der Nähe des Spielbudenplatzes. Der "Hamburg-Führer“ (Herausgegeben vom Fremdenverkehrsverein Hamburg. Landesfremdenverkehrsverband Nordmark e.V. Vierte, völlig neu bearbeitete Auflage. Hamburg, 1936.) nennt insgesamt sechs "Größere Lichtspieltheater …:
Ferrytheater - Spielbudenplatz 23
Knopfs Lichtspieltheater - Spielbudenplatz 19
Millerntortheater - Millerntorplatz 1
Schauburg am Millerntor - Reeperbahn 1
Union-Theater - Spielbudenplatz 8
Welt-Theater - Spielbudenplatz 21."


Eine informative Beschreibung der Geschichte und Funktion des Platzes liefert eine große Informationstafel, die von der Initiative MUSEUMSKAI HAFEN HAMBURG mit Unterstützung des HAMBURGER ABENDBLATTS direkt am Spielbudenplatz aufgestellt wurde. Sie bildet die Station 17 eines Spazierweges am nördlichen Hafenrand. Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" u.a.:
"Die Anfänge des Amüsierviertels
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde St. Pauli zur Heimat von Lotsen und Hafenarbeitern mit ihren Familien. Nachdem die Torsperre im Jahr 1860 aufgehoben worden war entdeckten die Hamburger Bürger das Areal als Freizeitoase. Hier, auf dem Grenzterritorium zwischen Hamburg und Dänemark, war dank der Gewerbefreiheit manches möglich, was in der Stadt undenkbar erschien. Zwischen Davidstraße und Helgoländer Allee weitete sich der östliche Abschnitt der Reeperbahn nach Süden hin zum Spielbudenplatz aus, der Schaustellern aller Art u.a. zum Vorführen von Puppenspielen diente.
In Bretterbuden, Zelten und unter offenem Himmel wurde dem größtenteils aus der Innenstadt durch das Millerntor herbeiströmenden Publikum allerlei Kleinkunst dargeboten. Dieses ungeregelte Treiben erhielt seinen festeren Rahmen, als die Holzbuden ab 1840 einer Randbebauung des Platzes mit soliden Gewerbebauten weichen mußten.
Nur Schaustellern, die sich auf dem Spielbudenplatz als finanziell erfolgreich erwiesen hatten, war es möglich, als Mieter oder Besitzer diese mit Sonderrechten für den Vergnügungsbetrieb ausgestatteten Bauten zu beziehen. Statt Marionetten traten auf den größeren Bühnen dieser Häuser jetzt Tänzerinnen und Soubretten auf. Der 'Circus Gymnasticus', eine Manege für Reitakrobatik, eröffnete 1841 am Spielbudenplatz 1 seine klassizistisch gestalteten Pforten. Etwa 3000 Menschen fanden als Zuschauer der Vorstellungen und als Artisten zu Fuß und zu Pferd darin Platz. Nach einem Brand wurde das hölzerne Gebäude 1877 durch den massiven Theaterbau der 'Central-Halle' ersetzt. Hier hatte im Jahre 1911 der bis heute populär gebliebene St. Pauli-Hit 'Auf der Reeperbahn nachts um halb eins' Premiere. Direkt am Millerntor-Platz bildeten die 'Central-Halle' und, ihr gegenüber, 'Ludwig's Concerthaus' bis zum 2. Weltkrieg die markanten Flanken des Eingangs nach St. Pauli. Der Geist der 'Belle Époque' durchströmte das 1889 eingeweihte Konzerthaus (Reeperbahn 98) mit einem Orchesterpodium für 800 (!) Musiker. Zur Ausstattung gehörten außerdem eine große Orgel, Kegelbahnen und ein Wintergarten mit einem 17 Meter hohen Wasserfall. Die Bomben des 2. Weltkrieges vernichteten die Festhalle und hinterließen ein Brachland, auf dem 1966 das 23-stöckige 'IDUNA-Hochhaus' gebaut wurde. Nach einer aufwendigen Asbestentsorgung wurde das Hochhaus am 19. Februar 1995 mit einer spektakulären Sprengung beseitigt. Das anschließend entstandene Büro- und Geschäftshaus der Architekten Kleffel / Köhnholdt will als ausgedehnter Baukomplex wiederum markantes Eingangszeichen zur Reeperbahn und der parallel laufenden Straße am Spielbudenplatz sein.
Katzen, Gorillas und andere Dschungelkämpfe
Auch der Reich ornamentierte Theaterbau der 'Central-Halle' auf der anderen Seite des Spielbudenplatzes wurde im Krieg zerstört. Heute setzt das wellblechverkleidete 'Operettenhaus' mit dem Musical 'Cats' die Tradition der musikalischen Aufführungen an dieser Stelle fort. Auch die 'Wilhelmshalle' auf dem rechts angrenzenden Grundstück blieb vom Krieg nicht verschont. Die Räumlichkeiten teilten sich ab 1889 eine Bierschankwirtschaft und das 'Hamburger Panoptikum', das auch heute noch in einem Neubau an gleicher Stelle Wachsfiguren prominenter Persönlichkeiten ausstellt.
Naturalienkabinette waren die Attraktionen der Häuser mit den Nummern 8 bis 15. Hier boten Seeleute lebende und präparierte exotische Tiere aus Überseegebieten zum Kauf oder zur Besichtigung an. Besuchermagnet im 'Umlauff'schen Weltmuseum' war ein im Jahr 1900 in der Kolonie Kamerun erlegter und anschließend ausgestopfter Riesengorilla. Gleichzeitig geriet dort die Vorführung von 'Dschungelkämpfen' zwischen eigens nach Hamburg gebrachten Angehörigen afrikanischer Stämme zur Sensation.
Auch Hagenbecks Erfolgsgeschichte begann am Spielbudenplatz. Am 6. März 1848 stellte der Fischhändler Gottfried Claes Carl Hagenbeck in Holzbottichen sechs Seehunde aus, die seinen Lieferanten zufällig in die Netze geraten waren. Das war das Gründungsdatum der Firma Hagenbeck, die später als Tierhandlung, Zirkus- und Tierparkunternehmen bekannt wurde. Carl Hagenbeck, der Sohn des Fischhändlers erwarb 1863 die Parzelle Spielbudenplatz 19, um die Tiere unterzubringen, die er aus vielen Ländern bezog. Diese exotische 'Handlungsmenagerie' war – wie der Name zu erkennen gibt – eine Tierhandlung, in der sich das zahlende Publikum die exotischen Kreaturen aber auch ansehen konnte. 1874 zog Hagenbeck zum Neuen Pferdemarkt um, wo dann auch –ähnlich wie im 'Umlauff'schen Weltmuseum' – 'Völkerschauen mit Eskimos, Singhalesen, Nubiern und anderen ethnischen Gruppen gezeigt wurden. Weltberühmt wurde Hagenbeck mit seinem 1907 in Stellingen eröffneten Tierpark, in dem die Tiere nicht mehr in Käfigen, sondern in 'Panoramen' präsentiert wurden, die dem Publikum die Illusion der 'freien Wildbahn' vermittelten. Carl Hagenbecks Schwester Christiane blieb am Spielbudenplatz 19, wo sie – ab 1885 in einem stattlichen Neorenaissancegebäude – eine Vogelhandlung betrieb. Heute befindet sich in diesem Gebäude das Kino 'Docks'.
Eine Theaterlandschaft entsteht
Auf dem Areal der Hausnummern 20 bis 22 standen das Etablissement 'Orchestrion Concerthaus, wo die Musik aus Automaten kam, sowie 'Knopf's Lichtspieltheater'', in dem am 2. Mai 1900 in Hamburg erstmals 'bewegte Bilder' gezeigt wurden. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatte sich das Publikum hier bei den plattdeutschen Darbietungen des St. Pauli-Barden Hein Köllisch (1857-1901), des beliebtesten Volkssängers der Hansestadt, amüsiert.
Am eindrucksvollsten erzählt die Fassadenreihe zwischen den Hausnummern 25 und 30 mit ihren üppigen Schmuckelementen von der Glanzzeit der Gründerjahre. Zu nennen sind das Theater 'Varieté', der repräsentative Bau der 'Großen Bierhallen', der heute 'Schmidt's Tivoli' beherbergt und schließlich das St. Pauli-Theater, dessen Bühnensaal noch aus der Entstehungszeit der Spielbudenplatzbebauung stammt. Damals hieß es noch 'Urania-Theater' und hatte stark unter der Hamburger Torsperre zu leiden, die die Besucher aus der Innenstadt zwang, noch vor dem Torschluß um 22 Uhr hinter die innerstädtischen Stadtmauern zurückzukehren." Erst nach Aufhebung dieser Vorschrift florierte das Geschäft. Als der Schauspieler Ernst Drucker 1884 das Theater erwarb und neue Volksstücke einstudierte, erlebte die Bühne, die bald seinen Namen trug, ihre größte Zeit.
Die Davidwache – Deutschlands berühmteste Polizeistation
Schon 1840 beschloß der Hamburger Senat, eine Polizeiwache für St. Pauli zu errichten. Als Bauplatz bestimmte man ein kleines Grundstück an der Ecke Davidstraße / Kastanienallee. Vier schmächtige Holzpfeiler, die wohl Säulen darstellten, sollten dem winzigen Holzhäuschen den Charakter einer Behörde verleihen. Schon bald mußten sich die hier Dienst tuenden Schutzleute mit der 'Vernichtung von Obszönen Bildern' und Fällen von 'Übervorteilung öffentlicher Mädchen' befassen. Je mehr sich der Vergnügungsbetrieb von St. Pauli entwickelte, desto mehr stieg auch die Kriminalität an. Darauf reagierte der Senat mit der Entsendung zusätzlicher Ordnungskräfte, die aber in der kleinen Wache kaum noch unterzubringen waren. Erst 1868 wurde durch den Abzug einer Militäreinheit die Soldatenwache am Spielbudenplatz frei. Dieser klassizistische Bau stand an der Stelle der heutigen Davidwache mit der Hausnummer 34 und diente der Polizei bis 1912 als Station, an der das Auge des Gesetzes den strategisch wichtigen Übergang zwischen 'St. Lustig' und 'St. Liederlich' überwachte.
Doch die exponierte Lage, die die Polizisten schätzten, war den Gewerbetreibenden entlang der Reeperbahn und des Spielbudenplatzes ein Dorn im Auge. Durch die deutliche Präsenz der Obrigkeit befürchteten sie negative Auswirkungen auf die Stimmung der Kiezbesucher. Mit Eingaben beim Senat versuchten die Geschäftsleute vergeblich, die aufgrund der Platzprobleme geplante neue Wache aus dem Vergnügungszentrum zu verdrängen. 1913 / 14 entstand der Neubau auf dem Grundstück des abgerissenen Vorgängergebäudes.
Der Architekt – Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher – schuf jeweils separate Diensträume für Schutzpolizei, Kriminalpolizei und Sittenwacht sowie sichere Arrestzellen. Bei der Außengestaltung zollte man dem Argwohn der St. Paulianer Tribut, indem man statt der streng wirkenden Säulenfront des Vorgängerbaus eine heimelige Backsteinfassade mit farbig glasierter Baukeramik wählte. Selbstironisch schmückt sich die Polizeiwache mit behelmten Tonköpfen, die aus den beiden Erkern an der Längsfront auf die Prostituierten an der gegenüberliegenden Seite der Davidstraße starren. Über allem ruht ein Mansardgiebeldach, das dem auch durch Kriminalfilme berühmt gewordenen Gebäude den Charakter eines althamburgischen Kaufmannshauses verleiht.
Polizeialltag heute
Heute verrichten hier 120 Beamte ihren Dienst und überwachen in vier Schichten das mit 0,85 Quadratkilometern kleinste, aber 'heißeste' Revier Hamburgs. 450 Etablissements jeglicher Güte und Größe sowie 2000 Prostituierte warten in dem zu überwachenden Gebiet zwischen Nobistor und Bismarckdenkmal sowie zwischen Fischmarkt und Clemens-Schultz-Straße auf Kundschaft, die vor allem an den Wochenenden zu Tausenden auf den Kiez strömt."


Einige ergänzende Informationen zum Operettenhaus findet man bei SCHREIBER / WALDEN (in: "Hamburg-St. Pauli", 2008: S. 32):
"Am östlichen Anfang des Platzes entstand der 'Circus Gymnasticus', in dem bis zu 3.000 Besucher Kunstreiter in Aktion bestaunen konnten. Nach einem Brand von 1876 wieder aufgebaut, eröffnete hier 1904 das 'Neue Operettentheater, das von 1920 bis 1935 als 'Operettenhaus weitergeführt wurde […] zwischen 1935 und 1939 [zeigte hier] das 'Eden-Theater' Varietéprogramme […]. 1945 zerstört, 1953 wieder eröffnet, wurde das Operettenhaus 1981 umgebaut. … Direkt daneben befindet sich seit 1889 Deutschlands ältestes und größtes Wachsfigurenkabinett, das 'Panoptikum'."
Auf die jüngste Umgestaltung des Platzes geht die Broschüre "Hamburgs Grün" ein:
"Die Reeperbahn ist seit langem nicht nur als Hamburgs sündige Meile, sondern auch als Theater- und Musicalstandort bekannt. Und wo sich eine Bühne an die andere reiht, scheint es logisch, dem Schauspiel auch im Außenraum einen gebührenden Platz einzuräumen.
Die Gestaltung des Spielbudenplatzes, geplant vom Landschaftsarchitekturbüro LÜTZOW 7 [Berlin], ist schlicht und alltagstauglich. Begrenzt wird der Platz an beiden Enden von erhabenen, baumbestandenen Terrassen. Treppen führen auf diese erhöhten Sitzplätze, die zudem als Kleinstbühnen fungieren könnten. In der Mitte befindet sich eine große Fläche mit zwei verschiebbaren Freilichtbühnen. Diese beiden Metallbauten können maschinell auf durchgehenden Schienen aneinander geschoben werden, und ihr 'Zusammentreffen' ist theoretisch an jeder Stelle auf dem Platz möglich.
An gewöhnlichen Tagen haben angrenzende Kneipen und Cafés hier Tische und Stühle stehen, teilweise mit Palmen geschmückt. Dort lässt es sich gut auf die Aufführung in den angrenzenden Spielstätten warten oder nach einem Marsch entlang der Reeperbahn ausruhen."
(Siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 22)
Bei genauerer Betrachtung wird erkennbar, dass der Spielbudenplatz an seiner südlichen Seite von einem Straßenraum begleitet wird: der sog. "Spielbudenstraße". Sie bildet jedoch keine amtlich bezeichnete Verkehrsfläche und ist bereits vor Jahren in die Platzfläche integriert worden, so dass sie Kraftfahrzeuge nicht mehr durchgängig befahrbar ist. Anrainer dieser Straße sind u.a. das neue Schmidt-Theater, das St. Pauli-Theater und die Davidwache. Nähere Informationen zu den Theatern finden sich im "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE, in dem es heißt:
"Theater am Spielbudenplatz: –
Schmidts Tivoli, Spielbudenplatz 27-28, St. Pauli. Architekten: Bahre & Querfeld. 1890; Umbau 20er Jahre; Restaurierung 1991. –
St. Pauli-Theater, Spielbudenplatz 29-30, St. Pauli. Architekt: Franz Jacobssen (Umgestaltung). 1840/41; Umgestaltung 1898. –
Eine besondere denkmalpflegerische Trouvaille stellt 'Schmidt's Tivoli' dar, das noch vor ein paar Jahren unter dem Namen Zillertal krachlederne Rustikalität versprach. Das Alpendekor aus den 20er Jahren bildete zwar ebenfalls schon einen schützenswerten Bestand, wurde dann aber doch entfernt, weil sich darunter die weitaus attraktiveren Wandbilder von 1890 verbargen. Auch mit dem St. Pauli-Theater isst noch eine historische Saalarchitektur überliefert, nämlich das 1841 eröffnete Urania-Theater, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine heutige Neorenaissancefassade erhielt. Ihr repräsentativer Anspruch macht deutlich, daß die Vergnügungsstätten auf der Reeperbahn durchaus auch gutbürgerliche Schichten ansprechen wollten – bis das Klischee von der 'sündigsten Meile der Welt' immer stärker zu einem Niedergang der traditionellen Unterhaltungskultur führte."
(siehe: Lange, 1995: S. 97/98, "C24.1" / "C24.2")
Eine Besonderheit bildet die Verwaltung des Platzes: Die Betreiber des "Schmidt’s Tivoli", des Panoptikums und weiterer Betriebe am Spielbudenplatz haben sich zu einer Betriebsgesellschaft zusammengeschlossen, die für das Nutzungs-Management, die Sicherheit und die Reinigung des Platzes zuständig ist und dort das Hausrecht ausübt. Diese Regelung führte immer wieder zu Kritik an den zuständigen Hamburger Behörden, da der Platz unter Einsatz erheblicher öffentlicher Mittel – vor allem von Fördermitteln der Europäischen Union aus dem EFRE-Strukturfonds (Europäischer Fond zur regionalen Entwicklung) – hergestellt worden war. Um diese Kritik zu entkräften wurde ein Beirat, bestehend aus Vertretern der Betreiber, verschiedener Fachbehörden, politischer Parteien, Anwohnern und Gewerbetreibenden, eingerichtet Zudem sind – nach anfänglichen Problemen – kaum noch Nutzungseinschränkungen erfolgt, was jedoch häufig zu einem eher unansehnlichen und ungepflegten Erscheinungsbild des Platzes beiträgt.
Dass es auch der "Obrigkeit" bereits früh angezeigt erschien, ein wachsames Auge auf das Vergnügungsviertel zu halten, belegt das wenige Meter von den Theatern entfernt zu findende eindrucksvolle Gebäude des Polizeikommissariats 15, das unter der Bezeichnung "Polizeirevier Davidwache" internationale Bekanntheit genießt. Es ersetzte eine älteres kleineres Wachgebäude und wurde von seinem Erbauer, dem damaligen Leiter des Hochbauwesens und Baudirektor Fritz Schumacher, selbst als "festungsartig" bezeichnet, obwohl es gerade an der Seite zur Davidstraße durch die beiden, auf fünf Konsolen ruhenden und mit farbig glasiertem Terrakotta-Schmuck versehenen, Erker reich verziert ist.
Zur Architektur und ihrer Funktion als Repräsentation der Staatsmacht findet man bei R. LANGE im "Architekturführer Hamburg" (1995) folgende Informationen:
"Davidwache, St. Pauli. Architekten: Hochbauwesen, Fritz Schumacher. 1913/14. –
Der Bürgerhausgiebel und die dunklen Klinkerfassaden, akzentuiert durch Erker, die mit glasierten Terrakotten, z.B. Köpfe von römischen Legionären (Richard Kuöhl), geschmückt sind, machen die legendäre Polizeiwache noch heute zu einem Fremdkörper am Spielbudenplatz. Die klar umrissene Gebäudeform mit dem voll ausgebildeten Dach lässt kaum vermuten, daß es Schumacher hier gelungen ist, ein überaus komplexes Raumprogramm in den Baukörper zu integrieren, nämlich neben Diensträumen für die Wache selbst auch noch eine Dienststelle der Kriminalpolizei, eine Meldestelle und einen sittenpolizeilichen Untersuchungsdienst, die zudem noch über separate Eingänge und Treppenaufgänge verfügen mussten, ebenso wie die beiden Dienstwohnungen im Dachgeschoss."
(siehe: Lange, 1995: S. 98, "C25")
Eine ausführliche Beschreibung des Gebäudes, seiner Geschichte und des Polizeialltags im Vergnügungsviertel liefert der inzwischen in drei Auflagen erschienene Band "Die Davidwache: das berühmte Polizeirevier." von Ingeborg Donati und Thomas Metelmann (Hamburg: Verlag Am Galgenberg, 3. Auflage / 1991).
In den 1990er Jahren war das Gebäude jedoch endgültig zu klein geworden, so dass es durch einen – am 4. April 2005 eingeweihten – Anbau an der, zur Kastanienallee ausgerichteten, Rückseite erweitert wurde. Dieser Anbau führte dazu, dass ein großes Wandbild an der westlichen Giebelwand des benachbarten Hauses in der Kastanienallee, das eine Dilukai-Figur aus Mikronesien zeigte, wieder verschwand. Es war im Jahre 2000 von den Künstlern Kai Teschner und Samuel Mbingilo geschaffen worden und wurde auch als "Schutzgöttin der Prostituierten", die nach wie vor jeden Abend ihre Plätze in der Davidstraße einnehmen, interpretiert.
Unter den zahlreichen Fundstellen, an denen man im Internet Informationen zur Entwicklung, Bebauung und Nutzung des Spielbudenplatzes findet, gehört auch der Artikel der Internetenzyklopädie Wikipedia zur Reeperbahn (sic!). Dort heißt es zur jüngeren Geschichte des Spielbudenplatzes:
"Schon seit den 1960er Jahren wird über eine Umgestaltung des zentralen Spielbudenplatzes diskutiert, um diesen Platz auf dem Kiez wiederzubeleben. Zunächst wurden Ende der 1960er Jahre ein- bis zweigeschossige Pavillons errichtet, wie sie auch in Einkaufszentren dieser Zeit üblich waren. Es siedelten sich zunächst verschiedene (Fastfood-)Gaststätten, Freizeitclubs (mit Billard, Tischfußball und ähnlichem) sowie kleinere Läden für Bekleidung, Andenken, Postershops etc. an. Jedoch entstanden durch die stark unübersichtlich verwinkelte, enge Passage große Hygiene- und Sicherheitsprobleme, wodurch viele Geschäfte, besonders im mittleren Bereich schnell wieder geschlossen wurden und nicht wieder vermietet werden konnten. Dadurch entwickelte sich der Spielbudenplatz zunehmend in einen peinlichen Schandfleck. Ende der achtziger Jahre wurden die dortigen Pavillons abgerissen, und die rund 300 m lange Fläche blieb oftmals ungenutzt. Nach kontrovers diskutierten Vorschlägen (u. a. eine Installation mit zwei Kränen von Jeff Koons), wurde im Dezember 2004 ein Plan mit zwei einander gegenüber liegenden beweglichen Bühnen, auf denen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden sollen, durch die Stadt Hamburg beschlossen und umgesetzt. Am 2. Juni 2006 wurde der 9,7 Mio € teure Umbau von Spielbudenplatz und Reeperbahn offiziell eingeweiht."
(siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Reeperbahn_%28Hamburg%29; Abschnitt: "Sehenswürdigkeiten").
Eine auf den ersten Blick kaum zu entdeckende Besonderheit des Platzes bildet die zweigeschossige Tiefgarage unter seiner Oberfläche. Details zu ihrer Geschichte enthält die Veröffentlichung des Denkmalschutzamts der Hamburger Kulturbehörde mit dem Titel "Bunker" (Hamburg, 2001):
"Der größte derartige [unterirdische] Luftschutzbau in Hamburg ist die heute als Tiefgarage genutzte Anlage Reeperbahn / Spielbudenplatz. Bemerkenswert ist – und offenbar einzigartig im 'Deutschen Reich' geblieben –, dass von vornherein die Friedensnutzung als Großgarage für die Aufnahme von 430 Autos geplant war. 200 m lang und 21,40 m breit, bot die zweistöckige Anlage Sitzplätze für 5.000 Personen, wobei bei Angriffen tatsächlich 15.000 – 20.000 Personen Schutz suchten. Die Wand und Deckenstärken entsprechen mit 1,80 m bzw. 1,40 m den für bombensichere Tiefbunker vorgeschriebenen Anforderungen der 'Anweisung für den Bau bombensicherer Luftschutzräume' vom November 1940 für eisenbewehrte Wände und Decken."
(SCHMAL, Helga / SELKE, Tobias: Bunker. Luftschutz und Luftschutzbauten in Hamburg. Unter Mitarb. von Henning Angerer. Kulturbehörde der FHH, Denkmalschutzamt; Themenreihe, Band 7. Hamburg: Christians-Verlag, 2001: S. 64.)
Tatsächlich blieb ausgerechnet die Tiefgarage von Bombentreffern im 2. Weltkrieg nahezu vollständig verschont, während fast die gesamte umgebende Bebauung Bombentreffern oder Feuern zum Opfer fiel. Fast alle übrig gebliebenen Bauten aus der Vorkriegszeit bzw. ihre zerstörten Reste wurden inzwischen abgebrochen, so dass die Davidwache, das St. Pauli-Theater und die Fassade des alten St. Pauli-Bades (allerdings verdeckt durch ein Baugerüst) die letzten Reminiszenzen an die Gründerzeit bilden. Operettenhaus (heutiges Gebäude aus dem Jahre 1981) und Panoptikum (heutiges Gebäude in seiner Grundgestalt aus den 1950er-Jahren) sind zwar ihren Standorten treu geblieben, jedoch in neuen Bauten. Die mehr als ein Jahrhundert lang für den Platz charakteristischen "Buden" haben in Gestalt der beiden fahrbaren Bühnen mit ihrer LED-Beleuchtung eine moderne Nachfolge gefunden.

siehe auch: Reeperbahn

 

[Beim] Sprützenhause
Auch: Beim Spritzenhaus.
EStH: Ben.[annt] um 1835 nach dem in der Zweiten Friedrichstraße belegenen Sprützenhause.
Die nur wenige Meter lange Straße zwischen Erich- und Friedrichstraße östlich des damaligen Paulsplatzes (heute: Hein-Köllisch-Platz) verschwand bei Wiederaufbau des Gebietes nach dem 2. Weltkrieg bzw. im Zuge des Stadtumbaus in den 1970er-Jahren, bei dem die westlichen Abschnitte von Friedrich- und Erichstraße und ihre Einmündungen in den Platz aufgehoben wurden, vollständig.

 

Sternschanze
BECKERSHAUS: (Rotherbaum), ben. 1870 als "An der Sternschanze" wegen der Lage der Straße am Fuß des ehemals von der Sternschanze eingenommenen Geländes, verkürzt 1899.
EStH: Ben.[annt] 1870 als An der Sternschanze wegen der Belegenheit der Straße am Fuße des ehemals von der Sternschanze eingenommenen Geländes, verkürzt 1899.
PABEL: Die vorgeschobene Verteidigungsstellung im Nordwesten der Stadt, 1682 errichtet, 3550 Fuß vom Hauptwall entfernt, benannt nach den sternförmig angelegten Seiten. Sie war durch einen verdeckten Gang mit dem Ravelin Carolus verbunden. Ihre Feuerprobe bestand sie während der Belagerung durch die Dänen im Jahre 1686.
In einer Publikation des "Statistischen Bureaus der Steuerdeputation“ aus dem Jahre 1875 heißt es zur Sternschanze (S. 14): "... südlich vom Papenlande, war ein im Jahre 1682 angelegtes starkes Aussenwerk, durch einen Laufgraben in der Richtung der Strasse zwischen den Kirchhöfen mit den städtischen Befestigungen verbunden, welches sich 1686 in der dänischen Belagerung bewährte und einer Beschiessung und Erstürmung erfolgreich widerstand. 1806 demolirt, wurde die Sternschanze 1813 von den Franzosen wieder hergestellt, nach dem Frieden aber für immer beseitigt und planirt. Zwei alte Bäume bezeichnen die Stelle des Wachthauses der Schanze. Das planirte, unbebaute Terrain diente lange zum Exerzierplatz, bis im Jahre 1863 ein Hoch-Reservoir der Wasserkunst, später ein Bahnhof der 1866 eröffneten Verbindungsbahn mit Viehhof und 1869 die Zollvereinsniederlage hierher verlegt und das übrige Terrain mit Strassen durchzogen und zum Theil mit Anlagen versehen wurde."
Die Anlage der nordwestlichen Außenbastion der barocken Wallanlagen erfolgte 1682 innerhalb weniger Monate auf der Feldflur des "Heydbergs von Heymichhude", die 1647 vom Kloster in Harvestehude (Herwardeshude) erworben worden war. Die Seitenlänge der vier Sternstrahlen betrug jeweils 60 bis 70 Meter, die Höhe der Erdwälle ca. 4 Meter. Auf der – von einem 18 Meter breiten Graben umgebenen Bastion wurden 16 Geschütze stationiert. (Weitere Einzelheiten siehe bei: Cipriano F. Gaedechens,: "Das hamburgische Militär bis zum Jahre 1811 und die Hanseatische Legion." Hrsg. vom Verein für Hamburgische Geschichte. Hamburg: Gräfe, 1889 [Sonderdruck aus: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte; Bd. 8.])
Der endgültige Abbruch der Bastion und die Umwandlung in einen Hügel erfolgte auf Beschluss des Hamburger Rathes und der Bürgerschaft vom 16. Dezember 1819. Diesen Hügel durchschnitt in den 1860er Jahren die neu gebaute Verbindungsbahn. Zur selben Zeit wurde dort nach Plänen des Architekten William Lindley ein großes Hochreservoir zur Versorgung der Hamburger Vororte St. Pauli und Eimsbüttel eingebaut, das von 1863 bis 1905 benutzt wurde. Seine Funktion übernahm von 1910 bis 1961 ein darüber errichteter, das dortige Stadtbild prägende, Wasserturm. In diesen Wasserturm wurde – nach jahrzehntelangem Verfall - von 2005-07 ein Hotel eingebaut, das derzeit von der Möwenpick-Kette betrieben wird. Die unteren zwei Geschosse des Hotels liegen in dem 150 Jahre alten Backsteingewölbe, das noch aus der Zeit vor dem Bau des Turms stammt. Dieses wurde vom Teeranstrich befreit und in die eineinhalb Meter starke Fundamentwand wurden Durchbrüche gefräst, um einen Eingang zur tiefer gelegenen Straße Sternschanze zu schaffen. Die hohen Kreuzgewölbe des historischen Wasserspeichers sind nahezu komplett erhalten und saniert worden. Sie sind in einem im Untergeschoss liegenden Café auch (halb-)öffentlich zugänglich.
Der Umbau des Wasserturms und die vorhergehende jahrzehntelange Ungewissheit über eine neue Nutzung führten zu - zeitweilig sehr heftigen - Konflikten zwischen den BewohnerInnen benachbarter Quartiere und städtischen Stellen bzw. verschiedenen Projektentwicklern. Zur Beilegung der Auseinandersetzungen wurde u.a. eine recht ungewöhnliche Kompensationsvereinbarung geschlossen, die eine Zahlung von rund 1 Million Euro (sog. „Wasserturm-Million“) an verschiedene sozio-kulturelle Institutionen und Initiativen aus den umgebenden Stadtteilen vorsah und auch umgesetzt wurde.
An der Straße befanden bzw. befinden sich "zu ebener Erde" auch der erste Sternschanzenbahnhof der 1864-66 errichteten Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona und der "neue" Sternschanzenbahnhof, von dessen gründerzeitlicher Bahnhofshalle allerdings kaum mehr als das Eingangsbauwerk an der Schanzenstraße geblieben ist.
Das ebenfalls 1864-66 im spätklassizistischen Stil errichtete Gebäude des ersten Bahnhofs Sternschanze ist das älteste Gebäude an dieser Straße. Es liegt ca. 200 Meter östlich des heutigen Bahnhofs auf Straßenniveau, wo bis zur Fertigstellung des erhöhten Bahndamms und der neuen Hallenbahnhöfe der Verbindungsbahn am Dammtor (sog. „Kaiserbahnhof“, an der Sternschanze und an der Holstenstraße im Jahre 1903 auch die Bahngleise verliefen. Das Bahnhofsgebäude besaß ursprünglich eine Fahrkartenausgabe und die üblichen Warte- und Gepäckräume. Nach der Fertigstellung Verlagerung des neuen Bahnhofs wurde das historische Gebäude für Verwaltungs- und Wohnzwecke umgebaut und wird bis heute entsprechend genutzt. Es steht seit 1989 als einziger erhaltener Bahnhof der ersten Verbindungsbahn unter Denkmalschutz.
Ein neuer Hallenbahnhof Sternschanze wurde ab 1899 auf dem aufgehöhten Bahndamm errichtet und am 15. Mai 1903 eröffnet. Er überspannte je zwei Fernbahn- und Vorortbahngleise (heute S-Bahn-Gleise) mit dazwischen liegenden Bahnsteigen und Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn (seit 1912). Außerhalb der Bahnhofshalle befanden sich umfangreiche Güterverkehrsgleise, die sowohl zum Schlachthof (Viehverladungs- und Güterbahnhof an der Budapester Straße) als auch zum ehemaligen Heizkraftwerk „Karoline“ an der Karolinenstraße (Ecke Kampstraße; später: Grabenstraße, heute: Flora-Neumann-Straße) führten. Im Bereich der Tiergartenstraße befand sich seit den 1970er-Jahren zudem ein Bahnsteig für Ausstellungszüge beim Congress-Centrums Hamburg (CCH), der durch ein Ausziehgleis mit dem (Güter-)Bahnhof Sternschanze verbunden war.
Die im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört gebliebene Eisen- und Glaskonstruktion des Hallendaches wurde 1974/75 fast vollständig abgebrochen. Nur an der Schanzenstraße sind noch Teile der alten Schalterhalle erhalten, während die Reste des Zugang zu den Fernbahngleisen und große Teile des früheren Fernbahnsteigs südlich der S-Bahn-Gleise 2006/07 entfernt wurden. Im Zuge der Messe-Erweiterung wurden auch das Gleis zum CCH und der dortige Bahnsteig entfernt.
Bis zur Gebietsreform im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes (1937/38) gehörte das Gebiet zum Stadtteil St. Pauli. Mit der Gebiets- und Bezirksverwaltungsreform des Jahres 2008 gelangte es in den neuen Stadtteil Sternschanze des Bezirks Altona.

 

Sternstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), ben. 1843, mit Bezug auf den Namen Sternschanze, auf die die Straße zuführt.
EStH: Ben.[annt] 1843 mit Bezug auf den Namen Sternschanze, auf die die Straße zuführte.
PABEL: Führt auf die Sternschanze zu. Sie erhielt ihren Namen im Jahre 1843.
Entlang der Sternstraße ist noch eine Reihe historischer Wohngebäude, wie z.B. die Zollischek-Terrassen, aber auch gewerblicher Bauten des Schlachthofs und seiner Zulieferbetriebe erhalten. Östlich der Einmündung der Straße in den Neuen Kamp findet man ein ehemaliges Pförtnerhäuschen des Schlachthofs, das heute als Kiosk – mit kleiner Außengastronomie auf der historischen Hofpflasterung – genutzt wird. Ebenfalls ein Gastronomiebetrieb hat sich im frühen "HuPf", d.h. dem Hunde- und Pferdeausspannstall, angesiedelt. Dort konnten Mitglieder der Schlachterinnung ihre Pferde und Zieh-Hunde (!) unterstellen, solange sie auf dem Schlachthofgelände zu tun hatten. Nördlich der neuen Schlachthofpassage wurde mit dem sog. "HuPf B" ein modernes Gewerbegebäude – mit Ladennutzungen – und daran angrenzend auf dem Schlachthofgelände ein Produktionsgebäude für einen fleischverarbeitenden Betrieb errichtet. Mehrere unterschiedliche Gewerbebetriebe, sowohl aus der Lebensmittelbranche als auch aus dem Dienstleistungssektor, haben ihren Standort gegenüber der Einmündung der Ludwigstraße in die Sternstraße im ehemaligen Hammel- und Kälberstall.
Das Denkmalschutzamt geht in seiner Beschreibung des Ensembles der Alten Rindermarkthalle und ihrer Umgebung ebenfalls auf das Pförtnerhäuschen ein. Es heißt dort u.a.:
"Sternstraße 2: Schlachthofgelände mit Tradition
Das gut erhaltene Ensemble besteht aus dem Pförtnerhäuschen mit dem Rest der Schlachthofmauer, dem eingeschossigen Hunde- und Pferdeausspann von 1897 sowie der Rinderschlachthalle von 1913 mit dem Standbild 'stürzender Stier' vom Künstler Martin Ruwoldt und dem zum Teil erhaltenen Hofpflaster.
Auf St. Paulis Heiligengeistfeld herrschte traditionell reger Viehhandel. Die Grenzlage zu Altona, Dänemark und Schleswig-Holstein und die guten Transportwege dorthin und zum Hafen begünstigten die Konzentration auf Vieh- und Fleischhandel.
1873 beschloss die Bürgerschaft als Ersatz für den veralteten und zu kleinen Schlachthof in der südlichen Neustadt, einen neuen 'Centralschlachthof' funktionsgerecht zwischen dem Viehhof und dem Viehmarkt in der Vorstadt St. Pauli zu errichten. Erst 1897 waren die wesentlichen Bauten fertig gestellt, wobei Erweiterungen und Neubauten im 20. Jahrhundert erforderlich wurden.
Das Ensemble dokumentiert nicht nur den Industriebau des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und die Entwicklung von der Neugotik zur Reformarchitektur, sondern vor allem auch die Industrialisierung der Versorgung und die unter hygienischen Gesichtspunkten vorgenommene Modernisierung der Großstadt."

Die Sternstraße bildet seit der Gebiets- und Verwaltungsreform des Jahres 2008 die neue Grenze zwischen den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona, obwohl das Gebiet westlich der Sternstraße bis zur Schanzenstraße historisch immer zu Hamburg gehört hatte. Die Bezirksgrenze verläuft so, dass alle Wohnhäuser im Bezirk Altona liegen, während die zum Schlachthofgelände gehörenden Gewerbebauten in Mitte verblieben sind. Die neue Grenzziehung bewirkte auch, dass das – bis Ende 2013 bestehende – "Sanierungsgebiet St. Pauli S 3: Karolinenviertel" nachträglich in zwei Teile in verschiedenen Bezirken geteilt und verschiedenen Bezirks- und Fachämtern zugeordnet wurde, zwischen denen nur ein sporadischer und fragmentarischer Austausch erfolgte.

siehe auch: Zollischek-Terrasse(n)

 

Stinkbüdelsgang
PABEL: "Kein offizieller Name, nur im Volksmund so genannt. Die 19 Steinkaten in der Marktstraße 7 gehörten nicht zu den feinsten Adressen der Neustadt; daher die unzarte Bezeichnung. Nach dem Brand von 1842 als Obdachlosenunterkunft genutzt.
Auch in Barmbek gab es einen Gang dieses Namens, allerdings war auch hier bei der Benennung die vox populi beteiligt. Offiziell handelte es sich um eine zweizeilige Hinterhausreihe (von der Deseniß- zur Rönnhaidstraße), angelegt vom Fischhändler Vorrath (nach Funke, 65)."

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Pabel bei der Verortung dieses Ganges in der Neustadt ein Irrtum unterlaufen, denn die Marktstraße befindet sich im Karolinenviertel im nördlichen St. Pauli und dort ist zwischen den Hausnummern 6 und 10 auch heute noch die zweizeilige Budenreihe vorhanden, während das Vorderhaus der Belegenheit Marktstr. 7-9 im Herbst 2003 dem Abriss durch die neuen Eigentümer zum Opfer gefallen ist, obwohl es zu den ältesten Häusern St. Paulis gehörte und schon in den 1820er-Jahren in einem historischen Reiseführer über "Hamburg und seine Umgegenden" erwähnt worden ist.
Die erhaltene – und ebenso wie Vorderhaus und Hofpflasterung denkmalgeschützte – Budenreihe wurde wohl tatsächlich zwischen 1843 und 1845 errichtet, um sog. "Hülfswohnungen" für durch den Großen Brand vom 5.-8. Mai 1852 obdachlos gewordene Altstadt-BewohnerInnen zu schaffen. Sie wird seit 2006 saniert und modernisiert.

siehe auch: Marktstraße

 

Störtebeker-Straße
"... (gest. 20.10.1400 [nicht 1402] durch Hinrichtung), Seeräuber. Zusammen mit Godeke Michels (1401 in Hamburg hingerichtet) war der vermutlich aus Wismar stammende Störtebeker der bekannteste Anführer der »Vitalienbrüder«. Sein Vorname ist nicht eindeutig gesichert, erst im 15. /16. Jahrhundert setzte sich »Klaus« in der Überlieferung durch. 1394, als eine englische Klageakte ihn für die großen Verluste englischer Kaufleute durch Kaperüberfälle verantwortlich macht, findet sich seine erste schriftliche Erwähnung als Hauptmann der Vitalienbrüder. In diesem Zusammenhang wird er in den folgenden Jahren fortwährend in englischen Aufzeichnungen genannt. Wann er seine Aktivitäten von der Ost- in die Nordsee verlegte, ist unbekannt. Da er zusammen mit Michels zwischen 1398 und 1400 in größerem Maße von Ostfriesland aus operierte, ist zu vermuten, daß er sich bereits vor 1398 in der Nordsee festgesetzt hatte. Der Überlieferung nach wurde Störtebeker 1400 in der für Hamburg erfolgreichen Schlacht vor Helgoland gefangengenommen und im Oktober mit 30 seiner Leute auf dem Grasbrook enthauptet. (Im Hamburgischen Jahrregister von 1457, der ältesten Chronik der Stadt, wurde die Hinrichtung irrtümlich auf 1402 datiert.)
Während er zu Lebzeiten an Bedeutung hinter Michels zurückstand, setzte ihn die Legende an die erste Stelle. Ein Kupferstich im Besitz des Museums für Hamburgische Geschichte galt lange Zeit als das Porträt Störtebekers. Auf diesen Irrtum gehen die angeblichen Porträts Störtebekers auf zwei Medaillen zurück. Ein von H. Wagner geschaffenes Bronzestandbild wurde 1982 auf private Initiative am Brooktor an der Magdeburger Brücke
[heute im Gebiet der HafenCity] aufgestellt."
Die Umbenennung der Straße in der Zeit des NS-Regimes legitimierte – trotz der wachsenden Bedeutung Störtebekers für das Image Hamburgs und St. Paulis – offenbar die kurz nach dem 2. Weltkrieg erfolgte Löschung dieses Straßennamens. Einige Jahre später erhielt der ein Stück weiter südlich hergestellte neue Straßendurchbruch nach "Neu-Altona" den Namen des legendären Gegenspielers von Klaus Störtebeker und heisst seither Simon-von-Utrecht-Straße, so dass auch im Stadtgrundriss wieder "geordnete Verhältnisse" herrschen: Nicht der "Likedeeler" (hochdt.: "Gleichteiler"), sondern der Repräsentant der stadtstaatlichen Ordnung und des "Hochedlen Rathes" der Kaufmannsrepublik wird durch einen Straßennamen geehrt.

siehe auch: Clemens-Schultz-Straße

 

St. Pauli-Fischmarkt
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (Altona-Altstadt, St. Pauli), 1926, der Fischmarkt an der Elbe wurde von Graf von Schauenburg 1664 eingerichtet. Dieser Markt, der jetzt schon einige Jahrhunderte besteht, hat im Laufe der Zeit von den Bauwerken her gesehen sein Gesicht völlig verändert. Geblieben sind die Händler und Sehleute, die nach Sensationen Ausschau halten. Der Platz, den wir heute unter dem Namen Fischmarkt kennen, war zunächst allgemeiner Landeplatz. Als nach dem Bau der Niederbaumbrücke 1880 die Seefischer ihren Lagerplatz nach hier verlegten, nahm der St. Pauli Fischmarkt, der sich mit dem Altonaer Fischmarkt vereinigte, einen bedeutenden Aufschwung.
In seinem Verzeichnis über "Die Namen der Hamburger Märkte und Plätze" schreibt BECKERSHAUS außerdem: "Benannt 1926. Es handelt sich um einen Markt, der heute ganz mit dem Altonaer Fischmarkt zusammengewachsen ist. Ursprünglich diente der Markt Hamburger Fischern als Anlandeplatz für ihre Fische. Heute ist er jeden Sonntagmorgen ab 5 Uhr Anziehungspunkt für Touristen und Hamburger."
HANKE: (1604) Der Fischmarkt, heute ein von Kneipen und Restaurants umgebener Platz für Fußgänger, wurde 1604 auf Anregung des Grafen Ernst von Schauenburg als Marktplatz für die Altonaer Fischer eingerichtet, die ihr Gewerbe im Laufe der Jahrhunderte zum wichtigsten Erwerbszweig von Hamburgs Nachbarstadt entwickelten. Zu Altona gehört heute auch der benachbarte St. Pauli-Fischmarkt, das Herzstück der bunten Verkaufsmeile, die am Sonntagmorgen von Frühaufstehern geschätzt wird.
Der heutige St. Pauli-Fischmarkt fand erstmals im Jahre 1703 am Elbufer an der Grenze zwischen der Vorstadt Hamburger Berg und der damals dänischen Stadt Altona statt, da hier – rund um die St. Pauli-Kirche – zahlreiche Fischer ansässig waren. Sie boten ihren Fang im Uferbereich zwischen der Mündung des Pepermölenbeks und dem Hornwerk, einer Vorbastion der barocken Großen Wallanlagen, an (heutiger Ort der St. Pauli-Landungsbrücken), wo sich auch die "Thranbrennereien", kleine Werften und Schiffslandeplätze befanden und standen in heftiger Konkurrenz zu den Altonaer Fischern, die jenseits des Grenzbaches am Elbufer zu Füßen der Altonaer Altstadt ihre Produkte feilboten.

 

St. Pauli-Hafenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, als Zugangsweg von St. Pauli zum Niederhafen. – Heute ist diese Straße weit über Hamburgs Grenzen hinaus berüchtigt, weil es den Anwohnern gelungen ist, über Jahrzehnte Negativschlagzeilen in der Presse zu haben.
Diese etwas eigenwillige Deutung wird keineswegs von allen Hamburger/innen geteilt, denn die Häuser und Projekte an der St. Pauli-Hafenstraße sind längst zu einer "Attraktion" geworden, an der kaum ein/e St. Pauli-Besucher/in und keine Stadtrundfahrt achtlos vorübergeht!
Längst hat die Hafenstraße es auch zu einem Eintrag in der offenen Internet-Enzyklopädie Wikipedia gebracht, dem zahlreiche Verweise zu verschiedensten weiterführenden Veröffentlichungen – auch in Filmen und Ton – zu entnehmen sind (http://de.wikipedia.org/wiki/Hafenstra%C3%9Fe). Ein Überblick über die umkämpften Jahre zwischen 1981 und 1991 findet sich zudem unter dem Titel "Chronologie der Hafenstrasse" auf den Webseiten von »nadir.org« (http://www.nadir.org/nadir/archiv/Haeuserkampf/Hafenstrasse/doku.html).
Einen guten Eindruck vom Verlauf der Ereignisse, von den politischen Begleitumständen der Besetzung der Hafenstraßen-Häuser in den 1980er Jahren und ihrer künftigen Nutzung als alternativem Wohnprojekt liefert das Buch "Hafenstraße: Chronik und Analysen eines Konflikts" von M. Herrmann, H.-J. Lenger, J.Ph. Reemtsma und K.H. Roth (Hamburg, 1987). Diskursive und symbolische Aspekte der heftigen politischen Auseinandersetzungen der 1980er Jahre beleuchtet einige Jahre später W. Lehne unter dem Titel "Der Konflikt um die Hafenstraße. Kriminalitätsdiskurse im Kontext symbolischer Politik" (Reihe: Hamburger Studien zur Kriminologe, Bd. 18; 1994).
Ungemein informativ ist auch eine Publikation der "Patriotischen Gesellschaft von 1765", einer traditionsreichen Hamburger Institution "... zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe" (wie ihr vollständiger Name besagt), von 1996 unter dem Titel "Die Hafenstraße: Der Dialog als politischer Weg. Dokumentation und Reflexionen zum Wirken der Dialogkommission der Patriotischen Gesellschaft von 1765". Die Patriotische Gesellschaft dokumentiert in dieser Schrift das Wirken der von ihr begründeten Dialogkommission im Konflikt um die Hafenstraßen-Häuser.
Im gleichen Jahr wurden die – heute teilweise nicht mehr vorhandenen – Wandbilder in der Hafenstraße in dem vom St. Pauli-Archiv (http://www.st-pauli-archiv.de/) herausgegebenen Buch "Zu bunt ..." von Monika Sigmund dokumentiert.
Eine neuere – durchaus in ihrer Perspektive umstrittene – Publikation des Autors Carl-Heinz Mallet ist im Jahr 2000 unter dem Titel "Die Leute von der Hafenstraße: über eine andere Art zu leben“ erschienen (Hamburg: Ed. Nautilus).
Aufschlussreich für eine "gut bürgerliche" Sichtweise erscheint auch der Artikel "Hafenstraße" im "Hamburg Lexikon" (1998), hrsg. von Franklin Kopitzsch und Daniel Tilgner, in dem es heisst:
"Hafenstraße ist als Begriff für ein Dutzend heruntergekommener Mietshäuser an der St. Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße entstanden, die zwischen 1981 (damals noch der stadteigenen Wohnungsgesellschaft SAGA gehörend) und 1995 weithin bekannt wurden. Von Angehörigen der Protestszene partiell besetzt, teils renoviert, teils festungsartig verstärkt, durch spektakuläre Bemalung zur Touristenattraktion geworden, bildeten sie jahrelang einen nahezu rechtsfreien Raum, worin Mietzahlungsverweigerung, Energiediebstahl und Gewaltakte ungeahndet blieben. Zahlreiche vor Gericht erwirkte Räumungsbefehle blieben unvollstreckt. Mit immer neuen rechtskonstruktionen versuchte der Senat, sich mit den rund 120 Bewohnerinnen und Bewohnern zu einigen. Bürgermeister K. von Dohnanyi trat 1988 wegen eines Konflikts in seiner Partei, der SPD, über die Hafenstraße zurück. 1995 wurden die Häuser zu einem 'politischen Preis' an eine Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer' verkauft. Nicht nur die 'Neue Zürcher Zeitung' sprach von einer 'Kapitulation des Rechtsstaats''. Anderen gilt die Hafenstraße als ein Symbol für Defizite in der Wohnungspolitik einerseits, für den Wunsch junger Leute nach selbstbestimmten Wohnen andererseits. Diese Kreise begrüßten den Verkauf als Beitrag zur friedlichen Konfliktlösung."
("luz" – Helmut Stubbe-da Luz, in: Franklin KOPITZSCH / Daniel TILGNER: Hamburg-Lexikon. Hamburg: Zeise-Verlag, 1998: 195)
Wenige Jahre später heißt es 2002 im Handbuch "Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker." der HAMBURGER SPARKASSE:
"Das Dutzend besetzter Häuser an der St.-Pauli-Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße sorgte unter dem Begriff H a f e n s t r a ß e fast eineinhalb Jahrzehnte für politischen Zündstoff. 1981 zogen Besetzer in die vom Abriss bedrohten SAGA-Häuser ein und blieben trotz mehrfacher Räumungsbefehle dort wohnen. Die teils renovierten Bauten wurden zu einer Mischung aus Touristenattraktion und politischem Spielball, über den 1988 der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi stolperte. Erst 1995 gelang eine Einigung mit den rund 120 Bewohnern, nach der die Häuser zu einem 'politischen Preis' an die Genossenschaft ’Alternativen am Elbufer’ verkauft wurde[n].''Acht der zwölf Häuser sind inzwischen renoviert, die letzten vier sollen in den kommenden drei Jahren bezugsfertig sein', schildert Sandra Pohlmann von den 'Alternativen' die Fortschritte. Alle rund 80 Wohnungen sind öffentlich geförderter Wohnraum; die Baukosten betragen insgesamt rund 6,5 Mio. Euro.“ (Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker, 2002: S. 957.)
In wenigen knappen Sätzen, jedoch mit einem verschmitzten Resümee, fassen SCHREIBER / WALDEN (2008) die Entwicklung zusammen:
"Zur Erinnerung: 1981/82 waren mehrere, teilweise zum Abbruch vorgesehene Wohnhäuser an der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße von jungen Leuten aus der linksautonomen Szene besetzt worden. In der Folge kam es zu ständigen Auseinandersetzungen und Polizeieinsätzen. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Die nunmehr sanierten Häuser gehören der Genossenschaft 'Alternativen am Elbufer e.G.'. Gerade hat diese einen Wohnungsneubau an der Hafenstraße errichtet – gefördert von der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt." (a.a.O., S. 19)
Die zitierten modernen Darstellungen des "Phänomens Hafenstraße" lassen die historische Entwicklung dieses Abschnitts des Hafenrandes weitgehend außer acht, der bereits seit dem 19. Jahrhundert immer wieder tiefgreifenden Umstrukturierungen unterworfen war: Wie ein Vergleich historischer Karten der Jahre 1836 und 1876 belegt, wurden durch die Neuanlage der Hafenstraße im Jahre 1859 die langgestreckten Grundstücke südlich des Pinnasberges und der Straßen Bei dem Jonas und Bei den Thranbrennereien, die ursprünglich bis an die Elbe reichten, von ihrem Zugang zum Wasser abgeschnitten. Die dort ansässigen Schiffswerften und Bootsbauer mussten auf die Südseite der Norderelbe umziehen, wo sie sich u.a. auf dem Kleinen Grasbrook und Steinwerder neu ansiedelten. Dort konnten die Betriebe expandieren und – nach der Hamburger Werftenkrise der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die 1838 die Auflösung des Schiffbaueramtes zur Folge hatte – wieder rentabler und damit konkurrenzfähiger arbeiten. Auch viele Zulieferbetriebe, vor allem Ankerschmieden und Segelmacher, folgten ihnen an den neuen Standort, während die Reeper ihr Gewerbe noch einige weitere Jahrzehnte (bis 1883) nördlich der Reeperbahn ausübten.
Abschließend ist zu erwähnen, dass in diesem Teil St. Paulis noch in den 1970er Jahren – ähnlich wie an anderen Bereichen des Hafenrandes – Fischanlandung und -verarbeitung heimisch waren. Inzwischen haben Hochsee- und Küstenfischerei sowie die Fischverarbeitung diesen Standort allerdings längst verlassen und nur noch einige gastronomische Betriebe wie das "Fischerhaus" und die restaurierte Altonaer Fischauktionshalle am Fischmarkt zeugen von dieser – gar nicht so fernen – Vergangenheit.

 

Susannenstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1945, vermutlich nach der ältesten Tochter des Grundeigners Clas Julius Bieber.
EStH: Ben.[annt] 1860 vermutlich nach der ältesten Tochter des Grundeigentümers Claes Julius Bieber.
HANKE: (1860) Susanne Bieber (geb. 1846), Tochter des dortigen Grundeigentümers Claus Bieber.
Anzumerken ist, dass die Susannenstraße in der Zeit des Nazi-Regimes vom 30.1.1934 bis Oktober 1945 die zweifelhafte "Ehre" hatte, den Namen des SA-Gruppenführers Heinrich Dreckmann (Heinrich-Dreckmannstraße) zu tragen, der bei den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten - der sog. "Schlacht an der Sternschanze" - am 7. September 1930 an der Ecke Susannenstraße / Schanzenstraße erstochen worden war. (Quelle: "Erlebnisbericht des SA-Sturmführers Conn aus Hamburg." DHM - Deutsches Historisches Museum, Berlin.)
Nach Schaffung des neuen Stadtteils Sternschanze (im Bezirk Altona) liegt die Susannenstraße seit 2008 administrativ in diesem östlichen Appendix des Bezirks.

 

Sylter Allee
Ehemaliger Name des heutigen nord-südlichen Teiles des Zirkusweges zur Seewartenstraße hin, der zusammen mit dem Weg "Am Elbpark" das Gelände des ehemaligen Hafenkrankenhauses umschloss. Die Straße wurde 1899 im Zuge der Errichtung zahlreicher öffentlicher Bauten (u.a. des 1895 gegründeten Hafenkrankenhauses) in diesem Teil St. Paulis benannt. Der Name verschwand mit der Änderung des Straßenverlaufes des Zirkusweges, dessen südwestlicher Abschnitt im Zuge der Zusammenlegung und gewerblichen Bebauung des Geländes der ehemaligen Bavaria-St. Pauli-Brauerei zwischen Hopfenstraße und Bernhard-Nocht-Straße aufgehoben wurde. Dieser Abschnitt entstand im Verlauf der Neubebauung des ehem. Brauerei-Geländes mit Wohn- und Bürobauten wieder neu. Die frühere Straßenfläche wurde den neu gestalteten und erweiterten Grün- und Freiflächen zugeschlagen.
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zu dieser Straße:
"Neben der Helgoländer Allee besaß St. Pauli früher auch eine Sylter Allee. Auf dieser Straße, die von den Landungsbrücken unter der 'Simon-von-Utrecht-Brücke' zum Zirkusweg hochführte, verkehrten ab 1894 sogar elektrische Straßenbahnen. … Die Sylter Allee verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg, als ab 1950 der große Komplex für das Bundesverkehrsministerium, das heutige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, entstand." (a.a.O., S. 16)

siehe auch: Zirkusweg

 

T

Talstraße
<< auf der Karte anzeigen
(historische Schreibweise: Thalstraße)
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1849, nach dem ehemals wasserreichen Tal der Pepermölenbek (inzwischen versiegt).
EStH: Ben.[annt] 1849 mit Bezug auf das wasserreiche Tal, das hier in alter Zeit durch Aufstauung des Grenzbachs zwischen Hamburg und Altona zu Befestigungszwecken entstanden war, und im Anschluß an den Namen Joachimst[h]al, den das Saal- und Gartenlokal von seinem Besitzer Joachim Friedrich Froichen führte, das an der Ausmündung der neuen Straße in die Lange Reihe belegen war.
HANKE: kein Eintrag.
Die o.g. "Lange Reihe" bildet seit Ende des 19. Jahrhunderts den westlichen Abschnitt der Reeperbahn. Über das Gartenlokal "Joachimsthal“ ist unter dem Stichwort "Vorstädte“ des "Hamburgischen Adress-Buchs für das Jahr 1820“ im Abschnitt "Behörden und andere Körperschaften, amtliche Information: Alphabetisches Verzeichniss einiger Hamburgischer Anstalten, öffentlicher Gebäude und anderer Merkwürdigkeiten, zunächst für Fremde" auf Seite 669 zu lesen:
" V o r s t ä d t e. … 2) Der Hamburger-Berg liegt außerhalb des Millern- (Altonaer) Thors. Die schönen Gebäude des Krankenhofes und die Baracken für Arme, welche sich hier befinden, sind in der Belagerung, mit der Vorstadt selbst, von den Franzosen abgebrannt. Gesehen zu werden verdient hier ein Belustigungsort des grösseren Publicums, das Wirthshaus des Herr Froichen, Joachimsthal genannt, das schnell und verschönert aus seinen Ruinen emporgestiegen in einem seiner Säle die sehr gut getroffenen Bildnisse der Befreyer des Vaterlandes enthält; ferner die Elb-Erholung und Elb-Halle. Auf dem Hamburgerberge findet man gewöhnlich eine große Menge Buden mit Wachsbildern, Seiltänzern, Marionetten, ausländischen Thieren u. dergl. Am Sonntage gewährt das laute Gewühl der Lustwandelnden, der Verkäufer u.s.w. einen erheiternden Anblick. - In dieser Vorstadt war ehemals eine Kirche, die bald wieder hergestellt seyn wird."
Das genannte Tanzlokal Joachimst[h]al wurde ab 1858 von Carl Schultze gepachtet, der dort ein Sommertheater gründete. Daraus ging später eines der bekanntesten Hamburger Operettenhäuser, das Carl-Schultze-Theater an der Reeperbahn, hervor.
Aus den historischen Akten im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg (Bestand 411-2, Aktenstück II A 6203) geht hervor, dass der Grundeigentümer Heinrich Köhlmoos 1846 beantragte, eine Straßenverbindung zwischen der damaligen Langen Reihe (Heute: Reeperbahn) über die sog. Admiralitätsweiden bis zum Beginn des Klütjenstiegs, dem heutigen nördlichen Abschnitt der Talstraße, herzustellen. Diese wurde zunächst von Süden her als Sackgasse angelegt und im Verlauf der 1850er Jahre wie vorgesehen nach Norden verlängert. Der Klütjenstieg verlor 1859 zugunsten der durchgehenden Talstraße seinen Namen. In den folgenden Jahrzehnten wurde die neue Straße an beiden Seiten mit ersten Etagenhäusern bebaut, die in der Gründerzeit durch eine neue höhere Bauschicht ersetzt wurden. Zu dieser zweiten Phase gehört u.a. das Ensemble in der Talstr. 11-15, in dem sich heute die Räume der "Heilsarmee" auf St. Pauli befinden. Es wurde 1889-90 nach Plänen der Architekten Stommann & Zinnow für den Verein "Herberge zur Fremde" errichtet. Auch die folgenden Häuser in der Talstr. 17/ 19/ 21, 25 und 29 wurden nach Plänen des Architekten Hermmann J. Jahnke in den Jahren 1910 bis 1912 in einem Zuge errichtet. Auftraggeber des Komplexes Talstr. 17, 19 und 21 waren P. Dalm und A. Bohnhoff; die beiden benachbarten Häuser wurden im Auftrag von W. Carlt und E. F. Fraatz errichtet.
An der Talstraße endete bis in die 1950er Jahre die, von Osten kommende, heutige Simon-Utrecht-Straße. Nach Westen in Richtung Große Freiheit und Altona schloss sich eine Passagen- bzw. Terrassenbebauung an. Diese wurde, ebenso wie die Häuserzeile an der Nordseite der benachbarten Schmuckstraße fast vollständig abgebrochen, um einen breiten Straßendurchbruch nach "Neu-Altona" zu schaffen. Diese Situation ist z.B. an den direkt an der Straße liegenden geschlossenen Giebelwänden an der Einmündung der Straße Kleine Freiheit in die Simon-von-Utrecht-Straße ablesbar. Auch der den Grenzgang zwischen Hamburg-St. Pauli und Altona-Altstadt umschließende historische Straßenblock zwischen Talstraße, Schmuckstraße, Große Freiheit und Paul-Roosen-Straße mit seiner Blockrandbebauung und den innenliegenden Gewerbenutzungen wurde teilweise aufgelöst. Neben dem Straßendurchbruch erlitt er in der vergangenen Jahrzehnten noch weitere Zerstörungen, die seine wünschenswerte Funktion als "Freilichtmuseum der vorstädtischen Stadtbaugeschichte" weiter beeinträchtigten.
Erst im Mai und Juni 2004 wurden die beiden letzten historischen Terrassenzeilen in der Talstraße 67 abgebrochen und von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA durch einen architektonisch eher langweiligen Neubauriegel ersetzt. Dieser zeichnet sich nicht nur durch eine zum Blockinneren gewandte Rückseite mit der baulichen Anmutung eines Parkhauses aus, deren Missachtung gestalterischer Rücksichtnahme auf die Umgebung stark an die Hinterhaus-Ausblicke des späten 19. Jahrhunderts erinnert, sondern durch eine "aquarienartig" vollverglaste vordere Fassade an der verkehrsreichen Simon-von-Utrecht-Straße, die insbesondere die BewohnerInnen einiger unzeitgemäßer, nicht quer zu lüftender Kleinwohnungen der – als Dreispänner ausgebildeten – Normalgeschosse einigermaßen vor Verkehrsimmssionen schützen soll.
Über die abgebrochenen Terrassenzeilen, für deren Erhaltung sich zahlreiche BewohnerInnen und ein Team junger ArchitektInnen eingesetzt hatten, berichtete Elke GROENEWOLD noch 1998:
"Eine besondere 'Vorderhaus-Situation' stellt sich in der Talstraße 67, wo ein Terrassen-Flügel durch den Durchbruch der Simon-von-Utrecht-Straße zur Straße zur Straßenrandbebauung wurde, während sich anstelle des Vorderhauses jahrzehntelang eine Freifläche befand. Im März 1997 wurde der [städtischen Wohnungsgesellschaft] SAGA die Genehmigung erteilt, diese Lücke mit einem umstrittenen fünf- bis sechsgeschossigen Neubau zu schließen. Für die Zukunft muß wohl davon ausgegangen werden, daß der abgesackte linke [südliche] Hinterhausflügel einer geschlossenen Blockrandbebauung weichen muß."
(Elke Groenewold, "Rundgang 3: Das Terrassen-Quartier. Die vergessene Hälfte St. Paulis." In: Kiek mol, 1998: S.393 ff.).
Tatsächlich wurden beide Terrassenflügel abgebrochen, nachdem die BewohnerInnen der kleinen und einfachen, aber preiswerten Wohnungen, dem Druck, in Ersatzwohnungen umzuziehen, mehr oder weniger schnell nachgegeben hatten. Die letzten kapitulierten, nachdem der Abbruch leer stehender Abschnitte der Gebäude bereits begonnen hatte, während einige Wohnungen noch bewohnt waren!
Die durch den Neubau an der Simon-von-Utrecht-Straße als neuem Blockrand ausgebildete Eckbebauung blockiert zudem auch die Fortführung einer jahrelang geplanten grünen Fußwegeverbindung zwischen der Hein-Hoyer-Straße und dem ehemaligen Schulgelände der Pestalozzi-Grundschule zwischen Großer und Kleiner Freiheit und engt den Zugang zum erhaltenen Teil des historischen Grenzgangs von Süden her stark ein.
Es gab jedoch auch Bereicherungen in diesem Straßenblock, u.a. durch den Erhalt der sog. "Soldatenhäuser" östlich der Großen Freiheit oder zeitgemäß-schlichte Backstein-Neubauten einer Wohnungsbaugenossenschaft an der Ecke Talstraße / Paul-Roosen-Straße.
Bemerkenswert im südlichen Abschnitt der Talstraße (an der Ecke mit der Schmuckstraße) ist das Gebäude Talstraße 47, das Ende des Jahres 2009 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es wurde unmittelbar nach Aufhebung der Torsperre zur Vorstadt St. Pauli im Jahr 1862 im Auftrag des Erwerbers des Grundstücks, Georg Heinrich Jacob Schmuck, als "über die gesamte Grundstücksbreite reichendes, 46 Fuß tiefes Wohnhaus von vier Stockwerken mit Pfannendach" errichtet (siehe: Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Bestand 411-2, Aktenstücke II F 167 und F 332). Ursprünglich scheint ein Vorgarten vorgesehen gewesen zu sein, weshalb das Gebäude mehrere Meter hinter die Straßenlinie zurückweicht. Neben dem Vorgarten sollte auch der recht aufwendige, für das Baujahr ungewöhnlich "moderne", historistische Bauschmuck an der Eingangsseite zur Schmuckstraße einen höheren Standard andeuten. Der einfache Brandgiebel zur Schmuckstraße beruht darauf, dass diese erst 1867/68 und somit nach dem vermeintlichen "Eckhaus" entstand.

siehe auch: Simon-von-Utrecht-Straße

 

Tatergang
PABEL: "Das kleine Gäßchen ist auf dem Hamburger Berg eines der ältesten; es kommt schon 1619 vor" (F.H. NEDDERMEYER, Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg. Hamburg; S. 342). "Tater" bedeutet mittelniederdeutsch Zigeuner, eigentlich "Tatar". Der Name könnte also hinweisen auf einen öfter von Zigeunern begangenen Fußweg zu einem Lagerplatz vor den Toren. "Doch ließe sich auch ein schon im Mittelalter gewöhnliches und noch heute bekanntes Zeitwort [als namengebend denken], das sowohl von dem Schnattern der Gänse als auch von dem Getratsche der Menschen gebraucht wird" (Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte; I, S. 101).
In dem Werk von NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) heißt es in dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." zu dieser Straße:
"No. 281 bis 287. 4 Häuser. – A.D. (= Armen-District) 2.
Dies kleine Gäßchen ist auf dem Hamburgerberge eins der ältesten; es kommt schon 1619 vor (S. B. [= Stadt-Erbebuch])."

Westlich des Tatergangs findet sich auf einer Karte Altonas aus dem Jahre 1802 eine schmale Gasse mit der Bezeichnung "Engl.[ischer] Ga.[ng]".
Die von PABEL entsprechend der jahrhundertelang in Deutschland geläufigen Bezeichnung als "Zigeuner" bezeichnete Gruppe – meist deutsche Sinti – gehörte zu den verschiedenen, in der umwallten Hamburger Kernstadt nur zeitweilig geduldeten Minoritäten, die meist wegen ihres nicht-lutherischen Glaubensbekenntnisses stigmatisiert wurden. Dazu zählten z.B. Katholiken, aber auch Mennoniten und insbesondere Juden. Während die letztgenannten sich unter bestimmten Bedingungen in Hamburg niederlassen durften, jedoch kein Bürgerrecht erhielten, wurden die meisten anderen in der Stadt nur tagsüber geduldet und mussten die Stadt mit der Torsperre am Abend verlassen. Die benachbarte dänische Gemeinde (ab 1664 Stadt) Altona verfuhr wesentlich liberaler. Dort durften sich Angehörige verschiedenster religiöser Minderheiten ungehindert ansiedeln und auch ihre Religionen praktizieren. Auch dort wurde jedoch die nichtsesshafte Minderheit der Sinti oder "deutschen Zigeuner" bestenfalls geduldet, oft jedoch auch verfolgt und Strafmaßnahmen allein aufgrund ihrer (in manchen Fällen lediglich zugeschriebenen) ethnischen Zugehörigkeit ausgesetzt.

siehe auch: Englischer Gang

 

Taubenstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1866, Benennungsmotiv unbekannt.
EStH: Ben.[annt] 1866; Motiv unbekannt.
Auf dem "Plan von Hamburg", der der "Statistik des Hamburgischen Staats" (Heft II, 1869) beigeheftet ist, wird diese Straße als Traubenstraße bezeichnet – möglicherweise wegen der benachbarten Brauerei ...?

 

Thranbrennereien, bei den
"Hertzfließende[n] Betrachtungen / von dem Elbe-Strom / zur Dankbarkeit gegen Gott geschöpffet darneben allen Schiff-Leuten zu einer geistlichen Zeitvertreibung vermacht; auch Einem jeden Christen in diesem Angst-Meer zu Gute auffgesetzet ..." aus dem Jahre 1675. Der Autor M. Petrus HESSELIUS war "Pastorn zum Pest-Hof", d.h. der für die Kapelle des sog. "Pest-Hofes" zuständige Seelsorger. Die Lage der Gebäude dieses Allgemeinen Krankenhauses im Norden St. Paulis sowie der Verlauf der Reeperbahnen werden in einer dem Werk beigefügten Karte veranschaulicht.
In dem Werk von NEDDERMEYER, "Topographie der Freien und Hanse-Stadt Hamburg" (1832) heißt es in dem Kapitel "Die Gassen der Vorstadt Hamburgerberg." zu dieser Straße:
"No. 12 bis 29. 9 Wohnungen. 1 Schiffswerfte. – A.D. (= Armen-District) 1.
Am Abhange des Berges befinden sich die Quellen des Deichstraßen und Rödingsmarkter Feldbrunnens. Im Jahre 1768 wurde hierher das Hanfmagazin verlegt, welches bis zum 13. August 1808 zur Aufbewahrung von Hanf und Flachs benutzt wurde; dann aber mußte es geräumt werden, um den aus Dännemark zurückgeführten Spaniern zum Gefängniß zu dienen; an 17. Decbr. desselben Jahres wurde es von diesem geräumt. 1811 den 31. Aug. wurde es abermals von den Franzosen in Beschlag genommen, um es zu einem Militairhospitale einzurichten. Im Herbst des Jahres 1812 erhielt es eine andere Bestimmung: es wurde nämlich als Werk- und Armenhaus benutzt bis zum Juli 1813, dann wieder von den Franzosen als Hospital gebraucht und als solches späterhin einige Wochen den damals mit Frankreich verbündeten Dänen überlassen, bis es im Decbr. 1813 und im Janr. 1814 theils demolirt, teils abgebrannt wurde.
Das neue Magazin wurde 1816 wiederhergestellt und am 28. Juli 1817 zuerst wieder zu seinem ursprünglichen Zwecke benutzt. Bei dem Ausbruch der Cholera mußte es den 10. Octb. 1831 geräumt werden, und diente bis zum 3. April 1832 zur Aufnahme des herumtreibenden Gesindels."

Nicht nur die Tranbrennereien und das Hanfmagazin sorgten bei der Obrigkeit für Kopfzerbrechen, sondern auch die Nutzung des Geesthanges zum Trocknen von frisch gegerbten Häuten und zum Bleichen von Wäsche. In den Akten des Patronats St. Pauli (mit Landherrenschaft Hamburger Berg) ist dazu folgende Klage zu finden:
"Obgleich es den Bewohnern der Localitäten bey den Thranbrennereien untersagt worden, am Anberge daselbst Zeug zu bleichen und zu trocknen ... da der Anberge darunter leide, und der Chausseewärter Müller namentlich darauf achten soll, daß das nicht geschied, wird nun sogar öfter die ganze Strecke des Anberges ... von Oben bis Unten zum Auslegen und Reinigen von Fellen benutzt, und der Anberg durch Auf- und Niederlaufen einer Menge Arbeitsleute ruiniert." (Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Bestand 411-2, Aktenstück II B 919)
Dies Problem wurde erst gelöst, als im Zuge der Anlage der St. Pauli-Hafenstraße ein Großteil der Böschung befestigt wurde.

siehe auch: St. Pauli-Hafenstraße

 

Tiergartenstraße
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1865, nach der Lage beim früher hier anliegenden Zoologischen Garten, der bis zum Jahre 1921 bestand.
EStH: Ben.[annt] 1865 nach der Lage der Straße am Zoologischen Garten; die Formung des Namens beruht offenbar auf dem Berliner Vorbild.
HANKE: (1865) Auf dem Gelände von "Planten un Blomen" befand sich von 1861 bis 1934 der erste Zoologische Garten in Hamburg.
In Beylands Werk über "Hamburgische Straßennamen der Alt- und Neustadt“ (S. 61) heißt es zur Tiergartenstraße: "In den Jahren 1861-1863 ist der Zoologische Garten angelegt und mit ihm auch diese Straße."

 

Trichter
" T r i c h t e r , bei dem.
No. 508, 1 Haus.
Erhielt von dem hier befindlichen Wirthshause seinen Namen."

PABEL: Am Anfang des Spielbudenplatzes vor dem Millerntor zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet, wurde dieses trichterförmige Gebäude, auch Erfrischungs- und Tor-Pavillon, Tempel- oder nach seinem Wirt Mischells-Pavillon genannt, bald zum Treffpunkt der vergnügungssüchtigen Hamburger.
Als eine wahre Begebenheit schildert Heckscher, wie am 1. April 1810 ein wildgewordener Ochse, der sich in Altona losgerissen hatte, durch die offenstehende Tür in das Lokal eindrang und dort wie ein Elefant im Porzellanladen alles kurz und klein schlug. Ein Spottlied auf diese tierische Invasion lautete:
Ein feister Ochs aus Altona / Vom Rindviehland kaum angekommen /
   Hat Knall auf Fall Reißaus genommen / Durchs Tor hin nach Hammonia /
   Ein wahrer Ochs, ein rechter Flegel / Kehrt sich das Beest an keine Regel /
   An Douanier
(Zöllner) und Schildwacht nicht
(Heckscher, Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück; S. 79).
In der Franzosenzeit wurde der Trichter zerstört, 1820 aber wieder aufgebaut, vergrößert und verschönert Eine ausführliche Beschreibung des "Neuen Trichters" ist ebenfalls bei Heckscher (a.a.O.) zu finden.
Ortwin PELC berichtet in seinem Artikel "Der sündige Stadtteil. Der Ruf St. Paulis und seine Entstehung" (2008) folgendes:
"Der traditionsreiche 'Trichter', …, ist ein gutes Beispiel für die Konjunkturen eines Gastbetriebes auf St. Pauli; ähnlich erging es hier zahlreichen anderen Betrieben. Der 'Trichter' war anfangs ein Ausflugslokal mit Billardsalon, offener Veranda und Garten. In den 1840er Jahren wechselten dann mehrmals die Besitzer, bis Theodor Mutzenbecher das Gebäude abbrechen ließ und dort 'Mutzenbecher's Bierhalle' errichtete. Der geschäftstüchtige Gastronom veranstaltete nun Garten und Promenadenkonzerte, artistisch-musikalische Darbietungen und - als etwas ganz Neues und entsprechend viel Besuchtes – Frühschoppen-Konzerte an den Sonntagvormittagen. Wie alle anderen Gastronomen auf St. Pauli musste er bei der stetig wachsenden Konkurrenz und den steigenden Ansprüchen des Publikums stets neue Unterhaltungsangebote machen und den sich wandelnden Zeitgeschmack genau beobachten. Nach weiteren Besitzerwechseln eröffnete hier 1889 'Hornhardt's Etablissement' und bot über zwanzig Jahre unter einer beeindruckenden Kuppel Sommernachtsbälle sowie Konzerte mit Feuerwerk. Von dem 33 Meter hohen Turm des 'Trichters' hatte man einen weiten Blick über St. Pauli und die Elbe." (a.a.O., S. 96)

siehe auch: Beim Trichter

 

Trommelstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli, Altona-Altstadt), 1950, obgleich Altona nie eine Festung war, besaß es an seiner Ostgrenze sechs Tore, die allerdings nur einfache Holzpforten gewesen sein sollen. Eines davon war das "Trommelthor". Der Name geht zurück auf ein Wirtshaus, das dort im 17. Jahrhundert lag und einen sogenannten "Trommelsaal" besaß. Auf diesen "Trommelsaal" geht wohl der Name des Tores wie auch derjenige der Straße zurück. Trommelsaal ist die hamburgische Bezeichnung für einen öffentlichen Tanzsaal mit Wirtschaft für die unteren Schichten der Bevölkerung.
EStH: Ben.[annt] vor 1802 in dieser Form, die entstanden ist aus den seit 1698 nachweisbaren Formen Beim Trommelsaal (abgekürzt: Beim Trommel oder Trommelsaal) und Trommelsaalsgasse ("Trummelsaal": hamburgische Bezeichnung für einen öffentlichen Tanzsaal mit Wirtschaft für die unteren Schichten der Bevölkerung).
HANKE: (1802) Die Straße könnte nach dem am Ende des 17. Jahrhunderts erwähnten Wirtshaus mit Namen "Trummelsaal" benannt worden sein.
PABEL: Die Straße nahe dem heutigen Hein-Köllisch-Platz in St. Pauli wurde seit 1819 bebaut (Neddermayer, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 343) und benannt nach einem dort befindlichen "Trummel-Saal", einem Tanzlokal mit Bewirtung für das gemeine Volk. Richey bemerkt zu diesem Stichwort: "Trummel-Saal: Tantz-Saal, Wirthschaft für gemeinen Pöbel, der dahin zu sauffen und zu tantzen gehet. Ob dieser in Hamburg sehr bekannte Nahme daher rühre, weil man in solchen Häusern auch nach der Trommel getantzet, oder ob der Wirth sein Bier aus- oder seine Gäste zusammengetrommelt, daran ist uns noch weniger gelegen, als denen, die auf solchen, zum Teil unehrbaren Trummel- oder Tummel-Plätzen ihre Weide suchen" (RICHEY, Idioticon Hamburgense, 2. Aufl./ 1755: S. 316).
Bereits 1698 wird der Ortsname "Trummel-Saal" als Örtlichkeit "Außerhalb der Stadt vor dem Millern- und Damm-Thor ..." bei SCHLÜTER erwähnt. (Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ ..... . Hamburg, 1698: 658).
Die Fortsetzung der Trommelstraße auf Altonaer Seite bildete ursprünglich "Die Linden-Straße", wie eine Karte Altonas aus dem Jahre 1802 belegt. Sie ist allerdings auch längst verschwunden.

siehe auch: Einfahrt[en], 1ste bis 6te

 

Trotz-Altona
PABEL: Ein Wirtshaus hart an der Grenze zu Altona, nahe am Nobistor; der Name deutet auf die Rivalität zwischen Hamburg und Altona hin. Bei Neddermeyer heißt es unter "Einfahrt, 4te" – mit den nummerierten "Einfahrten" sind die Zufahrtsstraßen von Hamburg nach Altona gemeint – "auch Nobisthor und Trotz-Altona genannt; die Gasse, welche darauf zuführt, wird die Langereihe genannt, und ist von 1662 bis 1729 angebauet" (Neddermeyer, Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg; S. 337). Bei Gaedechens wird "Trotz-Altona" nicht erwähnt; eine interessante Episode über einen handfesten Streit zwischen Hamburgern und Altonaern im "Trotz-Altona" ist zu lesen in Pabel, "Hamburger Kultur-Karussell", 101 ff.

In SCHLÜTERS im Jahre 1698 erschienen Werk "Tractat von denen Erben in Hamburg“ findet sich in dem Abschnitt „von Denen Gassen des Kirchspiels St. Michaelis" eine Örtlichkeit mit der Beschreibung:
"XXXVII. Vor Altona / Ante Altona.
NB. Dieses verstehet sich von dem Hamburger Berge."
(Matthaei Schlüters ... Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg / ... . Hamburg, 1698: 654).

 

Turnerstraße, Turnergang
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), ben. 1881, im Anschluß an die bisherige Bezeichnung als "Turnergang", die 1866 für den Zugang von der Marktstraße zu der 1862 erbauten Turnhalle des Hamburg St. Pauli Turnvereins geschaffen war.
EStH: Ben.[annt] 1881 im Anschluß an die bisherige Bezeichnung als Turnergang, die 1866 für den Zugang von der Marktstraße zu der 1862 erbauten Turnhalle des Hamburg St. Pauli-Turnvereins geschaffen war.
HANKE: (1866) Die Turnerstraße wurde nach der alten, aus Fachwerk erbauten und 1902 abgebrochenen, Turnhalle an der Mathildenstraße benannt, auf die sie zuführte.
Diese Turnhalle des "Hamburg-St. Pauli Turnvereins“ entstand nach dem Zusammenschluss des "Hamburger Turnvereins von 1852“ und des "Turnvereins St. Pauli und vor dem Dammtor von 1860“, der zu ihrer Finanzierung erfolgte. Sie wurde 1902 durch den Neubau der seinerzeit größten Turnhalle Norddeutschlands an der Ecke Glacischaussee/ Budapester Straße ersetzt und abgebrochen, da die Kapazität der alten Halle schon längst nicht mehr ausgereicht hatte.
Sie lag mit ihrer Schauseite zur Feldstraße und zum Heiligengeistfeld hin und ist auf zahlreichen Stadtplänen aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gut zu erkennen. Erst ein Plan des Heiligengeistfeldes aus dem Jahre 1903 zeigt die nun in die Feldstraße einmündende Turnerstraße.
Der zuvor als Ersatz an der südöstlichen Ecke des Heiligengeistfeldes am Millerntorplatz errichtete Neubau besaß – im Gegensatz zum Sandboden der alten Halle – einen festen Fußboden und diverse andere Annehmlichkeiten. Er wurde durch Kriegseinwirkungen ab 1942 erheblich beschädigt und in den 1950er Jahren schließlich vollständig abgebrochen. Zur gleichen Zeit wurde das benachbarte Fußballfeld – weitgehend in Eigenleistung der Mitglieder des FC St. Pauli – an den heutigen Standort des Millerntor-Stadions verlegt.
Die Turnerstraße konnte nach dem Abbruch der alten Halle nach Süden bis zur Feldstraße verlegt werden und erhielt zu beiden Seiten der dortigen Einmündung repräsentative Bauten mit typischen Ecktürmchen, von denen einer an der südöstlichen Ecke noch in Ansätzen erhalten ist, während der andere in im 2. Weltkrieg durch massive Bombentreffer, die eigentlich auf den gegenüber liegenden Flakturm ("Hochhaus 1") zielten, zerstört wurde.

 

Vereinsstraße
BECKERSHAUS: (Eimsbüttel) 1870, der Grund der Benennung war der Gleiche wie für die Bellalliancestraße. Der Name soll auf die gute Verbindung und Zusammenarbeit der Grundeigner H.J. Fett, O.H. Fehlandt, A.H. Meißner und G.H.J. Schmuck hinweisen, die die Straße anlegten und gemeinsam bebauten.
EStH: Ben.[annt] 1870 mit Bezug darauf, daß sich zur Anlage dieser und der benachbarten Straßen die Grundeigentümer O.H. Fehlandt, A.H. Meißner, H.J. Fett und G.H.J. Schmuck vereinigt hatten.
HANKE: (1870) Die Vereinsstraße könnte ihren Namen dem Umstand verdanken, daß sich die Bauunternehmer Fehlandt, Meißner, Fett und Schmuck, die alle durch einen Straßennamen verewigt worden sind, "vereinten", um diese und die benachbarten Straßen anlegten.
Bis zur Gebietsreform durch das Groß-Hamburg-Gesetz (1937/38) lag der südliche Abschnitt der Straße (Haus No. 1-29, 2-28) administrativ im nördlichen "Ausläufer" des Stadtteils St. Pauli.

 

Viehhof
Durch die Einrichtung des Viehhofes (ab 1866) südwestlich des alten Sternschanzenbahnhofes an der Ecke Lager- und Schanzenstraße wurde die Neuordnung des traditionell in St. Pauli beheimateten Vieh- und Pferdehandels fortgesetzt, die mit der Errichtung des Schlachtviehmarktes (1862-64) an der Nordwest-Ecke des Heiligengeistfeld, das zu dieser Zeit bereits seit über einem Jahrhundert von der Schlachter-Innung als Hammelweide genutzt wurde, begonnen hatte. Nördlich und östlich des – 1841 so benannten – Neuen Pferdemarktes festigten Viehhandel und Fleischverarbeitung damit ihre Bedeutung sowohl für Hamburg als auch für das angrenzende Altona.
Die 1867 in Betrieb genommenen ersten Gebäude des Viehhofes, der über die Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn mit direkten Bahnverbindungen nach Westen, Norden und Osten versehen war, dienten zunächst dem "Kleinviehhandel", während der Handel mit "Hornvieh" im Bereich des Heiligengeistfeldes stattfand. Für den Handel mit Schafen und Kälbern wurden von 1885/86-92 ein neuer Hammel- und Kälberstall errichtet. Im Zuge mehrerer Erweiterung erreichte das dem Viehhandel dienende Gelände zwischen Lagerstraße und Bahngleisen schließlich im Jahre 1897 eine Größe von 31.000 m². Bereits 1881/82 und 1883/84 waren die Schaf- und Kälbermarkthallen nach Osten hin durch zwei Schweinemarkthallen und 1895 durch einen Pferdeschlachthof ergänzt worden.
Im westlichen Bereich verlegte man 1885 die Schanzenstraße und die Neue Rosenstraße um ca. 100 m nach Westen. Der bisher ebenerdige Bahnübergang wurde in eine Unterführung umgewandelt, bis zu welcher man 1886 die Rangiergeleise und die Laderampe verlängerte. Diese bestanden bis Errichtung eines neuen Gebäudes der DEUTSCHEN BAHN AG, das Abteilungen des Eisenbahnbundesamtes beherbergt.
Der repräsentative Kopfbau des Viehhofes zur Schanzenstraße hin wurde 1914 fertiggestellt. In das Erdgeschoss führte ursprünglich ein direkter Gleisanschluss.
Nach Einstellung der Viehtransporte mit der Bahn wird der ehemalige Viehbahnhof östlich der Hallen des Viehhofs umgebaut und für eine Reihe von Jahren als Ver- und Entladebahnhof für Autoreisezüge genutzt, bevor diese Nutzung dann an den neuen Fernbahnhof Altona verlagert wurde. Die alten Gleis- und Bahnsteiganlagen wurden ab 2004 im Zuge der Vergrößerung des Messegeländes westlich der Karolinenstraße entfernt. Dabei stellte sich heraus, dass der Boden an dieser Stelle nicht nur durch chemisch-technische Rückstände, sondern auch durch das Phosphat aus tierischen Absonderungen so stark kontaminiert war, dass er aufwendig entsorgt werden musste.

 

Vor dem Holstentor
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1905, in Anschluß an den Namen Holstenglacis, Holstenplatz und Holstenwall zur Erinnerung an das ehemalige Holstentor.
EStH: Ben.[annt] 1905 im Anschluß an den Namen des Holstenglacis, des Holstenplatzes und des Holstenwalls zur Erinnerung an das ehemalige Holstentor.
HANKE: (siehe Holstenglacis)
Auf Initiative des damaligen Staatsrats in der Kulturbehörde, Reinhard Stuth, und Vorschlag der benachbarten Russisch-orthodoxen Gemeinde des Hl. Johannes von Kronstadt in der Gnadenkirche wurde diese Straße im Herbst 2009 in Tschaikowskyplatz umbenannt.

 

Weidenallee (früher: Weidenstraße)
BECKERSHAUS: (Eimsbüttel), 1858, nach der früheren Art der Bepflanzung mit Weidenbäumen.
EStH: Ben.[annt] 1858 nach den dort stehenden Weiden.
HANKE: (1858) Die Weidenallee ist eine alte Straße von der Sternschanze nach Eimsbüttel und hieß früher "Wichel Allee". Wichel bedeutet auf Plattdeutsch Weidenbaum.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Westseite des Straßenabschnitts zwischen Altonaer Straße und Amandastraße unter dem Namen Weidenstraße zum "8. Steuerdistrict" Hamburgs und damit zur Vorstadt St. Pauli, wie die Listen der "4ten Compagnie" des Hamburger Bürgermilitärs für diesen "District" belegen.
Noch bis zur Gebietsreform durch das Groß-Hamburg-Gesetz (1937/38) begrenzte diese Seite der Straße (Haus No. 1-15) administrativ den nördlichen "Ausläufer" des Stadtteils St. Pauli, der über die Verbindungsbahn hinaus nach Eimsbüttel reichte.
An anderer Stelle verläuft die Grenze zwischen Eimsbüttel und St. Pauli statt dessen bis heute ein ganzes Stück südlich der Bahnlinie entlang der Lagerstraße. Sie zeichnete die früherer Ausdehnung des Viehbahnhofes bzw. der Verladeanlagen für die Autoreisezüge zwischen der Viehmarkthalle am Schanzenbahnhof und dem Fernsehturm nach, verläuft inzwischen jedoch mitten durch das Messe-Erweiterungsgelände.

 

Wilhelminenstraße
EStH: Ben.[annt] 1838 nach der Frau des damaligen Patrons der Vorstadt St. Pauli, des Senators Dr. Dammert, Cornelia Wilhelmine geb. Amsinck (1800 bis 1861).
PABEL: Die in südlicher Richtung vom Paulinenplatz in St. Pauli zum ehemaligen Israelitischen Krankenhaus führende Straße "wurde 1838 nach der Frau des damaligen Patrons der Vorstadt, des Senators Dr. Dammert, Cornelia Wilhelmine, geb. Amsinck (1800 bis 1861) benannt."
Die Straße wurde zum 1. Januar 1940 im Zuge der Vereinheitlichung der Straßennamen im – nach 1938 geschaffenen - "Groß-Hamburg" in Hein-Hoyer-Straße umbenannt, da auch im nahen Altona noch einen Wilhelminenstraße existierte. Auch diese wurde 1940 umbenannt und erhielt den neuen Namen (Am) Hexenberg, der sich von einem traditionellen Flurnamen herleitet (nach: Bake, 2003).

siehe auch: Hein-Hoyer-Straße

 

Wilhelmsplatz
EStH: Ben.[annt] 1899; vorher Wilhelmstraße seit etwa 1815 vermutlich im Anschluß an die in St. Pauli schon vorhandenen, mit männlichen Vornamen zusammengesetzten Straßenbezeichnungen mit einem frei gewählten Namen.

 

Wilhelmstraße [1]
"No. 431 bis 437. 7 Häuser, 16 Wohnungen. – A.D. (= Armen-District) 2.
Diese Gasse ist seit 1815 (S. B. [= Stadt-Erbebuch])."

Die Wilhelmstraße wurde laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 in Wilhelmsplatz umbenannt.

 

Wilhelmstraße [2]
Neben der Wilhelmstraße in St. Pauli-Süd existierte auch auf dem Gelände der Zollvereinsniederlage südlich der Lagerstraße eine Straße gleichen Namens. Sie wurde laut Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg vom 1. Oktober 1899 in Mercurstraße [später: Merkurstraße] umbenannt.

 

Willi-Bartels-Treppe
"Willi-Bartels-Treppe: nach Wilhelm B. (1914–2007), Unternehmer, Immobilienbesitzer auf St. Pauli, Mitglied der Interessengemeinschaft St. Pauli, Ehrenpräsident des St. Pauli-Museums."
Die Belegenheit wird wie folgt beschrieben:
"Stadtteil St. Pauli – Ortsteil 112 – die etwa 40 m lange, in der Grünanlage westlich der Helgoländer Allee liegende, vom Hotel Hafen Hamburg sowie dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nach Süden hinunter zur St. Pauli Hafenstraße/Ecke Helgoländer Allee führende Treppenanlage [erhält den Namen] Willi-Bartels-Treppe." (a.a.O., S. 1121)

 

Wittenhof, Witthof
Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wird eine Belegenheit dieses Namens – mit immerhin 414 EinwohnerInnen – in der Liste der "2ten Compagnie" des Hamburger Bürgermilitärs in St. Pauli geführt.

 

Wohlwillstraße
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1948, nach Anna Wohlwill (1841-1920), die 45 Jahre Vorsteherin des Paulsenstiftes war.
HANKE: (1948) Anna Wohlwill (1841-1920), Vorsteherin des Paulinenstifts, hatte dieses Amt 45 Jahre inne. Bis 1948: Jägerstraße.
BAKE (2003) konkretisiert die Angaben wie folgt: "St. Pauli, seit 1948. Anna Wohlwill, langjährige Leiterin der Schule des Paulsenstiftes (20.5.1941 Seesen/Harz – 30.12.1919 Hamburg.
Geboren als viertes von fünf Kindern des Lehrers an der Hamburger Stiftungsschule, einer jüdischen Stiftung, und späteren Direktors der Jacobsen-Schule in Seesen, Dr. Emanuel Wohlwill und seiner Ehefrau. Der Vater starb, als Anna Wohlwill 6 Jahre alt war. Annas Mutter zog daraufhin mit ihren Kindern nach Hamburg zurück und wohnte an der Alsterchaussee. Anna Wohlwill besuchte die Privatschule von Herrn Kröger. Dann erhielt sie mit einigen anderen Altersgenossinnen zwei Jahre Privatunterricht in Geschichte, Deutsch, Literatur, Naturwissenschaften und Mathematik. Außerdem wurde sie auch von ihren Brüdern Emil Wohlwill, dem späteren Naturwissenschaftler, der die »Norddeutsche Affinerie« zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelte, und Adolf Wohlwill, dem späteren Professor für Geschichte, unterrichtet. Da es zu ihrer Zeit noch keine Lehrerinnenbildungsanstalten in Hamburg gab, stand sie, ohne jemals eine Prüfung abgelegt zu haben, seit ihrem 15. Lebensjahr vor den Kindern, die Johanna Goldschmidt und Amalie Westendarp im Fröbelverein und im späteren Paulsenstift aufnahmen, um ihnen gute Erziehung und Elementarkenntnisse zu vermitteln. Es waren die Kinder der Armen, für die es damals noch keine staatliche Schule gab. Als sie am 2.11.1866, erst 25 Jahre alt, mit der Leitung der Schule des Paulsenstifts betraut wurde, stellte sie ihre ganze Kraft in den Dienst der Anstalt, die von nun an eine Entwicklung von der Armenschule bis zur zehnstufigen höheren Mädchenschule durchmachte. Die Schule war bereits 1866 keine reine Armenschule mehr. Zu den aus den Kursen übernommenen Fächern kamen naturwissenschaftlicher Anschauungsunterricht und Englisch hinzu, 1867 Gymnastikunterricht, 1868 Pflichtenlehre, 1869 Maschinennähen und 1870 Französisch. Schon 1866 und 1867 wurden die Lehrerinnenbücherei, die Zeitschriftensammlung und die Schülerinnenbücherei angelegt. Als der Staat 1871 siebenstufige Mädchen-Volksschulen errichtete, verfolgte er einfachere Lehrziele als die der Schule des Paulsenstifts. 1880 hatte diese acht Klassen mit 369 Kindern. Durch stete Verbesserung der Lehrweise erfüllte die schule in acht Jahren die Anforderungen der damaligen neunjährigen höheren Mädchenschule. 1881 verfügte die Oberschulbehörde, dass die Schule in die Sektion für höhere Schulen aufgenommen wurde. Die endgültige Anerkennung als höhere Mädchenschule erhielt die Schule 1893, als sie aus Platzmangel in die Bülaustraße 20 auf ein staatliches Grundstück gezogen war. Mit der Anerkennung als höhere Mädchenschule wurde die Schule des Paulsenstifts »halböffentlich« – sie diente nun als Ersatz für eine fehlende staatliche höhere Mädchenschule. Auch wurde eine Freistellenstiftung für begabte Kinder aus ärmeren Familien gegründet. Die Stiftung vergab 20 ganze und 50 halbe Freistellen. 1906 bekam sie anlässlich des 40. Dienstjubiläums von Anna Wohlwill 25.000 Mark aus den Schulersparnissen. Zugleich erhielt sie den Namen Anna-Wohlwill-Stiftung.
Ostern 1894 war die Schule eine neunstufige Anstalt mit 562 Schülerinnen in vierzehn Klassen; zwei Jahre später, 1896, hatte sie in 17 Klassen 760 Schülerinnen, und 1908 konnte das zehnte Schuljahr »eingeweiht« werden.
Von Anfang an kümmerte sich die Schule um die Ferienerholung ihrer stärkungsbedürftigen und ärmeren Schülerinnen. Man suchte für sie Unterkünfte bei Bauern in der Umgebung Hamburgs und zahlte das Entgelt dafür. 1882 wurde für diese Zwecke die Ferienstiftung der Schule des Paulsenstiftes gegründet. 47 Schülerinnen fuhren nach vorheriger ärztlicher Untersuchung zur Erholung aufs Land. Da jedoch nicht jede Unterkunft bei einem Bauern vorbildlich war, wollte die Schule ein eigenes Heim gründen. Am 7.6.1896 konnte dieser Plan realisiert werden, denn Frau Laura Beit hatte dem Paulsenstift ein Ferienerholungsheim am Timmendorfer Strand gestiftet. Es wurde »Olgaheim« genannt, nach der verstorbenen Tochter der Stifterin. 1906, anlässlich ihres 50jährigen Lehrerinnenjubiläums, verlieh der Senat Anna Wohlwill eine goldenen Denkmünze, die damit zum ersten Mal einer Frau zuteil wurde. Am 1.4.1911 wurde Anna Wohlwill im Alter von 70 Jahren pensioniert und übergab die Leitung der Schule an Hanna Glinzer. Obwohl sie erblindet war, blieb Anna Wohlwill im Schulvorstand und erteilte weiterhin Unterricht in sozialer Hilfstätigkeit. Außerdem förderte sie die Waldschulidee und richtete zusammen mit ihrer Freundin Agnes Wolfsson in der ersten Woche nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine Kriegsküche im Keller des Schulhauses ein. Nach ihrem Tode wurde die an der Lehrerfortbildungsanstalt entlangführende Straße in Eimsbüttel nach ihr benannt. Als 1936/37 das Staatsamt und das Ingenieurwesen Vorschläge zur Umbenennung der nach Juden und Marxisten benannten Straßen sollten, schlugen sie Johann-Klefeker-Straße vor. Dazu ihre Erklärung: »Nach ihm war früher (1801) eine Straße benannt worden, die aber in einen üblen Ruf kam durch die Ansiedlung von Dirnen; später (1922) wurde sie umbenannt in 'Mauerstraße'. Vor kurzem hat nun ein unmittelbarer Nachkomme von Johann Klefeker, der Oberst Professor S. Klefeker, Direktor der Deutschen Heeresbücherei den Antrag gestellt, den Namen Johann Klefeker durch Benennung einer Straße nach ihm wieder zu Ehren zu bringen. Da der Syndikus Johann Klefeker sich seinerzeit um Hamburg sehr verdient gemacht hat, und zwar im diplomatischen Dienst als Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, soll dieser Bitte entsprochen werden.« Der Bitte wurde nicht entsprochen: »Auf Grund des Erlasses des Reichsministers des Inneren vom 27. Juli 1938 über jüdische Straßennamen« wurde die Anna-Wohlwill-Straße in Felix-Dahn-Straße umbenannt. Diesen Namen trägt sie auch heute noch.
Nach Anna Wohlwill wurde drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine Straße benannt, diesmal die bisherige »Jägerstraße« im Stadtteil St. Pauli."
Die Wohlwillstraße bildet mit der Jägerpassage, den Conle-Terrassen (Wohlwillstr. 10-18), den Schiffszimmerer-Terrassen (Wohlwillstr. 13-17) und einigen kleineren Terrassen- bzw. Hinterhaus-Zeilen in benachbarten Straßen den Kernbereich des Terrassenquartiers im zentralen Bereich St. Paulis. Dieses Quartier entstand im Zuge des Baubooms nach Aufhebung der Torsperre zum Jahreswechsel vom 31. Dezember 1860 zum 1. Januar 1861.
H. HIPP liefert in seinem "Kunst-Reiseführer Hamburg" die folgende Beschreibung: "Die [der Jäger-Passage und den Conle-Terrassen] gegenüberliegenden Häuser Nr. 7-23 mit rückwärtigen Terrassen sind Spekulationsbauten aus der Zeit nach 1873, jedoch entstanden auf Grundstücken, die die Stadt (preisgünstig) auf Grund des damals erlassenen 'Gesetzes betreffend die Beförderung der Erbauung kleiner Wohnungen' zur Verfügung gestellt hatte; auch daß die Terrassen nur drei Geschosse haben (im Gegensatz zu den viergeschossigen Hofflügeln der Jägerpassage), erweist sich als Muster beabsichtigter Reformen. Nr. 13-17 wurde 1892 von der Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer-Genossenschaft übernommen, die zwei Jahre zuvor begonnen hatte, Häuser für ihre Mitglieder herzurichten, der Einstieg in den genossenschaftlichen Wohnungsbau in Hamburg." (Hipp, Hermann: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln, 3.Aufl./ 1996: S. 252.)
Gut 100 Jahre später sollte diesen "düsteren Höfen, in denen es an Licht und Luft mangelt", die jedoch die Zerstörungen des Bombenkrieges weitgehend unbeschadet überstanden hatten, die Abbruchbirne zuleibe rücken, um durch die Entkernung der Blöcke neue große Höfe – bevorzugt mit ausgedehnten Stellplatzanlagen – zu schaffen. Das Rundgangsbuch "Kiek mol" der Kulturbehörde beschreibt die drohende Zerstörung 1993 wie folgt:
"Gegenüber der Jägerpassage konnte …, trotz Abbruchgenehmigung und bereits eingeleiteten Demontagemaßnahmen, in buchstäblich letzter Minute noch eine für die Arbeitergeschichte der Stadt wichtige Terrassenanlage erhalten werden. Der Bau der Wohlwillterrassen erfolgte … vor dem Hintergrund der Arbeiterwohnungsfrage. 1873 sollte ein Kleinwohnungsbauförderungsgesetz die Bautätigkeit ankurbeln. Unter gewissen Auflagen wurde städtisches Bauland, u.a. hier an der Jägerstraße, günstig versteigert. Die mittlere Hauseinheit wurde 1892 von der damals noch jungen Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer Genossenschaft (ADSG) gekauft; damit stieg die ehemalige Gewerkschaft in die genossenschaftliche Wohnungspolitik ein. Die Schiffszimmererterrassen, deren Wohnungen von den Mitgliedern renoviert und ihnen dann als günstiger Wohnraum in Hafennähe zur Verfügung gestellt wurde, sind damit eines der frühesten Beispiele des genossenschaftlichen Wohnungswesens in Hamburg. In der Wohlwillstraße finden sich also noch Zeugen der frühen Versuche mit Bauförderungsgesetzen, der ersten Ansätze des Sozialwohnungsbaus durch Baugesellschaften und der Genossenschaftsidee. So stellt sie, über ihre architekturgeschichtliche Bedeutung als geschlossenes Terrassenensemble hinaus, für uns heute ein sozialgeschichtliches Dokument bürgerlicher Arbeiterfürsorge dar. Doch was fast noch wichtiger ist: Terrassen bieten, trotz unbestreitbarer Mängel, preiswerten Wohnraum für Menschen und Lebensraum für Kinder." (Siehe: Kiek mol, 1993, S. 288)
Auch der "Architekturführer Hamburg" (1995) von R. LANGE geht auf die politischen Motive bei der Errichtung der Terrassen zur Schaffung von Wohnraum für Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts und die Ende des 20. Jahrhunderts drohende "Entsorgung" dieses Teils der Arbeitergeschichte ein. Es heißt dort:
"Wohlwillstraße 7-23, St. Pauli; Architekten: J.H.L. Tiedemann (Ursprungsbauten), Ina und Dietrich Hassenstein in der Gruppe ASK und Architektenbüro Streb (Umbau). 1874; Teilabbruch 1982; Umbau 1990/91. – Mit der Herabzonung der Terrassenbebauung auf drei Geschosse und den Verzicht auf Kellerwohnungen entsprachen die Wohlwillterrassen den Baurichtlinien, die die Stadt bei der Vergabe von günstigen Grundstücken für den Kleinwohnungsbau ab 1873 zur Auflage machte. Putzfassaden mit Renaissancedekor, ein Entwurf des Maurermeisters Tiedemann, machen den Unterschied zum bürgerlichen Etagenwohnungsbau dabei jedoch weniger augenfällig als bei der [gegenüberliegenden] Jägerpassage. Fiel auch hier die erste Terrasse – Wohlwillstraße 21 – zu Beginn der 80er Jahre dem Leitbild der Blockentkernung zum Opfer, so konnten weitere Abbrüche 1989 – Wohlwillstraße 15 – buchstäblich in letzter Minute durch den Denkmalschutz verhindert werden, was zur Konsequenz hatte, daß die bereits demolierten Zeilen wiederhergestellt werden mußten." (siehe: Lange, 1995: S. 96/97, "C21")
Die Zuschüsse für die Wiederherstellung und Sanierung der Terrassenhäuser zehrte nahezu zwei Jahresetats des Denkmalschutzamtes auf, mit denen ein denkmalgerechter Wiederaufbau unterstützt wurde. Trotzdem konnte nur ein Bruchteil der ursprünglichen Substanz erhalten werden, denn die Raumaufteilung und Ausstattung der meisten Wohnungen musste modernen Bedürfnissen angepasst werden. Lediglich eine Wohnung wurde weitgehend im Originalzustand erhalten.
Die Bewertung der Pläne zur Beseitigung »städtebaulicher Mißstände« durch die Entkernung der Blockinnenbereiche bringt einige Jahre später die Einleitung zum Stadt-"Rundgang 3: Das Terrassen-Quartier " in der Neuauflage des Rundgangsbuchs "Kiek mol" (1998) treffend auf den Punkt:
"Als Steine des Anstoßes waren sie [d.h. die Terrassenhäuser] jahrelang Lieblingskinder der Stadtsanierung – zuerst in großen, später nur noch 'in kleinen Schritten'. Die Tatsache, daß durch 'Hofentkernung' nicht nur Wohnraum, sondern auch Kulturgut vernichtet wird, führte nicht nur zu massiven [sic!] Widerstand von MieterInnen und Häusergruppen, sondern bescherte der Hansestadt ein Behördengerangel von nie geahnter Heftigkeit mit pressewirksamen [sic!] Wechselspiel von Aktion und Reaktion." (Elke Groenewold, "Rundgang 3: Das Terrassen-Quartier. Die vergessene Hälfte St. Paulis." In: Kiek mol, 1998, S. 393 ff.).
Bisher konnte die Zerstörung eines klassischen gründerzeitlichen Terrassenquartiers glücklicherweise verhindert werden, nicht zuletzt durch den engagierten Einsatz von BewohnerInnen für ihren Stadtteil. Damit war die Bedrohung aber noch nicht endgültig abgewendet, denn noch 2005 wurden erneut bautechnische Gründe (Verformungen und Schiefstellungen einzelner Häuser durch instabile Weichschichten im Untergrund) zur Begründung neuer Abbruchpläne herangezogen. Inzwischen konnte jedoch auch der Erhalt dieser straßenseitigen Vorderhäuser der historischen Terrassenanlage in der Wohlwillstraße 19-23 gesichert werden. Sie wurden von Herbst 2007 bis Herbst 2009 aufwendig saniert und modernisiert, um das Terrassenensemble auch künftig als denkmalwürdige Gesamtanlage zu erhalten.
Ausführliche und fachkundige Informationen zum "Terrassenquartier Wohlwillstrasse" sind u.a. zu finden bei Jörg HASPEL, "Hamburger Hinterhäuser: Terrassen - Passagen - Wohnhöfe" (Hamburg, 1987) sowie ders., "Arbeiterquartier Wohlwillstraße" (Hamburg, 1990).
Die Liste der eingetragenen und erkannten Baudenkmale des Denkmalschutzamtes in der Hamburger Kulturbehörde umfasst u.a. folgende Hinweise:
"Die sog. 'Schiffszimmererterrassen' wurden 1874 im Zusammenhang mit der Gebäudegruppe Wohlwillstraße 7-23 errichtet. [Die] Eintragung [als Baudenkmal erfolgte am] 06.11.1989. - Literatur:
'Arbeiterquartier Wohlwillstrasse: Dokumentation der Bau- und Sanierungsgeschichte eines Hamburger Wohnreformensembles.' Hrsg. von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt. Text und Red.: Jörg Haspel. (Hamburg: Dölling & Galitz, 1990)."

Im Denkmalschutzamt befinden sich darüber hinaus folgende Gutachten:
Ina Hassenstein, Dagmar Oltersdorf, Wolfgang Krauth: "Modernisierungsgutachten: Wohlwillstrasse 15, St. Pauli Nord, Terrassenhäuser 1-6.“ (Hamburg: ASK, 1989);
"Wohnterrassen Wohlwillstrasse 15." (Hamburg: Lawaetz-Stiftung, 1989);
"Gutachten Wohlwillstraße 15.“ 2 Teile. (Hamburg: GEMO, 1988);
Carsten Dohse: "Das Terrassenensemble Wohlwillstraße: unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts 'Gesunde Wohnverhältnisse'.“ Projektarbeit. (Hamburg: HfbK, 1987).

siehe auch: Jägerstraße, Jägerpassage

 

Zeppenfeld's Terrasse
In »Hamburger Adreßbüchern« aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert findet sich diese Bezeichnung für die heutige Terrassenanlage in der Sternstraße 5-15. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde sie vom Eigentümernamen abgeleitet, denn beispielsweise im Jahrgang 1892 der »Adreßbücher« werden "W.H.G. Zeppenfeld Wwe. [Witwe] u. Sohn, Jungfernstieg 8" als Eigentümer genannt.
Nach jahrelangem Leerstand und Verwahrlosung durch Privatspekulation wurde sie seit Winter 2003/04 wieder hergerichtet und soll mit einem neuen Vorderhaus an der Sternstraße versehen werden.

 

Zirkusweg
<< auf der Karte anzeigen
BECKERSHAUS: (St. Pauli), 1879 nach dem an diesem Wege errichteten Zirkusgebäude des Zirkus Renz. Das zuvor hier befindliche Zirkusgebäude war durch ein Feuer im November 1887 zerstört worden. Aus Sicherheitsgründen wurde danach ein neues Zirkusgebäude aus Eisen und Stein errichtet. Das neue Gebäude wirkte richtungweisend für viele Zirkusgebäude in Europa, weil es großzügige Treppenhäuser hatte und im Fall eines Brandes eine schnelle Räumung möglich war.
EStH: Ben.[annt] 1879 nach dem an dem Wege errichteten Zirkus Renz.
HANKE: (1879) Der Zirkusweg erinnert an die hier gelegenen Gebäude des Zirkus Renz (später Busch), die im 2. Weltkrieg zerstört wurden.
Bei SCHREIBER / WALDEN: "Hamburg-St. Pauli" (2008) heißt es zu dem Zirkusbau und seinen Nachfolgern:
"… Im Jahre 1889 konnte Ernst Renz den … imposanten Neubau mit einer Galavorstellung eröffnen, nachdem der hölzerne Vorgängerbau 1887 abgebrannt war. Nach der Übernahme durch Paul Busch zeigte hier ab 1897 Circus Busch neben Tierdressuren auch Akrobatiknummern. 1943 fiel der prächtige Zirkusbau den Bomben zum Opfer. Nach dem Krieg dehnte sich die Bavaria-Brauerei auf die Fläche aus. Im Zuge der Neubebauung des Bavariageländes ist an dieser Stelle nach dem Entwurf der Architekten Herzog & Partner das 'Atlantic-Haus' entstanden." (a.a.O., S. 27)
Wie Ortwin PELC in seinem Artikel "Der sündige Stadtteil. Der Ruf St. Paulis und seine Entstehung" (2008) berichtet, eröffnete Ernst Jakob Renz seinen "Olympischen Zirkus" bereits 1855 und ließ dafür 1864 einen festen Zirkusbau errichten, der 1889 "durch einen prächtigen Neubau ersetzt wurde und für weitere feste Zirkusbauten in anderen europäischen Städten als Vorbild diente."
Nordöstlich des Zirkusweges ist in jüngster Zeit eine neue Spiel- und Freizeitfläche errichtet worden. Sie soll mehrere Generationen ansprechen, denn zum einen schließt sich unmittelbar südlich dieser Fläche die SeniorInnen-Wohnanlage am Zirkusweg an und zum anderen werden im neuen, sehr dicht bebauten "Brauquartier" zahlreiche neue Wohnungen errichtet. Die Broschüre "Hamburgs Grün" beschreibt die Anlage folgendermaßen:
"Mehrere Generationen unter einem (Blätter-)Dach – das war die Idee bei der Umgestaltung und Erweiterung des Spielplatzes Zirkusweg in eine vielseitige Freizeitfläche.
Die Zusammenführung mit einer benachbarten Lagerfläche am alten Kinderspielplatz machte den weg frei für eine neuartige Gestaltung. Bürger aller Alters- und Nutzergruppen wurden intensiv an der Planung beteiligt.
Das Ergebnis war eine Freizeitfläche, in der unterschiedliche Bereiche miteinander vernetzt sind und doch jeder für sich genutzt werden kann: Im Eingangsbereich werden Jung und Alt Gesellschaftsspiel-Tische und Flächen zum Wasser-Erleben angeboten. Für die Kleinen gibt es Klettermöglichkeiten am Baumhaus oder auf Holztieren, die im Sandspielbereich stehen.
Jugendliche haben Gelegenheit, Tischtennis zu spielen oder einfach beisammen zu sitzen. Und wer sich lieber zurückziehen möchte, findet am Böschungsrand Ruhezonen mit Sitz- und Liegemöbeln in Sonne oder Schatten. Hier befinden sich mit Schmuckstauden bepflanzte Beete, die die Sinne ansprechen."
(Siehe: Hamburgs Grün, 2007: S. 23)
Die Umgestaltung des Zirkusweges setzt sich auch in seinem südlichen Bereich fort: Anstelle des langjährigen Verlaufs entlang der Bauten des früheren Hafenkrankenhauses ist inzwischen eine Grünanlage getreten, durch die ein Fuß- und Radweg führt, während der Zirkusweg wieder seiner historischen Trasse von Nordosten nach Südwesten folgt, die beiderseits von dreieckigen Baublöcken eingerahmt wird. Dieser "neue" alte Verlauf entspricht – ebenso wie bei der benachbarten Taubenstraße – dem Block- und Straßenraster vor Errichtung der, durch einen Zaun vom Stadtteil abgegrenzten, weitläufigen Anlagen und Gebäude der ehemaligen "Bavaria-St. Pauli-Brauerei". Zu diesen Gebäuden zählte mit dem sog. "Astra-Turm" auch ein Bauwerk, das dem Prinzip symbolischer Architektur folgte: Die Form des Bürohauses war – mit seinen Sockelgeschossen, dem frei stehenden Treppenhaus- und Versorgungsschacht und den sich darüber erhebenden Büroetagen – einem Bierglas nachempfunden! In den Jahren 2006/07 musste es durch einen Neubau mit ähnlichen Dimensionen ersetzt werden, da das ursprüngliche Bauwerk – laut gutachterlichen Stellungnahmen – durch ein unter seinen Fundamenten verlaufendes, marodes Hauptsiel einsturzgefährdet war.

 

Zollischek-Terrasse(n)
<< auf der Karte anzeigen
"Zollischeck-Terrasse, Sternstraße 27-29, St. Pauli; Architekt: G.H.F. Zollischeck; 1867. – Die Terrassen und Wohnhöfe an der Sternstraße 7-29, wohl alle zwischen 1865 und 1867 nach Entwürfen des Baumeisters Zollischeck erbaut, sind wichtige Dokumente der Aufschließung St. Paulis nach der Aufhebung der Torsperre 1680/61. Dabei ist besonders die Zollischeck-Terrasse hervorzuheben, die trotz des eingebüßten Vorderhauses noch weitgehend den Zustand der Erbauungszeit erkennen läßt mit nach außen aufschlagende Fenstern, ehemaligen Gaslaternen und den in Dreiergruppen angeordneten Eingangstüren, wie sie ursprünglich für die Sahlhäuser der 'Gängeviertel' typisch waren (...), d.h. auch hier verfügten die beiden Erdgeschoßwohnungen noch jeweils über einen eigenen Eingang, während die mittlere Tür in die Obergeschosse führt." (siehe: Lange, 1995: S. 93/94, "C10.1")
Leider stimmt die obige Darstellung der baulichen Details inzwischen nur noch bedingt, da einer der Eigentümer – die Grundstücksverwaltung Conle – in hinreichend bekannter Gedankenlosigkeit gegenüber dem von ihr verwalteten Baudenkmal inzwischen die meisten Gaslaternen entfernt hat und einen Teil der alten, nach außen aufschlagenden Sprossenfenster durch nach innen zu öffnende Einscheibenfenster ersetzen ließ, so dass ein gestalterisch uneinheitlicher "Flickenteppich" entstanden ist. Auch der Pflicht zur baulichen Instandhaltung kommt dieser Eigentümer häufig nur recht zögerlich nach, so dass weitere Verschlechterungen der Substanz zu befürchten sind.

siehe auch: Conle-Terrasse

 

Mein Interesse an den Straßennamen in meinem Quartier - dem Karolinenviertel - und in ganz St. Pauli wurde schon zu kurz nach meiner Ankunft "im Viertel" zu Beginn der 1980er Jahre von den »sprechenden Namen«, z.B. Marktstraße oder Glashüttenstraße, geweckt. Zu dieser Zeit gab es jedoch kaum geeignete Literatur zu diesem Thema, da die Veröffentlichungen zur Bedeutung der Hamburger Straßennamen überwiegend mehrere Jahrzehnte alt waren (siehe u.a.: EStH). In den folgenden Jahren versuchten in manchen Stadtteilen die Geschichtswerkstätten und Stadtteil-Archive - u.a. das St.Pauli-Archiv - einen systematischen Überblick über die Straßennamen in ihren "Einzugsgebieten" zusammenzustellen, da ein wachsendes Interesse an solchen Informationen deutlich wurde.

Nach vielen Jahren des spürbaren Mangels haben sich die beiden Autoren Horst BECKERSHAUS und Christian HANKE endlich 1997 der Mühe unterzogen, systematische Straßenverzeichnisse der Hansestadt Hamburg mit historisch-topographischen Erläuterungen herauszubringen. Der Erfolg dieser Publikationen lässt sich unschwer daran ablesen, dass der Band von Beckershaus in wenigen Jahren bereits die 5. Auflage erreicht hat.

Diese Verzeichnisse waren für meine Recherchen von außerordentlich großem Nutzen und haben mir zahlreiche neue Informationen verschafft. Auch sie weisen - so verdienstvoll und aufschlussreich sie auch für die Gesamtstadt sind - jedoch im Detail manchen Mangel auf, da sie sich auf kurze Erläuterungen beschränken müssen.

Ausführlicher und mit umfangreichen Quellenzitaten versehen ist der kurz danach erschienene Band von Reinhold PABEL über "Alte Hamburger Straßennamen" (2001), dem ich zahlreiche zusätzliche Kenntnisse zu verdanken habe.

Daneben habe ich verschiedene Veröffentlichungen und amtliche Verzeichnisse herangezogen, die in der Literaturliste zusammengestellt sind.

Abschließend möchte ich die Schlußworte eines kleinen Bandes der "Quickborn-Bücher zur hamburgischen Kulturgeschichte" aus dem Jahr 1922 zitieren:

"Die im vorstehenden besprochenen Straßennamen haben ihre ursprüngliche Bedeutung längst verloren; sie sind zu Eigennamen geworden. Sie sind nicht als etwas Nebensächliches und Unbedeutendes zu behandeln; sie geben vielmehr an ihrem Teil dem Freunde der vaterstädtischen Geschichte und Heimatkunde nicht zu unterschätzende topographische und kulturgeschichtliche Hinweise auf das Werden unserer Stadt, und auf Sitten und Gebräuche in ihr in früherer Zeit. Andrerseits geben sie uns zuweilen auch schwer lösbare Rätsel auf, und es ist nicht angebracht, den einen oder anderen Straßennamen, dessen Bedeutung nicht gleich sinnfällig ist, nur nach dem äußeren Klang des Wortes erklären zu wollen. Bei der großen Verstreutheit des Materials bedarf es vieler Mühe, um das Richtige zu erforschen, und es ist nicht immer bestimmt zu sagen, ob das mit Mühe Gefundene auch wirklich vor der Kritik bestehen kann und wird."
(C.Rud.SCHNITGER: Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg. Hamburg. 1922)

Das oben gesagte, wenn auch ohne den patriotischen Unterton, gilt auch heute noch. Darum würde ich mich sehr über Hinweise und Korrekturen zu den nachfolgenden Informationen und Geschichten über die Straßen St. Paulis freuen.

Kontakt:
Ingolf.Goritz@web.de

Hamburg-St. Pauli, im Sommer 2005

 

[1] siehe: Horst Beckershaus, Die Hamburger Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. (Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997)

[2] siehe: Christian Hanke, Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte. (Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997)

[3] siehe: [Joachim, E.:] Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg. Sonderdruck aus dem 5. Sonderheft der Statistischen Mitteilungen über den hamburgischen Staat: Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebietes nach dem Stande von Anfang Oktober 1925. Hamburg, 1925 (Druck von Lütcke & Wullff).
(Erstmalig: "Erklärung der Straßennamen der Stadt Hamburg." = Statistische Mitteilungen über den Hamburgischen Staat. Teil II, S. 51-84. Hamburg, 1925.)

[4] siehe: Reinhold Pabel, Alte Hamburger Straßennamen. (Bremen: Edition Temmen, 2001)

 

Lutz Achilles; Niels Focken; Martin Heimann et al.: "Öffentlicher Nahverkehr im Stadtteil St. Pauli einst und jetzt." (Hamburg, 1995)

Georg Nikolaus Bärmann: "Hamburgische Denkwürdigkeiten. Ein topographisch-politisch-historisches Handbuch für Einheimische und Fremde." (Hamburg, 1. Aufl./1794; 2., völlig neu bearb. Aufl. in 2 Teilen, 1817/20)

Rita Bake: "Wer steckt dahinter? Nach Frauen benannte Straßen, Plätze und Brücken in Hamburg." Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung (Hamburg, 3. Aufl./2003, 4. akt. u. erw. Aufl./2005)

Maria Dorothea Beck: "Vom Schulterblatt zum Pilatuspool. Zur Deutung und Bedeutung Hamburger Straßennamen." In: Neues Hamburg, VIII (1953), S. 72-74; 109-112.

Otto Behrend: "Einiges über Hamburgs alte Straßennamen." In: Niedersachsen, 7 (1901-02), S. 204-205.

Eduard Beurmann: "Skizzen aus den Hanse-Städten" (Hanau, 1836)

B. Beyland: "Hamburgische Straßennamen der Alt- und Neustadt." (Hamburg, 1925)

Klaus Bocklitz: "Die letzten Erweiterungen der hamburgischen Befestigungsanlage, 1679 und 1682." In: Volker Schmidtchen (Hrsg.): Sicherheit und Bedrohung – Schutz und Enge. Gesellschaftliche Entwicklung von Festungsstädten: Beispiel Stade. (Beiträge zum 6. Internationalen Kolloquium zur Festungsforschung, Stade, 9.-11.Oktober 1987. Schriftenreihe Festungsforschung, Band 6.) Wesel, 1987.

C. Borchling: "Zur Schreibweise der hamburgischen Straßennamen." In: Quickborn, 20 (1926-27), S. 45-46.

Albert Borcherdt: "Das lustige alte Hamburg. Scherze, Sitten und Gebräuche unserer Väter", 2 Bände. (Hamburg, 4. Aufl./1891).

C. Boysen: "Hamburgs Schlachthof- und Viehmarktanlagen." Hrsg. im Auftrage der Schlachthof-Deputation von C. Boysen, Direktor (Hamburg, 1897).

F. G. Buek: "Hamburg und seine Umgebungen im 19. Jahrhundert. Eine Reihenfolge naturgetreuer, in Stahl gestochener Ansichten der Stadt und ihrer Umgegend." Text von F. G. Buek (Hamburg, 1844).

H. Busch: "Aus der Geschichte der ehemaligen Vorstädte und Vororte." In: Ed. Feldtmann, "Geschichte Hamburgs und Altonas" (Hamburg, 1902).

J.F. Danneill: "Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart." (Salzwedel, 1859)

Paul Dittmer: "Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg." In: Quickborn, 23 (1930), S. 107.

A. W. Dührsen: "Nobisthor und Nobiskrug." In: Hamburger Nachrichten. Belletristisch-Literarische Beilage, Nr. 49 (1907).

Jürgen Ellermeyer (Hrsg.): "Stadt und Hafen. Hamburger Beiträge zur Geschichte von Handel und Schiffahrt." Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg; 8 (Hamburg, 1988)

R. Ehrenberg: "Altona unter Schauenburgischer Herrschaft." (Altona, 1891-93)

E. Finder: "Volkstümliche Straßenbenennungen im alten Hamburg" In: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. XIV: S. 115-160.

Peter Freimark; Ina Lorenz; Günter Marwedel: "Judentore, Kuggel, Steuerkonten. Untersuchungen zur Geschichten der deutschen Juden, vornehmlich im Hamburger Raum." Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. 9. (Hamburg, 1983)

H. Funke: "Geschichte des Mietshauses in Hamburg." (Hamburg, 1974)

Cipriano Francisco Gaedechens: "Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg und ihrer nächsten Umgebungen von der Entstehung bis auf die Gegenwart." (Hamburg, 1880)

Christian Ludwig von Griesheim: "Verbesserte und vermehrte Auflage des Tractats: die Stadt Hamburg nach ihrem politischen, oeconomischen und sittlichen Zustande: nebst Nachtraegen zu diesem Tractate; und Beytraegen zu der Abhandlung, Anmerkungen und Zugaben über den Tractat die Stadt Hamburg, welche selbigen ebenfalls verbessern und gewisser machen." Hrsg. von Christian Ludwig von Griesheim, ehemaligen Fürstl. Gothaischen Ober-Amts-Hauptmann Hof- und Consistorial-Rath. (Hamburg, 1760; nach einer ersten Ausgabe, 1759)

K. Grobecker: "Denkwürdigkeiten und Merkwürdigkeiten im alten Hamburg." (Hamburg, 1991)

Elke Groenewold; Gunhild Ohl: "Von der Wohnung zur Werft: Arbeiterwohnquartier St. Pauli." (Reihe: Historische Stadtrundgänge. Hamburg, 1992)

(H. I. Gude): "Nachricht von der Stadt Hamburg." (Halle, ca. 1690)

Georg Haccius: "Weihefahrt nach dem Hamburger-Berge/ Als auf Obrigkeitlichen Befehl und Ge=heiß die auf demselben New=erbauete Kirche/ als ein Filial des Kirspels [sic!] S. Michaelis, feyerlich eingewei=het/ mit einem eigenen Pastoren versehen/ und mit dem Merck=Namen S. PAULUS benen=net wurde/ so geschehen Anno Christi 1682/ am Tage BARTHOLOMEI, war der 24 Augusti, Donnerstags nach dem 10. TRINITATIS, sambt bey=gefügtem Grundlegungs-Sermon/ Welcher 21. Wochen vorher daselbst gehalten wurde/ zum stets=wehrenden Gedächtnis/ und auf Begehren der Einge=pfarrten zum Abdruck übergeben Von GEORG. HACCIO, L. Past. bey St. Mich. in Hamburg." Gedruckt und zu kaufen bey Arnold Lichtenstein/ Buchdruckern in der Neustadt/voran aufm Millern-Steinwege. (Hamburg, [1682])

A. Hachmann: "Hamburger Straßennamen." In: Hamburger Lehrer-Zeitung, Bd. 12: S. 55 ff.

"Hamburg – Von Altona bis Zollenspieker. Das HASPA-Handbuch für alle Stadtteile der Hansestadt." Herausgegeben anlässlich des 175jährigen Bestehens der Hamburger Sparkasse. (Hamburg, 2002)

"Hamburg: 20 thematische Spaziergänge." In Zusammenarbeit mit Stattreisen Hamburg. (Hamburg, 2009)

"Hamburgs Grün zwischen Tradition und Trends. Streifzüge durch Parks und Naturlandschaften." Hrsg. v.d. Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der FHH, Amt für Natur & Stadtgrün (Hamburg, 2007).

"Hamburgs Straßenführer" – mit den neuen und alten Straßennamen, neuen Plänen, mit Verkehrsmitteln, Behörden, Postämtern, Polizei etc. (Hamburg, Januar 1939)

Jörg Haspel: "Hamburger Hinterhäuser: Terrassen - Passagen - Wohnhöfe." (Hamburg, 1987)

Jörg Haspel: "Arbeiterquartier Wohlwillstraße." (Hamburg, 1990)

J. Heckscher: "Das Panorama einer Reise von Hamburg nach Altona und zurück" von Peter Suhr in Hamburg, erklärt von J. Heckscher. (Berlin, 1909)

Dr. Heinsohn: "Neue Straßenverzeichnisse in Hamburg und Berlin: 1. Das neue Straßenverzeichnis der Hansestadt Hamburg." In: Hamburg in Zahlen. Hrsg. vom Statistischen Landesamt der Hansestadt Hamburg, Jahrg. 1948, Nr. 11 (23.09.1948): S. 3-5.

Jonas Ludwig von Heß: "Hamburg topographisch, historisch und politisch beschrieben", 3 Teile (1. Aufl.: Hamburg, 1787-92; 2. veränd. u. erg. Aufl.: Hamburg, 1810-11)

M. Petrus Hesselius: "Hertzfließende Betrachtungen / von dem Elbe-Strom / zur Dankbarkeit gegen Gott geschöpffet darneben allen Schiff-Leuten zu einer geistlichen Zeitvertreibung vermacht; auch Einem jeden Christen in diesem Angst-Meer zu Gute auffgesetzet von M. Petro Hesselio, Pastorn zum Pesthof." Erster Teil. Soli Deo Gloria. (Altona – gedruckt bey Victor de Lieu, in Verlegung des autoris, anno 1675.)

Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunst-Reiseführer. (Köln, 3.Aufl./ 1996)

"Illustrirtes Hand- und Nachschlagebuch für Fremde. Mit Angabe empfehlenswerther Etablissements, Ansichten von Hamburg, Fahrplänen, Kalender, Fremdenführer und Sehenswürdigkeiten." (Hamburg, 1889)

E. Joachim: "Hamburgische Straßennamen." In: "Kulturgeschichtliche Studien und Skizzen. Festschrift zur 400-Jahrfeier der Gelehrtenschule des Johanneums." (Hamburg, 1929)

"Kiek mol." Stadtrundgänge, erarbeitet und aufgeschrieben von Hamburger Geschichtswerkstätten. Hrsg. v.d. Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Referat Stadtteilkultur; verantwortl.: Wolfgang Stiller. (Hamburg, 1993)

"Kiek mol – neue und bewährte Stadtteilrundgänge," erarbeitet und aufgeschrieben von Hamburger Geschichtswerkstätten. Hrsg. v.d. Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Red. / verantwortl.: Jens Michelsen. (Hamburg, 1998)

J. Klefeker (Hrsg.): "Sammlung Hamburgischer Gesetze und Verfassungen", 12 Bände u. Register-Band. (Hamburg, 1765-74)

Franklin Kopitzsch / Daniel Tilgner (Hrsg.): "Hamburg-Lexikon". (Hamburg, 1998)

K. Koppmann: "Millernthor." In: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Jg. 2 (1880): S. 151 ff.

P. Lambeck: "Origines Hamburgenses sive rerum Hamburgensium", 2 Bände. (Hamburg, 1652-61)

Ralf Lange: "Architekturführer Hamburg" (Stuttgart, 1995).

J. M. Lappenberg: "Programm zur 3. Secularfeier der bürgerschaftlichen Verfassung Hamburgs am 20.9.1828." (Hamburg, 1828)

J. Lieboldt: "Die St. Pauli-Kirche ehemals und jetzt." In: Zeitschrift für Hamburgische Geschichte (Hamburg, 1882)

W. L. Meeder: "Geschichte von Hamburg, vom Entstehen der Stadt bis auf die neueste Zeit." Theil 1, 2. (Hamburg, 1838-39)

Wilhelm Melhop: "Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880-1895", im Anschluß an die Historische Topographie von C.F. Gaedechens, unter Benutzung älterer Quellen. (Hamburg, 1895)

O. Mensing: "Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch", 5 Bände. (Neumünster, 1927-35)

Heinrich Meyer: "Hamburg und Altona nebst Umgegend. Topographisch-statistisch-historisches Handbuch für Einheimische und Fremde." (Hamburg und Itzehoe, 1836)

Dirk Meyhöfer: "Hamburg. Der Architekturführer." (Berlin, 2007)

F.H. Neddermeyer: "Erklärung der Hamburger Straßennamen vor 1842." In: Neue Hamburger Blätter, Jg. V (1845)

F.H. Neddermeyer: "Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg." (Hamburg, 1832)

F.H. Neddermeyer: "Zur Statistik und Topographie der Freien- und Hansestadt Hamburg." (Hamburg, 1847)

Margit Nehls: "Geschichtliches über Hamburgs Straßen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts." (= Hamburgensien, Bd. 25; 1988)

"Neuer Fremdenführer durch Hamburg." Mit einem Plan. Hamburg, bei Deppermann & Ruschke, Rödingsmarkt, Ostseite Nr. 41. Druck von H. H. Röhrs. (Hamburg, 1843)

A. Olshausen: "Die Straßenordnung vom 10. Juli 1902 - nebst den übrigen den öffentlichen Verkehr in Hamburg regelnden Vorschriften." (Hamburg, 1903)

Reinhold Pabel: "Hamburger Kulturkarussell zwischen Barock und Aufklärung." (Hamburg, 1996)

"The Picture of Hamburg, or the Englishman's Guide; to that free, imperial city; containing every information, interesting to strangers. To which are added ... tables of the money, weights, measures and exchange tables." (Hamburg/ London; [c.] 1805)

Volker Plagemann: "»Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand.« Denkmäler in Hamburg." Hrsg. v.d. Kulturbehörde / Denkmalschutzamt. (Hamburg, 1986)

Michael Richey: "Anmerckungen über die in Halle bey Rengern herausgekommene Nachricht von der Stadt Hamburg" (von H. L. Gude). (1746, handschriftliche Abschrift in der Commerz-Bibliothek Hamburg)

Michael Richey: "Idioticon Hamburgense." (2. Aufl.; Hamburg, 1755; Repr. 1975)

Albert Samson: "Hummel, der lustige Führer durch St. Pauli." Verfaßt und herausgegeben von Albert Samson, Neuerwall 37. Druck von Adolf Selig, Hamburg 3, Alt-Steinweg 61. [o.J.]

Matthaei Schlüters ... "Historisch- und Rechts-begründeter Tractat Von denen Erben in Hamburg/ Derer Achterfolgunge und Loeskündigunge der darinn versicherten Gelder: Worinn gehandelt wird von denen Erben/ oder Unbeweglichen Gütern/ dero Zubehör/ Servituten/ Freyheit/ und Gerechtigkeiten; Insonderheit von der Brauerey-Gerechtigkeit/ und dem gantzen Brau-Wesen in Hamburg ... ; Allen Eigenern/ Advocaten/ Procuratoren ... ans Liecht gegeben." (Hamburg: Gedruckt bey Conrad Neumann/ Eines Edlen/ und Hochweisen Rahts Buchdrucker/ Anno 1698.)

C.R. Schnitger: "Hamburgische Straßennamen." In: Hamburger Schulzeitung, Jg. 5-9 (1897-1901).

Helga Schmal / Tobias Selke: Bunker. Luftschutz und Luftschutzbauten in Hamburg. Unter Mitarb. von Henning Angerer. Kulturbehörde der FHH, Denkmalschutzamt; Themenreihe, Band 7. (Hamburg, 2001)

C.R. Schnitger: "Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg." Geschichtlich und sprachlich erläutert von C.Rud. Schnitger (Hamburg, 1922).

Joseph Heinrich Scholz: "Hamburg und seine Umgebungen. Ein nützliches und nothwendiges Hülfs- und Handbuch für Einheimische und Fremde." Mit 3 Kupfern. (Hamburg, 1808)

Markus Schreiber / Hans Walden: "Hamburg-St. Pauli." Reihe: ZeitSprünge. (Erfurt, 2008)

J. H. Schütze: "Holsteinisches Idiotikon", 4 Bände. (Hamburg[-Altona], 1800-1806. Repr., 1976)

"Der Schulterblatt: Ein Viertel verändert sich." Hrsg. von der Projektgruppe Wohnen im Stadtteil. (Hamburg, 1982)

Herman Sieveking: "Der 'Pesthügel' im Zoologischen Garten in der Tiergartenstraße in Hamburg." In: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, 9. Jg. (1935), H. 3 (Dez.), S. 257-263.

H. Sköllin (Hrsg.): "Die Gemeinden und Straßen des hamburgischen Staatsgebiets nach dem Stande von Anfang Oktober 1925." = Statistische Mitteilungen über den hamburgischen Staat. Sonderheft 5, Teil 1: S. 1-50. (Hamburg, 1925)

Statistik des Hamburgischen Staats. Zusammengestellt vom statistischen Bureau der Deputation für directe Steuern. Heft I: Ergebnisse der Volkszählung vom 3ten December 1866. Stand der Bevölkerung. (Hamburg, 1867)

Statistik des Hamburgischen Staats. Zusammengestellt vom statistischen Bureau der Deputation für directe Steuern. Heft II: Ergebnisse der Volkszählung vom 3ten December 1867. Bevölkerung- und Wohnverhältnisse. (Mit beigehefteter Karte: »Plan von Hamburg«.) Statistik der Unterrichtsanstalten von 1869. (Hamburg, 1869)

Statistisches Amt (Hrsg.): Straßen- und Ortsverzeichnis. Einteilung des hamburgischen Staatsgebietes für verschiedene Verwaltungszwecke. (Hamburg, 1914 ff.) )

Statistisches Bureau der Steuer-Deputation: Die Stadt Hamburg, die Vororte, Gemeinden, Ortschaften und selbständig benannten Gebietstheile des Hamburgischen Staats. Topographisch und historisch dargestellt vom Statistischen Bureau der Steuer-Deputation. (Hamburg, 1875)

Statistisches Handbuch des Hamburgischen Staates: (1) Statistisches Handbuch für den Hamburgischen Staat; 1. Ausgabe. Hamburg: Meissner, 1874. (2) Statistisches Handbuch für den Hamburgischen Staat; 2. Ausgabe. Hamburg: Meissner, 1880. (3) Statistisches Handbuch für den Hamburgischen Staat; 3. Ausgabe. Hamburg: Meissner, 1885. (4) Statistisches Handbuch für den Hamburgischen Staat; 4. Ausgabe. Hrsg. Von dem Statistischen Bureau der Steuer-Deputation. Hamburg: Meissner, 1891.

Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: "Straßen- und Gebietsverzeichnis der Freien und Hansestadt Hamburg 2008" (Stand: 23. Mai 2008). (Hamburg, 2008)

M.G. Steltzner, "Versuch einer zuverläßigen Nachricht von dem kirchlichen und politischen Zustand der Stadt Hamburg zu den älteren Zeiten, nehmlich von Carolo Magno biß auf die Zeit Friedrichs III."; 6 Bände. (Hamburg, 1731-39)

E. Tiling: "Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörterbuchs", 5 Bände. (Bremen, 1767-71; mit Nachtragsband, 1869)

"Verzeichnis der erkannten Denkmäler nach §7a Hamburgisches Denkmalschutzgesetz vom 3. Dezember 1973 (HmbGVBl. S. 466), zuletzt geändert am 4. April 2006 (HmbGVBl. S. 143)", Stand: 25. Juni 2007. (Hamburg, 2007)

"Verzeichnis der im Gesamtgebiet der Hansestadt Hamburg vorhanden Straßen nach dem Stande vom 1. Juli 1938." (Nur für den innerdienstlichen Gebrauch des Statistischen Amts.) Mit Verzeichnis der Stadtteile, Gemeinden und Gemeindeteile zur Zeit der Schaffung der Einheitsgemeinde (Hamburg, [ca.] 1938).

Voigt, J.[ohann] W.[ilhelm]: "Zum zweihundert-jährigen Jubileum der Hamburgischen Vorstadt St. Pauli." In: Hamburger Bürgerzeitung, Nr. 27 (26. März), Nr. 40 (2. April), Nr. 43 (9. April), 1882.

"Wegweiser durch Hamburg. Oder Nachweisung aller Gassen, Märkte, Plätze, Kirchen, Stadtgebäude etc. und anderer Merkwürdigkeiten in Hamburg, wie solche nach dem besonders dazu eingerichteten Grundrisse dieser Stadt bequem aufzusuchen sind. Ein Anhang zu den Hamburgischen Denkwürdigkeiten." (Hamburg, 3. berichtigte Aufl./1803)

E.[rnst] H.[einrich] Wichmann: "Der Hamburger Berg, historisch-topographisch dargestellt." (Hamburg, 1879)

Würzer, Heinrich: "Charakteristisch-topographische Fragmente über die Stadt Altona und deren Straßen und Pläzze von einem Reisenden." Mit einem Nachwort von Hans-Werner Engels. (Hamburg, 1996)

Würzer, Heinrich: "Ein Spazziergänger in Altona." Mit einem Nachwort; hrsg. von Hans-Werner Engels. (Hamburg, 1997)

Christian Ziegra: "Sammlung von Urkunden, theol. jurist. Decreten etc. als eine Grundlage zur Hamburger Kirchenhistorie neuerer Zeiten", 4 Bände. (Hamburg, 1764-70)

Christian Ziegra: "Beyträge zur politischen hamburgischen Historie." (Hamburg, 1766)